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Martin Opitz

August 1639 in Danzig) war der Begründer der Schlesischen Dichterschule, deutscher Dichter und ein bedeutender Theoretiker des Barock und des Späthumanismus.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Leben, Ausbildung und zentrale Werke
  2. 2. Poetik und Bedeutung für die deutsche Dichtung
  3. 3. Einordnung und Forschung
  4. 4. Ehrungen und Werkausgaben

Leben, Ausbildung und zentrale Werke

Martin Opitz (23. Dezember 1597 in Bunzlau – 20. August 1639 in Danzig) war ein deutscher Dichter, Begründer der Schlesischen Dichterschule und bedeutender Theoretiker des Barock und des Späthumanismus. 1628 wurde er nobilitiert und führte den Namen Opitz von Boberfeld.

Opitz besuchte ab 1605 die Lateinschule in Bunzlau, wechselte 1614 auf das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau und studierte ab 1617 am akademischen Gymnasium in Beuthen an der Oder. Nach einer Tätigkeit als Hauslehrer in Frankfurt (Oder) ging er 1619 an die Universität Heidelberg, wo er Philosophie und Jura studierte und Kontakte zu mehreren Gelehrten knüpfte. Während des Krieges arbeitete er als Hauslehrer in den Niederlanden. An der Universität Leiden freundete er sich mit Daniel Heinsius an.

1621 entstand in Jütland das später veröffentlichte Werk Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Kriegs. Danach lehrte Opitz im siebenbürgischen Weißenburg Philosophie und schöne Wissenschaften. Dort schrieb er unter anderem das Gedicht Zlatna und begann das unvollendete Werk Dacia antiqua über die Altertümer Dakiens. 1623 kehrte er nach Schlesien zurück und wurde 1624 Rat des Herzogs Georg Rudolf von Liegnitz.

Sein Hauptwerk, das Buch von der Deutschen Poeterey, erschien 1624. Darin entwickelte Opitz Regeln für eine hochdeutsche Dichtkunst, die sich an den Besonderheiten der deutschen Sprache orientieren sollte. 1625 veröffentlichte er mit den Acht Büchern Deutscher Poematum die erste von ihm selbst herausgegebene und autorisierte Sammlung seiner Gedichte. Zu seinen späteren Werken gehören die Dramen Judith und Antigone (beide 1636) sowie die 1639 gedruckte Ausgabe des Annolieds mit lateinischem Kommentar; die dazugehörige Handschrift ist verloren.

Für Heinrich Schütz verfasste Opitz das Libretto der Tragicomoedia Dafne. Die Uraufführung fand 1627 in Torgau auf Schloss Hartenfels statt. Die Musik ist verschollen. 1625 krönte Kaiser Ferdinand II. Opitz nach einem Trauergedicht auf Erzherzog Karl eigenhändig zum Poeta Laureatus. Am 14. September 1628 erhob ihn der Kaiser als Opitz von Boberfeld in den Adelsstand; Opitz benutzte diese Auszeichnung jedoch nicht.

Opitz wurde 1629 in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Dort erhielt er den Gesellschaftsnamen der Gekrönte, das Motto mit Diesem und als Emblem einen Lorbeerbaum. 1630 reiste er im Auftrag des Grafen Karl Hannibal von Dohna nach Paris und übersetzte Hugo Grotius’ Über die Wahrheit der christlichen Religion in deutsche Verse. Nach weiteren Diensten für schlesische protestantische Herzöge ließ er sich in Danzig nieder. 1636 trat er in den Dienst des polnischen Königs Władysław IV. Wasa, der ihn zum Sekretär und polnischen Hofhistoriographen ernannte. Opitz studierte dort die sarmatischen Altertümer und beschäftigte sich mit altdeutscher Poesie.

Opitz starb am 20. August 1639 im Alter von 41 Jahren an der Pest in Danzig. Er wurde in der Danziger Marienkirche beigesetzt.

Poetik und Bedeutung für die deutsche Dichtung

Opitz wollte die deutsche Dichtung auf der Grundlage des Humanismus und antiker Formen zu einer Kunst von höchstem Rang entwickeln. Seine Überlegungen zu Sprache, Stil und Verskunst gaben der deutschen Poesie eine formale Grundlage. Seine Regeln galten mehr als ein Jahrhundert lang als Richtlinie und Maßstab.

Im Zentrum stand die Forderung, das Versmaß streng zu beachten und dabei den natürlichen Wortakzent zu berücksichtigen. Opitz unterschied insbesondere zwischen Jambus und Trochäus:

  • Im Jambus folgt auf eine unbetonte eine betonte Silbe. Sein Beispiel lautet: „Erhalt vns Herr bey deinem wort.“
  • Im Trochäus folgt auf eine betonte eine unbetonte Silbe. Sein Beispiel lautet: „Mitten wir im leben sind.“

Anders als in der antiken Dichtung sollten nicht die messbare Länge der Silben, sondern Akzent und Ton bestimmen, welche Silben gehoben oder gesenkt gesprochen werden. Opitz lehnte unreine Reime, Wortverkürzungen und Zusammenziehungen sowie Fremdwörter ab. Den Knittelvers wies er zurück und empfahl stattdessen den Alexandriner.

Zu seinen ästhetischen Grundsätzen gehörte das Horaz-Prinzip: Dichtung soll, indem sie unterhält, zugleich nutzen und belehren. Opitz betonte im Buch von der Deutschen Poeterey den philosophischen Wert der Dichtung. Sie diene nicht nur der Wahrheitsfindung, sondern könne zugleich erfreuen. Daher solle Dichtung eine „lebendige Malerei“ sein. Als zentrales Thema der ernsthaften Dichtung stellte er die Gegenüberstellung von Vergänglichem und Ewigem heraus.

Opitz gab auch der Echolyrik wichtige Impulse. Sein Gedicht Echo oder Widerschall wurde zum am häufigsten rezipierten Echogedicht des Barock. Seine Regeln und seine Aufwertung der deutschen Sprache machten ihn für die Entwicklung der deutschen Barockpoesie besonders einflussreich. Später wurden seine Vorschriften allerdings als Einschränkung dichterischer Freiheit und schöpferischer Kraft kritisiert.

Einordnung und Forschung

Die germanistische Forschung bezeichnete Opitz wiederholt als Begründer der deutschen Dichtung. Sein Buch von der Deutschen Poeterey gilt als „Gründungsurkunde der modernen deutschen Literatur“. Die Schrift beruht jedoch über weite Strecken auf Texten der humanistischen Poetik, unter anderem von Julius Caesar Scaliger und Pierre de Ronsard. Opitz’ eigenständige Leistung lag nach dieser Einordnung vor allem darin, europäische Lehren über die Dichtung ins Deutsche zu übertragen und ihnen dadurch nachhaltig Wirkung zu verschaffen.

In der Nachfolge von Opitz entstanden weitere bedeutende Lehrbücher der Poesie, unter anderem von August Buchner, Georg Philipp Harsdörffer und Sigmund von Birken. Die Poeterey wurde in zahlreichen Editionen, Auflagen und Kommentaren veröffentlicht. Besonders von Zeitgenossen wurde die Bedeutung Opitz’ für die Verslehre hervorgehoben.

Eine besondere Deutung seiner Reform stammt von Nicola Kaminski. Sie versteht die Betonung des Akzentprinzips und des regelmäßigen Wechsels von Hebung und Senkung als mögliche Reaktion auf die Militärreform von Moritz von Oranien. Diese Erklärung wird als originelle Interpretation der Opitzschen Reform dargestellt.

Ehrungen und Werkausgaben

Opitz wurde durch Denkmäler, Straßennamen und eine Bibliothek geehrt. In Bunzlau wurden Büsten von Hermann Michaelis und Boguslaw Nowak aufgestellt; die neue Büste von Nowak wurde am 30. September 2012 enthüllt. Die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne trägt seinen Namen und besitzt umfangreiche Literatur über ihn. Martin-Opitz-Straßen gibt es unter anderem in Berlin-Gesundbrunnen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt (Oder), Görlitz, Hamburg, München und Soest. Auch in Bolesławiec gibt es eine Martin-Opitz-Straße und eine Büste.

Wichtige Werkausgaben sind die Gesammelten Werke, Kritische Ausgabe in fünf Bänden und acht Teilbänden, erschienen 1968–2021 bei Hiersemann in Stuttgart. Außerdem liegen unter anderem folgende Ausgaben vor:

  • Acht Bücher Deutscher Poematum, Breslau 1625.
  • Des Griechischen Tragoedienschreibers Sophoclis Antigone, Danzig 1636.
  • Die vierbändige Ausgabe Opera geistlicher und weltlicher Gedichte von Jesaias Fellgibel, Breslau 1689; die zweite, um die Deutsche Poeterey ergänzte Auflage erschien 1690.
  • Georg Witkowskis Ausgabe Teutsche Poemata von 1902, die die Ausgabe von 1624 mit Varianten späterer Drucke verbindet.
  • Erich Trunz’ dreibändige Ausgabe Geistliche und weltliche Poemata von 1975.
  • Klaus Conermanns dreibändige kritische Edition Briefwechsel und Lebenszeugnisse von 2009.
  • Die dreibändige Ausgabe Lateinische Werke von Veronika Marschall und Robert Seidel, erschienen 2009–2015.

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