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Mecklenburg-Vorpommern

Wirtschaft. Bruttoinlandsprodukt (nominal), 63,59 Mrd. EUR (14.) (2025). Schulden, 8,361 Mrd. Euro (30. Juni 2020). Arbeitslosenquote, 8,0 % (Dezember …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Naturraum
  2. 2. Entstehung, Verwaltung und Politik
  3. 3. Bevölkerung und Gesellschaft
  4. 4. Wirtschaft und Verkehr
  5. 5. Bildung, Forschung und Kultur
  6. 6. Sport und Freizeit

Überblick und Naturraum

Mecklenburg-Vorpommern, kurz MV, ist ein Land im Nordosten Deutschlands und ein teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik. Es liegt an der südlichen Ostsee und grenzt an Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Polen. Die Landeshauptstadt ist Schwerin, die einzige Großstadt Rostock. Das Land umfasst 23.213 km² und hatte am 31. Dezember 2025 genau 1.573.685 Einwohner. Mit 68 Einwohnern je km² ist es das am dünnsten besiedelte deutsche Land. Amtssprachen beziehungsweise verbreitete Sprachen sind Deutsch und Niederdeutsch.

Etwa zwei Drittel der Landesfläche gehören zum historischen Mecklenburg. Hinzu kommen der nach 1945 bei Deutschland verbliebene Teil Vorpommerns, kleine Teile der Prignitz und der nördlichste Teil der Uckermark. Mecklenburg-Vorpommern gehört zum Norddeutschen Tiefland und wurde stark durch die Weichseleiszeit geprägt. Deshalb wechseln sich flache Gebiete, Moränenhügel, Täler und Seenlandschaften ab. Zu den höchsten Erhebungen zählen die Helpter Berge mit 179 m, die Ruhner Berge mit 176,6 m und der Piekberg auf Rügen mit 161 m.

Das Land besitzt mit etwa 2000 km die längste Küste aller deutschen Länder; die Außenküste ist rund 350 km lang. Buchten, Bodden, Haffe und Meerengen gliedern besonders die vorpommersche Küste. Rügen und Usedom sind die größten deutschen Inseln, weitere wichtige Inseln sind Poel, Ummanz und Hiddensee. Die bedeutendste Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst.

Mehr als 26.000 km Flüsse und Kanäle sowie über 2028 Seen mit zusammen 738 km² Fläche prägen das wasserreiche Land. Die Müritz ist der größte vollständig in Deutschland liegende See und Teil des Mecklenburger Seenlands. Drei der 16 deutschen Nationalparks liegen hier: Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft und Müritz. Hinzu kommen acht Naturparks und zahlreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

Das Klima ist kühlgemäßigt. An der Küste wirkt die Ostsee ausgleichend, während das Binnenland stärker kontinental geprägt ist und weniger Niederschlag erhält. Usedom, Rügen und Hiddensee gehören zu den Gebieten mit den meisten Sonnentagen in Deutschland. Zugleich ist das Land vom Meeresspiegelanstieg betroffen: In Warnemünde steigt der Pegel laut Umweltbundesamt um etwa 1,8 cm pro Jahrzehnt. Unter einem Hochemissionsszenario werden bis 2100 zusätzlich 63 bis 101 cm erwartet.

Entstehung, Verwaltung und Politik

Mecklenburg und Vorpommern entwickelten sich über Jahrhunderte weitgehend getrennt. Als politische Einheit entstand Mecklenburg-Vorpommern nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Sowjetische Militäradministration bildete das Land am 9. Juli 1945 aus Mecklenburg, dem bei Deutschland verbliebenen überwiegenden Teil Vorpommerns und dem Amt Neuhaus. 1947 entfiel „Vorpommern“ aus dem Namen. Bei der DDR-Verwaltungsreform 1952 wurde das Land aufgelöst und im Wesentlichen auf die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg verteilt. Am 3. Oktober 1990 wurde Mecklenburg-Vorpommern mit verändertem Gebietszuschnitt wiedergegründet und Teil der Bundesrepublik Deutschland.

Nach 1990 wurden zahlreiche Städte saniert. Die historischen Altstädte von Stralsund und Wismar gehören seit 2002 zum UNESCO-Welterbe. Kreisgebietsreformen fanden 1994 und 2011 statt. Seit 2011 gliedert sich das Land in sechs Landkreise und die beiden kreisfreien Städte Rostock und Schwerin. Insgesamt bestehen 724 politisch selbstständige Städte und Gemeinden; Stand 9. Juni 2024 waren 684 davon in 76 Ämtern zusammengeschlossen. Rostock ist mit 204.929 Einwohnern die größte Stadt, gefolgt von Schwerin mit 97.922 und Neubrandenburg mit 59.494 Einwohnern am 31. Dezember 2025.

Politische Grundlage ist die Landesverfassung vom 23. Mai 1993, die am 15. November 1994 in Kraft trat. Der Landtag sitzt im Schweriner Schloss. Er beschließt und ändert Landesgesetze, wählt den Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin und kontrolliert Regierung und Verwaltung. Seine Wahlperiode beträgt seit 2006 fünf Jahre. Die letzte Landtagswahl war am 26. September 2021, die nächste ist für den 20. September 2026 vorgesehen. Das Land verfügt im Bundesrat über drei Stimmen.

Ministerpräsidentin ist Manuela Schwesig (SPD), die am 4. Juli 2017 gewählt wurde und als erste Frau die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns führt. Nach der Wahl 2021 bildete sie eine Regierung aus SPD und Die Linke. Die Regierungsgeschäfte verteilen sich auf die Ministerpräsidentin und acht Ministerien. Im achten Landtag entfallen laut den Basisdaten von 79 Sitzen 43 auf die Regierung und 36 auf die Opposition; spätere Partei- und Fraktionswechsel führen dabei zu Abweichungen von der ursprünglichen Sitzverteilung nach der Wahl.

Bevölkerung und Gesellschaft

Mecklenburg-Vorpommern ist stark ländlich geprägt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt an der Ostseeküste und in den Städten, während der Süden und das östliche Binnenland besonders dünn besiedelt sind. Neben Rostock bilden Schwerin, Neubrandenburg sowie Stralsund und Greifswald wichtige Oberzentren. Die Nähe zu Berlin, Hamburg und zur polnischen Großstadt Stettin beeinflusst die Entwicklung der angrenzenden Regionen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerung durch fast eine Million Vertriebene 1945/1946 auf etwa 2,1 Millionen. Danach nahm sie langfristig ab. Zwischen 1990 und 2013 sank die Einwohnerzahl um 17 %, vor allem durch Abwanderung nach Westdeutschland und einen starken Rückgang der Geburten. In den 2010er Jahren verlangsamte sich diese Entwicklung; 2013 gab es erstmals seit 1990 mehr Zu- als Fortzüge. Weil jedoch weiterhin mehr Menschen starben als geboren wurden, blieb die natürliche Bevölkerungsentwicklung negativ. Eine Studie des Berlin-Instituts von 2019 erwartete wegen der Alterung und der geringen Zahl potenzieller Eltern bis 2035 einen Rückgang um 11,1 % auf 1,43 Millionen Einwohner.

Nach dem Zensus 2022 hatten 4,9 % der Einwohner eine ausländische Staatsangehörigkeit und 8,0 % einen Migrationshintergrund; damit waren beide Anteile im Bundesvergleich am niedrigsten. Neuere Verwaltungsdaten nennen für Dezember 2023 einen Ausländeranteil von 7,6 %. Die größten ausländischen Gruppen stammten damals aus der Ukraine mit 22,7 %, Polen mit 14,1 % und Syrien mit 11,0 %. Die unterschiedlichen Werte beruhen auf verschiedenen Stichtagen und Datengrundlagen.

Religiös ist das Land überwiegend konfessionslos. 2024 gehörten 84,2 % keiner oder einer anderen als der evangelischen oder katholischen Kirche an. 2022 waren 13,1 % evangelisch und 3,2 % katholisch. Evangelische Gemeinden gehören zur Nordkirche; katholische Gemeinden in Mecklenburg zum Erzbistum Hamburg, jene in Vorpommern zum Erzbistum Berlin. Daneben bestehen kleinere christliche Gemeinschaften, zwei jüdische Gemeinden mit zusammen 1200 Mitgliedern sowie Moscheen und islamische Gebetshäuser in mehreren Städten.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft wurde nach den Umbrüchen der 1990er Jahre neu strukturiert. Sie wird von kleinen und mittleren Unternehmen sowie einigen Großbetrieben getragen. Wichtige Bereiche sind maritime Wirtschaft, Maschinenbau, Automobilzulieferung, Energietechnik, Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Dienstleistungen und Tourismus. Als Zukunftsbranchen gelten Biotechnologie, Life Sciences, Medizintechnik, Energie- und Umwelttechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Informationstechnik. Diese konzentrieren sich besonders um Rostock, Greifswald und weitere Hochschulstandorte.

Die maritime Wirtschaft umfasst Schiff- und Bootsbau, Zulieferer, Dienstleistungen sowie Meeres- und Offshore-Technik. In knapp 300 Unternehmen arbeiteten rund 11.500 Menschen; der Umsatz betrug etwa 1,5 Milliarden Euro. Bedeutende Häfen befinden sich in Rostock, Wismar und Sassnitz. Von Rostock und Sassnitz bestehen Fährverbindungen nach Dänemark, Schweden, Finnland, Polen und ins Baltikum. 2017 wurden in den Häfen des Landes rund 27 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Bei erneuerbaren Energien zählt Mecklenburg-Vorpommern zu den führenden deutschen Ländern. Mitte 2016 gab es 1819 Windkraftanlagen mit 3008 Megawatt installierter Leistung; in einem durchschnittlichen Windjahr konnten sie ungefähr 46 % des Strombedarfs decken. Hinzu kommen Offshore-Windparks, Biogas, Photovoltaik und Geothermie. Die großflächige Nutzung durch Windkraft verändert jedoch Teile der Landschaft.

Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Ziele sind insbesondere Rügen, Usedom, Hiddensee, Fischland-Darß-Zingst, die Ostseebäder, das Mecklenburger Seenland, die Nationalparks sowie historische Städte, Schlösser und Gutshäuser. Stralsund und Wismar besitzen UNESCO-Altstädte. Warnemünde ist ein bedeutender Kreuzfahrthafen. Neben dem Sommertourismus gewinnen Wellness-, Kultur- und Winterangebote an Bedeutung.

Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2025 63,59 Milliarden Euro; die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2025 bei 8,0 %. Ältere Kennzahlen zeigen weiterhin strukturelle Unterschiede: 2019 betrug das BIP je Einwohner 28.940 Euro, knapp 83 % des EU-Durchschnitts. Die Arbeitslosenquote war von 20,4 % im Jahr 2004 bis 2019 auf 7,1 % gesunken.

Wichtige Verkehrsachsen sind die Autobahnen A 19, A 20 und A 24, ergänzt durch A 14 und A 11 sowie zahlreiche Bundesstraßen. Hauptbahnstrecken verbinden Hamburg, Berlin, Rostock, Schwerin, Stralsund und Stettin; mehrere Nebenstrecken und kleinere Bahnhöfe wurden allerdings stillgelegt. Rostock besitzt das am stärksten ausgebaute Nahverkehrssystem des Landes. Der größte Flughafen ist Rostock-Laage, weitere Regionalflughäfen liegen unter anderem bei Heringsdorf, Neubrandenburg und Barth. Die Radinfrastruktur wurde seit 1990 erweitert, bleibt außerhalb großer Ferienrouten jedoch lückenhaft.

Bildung, Forschung und Kultur

Das Schulsystem umfasst Grundschulen, Regionale Schulen, Gymnasien, Gesamtschulen, berufliche und private Schulen. Nach der vierjährigen Grundschule lernen Kinder zunächst gemeinsam an einer Regionalen Schule; nach Klasse 6 ist ein Wechsel zum Gymnasium möglich. An Regionalen Schulen können Berufsreife oder mittlere Reife erworben werden. Seit 2008 wird das Abitur an allen Gymnasien wieder nach der 12. Jahrgangsstufe abgelegt. 2015 besuchten 143.146 Schüler allgemeinbildende und 32.545 berufliche Schulen.

Die Universität Rostock wurde 1419, die Universität Greifswald 1456 gegründet. Beide gehören zu den ältesten Hochschulen der Welt. Weitere staatliche Hochschulen befinden sich in Rostock, Neubrandenburg, Stralsund, Wismar und Güstrow; hinzu kommen Standorte weiterer öffentlicher und privater Einrichtungen. 2015 studierten insgesamt 38.541 Menschen im Land.

Außeruniversitäre Forschung konzentriert sich vor allem um Rostock und Greifswald. Wichtige Arbeitsgebiete sind Medizin, Biologie, Physik, Plasmaphysik, Raumfahrt, Tiergesundheit, Agrarwissenschaften und Demografie. Zu den Einrichtungen zählen Max-Planck-, Fraunhofer- und Leibniz-Institute, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Neustrelitz und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. In Greifswald befindet sich das Fusionsforschungsprojekt Wendelstein 7-X.

Neben Hochdeutsch wird Niederdeutsch, regional „Plattdütsch“, besonders von älteren Menschen verstanden oder gesprochen. Das mecklenburgisch-vorpommersche Niederdeutsch gehört zum Ostniederdeutschen; zwischen mecklenburgischen und vorpommerschen Formen besteht ein fließender West-Ost-Übergang. Schulprojekte, Vereine, Wettbewerbe und Festivals sollen die Sprache erhalten.

Die Kulturlandschaft ist durch historische Altstädte, Kirchen der Backsteingotik, Bauernhäuser sowie mehr als 2000 Schlösser, Burgen und Gutshäuser geprägt. Bedeutende Museen sind unter anderem das Staatliche Museum Schwerin, das Pommersche Landesmuseum, das Deutsche Meeresmuseum mit Ozeaneum und Nautineum sowie das Müritzeum. Große Theater bestehen in Schwerin, Rostock, Greifswald, Stralsund, Putbus, Neubrandenburg und Neustrelitz. Zu den bekannten Veranstaltungen gehören die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, die Hanse Sail, das Filmkunstfest und die Störtebeker-Festspiele. Gesetzliche Feiertage zusätzlich zu den bundesweiten Feiertagen sind der Reformationstag und seit 2023 der Internationale Frauentag; der 8. Mai ist seit 2002 staatlicher Gedenktag.

Sport und Freizeit

Der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern ist seit 1990 der Dachverband des organisierten Sports. Die Zahl der Vereinssportler ist seit 1991 gestiegen. Durch Ostsee, Seen und Flüsse haben Segeln, Wind- und Kitesurfen, Kanu, Schwimmen und Tauchen einen besonderen Stellenwert. Große Segelveranstaltungen sind die Hanse Sail, die Warnemünder Woche und die Müritz Sail.

Im Fußball ist der F.C. Hansa Rostock der bekannteste Verein. Er spielte zwölf Jahre in der Bundesliga und tritt in der Saison 2025/26 in der 3. Liga an. Die Frauen des SSC Palmberg Schwerin spielen in der 1. Volleyball-Bundesliga; der Verein wurde zwölfmal deutscher Meister, zuletzt 2018. Die Rostock Seawolves gehören seit 2022/23 zur Basketball-Bundesliga. Weitere organisierte Sportarten sind unter anderem Handball, Eishockey, Hockey, Golf, Reiten, Radsport, Motorsport, Boxen und Leichtathletik.

Das Land brachte zahlreiche erfolgreiche Sportler hervor. Für den Unterricht wichtiger als einzelne Namenslisten ist die große Bandbreite: Vereine und Leistungszentren erzielten internationale Erfolge etwa im Fußball, Radsport, Rudern, Kanusport, in der Leichtathletik und im Boxen. Der TSV 1814 Friedland gilt als ältester Sportverein Deutschlands. Viele Lauf-, Rad-, Schwimm- und Motorsportveranstaltungen verbinden den Sport mit der Küsten- und Seenlandschaft des Landes.

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