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Kölsch (Sprache)
Die Verben und Wendungen mit einem Genitivobjekt haben im Kölschen fast immer ein Dativobjekt: ... Kölsch-Deutsch Deutsch-Kölsch. Books on Demand, Norderstedt …
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Einordnung und Entwicklung
Kölsch (auch Kölnisch; IPA: [kʰœlʃ], kölsche Aussprache: [kœɫːɕ]) ist die nach Sprecherzahl größte Variante des Ripuarischen und Zentralripuarischen innerhalb des Mittelfränkischen. Es wird in Köln sowie in Varianten im Umland gesprochen; die Zahl der Sprecher wird mit 250.000 bis 750.000 angegeben. ISO-639-3-Code ist ksh, ISO-639-2 verwendet die Sammelkennung gem für „sonstige germanische Sprachen“.
Das Mittelfränkische umfasst außerdem Moselfränkisch und Luxemburgisch. Gegenüber dem Niederfränkischen wird es bei Düsseldorf durch die Benrather Linie, die maache-maake-Linie, abgegrenzt. Kölsch hat Bezüge zum Mittelhochdeutschen, Niederdeutschen, Niederländischen, Englischen und Französischen; grammatische Ähnlichkeiten bestehen unter anderem zum Englischen, Pfälzischen und Niederländischen.
Seit dem 3. Jahrhundert drangen fränkische Stämme ins Linksrheinische vor. Rheinfranken breiteten sich entlang des Rheins und in die Moselregion aus; Köln wurde ihre Residenzstadt. Die lateinsprachige Bevölkerung wurde unter fränkischer Herrschaft allmählich assimiliert, und Altfränkisch verdrängte das offizielle Latein. Bis zum 8. Jahrhundert hatte sich die zweite deutsche Lautverschiebung von Süden bis ungefähr eine Tagesreise nördlich und westlich Kölns ausgebreitet.
Eine eigene Kölner Stadtsprache ist ab dem 12. und 13. Jahrhundert belegt, literarisch ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Mit dem ausgehenden 16. Jahrhundert gab Köln die niederfränkische Schriftsprache zugunsten der neuhochdeutschen Schriftsprache auf; gesprochene und geschriebene Sprache entwickelten sich danach getrennt. Kölsch basiert auf Alt- und Mittelhochdeutsch sowie Niederfränkisch in ripuarischer Ausprägung. Es zählt zu den nördlichsten hochdeutschen Dialekten, blieb aber mit dem niederfränkischen Norden und Westen verbunden.
Gebrauch, Kultur und Varianten
Bis ins 19. Jahrhundert war Kölsch in allen Kölner Bevölkerungsschichten Umgangssprache; sogar gerichtliche Plädoyers im Dialekt sind überliefert. Danach wurde es in der Oberschicht zunehmend durch Hochdeutsch verdrängt und als „Arbeiterdialekt“ abgewertet. Nach einer kurzen Renaissance nach dem Zweiten Weltkrieg zog es sich weiter zurück. Seit den 1970er Jahren wirkten kölsche Pop- und Rock-Songs von Bands wie Bläck Fööss und BAP den Vorurteilen entgegen.
Viele Kölner beherrschen Kölsch noch, doch oft in einer zum Hochdeutschen abgeschliffenen Form. „Tiefes Kölsch“ sprechen vor allem wenige ältere Menschen. Häufig dient ein abgemilderter rheinischer Regiolekt, Familienkölsch, als Umgangssprache und wird von Außenstehenden mitunter für Kölsch gehalten. Schriftlich gibt es keine einheitlich geregelte Orthographie. Die Akademie för uns kölsche Sproch pflegt und kodifiziert Wortschatz und Grammatik und schlägt Schreibregeln vor; unterschiedliche Schreibungen wie eets/ehts/eez/ehz für [eːʦ] sind jedoch verbreitet. Am 29. September 2024 fand erstmals der „Daach der kölschen Sproch“ statt; er soll jährlich wiederholt werden.
Kölsch prägt Karneval, Theater, Inschriften, Werbung, Musik und Literatur. Das Hänneschen-Theater existiert seit 1802 und führt nur Stücke auf Kölsch auf. Neben Karnevalsbands wie Brings, Höhner, Räuber, Paveier und Kasalla ist BAP überwiegend kölschsprachig, ohne mit dem Karneval verbunden zu sein.
Stadtkölsch enthält wegen Kölns Handelsgeschichte, Eingemeindungen und Zuwanderung verschiedene nebeneinander bestehende Formen. Seine Lexik entwickelt sich zum Hochdeutschen; laut Vergleich werden bei Fritz Hönig 1877 und 1905 noch 435 Konjugationen genannt, bei Christa Bhatt und Alice Herrwegen 2005 hingegen 212. Landkölsche Dialekte des nahen Umlands durchlaufen eine ähnliche Entwicklung langsamer. Seit den 1960er Jahren tragen kölsch beeinflusste Deutsch- und Regiolektsprecher Anteile des Kölschen ins Umland und bedrängen dort Ortsdialekte.
Laute und Aussprache
Ein wichtiges Merkmal ist, dass Kölsch die neuhochdeutsche Diphthongierung der mittelhochdeutschen Langvokale ī, ū und iu [yː] meist nicht vollzogen hat oder die Diphthonge anders spricht: mittelhochdeutsch Īs entspricht Ies statt hochdeutsch Eis, hūs entspricht Huus statt Haus, und liute entspricht Lück statt Leute. Umgekehrt kommen kölsche Diphthonge vor, etwa Rauh zu hochdeutsch Ruhe, Schnei zu Schnee, Zauß zu Soße und fleute zu flöten.
Bei o, ö und e bestehen jeweils mehr Kombinationen aus Vokalöffnung und Länge als im Standarddeutschen. Beim o gibt es beispielsweise kurzes geschlossenes [o] in Botz und Fott sowie langes offenes [ɔː] in Zoot und Krom. Beim ö stehen unter anderem Bötche [øː], Wöbsche [œː], kötte [ø] und Kött [œ]. Kölsch besitzt neben zwei seltenen Sonderfällen drei Vokallängen. Im Satz „En Wesp mäht sich op der Wäch“ verdoppelt sich die Dauer des folgenden ä-Lauts jeweils ungefähr gegenüber dem vorherigen.
Das anlautende g wird als [j] gesprochen, etwa Gold [joɫt], Glöck und Groß; nach dunklen Vokalen steht meist [ɣ], etwa Mage. Auslautendes g lautet nach dunklen Vokalen [χ], nach hellen [ɕ]: Zog, Schlag, iwig. Das Kölsche hat kein pf; typisch sind Pääd für Pferd und Pief für Pfeife. Ein r vor Konsonanten fällt meist aus und verlängert den Vokal: Gaade, Kaat, gään, Doosch.
Der kölsche Ich-Laut ist nicht einfach sch, sondern eine eigene, mit ungerundeten Lippen gebildete Variante; in neueren Darstellungen wird unter anderem [ɕ] oder [ɧ] verwendet. Das dunkle l ist besonders im Auslaut auffällig, etwa in Aal. Stimmloses p, t und k werden wie im Niederländischen und in romanischen Sprachen ohne Aspiration gesprochen. Im Wort- und Satzfluss treten stimmhafte Anpassungen auf, etwa [t] zu [d], [k] zu [g] und [p] zu [b].
Artikel, Fälle und Substantive
Kölsch hat drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum, und drei Kasus. Nominativ und Akkusativ sind in allen Genera gleich. Ein eigentlicher Genitiv kommt nur in wenigen Wendungen wie Modderjoddes vor. Besitz wird meist mit vun + Dativ ausgedrückt: Dä Kopp vum Tring. Möglich ist auch Mingem Broder si Huus („Meinem Bruder sein Haus“).
Bestimmte Artikel haben eine unbetonte und eine betonte Form. Unbetont heißen sie im Nominativ der/d’r, de, et und de; betont dä, die, dat und die. Die unbetonte Form steht ohne besondere Hervorhebung, etwa „De Ääd es rund“, sowie bei Eigennamen: „Der/D’r Jupp wonnt en Kalk.“ Eigennamen stehen immer mit Artikel; weibliche Vornamen erhalten den neutralen Artikel, etwa „Et Züff“. Die betonte Form ähnelt einem Demonstrativpronomen und verweist auf etwas Bestimmtes oder Bekanntes: „Es et dat Enkelche?“ Der unbestimmte Artikel lautet im Nominativ ene, en, e und kann im Sprechen am Wortanfang verkürzt werden.
Das grammatische Geschlecht weicht teilweise vom Deutschen ab, etwa de Aap, et Backe, der Brell, de Muul und et Schlot. Der Artikel kann die Bedeutung unterscheiden: der Kall bedeutet „Gerede“, de Kall „Rinne“. Pluralformen entstehen besonders oft mit -e oder -(e)re, außerdem mit -te, -(ch/t/k)(e)r, -(e)n, -s, Umlaut oder ohne sichtbare Änderung. Verkleinerungen enden im Singular auf -che oder -je, im Plural auf -r: Wäjelche, Täßje, Füjjelcher.
Kölsch bildet außerdem viele endungslose maskuline Tätigkeitsnomen aus Verben: dä Spöl bezeichnet Spülgut oder die Aufgabe des Spülens, dä Wöhl Wühlerei oder Durcheinander, dä Klaaf eine Unterhaltung. Diese Form betrifft besonders konkrete Tätigkeiten ohne Vorsilbe.
Verben und weitere Grammatik
Viele Infinitive enden auf -e, etwa setze, andere auf -n, etwa sinn und stonn. Regelmäßige Verben mit Stamm auf -r, -l, -n oder Vokal werden beispielsweise so konjugiert: ich spille, do spills, hä/se/et spillt, mer spille, ehr spillt, se spille; der Imperativ lautet spill! beziehungsweise spillt! Bei anderen regelmäßigen Verben entfällt in der 3. Person Singular das -t, etwa „Hä käch“. Je nach Stammende gibt es weitere Anpassungen, zum Beispiel hä drängk bei -ng und hä küümp bei -m.
Das Präteritum wird mündlich außer bei Hilfsverben häufig durch das Perfekt ersetzt. Ein regelmäßiges Präteritum von spille lautet ich spillte, do spilltes, hä/se/et spillte, mer spillte, ehr spilltet, se spillte. Das Perfekt bildet Kölsch mit Partizip und han oder sin: „ich han jespilt“, „ich ben jerannt“. Das Plusquamperfekt verwendet dazu die Präteritumsformen der Hilfsverben, beispielsweise „ich hatt jespilt“ und „ich wor jerannt“.
Bei Personalformen werden weibliche Personen außerhalb der Anrede häufig mit sächlichen Formen bezeichnet: „die Kleine“ wird dat Klein; „Darf sie das?“ kann „Darf et dat?“ heißen. Gesiezt wird mit der Ihr-Form: „Wat maat Ühr/Ehr esu?“ Das besondere Reflexiv sijj hebt Tätigkeiten hervor, deren Nutzen bei der handelnden Person liegt: „Dä hat sijj e Brüdche jejesse“; bei „Et es sijj am Bedde“ ist es erforderlich.
Die Rheinische Verlaufsform mit am + Infinitiv beschreibt vorübergehende andauernde Zustände: „Hä es am Schlofe.“ Die Form deit + Infinitiv beschreibt grundsätzlicher Andauerndes: „Hä deit jään koche.“ Statt als wird wie verwendet: „Besser wie nix.“
Sprachfluss und Wortschatz
Im Sprachverlauf werden Endungen häufig getilgt: Woche wird Woch, Mädchen Mädche, Macht Maach, macht maat und Markt Maat. Wörter greifen oft wie bei der französischen Liaison ineinander; dabei können Laute stimmhaft werden, wegfallen oder hinzukommen. „Et es, wie et es“ wird etwa mit abgeschwächtem t gesprochen. Auch Formen wie lommer und sommer entsprechen loss mer und solle mer? Ein vorgeschobenes oder eingefügtes e ist möglich, etwa (e)su, (e)rop, (e)runger und Mill(e)sch; es dient dem Rhythmus, der Melodie oder dem Stil.
Betonung, Vokaldehnung und Stimmlage können Bedeutungsnuancen bis zum Gegenteil vermitteln. Die Schärfung ist eine besondere Vokalbetonung mit raschem Absinken des Stimmtons. Sie kann bedeutungsunterscheidend sein: schlääch ohne Schärfung bedeutet „schlecht“, Schläg mit Schärfung „Schläge“. Die ausgeprägte Verbindung von Wort- und Satzmelodie erzeugt den typischen „Singsang“.
Der Wortschatz enthält hoch- und niederdeutsche sowie lateinische, französische, niederländische und spanische Einflüsse. Typische Wörter sind Veedel für Stadtteil oder soziales Wohnumfeld, Panz/Pänz für Kind/Kinder, Büdche für Kiosk, Köbes für den Bierkellner im rheinischen Brauhaus und op Jöck für unterwegs oder auf Reisen. Manche Wörter besitzen laut Artikel keine passende hochdeutsche Einzelentsprechung, etwa Explezeer für Auseinandersetzung, Streit, Erklärung oder Wortgefecht sowie Knubbel für eine Verdickung, Ansammlung, Menge oder einen Stau.