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Notenschlüssel
Die heute gebräuchlichen Schlüssel und ihre Anwendung · Violinschlüssel (G-Schlüssel) · C-Schlüssel · Bassschlüssel (F-Schlüssel).
Inhalt6 Abschnitte
Grundprinzip
Ein Notenschlüssel legt in der Musiknotation fest, welche Tonhöhe die fünf Linien eines Notensystems bedeuten. Dazu markiert jeder Schlüssel einen Referenzton; aus dessen Position ergeben sich alle anderen Töne. Erst durch den Schlüssel ist also eindeutig erkennbar, welche Tonhöhe eine Note auf einer bestimmten Linie oder in einem Zwischenraum hat.
Verschiedene Schlüssel sind für verschiedene Tonlagen geeignet. Deshalb haben Instrumente und Singstimmen je nach Lage typische Schlüssel. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden im Wesentlichen noch fünf Schlüssel verwendet, beziehungsweise vier, wenn man den oktavierten Violinschlüssel nicht mitzählt.
Heute gebräuchliche Schlüssel
Der Violinschlüssel ist ein G-Schlüssel. Er legt das g¹ auf die zweite Linie von unten. Er wird für hohe Gesangsstimmen, Violine, hohe Blasinstrumente wie Flöte, Klarinette, Oboe und Trompete sowie oft für die rechte Hand bei Tasteninstrumenten verwendet. Auch hohe Lagen tiefer Instrumente wie Bratsche oder Cello können im Violinschlüssel notiert werden. Bei manchen tiefen Blasinstrumenten wird er transponierend eingesetzt, etwa bei Saxophonen, Klarinetten und Tenorhorn. In der Schweizer Notation für Posaunenchöre und Blasmusik wird der Violinschlüssel einheitlich in B♭ transponierend für alle Instrumente verwendet.
Der C-Schlüssel legt das c¹ fest. Als Altschlüssel liegt c¹ auf der dritten Linie; er heißt auch Bratschenschlüssel und wird unter anderem für Bratsche, Altgambe und Altposaune genutzt. Als Tenorschlüssel liegt c¹ auf der vierten Linie; er dient für höhere Passagen tiefer Streich- und Blasinstrumente, zum Beispiel Tenorposaune, Violoncello und Fagott.
Der Bassschlüssel ist ein F-Schlüssel. Er legt das f⁰ auf die vierte Linie von unten, also auf die Linie zwischen den beiden Punkten. Er wird für tiefe Männer- und Frauenstimmen, Violoncello, Kontrabass, tiefe Bläser wie Fagott, Posaune, Tuba, Baritonhorn und Euphonium, E-Bass, Pauken sowie meist für die linke Hand bei Tasteninstrumenten verwendet. Bei der Orgel wird auch das Pedal im Bassschlüssel notiert.
Zusammenhang der Tonräume
Bass- und Violinschlüssel ergänzen sich in der Notation nach oben und unten. Man kann sie sich als Aufteilung eines Systems aus elf Notenlinien vorstellen: Die fünf oberen Linien bilden das System für den Violinschlüssel, die fünf unteren Linien das System für den Bassschlüssel.
Zwischen beiden Fünfliniensystemen liegt eine gemeinsame Position: Dort befindet sich das c¹. Im Violinschlüssel erscheint es als erste tiefe Hilfslinie, im Bassschlüssel als erste hohe Hilfslinie. Eine Hilfslinie ist eine kurze Zusatzlinie, die benutzt wird, wenn ein Ton außerhalb der fünf normalen Linien liegt.
Historische Entwicklung
Um 1025 erfand Guido von Arezzo ein Liniensystem zur Notation von Musik. Zur Kennzeichnung von Halbtonschritten verwendete er ein C oder ein F und markierte damit meist eine farbige Linie, unter der sich der Halbtonschritt befand. In der Quadratnotation konnten diese Schlüssel später je nach Melodieverlauf auf eine der vier Notenlinien gesetzt werden, um Hilfslinien zu vermeiden.
Aus diesen Zeichen entwickelten sich verschiedene C-Schlüssel, die später nach Gesangsstimmen benannt wurden, etwa Sopran-, Mezzosopran-, Alt-, Tenor- und Baritonschlüssel. Der F-Schlüssel entstand fast gleichzeitig für tiefere Stimmen; seine Form geht auf den Großbuchstaben F zurück. Das angezeigte f⁰ liegt zwischen zwei Punkten, die aus früheren Querstrichen hervorgegangen sind.
Um 1200 entstand der G-Schlüssel für höhere Lagen, besonders mit der zunehmenden Notation von Instrumentalmusik außerhalb des menschlichen Stimmraums. Aus ihm entwickelte sich der Violinschlüssel. Ein weiterer historischer Schlüssel war der Γ-Schlüssel für sehr tiefe Lagen; er markierte zeitweise das große G, setzte sich aber nicht dauerhaft durch. Im 19. Jahrhundert blieb bei Gesangsstimmen die Verwendung von Sopran-, Alt- und Tenorschlüssel noch bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts üblich.
Sonderformen und Oktavierung
Chiavetten sind Notenschlüssel, die auf einer anderen Linie als üblich stehen. Aus dieser Praxis entwickelten sich die verschiedenen C-Schlüssel. Auch andere Schlüssel wurden früher versetzt. In französischer Barockmusik findet man zum Beispiel den G-Schlüssel auf der untersten Linie, den französischen Violinschlüssel. Bei J. S. Bach konnten Chiavetten auch als Hilfe für Transpositionen dienen.
Heute wird zur Oktavierung meist eine kleine kursive 8 über oder unter dem Schlüssel verwendet. Eine 8 unter dem Schlüssel bedeutet, dass eine Oktave tiefer klingt oder gesungen wird; eine 8 darüber zeigt eine Oktavierung nach oben an. Der nach unten oktavierende Violinschlüssel ist besonders für Tenorstimmen üblich. Teilweise wird die 8 nicht geschrieben, weil Tenorstimmen im Violinschlüssel gewöhnlich ohnehin eine Oktave tiefer gesungen werden als notiert; Countertenor- und Altus-Stimmen sind davon ausgenommen. Eine 15 bedeutet eine Verschiebung um zwei Oktaven; eine 16 kommt selten fälschlich vor.
Andere Notationsarten
Bei Gitarren und anderen Zupfinstrumenten können statt herkömmlicher Noten Tabulaturen verwendet werden. Dann steht meist ein vertikales „TAB“ anstelle eines Schlüssels. Die Linien entsprechen den Saiten des Instruments, bei der Gitarre also sechs Linien. Zahlen auf den Linien geben an, in welchem Bund die jeweilige Saite zu greifen ist. Tabulaturen stammen aus alten Lautenwerken des Mittelalters und der Renaissance und werden auch für Mundharmonika und weitere Instrumente verwendet.
Für die diatonische Handharmonika gibt es wegen ihrer wechseltönigen Spielweise eine spezielle Notation mit eigenem Schlüssel. Schlüssel und Zeichen für Zug und Druck hängen vom Instrumententyp und vom Verlag ab.
Für Schlaginstrumente werden eigene Schlagzeugschlüssel verwendet. Sie zeigen grundsätzlich an, dass kein tonhöhenabhängiges Instrument gemeint ist und nur der Rhythmus notiert wird. Die Anzahl der Linien kann variieren; bei mehreren Linien kann eine Instrumentengruppe wie ein Drumset dargestellt werden. Es gibt unterschiedliche Konventionen dafür, welche Linie oder welcher Zwischenraum welches Instrument bezeichnet.
In Unicode sind Notenschlüssel im Unicodeblock Notenschriftzeichen codiert.