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Vergleich von Spanisch und Portugiesisch
Obwohl Portugiesisch und Spanisch eng verwandt sind – bis zu einem gewissen Grad gegenseitiger Verständlichkeit –, gibt es auch entscheidende Unterschiede, …
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Grundidee und Verständlichkeit
Spanisch und Portugiesisch sind eng verwandte westiberische Sprachen. Sie sind bis zu einem gewissen Grad gegenseitig verständlich, gehören aber zusammen mit weiteren Sprachen oder Dialekten zu einer Gruppe, deren Mitglieder unterschiedlich gut verständlich sind. Besonders wichtig für Lernende: Die geschriebenen Sprachen sind oft deutlich leichter gegenseitig zu verstehen als die gesprochenen, weil sich die Aussprache stark unterscheidet.
Ein Vergleichssatz ist spanisch „A buen entendedor pocas palabras bastan“ und portugiesisch „Para bom entendedor, poucas palavras bastam“, deutsch etwa „Dem Weisen genügt ein Wort.“ Trotz ähnlicher Wörter weichen Lautung, einzelne Formen und Wortstellung ab. Innerhalb des Portugiesischen unterscheiden sich brasilianische und europäische Varietäten ebenfalls merklich; Vergleichbares gilt für europäisches und lateinamerikanisches Spanisch.
Der Artikel weist selbst darauf hin, dass er grundlegend überarbeitet werden müsse: Es fehle an Belegen und sprachvergleichender Literatur, und das Konzept wirke teilweise wie Original Research. Aussagen sollten daher als Überblick des Artikels, nicht als abschließend belegte Fachbeschreibung verwendet werden.
Wortschatz und typische Bedeutungsfallen
Beide Sprachen teilen sehr viele gleich oder ähnlich geschriebene Wörter. Unterschiede im Wortschatz entstanden laut Artikel unter anderem durch arabischen Einfluss im Spanischen, stärkeren französischen Einfluss auf das Portugiesische sowie amerindische, afrikanische und asiatische Einflüsse. Beispiele sind spanisch piña gegenüber portugiesisch abacaxi oder ananás für „Ananas“, té gegenüber chá für „Tee“ und pipa gegenüber cachimbo für „Tabakpfeife“.
Besonders lernrelevant sind falsche Freunde, also ähnlich aussehende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen: spanisch diseñar bedeutet „entwerfen“, portugiesisch desenhar „zeichnen“; spanisch pronto „bald“, portugiesisch pronto „fertig“; spanisch embarazada „schwanger“, portugiesisch embaraçada „verlegen, peinlich berührt“; spanisch exquisito „exquisit/elaboriert“, portugiesisch esquisito „seltsam/sonderbar“. Spanisch rojo heißt „rot“, portugiesisch roxo „lila“ und vermelho „rot“. Spanisch apenas bedeutet „kaum“, portugiesisch apenas „nur“.
Bei verwandten Wörtern bestehen auch systematische Unterschiede. Spanisch todo kann sowohl „alle/jeder“ als auch „alles“ heißen; Portugiesisch unterscheidet todo für „alle/jeder“ und tudo für „alles“: „Todos los insectos tienen seis patas“ entspricht „Todos os insetos têm seis patas“, aber „El ladrón robó todo“ entspricht „O ladrão roubou tudo“. Spanisch trennt mucho als Adjektiv („viel/viele“) und muy als Adverb („sehr“); Portugiesisch verwendet muito für beides. Als Adjektiv wird muito nach Genus und Numerus gebeugt, als Adverb bleibt es unveränderlich.
Bei Zahlen ist spanisch un der maskuline unbestimmte Artikel, während uno die Zahl „eins“ ist, etwa un capítulo, aber capítulo uno. Portugiesisch verwendet um in beiden Fällen. Portugiesisch unterscheidet dagegen bei „zwei“ dois (maskulin) und duas (feminin), Spanisch stets dos. Bei Konjunktionen wechselt Spanisch y vor einem silbenbildenden i-Laut zu e und o vor o-/ho- zu u; Portugiesisch nutzt stets e beziehungsweise ou.
Die Wochentage Montag bis Freitag werden im Portugiesischen mit feira durchgezählt: segunda-feira bis sexta-feira. Spanisch nutzt lunes, martes, miércoles, jueves und viernes. Die portugiesischen feiras sind feminin, sábado und domingo maskulin; alle spanischen Wochentage sind maskulin.
Artikel, Genus und Pronomina
Die Grammatik beider Sprachen ist insgesamt ähnlich, enthält aber wichtige Unterschiede. Spanisch hat mit el, la und lo drei bestimmte Artikel im Singular; lo ist neutral und bildet mit Adjektiven abstrakte Ausdrücke oder verstärkt deren Bedeutung. Portugiesisch hat nur o und a. Auch beim Genus gibt es Abweichungen: el viaje ist im Spanischen maskulin, a viagem im Portugiesischen feminin; el puente, el dolor und el árbol entsprechen a ponte, a dor und a árvore. Umgekehrt ist la leche feminin, portugiesisch o leite maskulin.
Portugiesisch setzt häufig einen bestimmten Artikel vor Rufnamen, etwa „A Maria saiu“, während Spanisch „María salió“ verwendet; manche brasilianische Dialekte tun dies nicht. Portugiesisch verwendet Artikel außerdem meist vor Ländernamen und häufig vor Possessiva: „Este é o meu irmão“. Spanisch hat hier „Este es mi hermano“. Der portugiesische Artikelgebrauch kann zwischen europäischem und brasilianischem Portugiesisch variieren.
Bei Possessiva haben portugiesische Possessivadjektive und -pronomina dieselbe Form und richten sich nach dem Genus des Besitzgegenstands: (a) sua casa, a sua; (o) seu livro, o seu. Spanisch verwendet bei vielen Possessiva ein kurzes Adjektiv ohne Genusunterscheidung, etwa su casa oder su libro, aber ein längeres Pronomen mit Artikel: la suya, el suyo.
Klitische Objektpronomina sind unbetonte Fürwörter am Verb. Im Portugiesischen verändern sich o/a/os/as nach der Verbendung: nach r, s oder z werden sie zu lo/la/los/las, nach nasalem Auslaut zu no/na/nos/nas, etwa mantê-lo und mantêm-no. Im gesprochenen brasilianischen Portugiesisch stehen sie oft vor dem Verb; informell können auch betonte Formen wie ele als Objekt vorkommen. Im Spanischen stehen Klitika normalerweise vor dem Verb, außer bei Imperativ, Infinitiv und Gerundium. Im europäischen Portugiesisch ist die Stellung je nach Teilsatz variabel.
Eine Besonderheit des Portugiesischen ist die Mesoklise: Im Futur oder Konditional kann ein Klitikum im Verb stehen, etwa „Trá-lo-á“ gegenüber spanisch „Lo traerá“. Dies gilt als sehr formell. Umgekehrt besitzt Spanisch die besondere Kombination se lo dio: se kann dort sowohl Reflexivpronomen als auch Ersatz für ein Dativobjekt sein. Für unbelebte Subjekte lässt Spanisch betonte Pronomen weg: „¿Dónde están las llaves? Están en la mesa.“ Portugiesisch kann sie setzen oder weglassen: „(Elas) estão na mesa.“
Die Anredeformen unterscheiden sich stark. Spanisch verwendet je nach Region tú, usted, vosotros, ustedes und teilweise vos. Portugiesisch hat tu, você und die förmlichere Anrede o senhor/a senhora; im Plural ist vós meist archaisch, während vocês üblich ist. Im gesprochenen brasilianischen Portugiesisch ersetzt você häufig tu, oft auch mit Verbformen der dritten Person. Dadurch wird seu/sua oft für die zweite Person genutzt; für die dritte Person treten Formen wie dele und dela auf.
Verben und Präpositionen
Spanisch und Portugiesisch haben die Kopulae ser und estar, also Verben für „sein“, verwenden sie aber nicht immer gleich. „Está prohibido fumar“ entspricht portugiesisch „É proibido fumar“; „La silla está hecha de madera“ entspricht „A cadeira é feita de madeira“; „Sólo uno es correcto“ dagegen „Só um está correto“. Für Lage und Entfernung stehen spanisch quedar oder estar häufig portugiesisch ficar oder ser gegenüber. Die Verben quedar(se) und ficar können außerdem „bleiben“ oder „werden“ bedeuten.
Bei „mögen“ ist die Satzstruktur verschieden. Portugiesisch „(Eu) gosto de ouvir música“ hat die Person als Subjekt und das Gemochte als Präpositionalobjekt mit de. Spanisch „Me gusta escuchar música“ behandelt die Person als Dativobjekt und das Gemochte als Subjekt. Spanisch nutzt bei Handlungen an Körperteilen häufiger reflexive Formen, etwa „Guillermo se quebró la pierna“, gegenüber portugiesisch „O Guilherme quebrou a perna“.
Das spanische Perfektsystem wird mit haber gebildet, das portugiesische meist mit ter, seltener haver. Das portugiesische Präsensperfekt bezeichnet gewöhnlich wiederholte Handlungen, die in der Vergangenheit begannen und bis in die Gegenwart reichen können: „Tenho pensado em pedi-la em casamento“ bedeutet, dass der Gedanke öfter aufkam. Für eine einzelne abgeschlossene, gegenwartsrelevante Handlung verwendet Portugiesisch oft das Präteritum, etwa „Já jantei“, wo Spanisch „Ya he cenado“ hat. Spanisch cantara kann Subjunktiv Imperfekt sein; portugiesisch cantara ist Indikativ Plusquamperfekt, während cantasse dem portugiesischen Subjunktiv Imperfekt entspricht.
Portugiesisch besitzt den personalen Infinitiv, der Personenformen haben und in Nebensätzen als Alternative zum Subjunktiv dienen kann: „A recepcionista pediu para esperarmos.“ Spanisch hat hierfür keine entsprechende Konstruktion. Der portugiesische Subjunktiv Futur ist weiterhin gebräuchlich, etwa „Se eu for eleito presidente, mudarei a lei“; Spanisch nutzt in solchen Si-Sätzen den Indikativ Präsens: „Si yo soy elegido presidente, cambiaré la ley.“
Bei Präpositionen verschmilzt Portugiesisch wesentlich mehr Formen als Spanisch: ao, do, no, pelo; à, da, na, pela sowie Formen mit Demonstrativa wie deste oder naquele. Spanisch verschmilzt vor allem a + el zu al und de + el zu del. Das spanische personale a steht vor spezifischen Personen oder Haustieren als direktem Objekt, etwa „Veo a Juan“; im Portugiesischen gibt es dies praktisch nur vor Deus. Europäisches Portugiesisch unterscheidet bei ir a und ir para tendenziell kurze von länger beabsichtigten Aufenthalten. Spanisch und brasilianisches Portugiesisch haben diese Unterscheidung nicht. Die Zukunftsumschreibung lautet spanisch ir + a + Infinitiv („Vamos a cantar“), portugiesisch ir + Infinitiv („Vamos cantar“).
Schreibung, Wortformen und Aussprache
Das heutige spanische Alphabet enthält ñ, das portugiesische nicht; beide enthalten inzwischen k und w, Portugiesisch auch y für Lehnwörter. Typische unterschiedliche Schreibungen gleicher Laute sind spanisch ll gegenüber portugiesisch lh für /ʎ/ und spanisch ñ gegenüber portugiesisch nh für /ɲ/. Im modernen Spanisch werden ll und y in den meisten Dialekten gleich ausgesprochen; diese Verschmelzung heißt Yeísmo. Portugiesisch verwendet ç vor a, o und u für stimmloses c, während Spanisch in entsprechenden Fällen z schreibt, etwa calzado gegenüber calçado.
Wortendungen helfen beim Erkennen von Kognaten: Spanisches -n entspricht oft portugiesischem -m, etwa jardín/jardim und algún/algum. Portugiesisches -m oder -n am Silben- oder Wortende zeigt dabei häufig die Nasalierung des vorherigen Vokals an. Spanisch -ción, -cción und -sión entsprechen oft portugiesisch -ção, -ção und -são oder -ssão. Weitere häufige Paare sind -dad/-tad gegenüber -dade, -ud gegenüber -ude und -ble gegenüber -vel. Portugiesisches -ão hat unterschiedliche Pluralformen: -ãos, -ães oder -ões, etwa mão/mãos, capitão/capitães und melão/melões.
Spanisch besitzt fünf phonemische Vokale. Portugiesisch hat acht bis neun Oralvokale und fünf phonemische Nasalvokale: /ɐ̃/, /ẽ/, /ĩ/, /õ/, /ũ/. Nasalierung ist im Portugiesischen bedeutungsunterscheidend, zum Beispiel pois „weil“ gegenüber pões „du stellst ab“; im Spanischen ist eine mögliche Nasalierung nicht phonemisch. Portugiesisch unterscheidet außerdem häufiger offene und geschlossene e- und o-Laute und reduziert besonders unbetonte Vokale. Daher kann gleich geschriebener Wortschatz sehr verschieden klingen: breve wird spanisch [ˈbɾe̞βe̞], portugiesisch aber [ˈbɾɛvi ~ ˈbɾɛv(ɨ)] ausgesprochen.
Früh entwickelte sich ein zentraler Unterschied bei betonten lateinischen Vokalen: Kurzes E und O diphthongierten im Spanischen in offener betonter Silbe häufig zu ie und ue, etwa PETRA → piedra und *MORIT → muere. Im Galicisch-Portugiesischen entstanden dagegen unter anderem pedra und morre. Portugiesisch vermied außerdem viele Hiatusfolgen; deshalb haben Kognaten oft eine Silbe weniger, etwa spanisch leer, reír und venir gegenüber portugiesisch ler, rir und vir.
Auch Konsonanten entwickelten sich verschieden: Lateinisches F- wurde im Spanischen oft zu stummem h-, etwa hablar und hijo, blieb im Portugiesischen aber in falar und filho erhalten. Spanisches b und v werden im Allgemeinen nicht unterschieden; portugiesisch b und v sind in den meisten Varietäten getrennte Phoneme. Bei den Zischlauten aktualisierte Spanisch die Schreibung stärker nach Lautwandel, während Portugiesisch viele ältere Schreibungen beibehielt. Spanisch j/g entspricht meist /x/, portugiesisch j/g /ʒ/; spanisches ch bleibt /tʃ/, portugiesisches ch ist /ʃ/. Darüber hinaus ist portugiesisches wortinitiales r oder rr meist ein Zäpfchenlaut, während Spanisch ein Zungenspitzen-r hat. Galicisch, A Fala, Portuñol/Portunhol, Papiamentu, Juden-Spanisch und Annobonesisch werden als verwandte oder von beiden Sprachen beeinflusste Sprachen genannt.