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Sprachpanscher des Jahres
Mit der Preisverleihung wird vor allem die Verwendung von Anglizismen kritisiert; der Preis stehe „für das unnötige Verdrängen deutscher Begriffe durch …
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Preis und Zielsetzung
Der Sprachpanscher des Jahres ist ein Negativpreis des Vereins Deutsche Sprache (VDS). Er wird seit 1997 für „besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“ verliehen; im ersten Jahr hieß er „Sprachschuster des Jahres“.
Der VDS kritisiert damit vor allem Anglizismen, also aus dem Englischen übernommene Wörter. Nach seiner Auffassung verdrängen unnötige Importe aus dem angelsächsischen Ausland gebräuchliche deutsche Begriffe und schwächen Deutsch als Kultur- und Wissenschaftssprache. Als „Sprachpanscher“ gelten dem Verein Personen oder Einrichtungen, die bewusst oder aus mangelnder Kenntnis trendige fremdsprachliche Ausdrücke verwenden, obwohl deutsche Bezeichnungen verfügbar seien. Der VDS widerspricht insbesondere der Begründung, für manche Dinge gebe es kein treffendes deutsches Wort. Der Preis ähnelt der französischen Académie de la Carpette anglaise.
Auszeichnungen und typische Begründungen
Die Preisträger stammen vor allem aus Wirtschaft, Medien, Politik, Hochschulen und Verbänden. Häufige Gründe sind englische Namen für Angebote, Werbung, Veranstaltungen oder Studiengänge.
1997 erhielt die Modeschöpferin Jil Sander den Preis für ein stark mit englischen Wörtern durchsetztes Zitat, etwa „giving-story“, „contemporary“, „future-Denken“ und „hand-tailored-Geschichte“. Es folgten unter anderem Ron Sommer (1998) für Telekom-Bezeichnungen wie „Sunshine- und Moonshine-Tarif“ und „City-Call“, Johannes Ludewig (1999) für Begriffe der Deutschen Bahn wie „Service Point“ und „db-lounge“ sowie Andreas Heldrich (2000) für „Masterstudiengänge“, „Credit-Point-Systeme“ und „departments“.
Weitere Beispiele sind Wolfgang H. Zocher (2001) mit „funeral master“, „eternity“ und „peace box“, Klaus Zumwinkel (2002) für zahlreiche englische Begriffe der Deutschen Post, Gerhard Mayer-Vorfelder (2003) für Fußballkleidung mit Namen wie „Home & Away Shirts“ und Markus Schächter (2004) sowie Thomas Bellut (2016) für ZDF-Bezeichnungen wie „Kiddie Contests“ und „Webcam Nights“. Herbert Beck erhielt den Preis 2005 für Museumsangebote wie „Member’s Night“ und „Art Talk for Families“.
Günther Oettinger wurde 2006 ausgezeichnet, weil er sagte: „Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“ Hartmut Mehdorn erhielt den Preis 2007 erneut für englische Bahnbegriffe. Klaus Wowereit wurde 2008 für „Be Berlin“ und englische Werbefahnen am Brandenburger Tor geehrt. Der Deutsche Turner-Bund erhielt ihn 2009 für Wörter wie „Slacklining“, „Gymmotion“ und „Speedjumping“.
Spätere Auszeichnungen betrafen Fritz Pleitgen stellvertretend für RUHR.2010, René Obermann (2011), Andrew Jennings (2012), den Duden (2013), Ursula von der Leyen (2014 und 2021), Wolfgang A. Herrmann (2015), die Evangelische Kirche in Deutschland (2017) und den Deutschen Fußball-Bund (2018) für „Best never rest“.
Seit 2019 richtete sich die Kritik auch gegen geschlechtergerechte oder englische Verwaltungssprache: Stefan Schostok wurde für Formulierungen wie „Mitarbeiter*innen“ und „Lehrende“ genannt, Ulrike Lembke 2022 für die Rechtfertigung des Gendersternchens. Tagesschau und heute-Nachrichten erhielten 2020 den Preis wegen der Übernahme von Wörtern wie „Lockdown“, „Homeschooling“, „Social Distancing“ und „Homeoffice“. Bettina Stark-Watzinger wurde 2023 für den Plan kritisiert, Englisch als Verwaltungssprache in deutschen Behörden einzuführen. 2024 betraf der Preis Ursula Staudinger wegen einer „Fuck-Up-Night“ an der Technischen Universität Dresden, 2025 Continental AG wegen einer „wirren Denglisch-Mischung“ in einer Reifenwerbung und 2026 das Polizei-Netzwerk ROADPOL wegen „Speed-Week“ statt „Blitzer-Marathon“.
Kritik am Negativpreis
Medien, Sprachwissenschaftler sowie Preisträger und Kandidaten kritisieren den Preis teilweise stark. Der Linguist Anatol Stefanowitsch bezeichnete die Kandidatenliste 2011 als „substanzlose und schwer bis gar nicht überprüfbare Behauptungen“ und als „Sprachpanscherhatz“.
Er lobte die Reaktion der Bundesagentur für Arbeit auf ihre Nominierung: Sie erklärte, sie sei nicht für den Begriff „Jobcenter“ verantwortlich. Außerdem seien „Coaching“ und „Start-Up“ als fester Bestandteil einer Sprache der globalisierten Geschäftswelt nicht rätselhaft. Eine Sprecherin des 2013 ausgezeichneten Duden wies die Kritik des VDS zurück: „Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab“.