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Okzitanische Sprache

b: [b] · c: [k]. [s] vor „e“ und „i“. Wenn es verdoppelt wird (cc), [ts]. · ch: [tʃ] · ç: [s] · d: [d]/ [ð] · f: [f] · g: [g]/ [ɣ] vor „a“, „o“, „u“. [dʒ] vor „e“ und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Einordnung
  2. 2. Dialekte und Verbreitung
  3. 3. Sprachgeschichte
  4. 4. Politische Anerkennung und Sprecherzahlen
  5. 5. Sprachbau und Aussprache
  6. 6. Wortschatz und Beispiele

Überblick und Einordnung

Okzitanisch, auf Okzitanisch occitan oder lenga d’òc, ist eine romanische Sprache. Sie entwickelte sich wie das Französische in Gallien aus dem Vulgärlatein, also aus der gesprochenen Form des Lateins im Römischen Reich. Okzitanisch ist keine Mundart des Französischen, sondern eine eigenständige galloromanische Sprache. Es wird vor allem im südlichen Drittel Frankreichs gesprochen, außerdem in kleineren angrenzenden Gebieten in Monaco, Spanien und Italien.

Eine einheitliche Schriftsprache gibt es im Okzitanischen nicht; stattdessen besteht es aus mehreren Varietäten oder Dialekten. Als Amtssprache ist Okzitanisch nur in Spanien anerkannt: im Val d’Aran und seit 2010 auch in der ganzen autonomen Gemeinschaft Katalonien, dort in der aranesischen Variante. In Frankreich wurde Okzitanisch 1999 mit Einschränkungen als Regional- und Minderheitensprache im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt.

Historisch war Okzitanisch im Hochmittelalter eine der wichtigsten Literatursprachen Europas. Besonders die Dichtung der Troubadours machte es im 12. und 13. Jahrhundert weit über Südfrankreich hinaus bedeutend. In älteren Texten wurde die Sprache auch Provenzalisch, in der deutschen Romanistik Altprovenzalisch, oder verallgemeinernd Gaskognisch genannt; die Bezeichnung als französisches patois gilt als falsch.

Dialekte und Verbreitung

Das okzitanische Sprachgebiet ist in mehrere große Dialektgruppen gegliedert. Zum Nordokzitanischen gehören Limousinisch im Limousin, Auvergnatisch in der Auvergne und Vivaro-alpinisch im südlichen Teil der französischen Alpen sowie im Piemont. Zum Südokzitanischen gehören Languedokisch im Languedoc und Provenzalisch in der Provence. Beim Provenzalischen nennt der Artikel unter anderem die Unterdialekte Provençau Maritim von Marseille bis Antibes, Rodanenc am und im Rhônetal sowie Nissart um Nizza.

Eine weitere wichtige Varietät ist das Gaskognische in der Gascogne. Dazu gehört auch das Aranesische im Val d’Aran. Wegen seines deutlichen Abstands zu anderen okzitanischen Dialekten wurde das Gaskognische schon im Mittelalter gelegentlich als eigene Sprache angesehen.

Heute ist Okzitanisch in Frankreich in etwa 33 Departements verbreitet. Viele Sprecherinnen und Sprecher beherrschen es als Zweitsprache neben Französisch und benutzen es vor allem privat. Der Artikel betont, dass der Anteil älterer Menschen, Männer und Landbewohner unter den Sprechenden größer ist als der Anteil jüngerer Menschen, Frauen und Stadtbewohner. Offizielle Sprecherzahlen gibt es nicht; Schätzungen gehen deutlich auseinander.

Sprachgeschichte

Okzitanisch entstand aus dem Vulgärlatein des südlichen Gallien. Im Gegensatz zu den nördlichen Varietäten, aus denen sich das Französische entwickelte, wurden die südlichen Varietäten kaum durch altfränkische Einflüsse geprägt. Sie veränderten sich lautgeschichtlich weniger schnell und blieben deshalb klanglich näher an anderen romanischen Sprachen.

Bis zum 12. Jahrhundert bildeten sich im Gebiet des heutigen Frankreich zwei Kultursprachen heraus: nördlich der Loire das Französische und weiter südlich das Okzitanische. Im 12. und 13. Jahrhundert war Okzitanisch eine wichtige Literatursprache, besonders in der Trobadordichtung. Diese Wirkung reichte über Südfrankreich hinaus nach Nordspanien, besonders Katalonien, und nach Italien.

Der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229 beendete die kulturelle Blüte Okzitaniens. Schon 1323 entstand in Toulouse mit dem Gai Saber ein bürgerlicher Dichterkreis, der die bedrohte Tradition okzitanischer Dichtung weiterführen wollte. Bis ins 16. Jahrhundert und teilweise darüber hinaus blieb Okzitanisch eine Schrift- und Literatursprache.

Mit dem Edikt von Villers-Cotterêts von 1539 begann unter König Franz I. die Vereinheitlichung von Justiz und Verwaltung. Die „französische Muttersprache“ wurde zur Urkunden- und Verwaltungssprache erhoben. Anfangs richtete sich diese Maßnahme vor allem gegen das Lateinische, langfristig aber auch gegen Okzitanisch und andere Sprachen der französischen Krone. Seit der Französischen Revolution und besonders durch die zentralistische Schulpolitik von Jules Ferry um 1880 wurde Okzitanisch weiter zurückgedrängt; diese Verdrängung wird im Artikel als Vergonha bezeichnet.

Im 19. und 20. Jahrhundert gab es Wiederbelebungsversuche. Frédéric Mistral gründete 1854 die Félibrige, um provenzalische Sprache und Literatur zu erneuern; 1904 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Seine Schreibweise, die graphie mistralienne, orientierte sich an französischen Schreibgewohnheiten. Louis Alibert entwickelte dagegen in seiner Grammatik von 1935 eine stärker am Languedokischen und an mittelalterlichen Schreibtraditionen orientierte graphie classique. Das Institut d’Estudis Occitans in Toulouse führte diese Arbeit seit 1945 fort.

Politische Anerkennung und Sprecherzahlen

Die politische Lage des Okzitanischen unterscheidet sich je nach Staat und Region. In Frankreich wird es an einigen staatlichen Schulen unterrichtet. Außerdem wird es an mehr als 30 privaten Schulen, den Calandretas, neben Französisch als Unterrichtssprache verwendet; diese Zahl bezieht sich auf den Stand 2000.

Die Angaben zu Sprecherzahlen sind unsicher und widersprüchlich. Nach Schätzungen des Europäischen Büros für Sprachminderheiten nach 1993 konnten von 12 bis 13 Millionen Einwohnern der Region 48 % Okzitanisch verstehen, 28 % sprechen, 13 % lesen, 6 % schreiben, und etwa 9 %, also ein bis zwei Millionen Menschen, verwendeten es täglich. Fabrice Bernissan kam 2012 nach einer Untersuchung im Département Hautes-Pyrénées und einer Hochrechnung auf das gesamte Sprachgebiet dagegen auf etwa 100.000 Muttersprachler in Frankreich.

Im Val d’Aran sprechen rund 65 %, also 4000 bis 5000 Menschen, Aranesisch; 90 % verstehen es. Dort ist Okzitanisch in seiner aranesischen Variante offizielle Sprache neben Katalanisch und Spanisch. In Italien wird die Zahl der Okzitanischsprechenden auf 50.000 geschätzt. In den okzitanischen Tälern des Piemonts beherrschen 49,5 % der Bevölkerung Okzitanisch.

Durch Auswanderung entstanden weitere okzitanische Sprachinseln. Genannt werden Guardia Piemontese in Kalabrien, gegründet im 16. Jahrhundert von norditalienischen Waldensern, Valdese in North Carolina aus dem 19. Jahrhundert und Pigüé in Argentinien, das seit 1884 von Zuwanderern aus dem französischen Département Aveyron besiedelt wurde. Auch in Württemberg war Okzitanisch durch Zuzug von Waldensern örtlich verbreitet, starb dort aber vermutlich spätestens um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus.

Sprachbau und Aussprache

Das Altokzitanische ist vor allem aus Urkunden und aus den Dichtungen der Troubadours bekannt. Als Dichtersprache war es eine Koine, also eine überregionale Gemeinsprache, die Dialektunterschiede weitgehend überbrückte. Eine wichtige Besonderheit war die Zweikasusflexion: Es gab einen Casus rectus, etwa für den Nominativ, und einen Casus obliquus für Akkusativ und andere Fälle. Beispielhaft nennt der Artikel cavaliers „der Ritter“ im Casus rectus Singular gegenüber cavalier „den Ritter“ im Casus obliquus. Das Altokzitanische war außerdem eine Pro-Drop-Sprache: Das Subjektpronomen musste nicht immer stehen.

Im modernen Okzitanischen gibt es keine durch Endungen bezeichneten Fälle mehr. Syntaktische Beziehungen werden wie im modernen Französischen durch Wortstellung und Präpositionen ausgedrückt. Auch das Neuokzitanische ist eine Pro-Drop-Sprache, weil die Verbendungen die Person anzeigen können. Die Negation wird mit postverbalem pas gebildet, also mit einem Negationswort nach dem Verb.

Bei den Verben unterscheidet der Artikel drei Konjugationsklassen: die erste Gruppe auf -ar, die zweite auf -ir und die dritte auf -er oder -re. Beispiele sind parlar „sprechen“, legir „lesen“ und metre „setzen, legen“. Einige Verben auf -ir bilden ihre Formen ohne das Suffix -iss-, etwa sentir „hören“ mit senti, sentes, sent, sentèm, sentètz, senton.

Die bestimmten Artikel lauten lo oder lou im maskulinen Singular, los im maskulinen Plural, la im femininen Singular und las im femininen Plural. Vor Vokal werden lo und la zu l’ verkürzt. Die unbestimmten Artikel sind un für Maskulina und una für Feminina. Substantive haben zwei grammatische Geschlechter: Maskulina enden auf Konsonant oder -e, Feminina meist auf -a, etwa lo filh „der Sohn“ und la filha „die Tochter“. Der Plural wird wie in westromanischen Sprachen meist mit -s gebildet, zum Beispiel femna, femnas „Frau, Frauen“. Bei bestimmten Endungen entstehen Pluralformen auf -es oder -ses, etwa fotograf, fotografes und crotz, croses.

Phonetisch besitzt das Neuokzitanische unter anderem Vokale wie /i/, /y/, /u/, /e/, /ɛ/, /ɔ/ und /a/; regional kommen auch /œ/ und /ə/ vor. Bei der Aussprache gilt zum Beispiel: a wird meist [a] gesprochen, unbetontes -a am Wortende [ɔ] oder [o̞]; o oder ó wird [u] oder [w] gesprochen, ò dagegen [ɔ]. Bei den Konsonanten steht c vor e und i für [s], sonst für [k]; ch wird [tʃ] gesprochen, lh [ʎ], nh [ɲ], s zwischen Vokalen [z], ss [s]. Viele Endkonsonanten haben besondere Regeln; zum Beispiel ist n am Wortende stumm, r am Wortende in den meisten Wörtern ebenfalls.

Wortschatz und Beispiele

Der Wortschatz des Okzitanischen ist zum größten Teil romanischen beziehungsweise lateinischen Ursprungs. Besonders große Ähnlichkeiten bestehen laut Artikel mit dem Katalanischen. Das zeigt sich an vielen Grundwörtern: Lateinisch clavis entspricht okzitanisch clau und katalanisch clau, deutsch „Schlüssel“. Lateinisch lingua entspricht okzitanisch lenga, katalanisch llengua und deutsch „Sprache“. Lateinisch platea ergibt okzitanisch plaça, katalanisch plaça und deutsch „Platz“.

Weitere Beispiele verdeutlichen die Nähe zu anderen romanischen Sprachen: Für „Nacht“ nennt der Artikel okzitanisch nuèch, nuèit, nuòch oder net neben katalanisch nit, spanisch noche, portugiesisch noite und italienisch notte. Für „singen“ steht okzitanisch cantar oder chantar, ähnlich katalanisch cantar, spanisch cantar und portugiesisch cantar. Für „Kirche“ erscheinen okzitanisch glèisa oder glèia, katalanisch església und spanisch iglesia.

Der Artikel enthält auch literarische Sprachbeispiele. Aus dem Altokzitanischen wird ein Text von Raimon Vidal de Besalú angeführt, der den Übergang vom April zum Mai und das Wiederkommen von Früchten, Blumen und schönem Wetter beschreibt. An diesem Beispiel erklärt der Artikel unter anderem die Zweikasusflexion, den Teilungsartikel, die Konstruktionen que … que und e … e sowie lautliche Entwicklungen wie die Erhaltung des lateinischen Diphthongs /au/ in pauc.

Für das Neuokzitanische nennt der Artikel Beispiele in zwei Schreibweisen: Frédéric Mistral schrieb 1854 in graphie mistralienne über die provenzalische Sprache; Joan Bodon schrieb 1975 in graphie classique Verse über Nacht, Regen, Frost und die Frage, wann die Morgenröte wiederkehrt.

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