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Vernichtungslager Treblinka
Das Vernichtungslager Treblinka [trɛˈblinka] (zur Unterscheidung vom Arbeitslager Treblinka I auch Treblinka II genannt) war im Zweiten Weltkrieg das …
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Kern und Einordnung
Das Vernichtungslager Treblinka, zur Unterscheidung vom Arbeitslager Treblinka I auch Treblinka II genannt, war im Zweiten Weltkrieg das zuletzt errichtete und größte nationalsozialistische Vernichtungslager der Aktion Reinhardt im Generalgouvernement des deutsch besetzten Polen. Es lag beim Dorf Treblinka in der Gemeinde Małkinia Górna in der Woiwodschaft Masowien, nordöstlich von Warschau. Zwischen dem 22. Juli 1942 und dem 21. August 1943 ermordete die SS dort im Zuge des Holocaust deutlich über 700.000 Menschen; Schätzungen reichen sogar bis über 1 Million.
Treblinka war Teil der Aktion Reinhardt, also der systematischen Ermordung aller Juden im deutsch besetzten Polen zwischen Juli 1942 und Oktober 1943. Ermordet wurden dort auch Menschen aus anderen europäischen Ländern. Die Opferzahl ist ein zentraler, aber nicht völlig einheitlich angegebener Punkt: Das sogenannte Höfle-Telegramm nennt für Treblinka bis Ende 1942 genau 713.555 ermordete Juden, also 56 % aller in diesem Jahr in den vier genannten „Reinhardt“-Vernichtungslagern ermordeten Juden. Außerdem waren unter den Opfern ungefähr 2000 Sinti und Roma. Stephan Lehnstaedt referierte 2017 neuere Forschungsergebnisse von mindestens 780.863 bis höchstens 951.800 Opfern; er selbst hält 870.000 für realistisch.
Aufbau und Geschichte des Lagers
Den Befehl zum Bau gab Heinrich Himmler am 17. April 1942 in Warschau dem SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau, Arpad Wigand. Die Bauarbeiten begannen Ende Mai 1942 mit jüdischen KZ-Häftlingen aus der Umgebung, aus Warschau und aus dem Arbeitslager Treblinka I. Bauaufsicht hatte Richard Thomalla. Ein Nebengleis verband den Bahnhof Treblinka mit dem Vernichtungslager; über dieses Gleis kamen auch Baumaterialien, teilweise aus dem Warschauer Ghetto.
Das Lager war in drei etwa gleich große Bereiche geteilt: das Wohngebiet für Wachmannschaften und Häftlingsbaracken, das Auffanglager und das Todeslager, auch „Oberes Lager“ genannt. Anfangs gab es drei Gaskammern mit 48 m² Fläche, eingerichtet nach dem Muster Sobibors von „Spezialisten“ der Aktion T4. Später ließ die SS zehn weitere Gaskammern mit insgesamt 320 m² Grundfläche errichten. Dadurch konnten Menschen aus 20 Eisenbahnwaggons gleichzeitig ermordet werden.
Zur Tarnung und Kontrolle war das Lager stark abgeschirmt. Ein Stacheldrahtzaun mit eingeflochtenen Kiefernzweigen sollte Einblicke verhindern; später kamen äußere Panzersperren mit Stacheldraht sowie etwa acht Meter hohe Wachtürme hinzu. Das Lagertor trug die Aufschrift „SS Sonderkommando Treblinka“. Im Auffanglager täuschte ein Gebäude einen Bahnhof mit dem erfundenen Namen „Obermajdan“ vor.
Am 22. Juli 1942 wurde gemeldet, dass Treblinka Deportationstransporte empfangen könne. Der erste Transport aus dem Warschauer Ghetto traf am 23. Juli ein. Die Hauptvernichtungszeiten lagen von Juli 1942 bis Januar 1943 mit Transporten aus Warschau, Radom, Lublin, Białystok und Theresienstadt, später aus Białystok sowie aus Westthrakien und Griechenland. Nach dem Aufstand vom 2. August 1943 wurden am 21. August 1943 noch Häftlinge aus zwei Zügen aus Białystok vergast. Danach wurde das Lager abgebaut, Material abtransportiert und das Gelände durch einen Bauernhof getarnt.
Der Vernichtungsprozess
Die Deportationszüge warteten zunächst am Bahnhof Treblinka, bis die Rampe im Lager frei war. Dann wurden bis zu 20 Waggons abgekoppelt und zur Rampe geschoben. SS-Männer und Trawniki-Männer, also Wachleute aus dem SS-Ausbildungslager Trawniki, zwangen die Menschen zum Aussteigen. Gleichzeitig sollte die Täuschung aufrechterhalten werden, die Angekommenen befänden sich in einem Durchgangslager. Ein Schild behauptete, Kleidung und Gepäck müssten zur Desinfektion abgegeben werden, Wertsachen würden gegen Quittung später zurückgegeben, und vor dem Weitertransport solle gebadet werden.
Menschen, die wegen Alter, Verletzungen oder Schwäche den Weg zu den Gaskammern nicht gehen konnten, wurden ausgesondert und zum sogenannten „Lazarett“ gebracht. Dort wurden sie nicht behandelt, sondern erschossen. Ab etwa Ende 1942 brannte in der Grube des „Lazaretts“ ständig ein Feuer, sodass neu hinzukommende Leichen sofort verbrannten.
Die übrigen Opfer wurden auf dem „Umschlagplatz“ nach Männern sowie Frauen und Kindern getrennt. Frauen und Kinder mussten sich in einer Baracke ausziehen, Männer meist unter freiem Himmel. Ein „Friseurkommando“ schnitt Frauen die Haare ab und sammelte sie. Danach trieben die Wachmannschaften die Opfer durch den „Schlauch“, einen schmalen, abgeschirmten Weg, zu den Gaskammern. An der „kleinen Kasse“ mussten sie Wertgegenstände und Dokumente abgeben.
In einem angebauten Raum der Gaskammern stand ein Verbrennungsmotor. Seine giftigen Abgase wurden in die Gaskammern geleitet. Nach dem Schließen der Türen wurde der Motor gestartet. Sobald keine Lebenszeichen mehr zu hören waren, wurden die nach außen führenden Türen geöffnet. Arbeitshäftlinge mussten die Leichen herausziehen; wegen der Enge waren die Körper oft zusammengepresst. Noch lebende Opfer wurden von Wachmännern erschossen. Von der Ankunft eines Zuges bis zur Tötung der neu Angekommenen vergingen im Regelfall nicht mehr als etwa 1 ½ Stunden.
Leichenbeseitigung und Spurenvernichtung
Anfangs mussten Häftlinge des „Leichenkommandos“ die Leichen aus den Gaskammern holen und zu Massengräbern bringen. Zunächst geschah das mit einer Feldbahn, später wegen häufiger Entgleisungen ohne Hilfsmittel und schließlich mit hölzernen Bahren. Unterwegs untersuchte das „Dentistenkommando“ die Münder und andere Körperöffnungen der Toten nach Goldzähnen, Kunstzähnen und versteckten Wertgegenständen. Die Zähne mussten gereinigt und der Lagerleitung übergeben werden. In den Massengräbern wurden die Leichen platzsparend abgelegt und mit Sand oder Chlorkalk bestreut.
Im Frühjahr 1942 entschied Himmler, Spuren der Morde an Juden und internierten Mitgliedern der Roten Armee durch Ausgraben und Verbrennen der Opfer zu vernichten. Diese Aktion wird „Sonderaktion 1005“ genannt. In Treblinka begann die systematische Kremierung im März 1943. Zu diesem Zeitpunkt lagen dort bereits die Leichen von über 700.000 Menschen in Massengräbern. Die Nähe zu Himmlers Besuch Ende Februar oder Anfang März 1943 legt nahe, dass er die Verbrennung persönlich anordnete. Auch der starke Verwesungsgeruch spielte eine Rolle; eine nahe stationierte Wehrmachtseinheit hatte sich Ende Oktober 1942 darüber beschwert.
Für die Verbrennung wurden Roste aus fünf oder sechs je 30 Meter langen Eisenbahnschienen auf etwa 70 cm hohen Betonsockeln genutzt. Die genaue Zahl der Roste blieb nach Kriegsende unklar. Das Landgericht Düsseldorf stellte 1965 fest, es müsse mehrere Anlagen gegeben haben; Yitzhak Arad nimmt bis zu sechs gleichzeitig an. Auf jedem Rost konnten bis zu 3000 Leichen gleichzeitig verbrannt werden, die Leichenberge waren bis zu zwei Meter hoch, die Flammen bis zu zehn Meter. Die Gesamtzahl gleichzeitig verbrennbarer Leichen könnte bei 12.000 gelegen haben.
Die vollständige Exhumierung und Kremierung der vergrabenen Opfer dauerte bis Ende Juli 1943. Die Asche wurde gesiebt, Knochenreste wurden zerstampft, und die Überreste wurden mit Sand und Abfall in geleerte Massengräber geschüttet und mit einer zwei Meter dicken Erdschicht bedeckt.
Aufstand, Überlebende und Strafverfolgung
Am 2. August 1943 kam es zu einem Aufstand von Häftlingen. Ziel war es, das Lager zu zerstören und eine Massenflucht zu ermöglichen. Etwa 200 bis 250 Häftlinge konnten kurzfristig entkommen. Rund 60 Menschen, denen Flucht und Überleben gelang, sind namentlich bekannt; viele erlebten auch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Überlebende, die die SS wieder in ihre Gewalt bekam, wurden ins Vernichtungslager Sobibor verschleppt. Nach dem Aufstand wurde Treblinka II abgerissen. Der letzte bekannte Überlebende, Samuel Willenberg, starb am 19. Februar 2016 in Tel Aviv im Alter von 93 Jahren.
Zu den bekannten Häftlingen, Opfern und Überlebenden gehörten unter anderem Abraham Bomba, Richard Glazar, Chil Rajchman, Samuel Willenberg und Jankiel Wiernik. Ein sehr bekanntes Opfer war der polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak. Auch Bruno Winawer und Artur Gold waren im Lager. Von Sigmund Freuds Schwester Rosa Graf wird vermutet, dass sie in Treblinka ermordet wurde.
Die Lagerleiter hatten zuvor leitende Funktionen in der sogenannten Aktion T4, den nationalsozialistischen Krankenmorden, ausgeübt. Erster Lagerleiter war von Mai bis September 1942 Irmfried Eberl. Ihm folgte Franz Stangl von September 1942 bis August 1943; Ernst Schemmel vertrat ihn einige Wochen. Letzter Lagerleiter wurde Kurt Franz. Eberl beging am 16. Februar 1948 in Haft Suizid. Stangl wurde 1967 an Deutschland ausgeliefert und am 22. Dezember 1970 vom Landgericht Düsseldorf wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt; er starb am 28. Juni 1971 in Haft. Kurt Franz wurde im Treblinka-Prozess am 3. September 1965 wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 300.000 Personen, Mordes in 35 Fällen an mindestens 139 Personen und versuchten Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Karl Wolff wurde 1964 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt.
Arbeitslager und Gedenken
Zwei Kilometer südlich des Vernichtungslagers lag das Arbeitslager Treblinka, auch Treblinka I genannt. Es bestand von Herbst 1941 bis Juli 1944. Dort wurden Menschen eingewiesen, die tatsächlich oder angeblich gegen Verbote oder Gebote deutscher Behörden im Generalgouvernement verstoßen hatten; außerdem wurden Juden aus Zügen ausgewählt, die im Vernichtungslager ankamen. Vorgesehen waren zwei bis sechs Monate Haft. Ständig waren etwa 1000 bis 1200 Häftlinge zur Zwangsarbeit in einer Kiesgrube und in Werkstätten eingesetzt. Von insgesamt rund 20.000 Häftlingen überlebte weniger als jeder Zweite. Am 23. Juli 1944 liquidierten Trawniki-Männer und SS-Leute das Lager wegen der näher rückenden Front; mehr als 500 jüdische Häftlinge wurden erschossen. Anfang August wurden auch die 20 polnischen Häftlinge des Aufräumungskommandos erschossen.
Die heutige Gedenkstätte erinnert an Treblinka I und Treblinka II. Weil das Vernichtungslager gründlich zurückgebaut und getarnt wurde, sind Lage und Funktion einzelner Gebäude nicht immer sicher bestimmbar; viele Monumente markieren die Orte daher symbolisch. Erste Denkmalpläne gab es bereits 1947, umgesetzt wurde schließlich ein Entwurf nach Plänen des Architekten Adam Haupt und des Bildhauers Franciszek Duszeńko. Die Anlage wurde am 10. Mai 1964 eingeweiht und gilt als einer der eindrucksvollsten Erinnerungsorte an den Holocaust.
Zum Gelände gehören unter anderem eine symbolische Bahnstrecke, eine Rampe, Steine mit Herkunftsländern der Deportierten, ein acht Meter hoher Steinturm an der ungefähren Stelle der Gaskammern, ein Stein mit der Inschrift „Nie wieder“ in mehreren Sprachen sowie ein Feld aus geschmolzenem Basalt als Symbol für die Leichenverbrennung. Etwa 17.000 Granitsteine symbolisieren jüdische Grabsteine; in 216 sind Namen von Herkunftsorten und Gemeinden der Opfer eingraviert. Als einzige Einzelperson wird Janusz Korczak, Henryk Goldszmit, zusammen mit den Kindern erwähnt, die er nach Treblinka begleitete. Seit Februar 2006 informiert eine Ausstellung im Verwaltungsgebäude über die Geschichte des Vernichtungslagers. Die Mahn- und Gedenkstätte gehört seit 1986 zum Muzeum Walki i Męczeństwa w Treblince. Etwa 60.000 Menschen besuchen Treblinka pro Jahr, etwa die Hälfte aus dem Ausland.