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Verein Deutsche Sprache

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) ist ein deutscher eingetragener Verein mit Sitz in Dortmund, der sich als deutscher Sprachverein mit dem Ziel versteht, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ziele
  2. 2. Aufbau, Mitglieder und Finanzierung
  3. 3. Preise, Projekte und Aktionen
  4. 4. Sprachpolitische Kampagnen
  5. 5. Kritik und Einordnung

Überblick und Ziele

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) ist ein deutscher eingetragener Verein mit Sitz in Dortmund. Er versteht sich als Sprachverein und verfolgt laut Satzung das Ziel, „die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern“. Gegründet wurde er am 12. November 1997 von Walter Krämer zunächst als Verein zur Wahrung der deutschen Sprache; im April 2000 wurde er in Verein Deutsche Sprache umbenannt. Krämer ist Gründer und 1. Vorsitzender, Roland Duhamel 2. Vorsitzender, Holger Klatte Geschäftsführer. 2024 werden 36.215 Mitglieder genannt.

Im Zentrum der Arbeit steht die Kritik an „Denglisch“, also Wortmischungen aus Englisch und Deutsch. Der VDS lehnt englische Fremdwörter jedoch nicht grundsätzlich ab. In seinen Leitlinien heißt es, Deutsch sei wie viele andere europäische Sprachen eine Mischsprache und werde durch Wörter und Wendungen aus anderen Sprachen bereichert. Problematisch seien aus Sicht des Vereins vor allem Anglizismen, wenn sie deutsche Ausdrücke verdrängten oder unnötig seien. Außerdem kritisiert der VDS eine aus seiner Sicht abnehmende Bedeutung nicht-englischer Sprachen in der Europäischen Union, besonders des Deutschen als weit verbreiteter Muttersprache in der EU.

Für Wissenschaft und Bildung fordert der VDS unter anderem, Deutsch in Forschung und Lehre zu fördern, Deutsch als gleichberechtigte Konferenzsprache auf Kongressen in deutschsprachigen Ländern zu verwenden, deutschsprachige wissenschaftliche Veröffentlichungen zu stärken und eine europäische Zitationsdatenbank für solche Veröffentlichungen einzurichten. Fachunterricht an allen Schulen solle ausschließlich in Deutsch erfolgen. Der Verein wendet sich außerdem entschieden gegen gendergerechte Sprachformen, die er als ideologisch motivierten Eingriff in die Grammatik beschreibt.

Aufbau, Mitglieder und Finanzierung

Der VDS ist in Deutschland in zahlreichen selbständigen Regionalgruppen organisiert. Diese entsenden Delegierte in eine jährliche Delegiertenversammlung, die den elfköpfigen Vorstand wählt. Der Verein ist auch im Ausland auf allen Kontinenten vertreten, nicht aber in Österreich und der Schweiz, weil es dort eigene Sprachvereine gibt, mit denen der VDS zusammenarbeitet. Seit 2011 besteht eine Zweigstelle in Dänemark. Einzelne Regionalgruppen vergeben eigene Auszeichnungen, etwa die Kölner Gruppe den Lehrer-Welsch-Sprachpreis oder die Regionalgruppe Hamburg den Elbschwanenorden.

Der Verein hat seine Themenfelder über die allgemeine Sprachpflege hinaus erweitert und dafür Arbeitsgruppen eingerichtet, etwa zu Deutsch in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Ausbildung und Schule sowie zu Gegenwartsdeutsch. Seit 2023 befindet sich die Geschäftsstelle in Kamen, Ortsteil Methler, und wird als „Sprachhof“ bezeichnet.

Nach eigenen Angaben hatte der Verein im Juni 2019 etwa 36.000 Mitglieder; 2024 werden 36.215 Mitglieder genannt. Eine Analyse aus dem Jahr 2009 beschrieb die Mitgliederstruktur als überwiegend männlich, ab 45 Jahren und häufig akademisch ausgebildet, besonders in technischen, naturwissenschaftlichen und juristischen Berufen. Auch juristische Personen können Mitglied werden. Dazu gehörten unter anderem Städte wie Mühlhausen/Thüringen, Gotha, Rastatt, Landshut und Trossingen sowie die Landkreise Sömmerda und Harburg.

Der VDS finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, meist aus dem Kreis der Mitglieder, außerdem durch Erlöse aus Buchverkäufen und Ähnlichem. Öffentliche Fördermittel versuchte der Verein mehrfach einzuwerben, nach Darstellung des Artikels jedoch ohne Erfolg. Die Vereinszeitung Sprachnachrichten erscheint vierteljährlich; ihre Druckauflage lag laut Angabe für Ausgabe 4/2024 bei 25.000 Exemplaren, im Juni 2019 bei 30.000 und 2013 bei 45.000. Seit 2002 ist sie auch online und seit 2009 im Zeitschriftenhandel erhältlich. Ein 1999 gegründeter wissenschaftlicher Beirat unterstützt den Verein in sprachwissenschaftlichen Fragen; er wird von Roland Duhamel geleitet.

Preise, Projekte und Aktionen

Zu den bekanntesten Initiativen des VDS gehört der jährlich vergebene Negativpreis „Sprachpanscher des Jahres“. Er richtet sich an Personen oder Institutionen, die nach Ansicht des Vereins im öffentlichen Sprachgebrauch besonders viele Anglizismen oder Denglisch verwenden.

Von 2001 bis 2021 vergab der VDS zusammen mit der Eberhard-Schöck-Stiftung den „Kulturpreis Deutsche Sprache“, einen der höchstdotierten Sprachpreise im deutschsprachigen Raum. Seit 2022 ist allein die Stiftung verantwortlich. Ihr Geschäftsführer erklärte, man stimme mit dem VDS in wichtigen Punkten nicht mehr überein; die Stiftung wolle Positives auszeichnen, während der VDS besonders aktiv darin sei, aus seiner Sicht Negatives anzuprangern.

Seit 2010 vergibt der VDS die undotierte Auszeichnung „Schlagzeile des Jahres“. Bewertet werden nach Vereinsangaben, ob eine Überschrift das Wesentliche eines Beitrags knapp zusammenfasst und ob sie den wortspielerischen Reichtum der deutschen Sprache kreativ nutzt. Beispiele sind „Krieger, denk mal!“ von Die Zeit 2010, „Yes, we scan!“ von Bild 2013, „Forschung und Leere“ von der Westfälischen Rundschau 2020 und „Im Frühstau zu Berge“ von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 2025.

Das Projekt Wortpatenschaft wurde 2006 gestartet und vergibt Patenschaften für deutsche Wörter. Die Datenbank umfasste im April 2025 507.232 Wörter; 17.594 Wortpatenschaften waren vergeben. Die Beteiligten verstehen das Projekt als Sprachpflege. Kritiker sehen darin dagegen eine Spendenkampagne, die auf einer Angst vor angeblichem Sprachverfall beruhe; zudem wurde gefragt, ob ein Verein Patenschaften für Wörter anbieten dürfe, da Sprache Allgemeingut sei.

Der Anglizismen-Index erscheint seit 2002, zunächst als Anglizismen-Liste. Er ist ein alphabetisch geordnetes einsprachiges Wörterbuch englischer Lehnwörter im Deutschen. Es enthält Bewertungen wie „ergänzend“, „differenzierend“ und „verdrängend“ sowie empfohlene Ersatzwörter. Grundlage war das 1999 erschienene Wörterbuch überflüssiger Anglizismen von Reiner Pogarell und Markus Schröder. Seit 2018 vergibt der VDS außerdem einen Preis für die besten Leistungen im Deutsch-Abitur; er besteht aus einem Buchgeschenk und einer Urkunde.

Sprachpolitische Kampagnen

Der VDS beteiligt sich an mehreren sprachpolitischen Kampagnen. Seit 2001 begeht er den „Tag der deutschen Sprache“, zunächst im Rahmen des europäischen Tages der Sprachen. In Deutschland verfolgen manche Aktionen sprachpuristische Ziele, etwa die Vermeidung von Anglizismen in Zeitungen. Im Ausland steht dagegen stärker im Vordergrund, Deutsch als Minderheiten- oder Fremdsprache außerhalb der DACH-Länder sichtbar zu machen.

Mit der Initiative „Deutsch ins Grundgesetz“ fordert der Verein, die deutsche Sprache ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. 2005 startete er eine Unterschriftenaktion für die Ergänzung „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“. 2011 unternahm der VDS gemeinsam mit dem Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland und der Bild-Zeitung einen neuen Vorstoß. Dafür gingen 46.000 Unterschriften ein; eine Online-Petition beim Bundestag erhielt 5165 Online-Mitzeichner. 2018 beantragte die AfD-Bundestagsfraktion, Deutsch im Grundgesetz zu verankern; der Antrag erhielt keine Mehrheit. Der VDS bedauerte das Scheitern dieser Initiative.

Am 6. März 2019 startete der VDS den Aufruf „Schluss mit Gender-Unfug!“, entworfen vom Journalisten Wolf Schneider. Der Aufruf richtete sich gegen aus Sicht der Initiatoren zerstörerische Eingriffe in die deutsche Sprache, die mit Geschlechtergerechtigkeit begründet würden. Mitinitiatoren waren Monika Maron, Walter Krämer und Josef Kraus. Am 6. August 2023 zeigte die Vereinswebsite 94.868 Unterschriften. Befürworter wie der Linguist Josef Bayer sahen Gendersprache nicht als natürlichen Sprachwandel, sondern als von außen aufgesetzte Reform. Kritiker aus Sprachwissenschaft und Medien warfen dem Aufruf dagegen fehlende Differenzierung, eine Zuspitzung der Debatte und Nähe zu rechtspopulistischen Argumentationsmustern vor.

2021 folgte der Aufruf „Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden“. Er kritisierte, dass die Dudenredaktion mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen zusätzlich als feminine Volleinträge in die Online-Version aufnehmen und maskuline Formen als Bezeichnungen für männliche Personen kennzeichnen wollte. Der VDS sah darin eine Abschaffung des generischen Maskulinums im Online-Duden und berief sich unter anderem auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes von März 2018, wonach mit „der Kunde“ Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen seien. Die Duden-Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum wies zurück, dass der Duden die Sprache umbaue; die Redaktion bilde lediglich wandelnden Sprachgebrauch ab, und die geschlechtsübergreifende Verwendung maskuliner Formen bleibe verzeichnet.

Kritik und Einordnung

Der VDS ist umstritten. Einige Sprachwissenschaftler werfen ihm aggressiven Sprachpurismus mit nationalistischen Tendenzen vor. Sprachpurismus bedeutet hier das Bestreben, eine Sprache von als fremd oder störend empfundenen Einflüssen freizuhalten oder solche Einflüsse zurückzudrängen. Obwohl der VDS selbst nicht als sprachpuristisch gelten möchte, wird er in der Sprachwissenschaft überwiegend kritisch bewertet. Thomas Niehr meinte 2002, der Verein lasse grundlegende Erkenntnisse und Unterscheidungen der Sprachwissenschaft außer Acht. 2011 sah er besonders in den Sprachnachrichten einen „aggressiven Purismus mit nationaler Ausrichtung“. Henning Lobin beschrieb 2021, dass der Verein für die Sprachwissenschaft im Alltag eher geringe Bedeutung habe.

2016 kam es zu Protest, als der Deutsche Hochschulverband die Sprachnachrichten des VDS als Beilage verschickte. Eine Gruppe von Linguistik-Professoren kritisierte dies scharf. In einem offenen Brief bezeichneten 37 Linguisten die Haltung des Vereins als „Musterbeispiel für einen intoleranten, unaufgeklärten Sprachpurismus“ und warfen ihm Wissenschaftsfeindlichkeit sowie nationalistische Tendenzen vor.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Vorwurf der Nähe zu Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus. Walter Krämer schrieb 2016 in den Sprachnachrichten von „linksgestrickten Lügenmedien“ und einer „obrigkeitsstaatlichen Einheits-Sichtweise“. Medienjournalist Stefan Niggemeier kritisierte daraufhin nationalistische Tendenzen; Henning Lobin und Thomas Niehr bezeichneten den VDS 2016 als „Sprach-Pegida“. 2020 lehnte die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie den Elbschwanenorden des Hamburger VDS-Landesverbandes ab und verwies auf Äußerungen Krämers wie „Genderwahn“, „Lügenmedien“ und „Überfremdung der deutschen Sprache“.

2024 wurde bekannt, dass Silke Schröder, damals Vorstandsmitglied des VDS, Ende November 2023 an einem Treffen von Rechtsextremen in Potsdam teilgenommen hatte, bei dem Martin Sellner einen „Masterplan zur Remigration“ vorgestellt hatte. Der VDS distanzierte sich von ihren „privaten Tätigkeiten“. Nach weiterer Kritik und Austritten, unter anderem von Peter Sloterdijk und Matthias Brodowy, kündigte Schröder am 15. Januar 2024 ihre Vereinsmitgliedschaft und trat aus dem Vorstand zurück. Der Journalist Rainer Link stellte Ende 2024 fest, die Sprachpolitik von VDS und AfD sei „nahezu identisch“; auch der Tonfall von VDS-Statements sei erkennbar AfD-nah. Der Verein selbst betont demgegenüber, Mitglieder aus allen im Bundestag vertretenen Parteien zu begrüßen und verbinden statt spalten zu wollen.

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