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Falscher Freund
Englische falsche Freunde ; undertaker, Unternehmer, Bestatter (beachte aber: undertaking = Unternehmen) ; warehouse, Warenhaus, Lager(halle), Großmarkt ; website …
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Grundbegriff und Bedeutung
Ein falscher Freund ist ein Begriff aus der Interlinguistik. Gemeint sind zwei Wörter aus verschiedenen Sprachen, die sich äußerlich stark ähneln, aber in ihren jeweiligen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Ähnlichkeit kann schriftlich oder lautsprachlich sein. Falsche Freunde gehören zu den Übersetzungsschwierigkeiten und Interferenzfehlern, also Fehlern, die durch den Einfluss einer anderen Sprache entstehen. Sie können dazu verleiten, ein Wort falsch zu übersetzen.
Oft haben die Wörter einen gemeinsamen etymologischen oder begrifflichen Ursprung, manchmal ähneln sie sich aber auch nur zufällig. Beispiele sind das deutsche Wort Firma im Sinn von „Unternehmen“ oder „Unternehmensname“ und das italienische firma im Sinn von „Unterschrift“ sowie englisch warehouse, das wie Warenhaus klingt, aber „Lager(halle), Großmarkt“ bedeutet.
Bezeichnungen und fachliche Definition
Die häufigsten deutschen Bezeichnungen sind falscher Freund, Fauxami beziehungsweise französisch faux ami und Tautonym. Die Bezeichnung faux amis du traducteur („falsche Freunde des Übersetzers“) wurde 1928 von den französischen Sprachwissenschaftlern Maxime Koessler und Jule Derocquiny eingeführt. Die Übersetzung false friend wurde anschließend unter anderem im Englischen übernommen. Weitere Bezeichnungen sind etwa zwischensprachliche Homonyme und Paronyme, Pseudo-Analogonyme, Falsiäquivalente, Pseudointernationalismen, falsche Paare, trügerische Entsprechungen, verräterische Wörter und „schöne Treulosen“. Die Vielzahl der Begriffe hängt mit den Schwierigkeiten einer einheitlichen Definition zusammen.
Eine häufig verwendete, auf K. H. Gottlieb zurückgehende Definition beschreibt falsche Freunde als „Wörter und Wortverbindungen, zweier oder mehrerer Sprachen, die wegen der Analogie ihres Laut- und/oder Morphembestandes falsche Assoziationen hervorrufen und zu irreführender Aufnahme der fremdsprachlichen Information oder bei der Übersetzung zu mehr oder weniger bedeutenden Entstellung des Inhalts, Ungenauigkeiten in der Wiedergabe der stilistischen Färbung, falschen Wortverbindungen sowie Fehlern im Wortgebrauch führen.“
In der Sprachwissenschaft gibt es weder eine einheitliche Definition noch eine grundlegende lexikografische Theorie für Wörterbücher falscher Freunde. Für die Auswahl werden einsprachige Wörterbücher beider Sprachen und zweisprachige Übersetzungswörterbücher verwendet. Zusätzlich berücksichtigen manche Sammlungen Fehler aus dem Fremdsprachenunterricht, etwa beim Textverstehen, Sprechen, Übersetzen oder Schreiben. Je nach weiter oder enger Auffassung unterscheiden sich die erfassten Wortpaare stark.
Die weite Auffassung nimmt auch Wörter mit gleicher Wortbildungsstruktur, aber anderer Laut- und Schriftform und Bedeutung auf. Dazu gehören Scheinentlehnungen wie das deutsche Showmaster, das aus entlehnten Lexemen gebildet ist, im Englischen aber in dieser Bedeutung nicht verwendet wird. Auch ähnlich gebaute Phraseologismen und unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten von Wörtern können berücksichtigt werden: Im Deutschen heißt es „einen Nagel in die Wand schlagen“, im Englischen „hammer oder drive a nail into the wall“, nicht jedoch „beat a nail into the wall“. Eine zu weite Definition kann allerdings zu einer übergroßen Zahl beliebiger Wortpaare führen.
Die enge Auffassung beschränkt falsche Freunde auf Wörter mit gleicher oder sehr ähnlicher grafischer und/oder phonemischer Form, deren Bedeutungen verschieden sind. In der Fachliteratur wird außerdem zwischen absoluten oder totalen falschen Freunden ohne gemeinsame Bedeutungsmerkmale und partiellen falschen Freunden mit teilweise übereinstimmenden Bedeutungen unterschieden. Ein Konsens über die formale Ähnlichkeit und eindeutige Zuordnungskriterien fehlt. Deshalb reichen gängige deutsch-englische Wörterbücher je nach Zielgruppe und Auswahlkriterien von etwa 200 bis etwa 4000 Wortpaaren.
Arten und Entstehung
Normalerweise sind falsche Freunde interlingual: Sie verbinden ähnliche Wörter oder Ausdrücke aus zwei Sprachen mit unterschiedlichen Bedeutungen. Intralinguale falsche Freunde oder Paronyme treten dagegen innerhalb einer Sprache auf, zum Beispiel antiseptisch und aseptisch. Auch Scheinentsprechungen zwischen Dialekten, zwischen Dialekt und Standardsprache sowie Wörter mit diachronischer Bedeutungsveränderung werden teilweise dazugezählt.
Eine besondere Gruppe bilden Pseudoentlehnungen oder Scheinanglizismen. Sie wirken wie Fremd- oder Lehnwörter, existieren in der vermeintlichen Herkunftssprache aber nicht oder bedeuten dort etwas anderes. Das deutsche Handy bezeichnet ein Mobiltelefon, während englisch handy „praktisch“ bedeutet.
Ryszard Lipczuk unterscheidet eine enge und eine weite Auffassung. In der engen Auffassung heißen die entsprechenden Lexeme Tautonyme. Die weitere Typisierung umfasst unter anderem orthografische falsche Freunde mit gleicher Bedeutung, aber anderer Schreibweise, phonetische falsche Freunde mit Ausspracheunterschieden, grammatische falsche Freunde mit anderem Genus, morphologische falsche Freunde mit anderer Wortbildungsstruktur oder Wortart und semantische falsche Freunde, deren Entsprechung nicht in allen Kollokationen gilt. Beispiele sind spanisch el minuto und deutsch die Minute sowie deutsch der Atheist und spanisch ateo.
Weitere Typen sind Wörter mit gleicher Wortbildungsstruktur, aber anderer Form und Bedeutung, etwa deutsch überhören und englisch to overhear, ähnlich gebaute Phraseologismen wie den Kopf verlieren und polnisch tracić głowę, diachronische falsche Freunde wie List, das früher „Wissen, Fähigkeit“ und heute „Schlauheit“ bedeutete, sowie pragmatische falsche Freunde mit unterschiedlichen kommunikativen Funktionen. So kann deutsch Tschüs! nur beim Abschied verwendet werden, polnisch Cześć! dagegen bei Begrüßung und Abschied. Auch Einzelwörter, die es nur in einer der beiden Sprachen gibt, werden teilweise erfasst. Kroschewski unterschied 2000 unter anderem interlinguale, orthografische, phonologische, morphologische, semantische, partielle und absolute, pseudo-anglizistische, syntaktische, idiomatische, pragmatische, textlinguistische, intralinguale, diachronische, synchronische, registerbedingte und britisch-amerikanische falsche Freunde.
Falsche Freunde können aus einer unterschiedlichen Entwicklung verwandter Wörter entstehen, etwa durch eine Bedeutungsverschlechterung in nur einer Sprache, oder durch zufällige Ähnlichkeit. In verwandten oder historisch eng verbundenen Sprachen wie Hochdeutsch und Niederländisch beziehungsweise Deutsch und Französisch treten sie häufiger auf als zwischen nicht verwandten Sprachen wie Deutsch und Japanisch. Bedeutungen können sich überschneiden: serious bedeutet normalerweise „ernst“ oder „erheblich“, kann sich aber teilweise mit seriös im Sinn von „ernst“ decken. Auch tip bedeutet meist „Spitze“, kann aber unter anderem „Tipp“ heißen. Durch dauerhafte Fehlverwendung können falsche Übersetzungen schließlich Teil der Standardsprache werden. So wird realisieren heute neben „verwirklichen, umsetzen“ auch im Sinn von „erkennen, bemerken“ verwendet; diese Bedeutung ist inzwischen in Wörterbüchern anerkannt.
Englische und niederländische Beispiele
Bei englischen falschen Freunden führen besonders ähnliche Schreibweisen zu Fehlübersetzungen. actual bedeutet „tatsächlich, eigentlich“, nicht aktuell; art bedeutet „Kunst“, nicht Art; become bedeutet unter anderem „werden“, nicht bekommen; billion bedeutet „Milliarde“, nicht Billion; brave bedeutet „mutig, tapfer, rechtschaffen“, nicht brav; physician bedeutet „Arzt“, nicht Physiker; pregnant bedeutet „schwanger“, nicht prägnant; sensible bedeutet „vernünftig, sinnvoll, spürbar“, nicht sensibel; silicon bedeutet „Silizium“, nicht Silikon; sympathetic bedeutet „mitfühlend, verständnisvoll“, nicht sympathisch; und warehouse bedeutet „Lager(halle), Großmarkt“, nicht Warenhaus.
Weitere wichtige Fälle betreffen Alltag und Grammatik: gymnasium bedeutet „Sporthalle“, während für Gymnasium je nach Schulsystem high school, grammar school (BE) oder secondary school verwendet werden. handy heißt „praktisch“, mobile phone oder cell phone bedeutet Mobiltelefon. must not heißt „darf nicht“, während „muss nicht“ don’t have to oder need not entspricht. overhear bedeutet „mitbekommen, zufällig hören“, oversee „beaufsichtigen, betreuen, überwachen“, und first floor bezeichnet im amerikanischen Englisch das Erdgeschoss; im britischen Englisch ist es der erste Stock, das Erdgeschoss heißt ground floor. shortly bedeutet „in Kürze, demnächst, sehr bald“, also zeitlich das Gegenteil von kürzlich, wofür recently steht. Auch die Bedeutungen von gift („Geschenk, Gabe, Begabung“) und englisch Gift („Gift“ im Deutschen) unterscheiden sich deutlich.
Im Niederländischen gibt es wegen der engen Verwandtschaft mit dem Deutschen besonders viele auffällige falsche Freunde. Beispiele sind aandacht („Aufmerksamkeit, Beachtung“) gegenüber deutsch Andacht, bekwaam („fähig, geeignet“) gegenüber bequem, beleefd („höflich“) gegenüber belebt, bezig („beschäftigt“) gegenüber bissig, doof („taub“) gegenüber doof im Sinn von „dumm, stom“ und mogen („dürfen“) gegenüber mögen. Liegen heißt auf Niederländisch „lügen“, während „liegen“ liggen heißt. Meer bedeutet „See“, das deutsche Meer heißt zee. Mist bedeutet „Nebel“, während deutscher Mist mest heißt. Schoon bedeutet „sauber“, das deutsche schön heißt lekker, mooi oder fijn. Straks heißt „bald, später“, stracks dagegen „unmittelbar“. Schließlich bedeutet verzoeken „bitten“, nicht versuchen, und zuchten „seufzen“, nicht suchten.
Französische, weitere und falsche Kognaten
Französische falsche Freunde treten in mehreren Formen auf. Gleich oder fast gleich geschriebene Wörter haben oft andere Bedeutungen: clavier bedeutet „Tastatur, Keyboard“, nicht Klavier; gymnase „Turnhalle“, nicht Gymnasium; raquette „(Tennis-)Schläger“, nicht Rakete; serviette „Handtuch, Aktentasche“, nicht Serviette; und veste „Jacke, Sakko“, nicht Weste. Bei einigen deutschen Wörtern gibt es im Französischen kein ähnlich bedeutendes Wort, obwohl sie französisch wirken: Friseur heißt coiffeur oder figaro, Infanterist fantassin und Parterre au rez-de-chaussée. Gleicher Wortstamm mit anderer Endung erscheint etwa bei Chirurg – chirurgien, Zitat – citation, riskant – risqué und katastrophal – catastrophique.
Auch das grammatische Geschlecht kann abweichen, weil das Französische kein Neutrum besitzt. Es heißt etwa das Aspirin – une aspirine, das System – le système, der Mond – la lune und die Garage – le garage. Bei Verben unterscheiden sich zudem Rektion und Konstruktion: deutsch etwas ausnützen steht französisch profiter de qc., deutsch jdn. fragen französisch demander à qn., und deutsch jdm. helfen französisch aider qn. Beim Übersetzen in die Fremdsprache sind solche faux amis besonders verlockend; deshalb empfiehlt der Artikel, sie in der Richtung Deutsch → Französisch zu lernen.
Auch andere Sprachen weisen solche Fälle auf. Listopad bedeutet im Kroatischen „Oktober“, im Polnischen, Tschechischen und Slowenischen dagegen „November“, obwohl der Name in allen diesen Sprachen „Blätterfall“ bedeutet. Das Wort ja heißt in vielen slawischen Sprachen „ich“; im Slowenischen kann es umgangssprachlich wie im Deutschen Zustimmung ausdrücken, während „ich“ jaz heißt. Italienisch burro bedeutet „Butter“, spanisch und portugiesisch burro dagegen „Esel“. Italienisch caldo bedeutet „warm“. Dänisch frokost bezeichnet das kalte Mittagessen, während morgenmad „Frühstück“ heißt. Schwedisch springa und svimma bedeuten „laufen“ und „ohnmächtig werden“, nicht springen und schwimmen.
Falsche Kognaten sind im Englischen von false friends zu unterscheiden. Sie ähneln sich nicht nur in der Bedeutung, sondern scheinen auch denselben sprachgeschichtlichen Ursprung zu besitzen, obwohl dieser tatsächlich nicht vorliegt. Französisches feu und deutsches Feuer bedeuten beide „Feuer“, stammen aber von unterschiedlichen Ursprüngen ab: feu ist ein Derivat des lateinischen focus, während für Feuer ein proto-germanischer Ursprung *fōr- oder *fun- vermutet wird. Ebenso stammen deutsch haben, letztlich vom indogermanischen *keh₂p-, und lateinisch habere, vom indogermanischen *gʰeh₁bʰ-, trotz gleicher Bedeutung und ähnlicher Form nicht voneinander beziehungsweise nicht vom gleichen Ursprung ab.