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Verschmelzung (Grammatik)

Verschmelzungen mit a, da, di, in, und su sind verpflichtend, wohingegen die mit con und per optional sind. · Die Wörter in Klammern werden nicht mehr genutzt, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Deutsch: feste und gesprochene Formen
  3. 3. Englisch
  4. 4. Französisch und Italienisch
  5. 5. Spanisch und Portugiesisch
  6. 6. Norwegisch, Latein, Chinesisch und Japanisch

Begriff und Funktion

Verschmelzung ist die Kontraktion, also die Zusammenziehung, zweier Wörter aus verschiedenen Wortarten zu einem Schmelzwort. Im Standarddeutschen besteht ein Schmelzwort meist aus einer bestimmten Präposition und einem passenden Artikel. Häufig gesprochene Wortgruppen können sich durch die Regeln der Koartikulation, also der gegenseitigen Beeinflussung benachbarter Laute, leicht zusammenziehen.

Schmelzwörter kommen im Allgemeinen häufiger in der Umgangssprache, in der Lyrik und in möglichst kurzen Überschriften vor als in der gehobenen Standard- oder Schriftsprache. Je nach Sprache können solche Formen vorgeschrieben, freiwillig, informell, veraltet oder dialektal sein. Eine Lautauslassung mit Apostroph ist nicht grundsätzlich dasselbe wie ein Schmelzwort, kann aber damit zusammentreffen.

Deutsch: feste und gesprochene Formen

Im Standarddeutschen gibt es amtliche beziehungsweise standardsprachlich anerkannte Schmelzwörter. Sie entstehen vor allem durch die Verbindung einer Präposition mit einem Artikel:

  • zum = zu + dem/einem; verwendet mit der/das/ein im Dativ
  • zur = zu + der/einer; verwendet mit die/eine im Dativ
  • im = in + dem; verwendet mit der/das im Dativ
  • ins = in + das; verwendet mit das im Akkusativ

In der gesprochenen Sprache treten weitere Formen auf: durchs = durch + das und fürs = für + das, jeweils mit das im Akkusativ, sowie unterm = unter + dem, mit das im Dativ. Im Nord- und Mitteldeutschen kommt so'n aus so oder solch + ein vor.

Regionale Beispiele sind im Rheinischen daddet = dass + sie/es/das, hammer = haben + wir, hömma = hör + mal, schapp = ich + habe und willzte? = willst + Du. Im Kölschen finden sich lommer = lohß + mer („lasst uns“), Jommer = Jon + mer? beziehungsweise Mer + jon („Gehen wir?“ beziehungsweise „Wir gehen“), kaaischnit = kann + esch + nit („[das] kann ich nicht“) und küttä = kütt + hä/dä („kommt er“). Im Eschweiler Platt lauten Beispiele semme = sen + mie („sind wir“), hamme = han + mie („haben wir“), womme = wolle + mie („wollen wir“), wämme = wän + mie („wenn wir“) und mösseme = mösse + mie („müssen wir“). Im Bairisch-Österreichischen gibt es samma = san + mir („sind wir“), gemma = geh + mir („gehen wir“), därma = dä + mir („tun wir“) und dadma = dadn + mir („täten wir“).

Bei Lautauslassungen, die schriftlich oft durch einen Apostroph markiert werden, entstehen etwa ausm oder aus’m = aus + dem, in’m = in + einem und durch’n = durch + ein/den. Diese Formen sind als Elisionen, also als Weglassen von Lauten, von eigentlichen Schmelzwörtern zu unterscheiden.

Englisch

Das Englische besitzt zahlreiche Schmelzwörter. Meist wird ein Vokal ausgelassen und in der Schrift durch einen Apostroph ersetzt, etwa I’m = I am. Manchmal verändert sich die Form stärker, etwa won’t = will not. Solche Verschmelzungen sind besonders in der gesprochenen und informellen Schriftsprache üblich und sollten in formeller Schriftsprache vermieden werden.

Wichtige Muster sind not → -n’t, let us → let’s, I am → I’m, are → -’re, is → -’s, have → -'ve, had sowie would/should/could → -’d, will → -’ll, of → o’ und them → ’em. Bei not gibt es unregelmäßige Formen wie ain’t, don’t, won’t und shan’t. n’t kann nur an Hilfs- oder Modalverben angehängt werden, die nicht bereits verkürzt sind. o’ wird in o’clock verwendet; die vollständige Form of the clock ist heute veraltet bis unbekannt. ’em wird als informell wahrgenommen und geht ursprünglich auf hem zurück, das nicht dasselbe Wort wie them ist. ’t- für it ist veraltet.

Bei does und did erscheinen Verkürzungen vor allem informell, etwa What’s he do there every day? und Where’d she go? Für is not sind isn’t und ain’t möglich. Ain’t steht ursprünglich für am not und erst in der heutigen Sprache auch für is not; in dieser Bedeutung gilt es gemeinhin als umgangssprachlich.

Nicht standardmäßige, aber verbreitete gesprochene Formen sind wanna = want to, gonna = going to und y’all = you all. Bei der subject–auxiliary inversion, also dem Tausch des Platzes von Hilfsverb und Subjekt, wird die gesamte verkürzte Form verschoben. Aus He won’t go wird daher Won’t he go, während die unverkürzte Frage Will he not go? lautet; not steht dort hinter dem Subjekt.

Französisch und Italienisch

Im Französischen sind viele Verkürzungen zwingend. Die Bildung wird Elision genannt. Ein einsilbiges Wort, das auf ein e caduc, also ein Schwa, endet, wird mit dem folgenden Wort verbunden, wenn dieses mit einem Vokal, einem stummen h (h muet) oder y beginnt. So wird ce zu c’, que zu qu’, ne zu n’, se zu s’, je zu j’, me zu m’, te zu t’, le zu l’ und de zu d’. Die Formen bedeuten je nach Ausgangswort unter anderem „das“, „nicht“, „sich“, „ich“, „mir/mich“, „dir/dich“, „der/ihn“ und „von“. Deshalb heißt es c’est la vie, wobei c’est = ce + est, und nicht ce est. Auch la wird vor einem Vokal zu l’, etwa in l’idée; als Objektpronomen steht l’ vor einem Verb oder nach einem Imperativ und vor y oder en. Moi und toi werden nach einem Imperativ und vor y oder en zu m’ beziehungsweise t’.

Zur Vermeidung gleicher aufeinanderfolgender Laute wird si il zu s’il und si ils zu s’ils. Präpositionen verbinden sich mit bestimmten Artikeln: au = à le, aux = à les, du = de le und des = de les. Die Verkürzung cela → ça ist dagegen informell. In der gesprochenen Sprache kann je ne sais pas umgangssprachlich als chais pas ausgesprochen werden: ne fällt vollständig weg, und der Laut von je vermischt sich mit dem s von sais.

Im Italienischen verschmelzen die Präpositionen a, da, di, in und su verpflichtend mit den bestimmten Artikeln il, lo, la, l’, i, gli, gl’ und le. Beispiele sind al, allo, alla, all’, ai, agli und alle; dal, dallo, dalla, dall’, dai, dagli und dalle; del, dello, della, dell’, dei, degli und delle; nel, nello, nella, nell’, nei, negli und nelle; sowie sul, sullo, sulla, sull’, sui, sugli und sulle. Die Verbindungen mit con und per sind optional, etwa col, coi beziehungsweise pel und pei. Formen in Klammern wie collo, colla, coll’, colle, pello, pella, pell’, pelle sowie Varianten mit gl’ werden kaum noch genutzt, können aber in Ausdrücken wie colla voce vorkommen. Früher wurde gl bei Wörtern mit i verwendet; heute ist dies kaum noch gebräuchlich.

Weitere italienische Verschmelzungen sind c’è und v’è aus ci è beziehungsweise vi è („da ist“, „es gibt“), c’era aus ci era sowie dov’è aus dove è.

Spanisch und Portugiesisch

Im Spanischen sind zwei Verschmelzungen zwischen Präpositionen und Artikeln zwingend: al = a el („an dem“, „am“) und del = de el („von dem“, „vom“). Sie dürfen nicht mit a él („zu ihm“) und de él („von ihm“ beziehungsweise „sein“) verwechselt werden.

Im 17. Jahrhundert waren weitere Formen im Gebrauch, meist aus de + Personal- oder Demonstrativpronomen: destas = de estas, daquel = de aquel und dél = de él. Vor Wörtern mit a- wurde der feminine Artikel verkürzt, etwa l’alma für la alma; modern heißt es el alma, obwohl das Wort weiterhin feminin ist. Das moderne aquel ist das einzige Überbleibsel dieser Gruppe. Auch nosotros („wir“) und vosotros („ihr“) gelten als Reste alter Verschmelzungen. In alten Texten wurden unbetonte Wörter weiter verkürzt, etwa todol = todo el, ques = que es, yas = ya se und dome = de ome = de hombre. Bei con und den Pronomen mí, ti und sí entstehen conmigo = con mí („mit mir“), contigo = con ti („mit dir“) und consigo = con sí („mit ihm“).

Im Portugiesischen sind Verschmelzungen häufiger und geläufiger als im Spanischen. Präpositionen verbinden sich häufig mit Artikeln und Pronomen. De und por verschmelzen mit o und a zu do, da, pelo und pela. De verbindet sich außerdem mit ele und ela zu dele und dela („sein“, „ihr“). Auch Verbformen und Objektpronomen können verschmelzen: amar + a beziehungsweise o ergibt amá-la beziehungsweise amá-lo („sie/ihn lieben“).

Norwegisch, Latein, Chinesisch und Japanisch

In der norwegischen Schriftsprache gibt es keine Verschmelzungen und Verkürzungen. In der gesprochenen Sprache kommen sie jedoch vor und unterscheiden sich je nach Dialekt und sozialer Klasse. Beispiele sind jakke für jeg har ikke („Ich habe nicht“) und dække für det er ikke („es ist nicht“). Im Extremfall werden Konsonanten, Vokale und Leerstellen ausgelassen, sodass der Satz Det ordner seg av seg selv („Das wird sich schon finden“) in gesprochener Sprache wie dånesæsæs jæl beziehungsweise „donesäsäschäl“ klingen kann.

Im Lateinischen ist nolo („ich will nicht“) ein Beispiel für ein Schmelzwort aus non volo („ich will nicht“), wobei volo „ich will“ bedeutet.

Im klassischen Chinesisch gibt es Schmelzwörter, von denen einige im modernen Chinesisch weiterverwendet werden. Beispiele sind 諸 aus 之乎, 奈何 aus 若之何, 焉 aus 於之, 旃 aus 之焉, 爰 aus 于之, 然 aus 如之, 云 aus 曰之, 弗 aus 不之, 勿 aus 毋之, 耳 aus 而已, 盍 aus 胡不, 與 beziehungsweise 歟 und 邪 beziehungsweise 耶 aus 也乎 sowie 夫 aus 不乎. Manche Formen sind selten; 焉 wird praktisch nur als eigenständige Form verwendet. 諸 kann auch „alle, die der Klasse … angehören“ bedeuten, etwa in 諸侯 („alle Feudalherren“). 弗 und 勿 waren ursprünglich keine Schmelzwörter, wurden aber zur Zeit der Streitenden Reiche als solche neu erfunden.

Im Japanischen verkürzt die schnelle Umgangssprache unter anderem です zu ~っす (-ssu), すみません zu すいません (suimasen → suimasen in der angegebenen verkürzten Form), では zu じゃ und の zu ん. Nach Verben auf ~て werden Hilfsverben verkürzt: ~ている/~ていた/~ています zu ~てる/~てた/~てます, ~ていく/~ていった zu ~てく/~てった, ~ておく zu ~とく, ~てしまう zu ~ちゃう und ~でしまう zu ~じゃう. Ebenso werden ~ては zu ~ちゃ, ~では zu ~じゃ und ~なくては zu ~なくちゃ. Die Kürzung von ~ていく wird im freundlichen Umgangston nie verwendet, um Verwechslungen zwischen ikimasu („geh“) und kimasu („komm“) zu vermeiden. ~なければ kann bei Pflichten zu ~なきゃ werden, etwa 行かなきゃ(いけない (ikanakya (ikenai)) = „Ich muss gehen“.

Verkürzungen können neue umgangssprachliche Wörter oder Floskeln bilden: 何か nanika („etwas“) wird zu なんか nanka, じゃない („ist nicht“) zu じゃん jan und という to iu zu ~って, ~て oder ~っつー. だ und です sind ältere, vollständig integrierte Verkürzungen von である beziehungsweise でございます; in formeller Schriftsprache wird teilweise weiterhin である verwendet. Japanische Dialekte besitzen außerdem eigene Verschmelzungen, die oft nur innerhalb des jeweiligen Dialekts verstanden werden.

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