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Usedom

Mit durchschnittlich 1906 Sonnenstunden im Jahr ist Usedom regelmäßig die sonnenreichste Gegend Deutschlands und der Ostsee, weshalb sie durch das …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Insel, Lage und Bedeutung
  2. 2. Landschaft, Entstehung und Schutz
  3. 3. Klima, Orte und Siedlungsbild
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Tourismus, Verkehr und Kultur

Insel, Lage und Bedeutung

Usedom (polnisch Uznam, niederdeutsch Üsdom) ist eine Insel in der Pommerschen Bucht der südlichen Ostsee. Sie gehört größtenteils zu Deutschland und mit ihrem östlichen Teil zu Polen. Mit 445 km² Fläche ist sie nach Rügen die zweitgrößte deutsche Insel; 373 km² liegen in Deutschland, 72 km² in Polen. Die Insel ist 66,4 km lang, bis zu 23,9 km breit und hat 76.500 Einwohner (Stand 2014); mehr als die Hälfte lebt in der polnischen Hafenstadt Świnoujście (Swinemünde), dem Hauptort der Gesamtinsel.

Usedom wird im Westen vom Peenestrom, im Süden vom Stettiner Haff und im Osten von der Świna (Swine) begrenzt; diese trennt sie von der Nachbarinsel Wolin. Der deutsche Teil gehört zu Mecklenburg-Vorpommern und zum Landkreis Vorpommern-Greifswald, der polnische Teil zur Stadt Świnoujście in der Woiwodschaft Westpommern. Größte Orte auf deutscher Seite sind Heringsdorf und Zinnowitz. Die Stadt Usedom im Süden ist die einzige deutsche Gemeinde der Insel mit historischem Stadtrecht.

Die Insel ist besonders als Urlaubsgebiet wichtig: Der feine Sandstrand an der Ostseeküste ist 42 km lang und bis zu 70 m breit. Mit 4,9 Millionen Übernachtungen im Jahr 2014 war Usedom nach Rügen die zweitbeliebteste deutsche Urlaubsinsel. Die Europa-Promenade führt über mehr als zwölf Kilometer von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck bis nach Swinemünde und gilt als längste Strandpromenade Europas.

Landschaft, Entstehung und Schutz

Die Ostseeküste besitzt überwiegend eine relativ gerade Ausgleichsküste, also eine durch Meeresströmungen ausgeglichene Küstenform, mit flach abfallender Schorre. Nordöstlich ist sie flach; ab Koserow prägt Steilküste das Bild. Das Achterwasser ist eine große, vom Peenestrom gespeiste Lagune auf der dem Festland zugewandten Seite. Zu ihm gehören Halbinseln wie Lieper Winkel, Gnitz und Cosim, Buchten wie Krumminer Wiek und Balmer See sowie kleine Inseln wie Böhmke und Balmer Werder.

Zwischen Ückeritz und Zinnowitz trennt nur eine schmale Nehrung, also ein schmaler Sandstreifen, das Achterwasser von der offenen Ostsee. Zwischen Koserow und Zempin ist sie etwa 300 m breit. Sturmhochwasser überspülten sie mehrfach, etwa 1872. Buhnen, Sandaufspülungen und Brandungsmauern sollen Küstenrückgang und Landverlust begrenzen.

Der Nordwesten ist weitgehend flach, der Südosten hügelig und wird „Usedomer Schweiz“ genannt. Die höchsten Erhebungen bilden alte Inselkerne; der Golm erreicht 69 m, der Streckelsberg bei Koserow 58 m. Dazwischen liegen aus Sedimenten entstandene Senken mit Torfen, Mooren, Sümpfen und Seen. Zu den größeren Seen zählen Schmollensee, Gothensee, Großer und Kleiner Krebssee, Kachliner See und Wolgastsee.

Usedom gehört zu einem Endmoränenbogen, dessen Fortsetzung Wolin ist. Die Moräne entstand vor etwa 15.000 Jahren an der Stirn des zurückschmelzenden skandinavischen Eises der Weichseleiszeit. Oberflächennah finden sich nur junge quartäre Ablagerungen; in 50 bis 100 m Tiefe liegt Oberkreide. Findlinge aus Skandinavien und vom Grund der Ostsee belegen die frühere Vergletscherung. Im Gesteinsgarten Neu Pudagla sind solche Gesteine ausgestellt; der älteste Findling ist etwa zwei Milliarden Jahre alt, der größte wiegt rund sieben Tonnen.

Seit Dezember 1999 ist die gesamte Insel einschließlich angrenzender Gewässer Teil des Naturparks Insel Usedom. Das älteste Naturschutzgebiet ist Peenemünder Haken, Struck und Ruden, bereits 1925 ausgewiesen. Das größte ist Gothensee mit Niedermoor Thurbruch und 800 ha. Weitere Schutzgebiete bewahren unter anderem Gnitz, Mümmelkensee, Golm, Zerninsee, Streckelsberg, Mellenthiner Os und Kleiner Krebssee.

Klima, Orte und Siedlungsbild

Usedom gilt als sonnenreichste Region Deutschlands. In Zinnowitz wurden durchschnittlich 1917 Sonnenstunden pro Jahr gemessen, gegenüber einem deutschen Mittelwert von 1550 Stunden. Der Jahresniederschlag beträgt dort 560 mm und liegt damit im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Der Februar ist der trockenste, der Juli der niederschlagsreichste Monat; im regenreichsten Monat fällt 2,1-mal so viel Niederschlag wie im trockensten.

Zinnowitz und Heringsdorf sind Grundzentren des deutschen Teils. Wolgast ist Mittelzentrum für den Norden, Anklam für den Süden; Greifswald erfüllt die Funktion eines Oberzentrums. Świnoujście stellt für den östlichen Küstenabschnitt ebenfalls Angebote eines Mittelzentrums bereit. Weitere Inselgemeinden mit mehr als 1.000 Einwohnern waren im Dezember 2013 Benz, Karlshagen, Koserow, Loddin, Trassenheide, Ückeritz und Zempin.

An der Küste prägt Bäderarchitektur die Seebäder: fein gegliederte Villen und auch jüngere Neubauten orientieren sich daran. Im ländlichen Bereich sind Reetdächer sowie Putz-, Feldstein- und Klinkerfassaden typisch. In Świnoujście sind außerdem militärische und maritime Bauten entlang der Świna historisch bedeutsam.

Geschichtliche Entwicklung

Siedlungsfunde reichen bis ins Mesolithikum zurück. Mehr als 500 Fundplätze aus dem Neolithikum weisen auf eine rege frühe Besiedlung hin. In der Bronzezeit lag Usedom am Oderweg, einer wichtigen Handelsroute vom Mittelmeer nach Skandinavien; Bernstein von der Insel wurde gegen Gegenstände und Schmuck aus Bronze getauscht. In der Völkerwanderungszeit folgte auf germanische Stämme eine wendisch-slawische Besiedlung. Burgwälle bei Neppermin, Mellenthin und Stolpe sind bauliche Zeugnisse dieser Zeit.

Seit dem 10. Jahrhundert bestand bei der späteren Stadt Usedom eine slawische Burgsiedlung. Die „Urbs Osna“ wurde um 1115/1119 zerstört. Bischof Otto von Bamberg bekehrte dort am Pfingstsonntag 1128 wendische Große zum Christentum. Nach dem Wiederaufbau um 1159 entstanden Burg und Marktort. Deutsche Siedler wanderten im 13. Jahrhundert ein; die Stadt Usedom erhielt 1298 lübisches Stadtrecht. Das 1155 nahe Usedom gegründete Prämonstratenserkloster Grobe wurde 1308 nach Pudagla verlegt und 1535 während der Reformation in ein herzogliches Amt umgewandelt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörte Usedom zu Schwedisch-Pommern. Nach Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Brandenburg-Preußen fiel die Insel im Ergebnis des Großen Nordischen Kriegs 1700–1721 endgültig an Preußen. 1764 wurde an der ausgebauten Swine Swinemünde gegründet. 1818 entstanden aus Usedom und Wolin der Landkreis Usedom-Wollin mit Swinemünde als Kreisstadt. Ab 1824 beziehungsweise 1825 begann der Badebetrieb in Swinemünde und Heringsdorf; nach 1871 entwickelte sich die große Zeit der Seebäder.

Nach 1945 wurde Swinemünde polnischer Verwaltung unterstellt; die offizielle Übergabe erfolgte am 6. Oktober 1945. Die DDR erkannte die Grenze 1950 im Görlitzer Abkommen an, die Bundesrepublik bestätigte sie 1990 im deutsch-polnischen Grenzvertrag. In der DDR blieben Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Fischerei wichtig; 1953 wurden in der „Aktion Rose“ die meisten privaten Hotels und Pensionen beschlagnahmt oder enteignet. Peenemünde und weitere Orte dienten militärischen Zwecken. Nach 1990 wurden die Armeestandorte aufgelöst, die Wirtschaft litt zunächst unter Arbeitsplatzverlusten und ungeklärten Eigentumsfragen. Später erholte sich besonders der Tourismus, der im deutschen Teil heute der wichtigste Wirtschaftszweig und Arbeitgeber ist.

Tourismus, Verkehr und Kultur

Die touristischen Schwerpunkte an der Küste sind Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, die Bernsteinbäder Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz sowie die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck; hinzu kommt Świnoujście. Sandstrände, Bäderarchitektur, der Hafen von Świnoujście und Unterkünfte vom Hotel bis zum Campingplatz sind zentrale Angebote. Im Hinterland ziehen Seen, Herrenhäuser, reetgedeckte Dörfer, Windmühlen, die Hubbrücke Karnin sowie Lieper Winkel und Gnitz Besucher an. Fahrradtouren verlaufen an der Küste und am Achterwasser. In den 2020er Jahren verschärften steigende Löhne sowie Energie-, Dienstleistungs- und Einkaufskosten für Teile der Tourismusbranche wirtschaftliche Probleme.

Die Usedomer Bäderbahn verbindet Züssow über Wolgast mit Swinemünde und Peenemünde. Über Züssow besteht Anschluss an Fernverkehrsverbindungen Richtung Berlin und Hamburg. Eine Wiederherstellung der Strecke Ducherow–Swinemünde einschließlich Karniner Brücke ist als „Weiterer Bedarf/Internationale Projekte“ im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten. Vorgesehen sind elektrischer Betrieb, ein Gleis und maximal 120 km/h. Der 2023 fertiggestellte Swinetunnel ist ein Straßentunnel ohne Eisenbahngleis.

Straßenzufahrten führen über die B 111 und die Peenebrücke Wolgast sowie über die B 110 und die Zecheriner Brücke; beide Brücken sind Klappbrücken. Seit dem 30. Juni 2023 verbindet der Świnatunnel Usedom und Wolin innerhalb des Usedomer Stadtteils von Świnoujście auch bei Eisgang, Sturm oder Hochwasser. Busse, Fernbusse, Radwege, Fahrrad- und Personenfähren ergänzen das Angebot. Der Flughafen Heringsdorf bei Garz ist bis zur Größe eines Airbus A320 ausgebaut. Bäderschiffe fahren unter anderem von den Seebrücken in Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Koserow nach Świnoujście und Międzyzdroje.

Kulturelle Orte sind die Ostseebühne Zinnowitz mit 1.300 Sitzplätzen und die benachbarte „Theater Blechbüchse“, an denen seit 1997 die Vineta-Festspiele stattfinden, sowie das Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf. Das Usedomer Musikfestival präsentiert seit 1994 Musik aus den Anliegerstaaten der Ostsee mit jährlich wechselnden Länderschwerpunkten. Usedom dient außerdem als Schauplatz für Literatur, Malerei, Dokumentationen, Musikvideos und Filme; die Seebrücke Ahlbeck war etwa 1991 Kulisse für Pappa ante portas.

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