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Metron
Da die Bezeichnung Metrum schon in der römischen Literatur auch unscharf für das Versmaß bzw. die konkrete metrische Form eines Verses verwendet wird …
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Begriff und Definition
Ein Metron ist in der antiken griechischen Metrik der kleinste in seiner rhythmischen Eigenart erkennbare Teil eines Verses. Für diesen Versteil ist die Bezeichnung „Metron“ genauer als „Metrum“, weil „Metrum“ bereits in der römischen Literatur auch unscharf für das gesamte Versmaß oder die konkrete metrische Form eines Verses verwendet wurde.
Nach Paul Maas ist ein Metron eine unselbständige Gruppe von Verselementen, die einer inneren Responsion unterliegt. Responsion bedeutet, dass sich die Gruppe in erkennbarer Weise wiederholt. Sie ist jedoch zu kurz, um selbständig als Vers auftreten zu können. Dadurch unterscheidet sich das Metron vom Kolon, das als selbständiger Vers auftreten kann.
Die Metren im engeren Sinn
Im strikten Sinn gibt es folgende Metren:
- jambisches Metron: ◡—◡—, Formel ja^{2}
- trochäisches Metron: —◡—◡, Formel tr^{2}
- anapästisches Metron: ◡◡—◡◡—, Formel an^{2}
- Daktylus: —◡◡, Formel da
- Spondeus: ——, Formel sp
- Kretikus: —◡—, Formel cr
- Bakcheus: ◡——, Formel ba
- Chorjambus: —◡◡—, Formel cho
- Ionicus a minore: ◡◡——, Formel io^{mi}
Mit Ausnahme des Daktylus enthält jedes dieser Metra genau zwei lange Elemente. Lange Elemente werden mit —, kurze mit ◡ bezeichnet.
Metron und Versfuß
Das Metron entspricht nicht dem antiken Begriff des pous (griechisch πούς, lateinisch pes), der ungefähr dem heutigen Begriff des Versfußes entspricht. Das Metron leitet sich aus der Praxis von Tanz und Vortrag her und wird durch seine rhythmische Wiederholung bestimmt. Der pous bei Dionysios Thrax und seinen Nachfolgern entsteht dagegen durch die kombinatorische Aneinanderreihung langer und kurzer Elemente.
Dionysios benannte sämtliche möglichen Kombinationen bis zu viergliedrigen Füßen. Deshalb enthält seine Liste auch ungewöhnliche Versfüße, die in der Dichtung kaum vorkommen, etwa den aus vier Kürzen bestehenden Prokeleusmatikos: ◡◡◡◡.
Bei den zweisilbigen Versfüßen Jambus und Trochäus sowie beim dreisilbigen Anapäst besteht ein Metron aus zwei Füßen. Diese Verbindung heißt Dipodie. Ein einzelner Jambus ist zweigliedrig und hat die Form ◡—, Formel ja. Das jambische Metron ist dagegen viergliedrig und hat die Form ◡—◡—, Formel ja^{2}. Entsprechend gilt dies auch für Trochäus und Anapäst. Bei allen anderen Metra sind Metron und Versfuß identisch.
Wenn bei Versfüßen mit Dipodie ausdrücklich zwischen Versfuß und Metron unterschieden werden soll, verwendet man Bezeichnungen wie jambisches Metron, Metron Iambikon oder kurz Iambikon; entsprechend gibt es Trochaikon, Anapaistikon und weitere Formen.
Versmaße und metrische Variationen
Versmaße, die aus der Wiederholung eines bestimmten Metrons bestehen, werden nach der Zahl ihrer Metra benannt:
- Monometer: 1 Metron
- Dimeter: 2 Metra
- Trimeter: 3 Metra
- Tetrameter: 4 Metra
- Pentameter: 5 Metra
- Hexameter: 6 Metra
Ein jambischer Trimeter besteht somit aus 3 Metra zu je zwei Füßen, insgesamt also aus 6 Füßen.
Das metrische Schema eines Versmaßes ergibt sich jedoch nicht immer einfach aus der mehrfachen Wiederholung des Fußschemas. Nach der Tradition besitzt jedes Versmaß bestimmte Erweiterungen und Einschränkungen der rhythmischen Freiheit. Der daktylische Hexameter besteht daher nicht schlicht aus sechs Daktylen mit dem Schema
—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ
sondern erlaubt Variationen und weist besonders im 5. und 6. Metrum Einschränkungen auf:
—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—◡◡ˌ—×
Diese Besonderheiten betreffen nicht nur das gesamte Versmaß, sondern auch das einzelne Metron. In der lateinischen Dichtung zeigen dies der aus sechs Jamben bestehende jambische Senar ja^{6} und der ebenfalls aus sechs Jamben bestehende jambische Trimeter ja^{t}. Der Senar hat das Schema
×—ˌ×—ˌ×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠
Der Trimeter besitzt dagegen das Schema
×—ˌ◡—.×—ˌ◡—.×—ˌ◡◠.
Das jambische Metron hat hier also die Struktur ×—ˌ◡—. Sie entsteht nicht einfach durch das Aneinanderfügen zweier Jamben mit dem Schema ×—ˌ×—.