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Untertreibung
Untertreibung (engl. understatement) ist ein Stilmittel, das in der Rhetorik und anderen Bereichen verbreitet ist. Sie beinhaltet eine Abschwächung einer …
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Grundidee
Untertreibung, auf Englisch understatement, ist ein Stilmittel. Es schwächt eine Aussage oder Handlung bewusst ab. Man sagt oder zeigt also weniger, als die Situation eigentlich nahelegen würde. Dadurch kann eine Wirkung entstehen, die gerade durch Zurückhaltung auffällt.
Untertreibung kommt in der Rhetorik und in anderen Bereichen vor, zum Beispiel in Humor, Journalismus, persönlichem Auftreten, Schauspielkunst, Werbung und Marketing. Sie ist das Gegenteil der Übertreibung, die in der Rhetorik Hyperbel heißt.
Rhetorische Funktion
In der Rhetorik ist Untertreibung ein sprachliches Mittel, mit dem eine Aussage abgeschwächt wird. Sie tritt oft zusammen mit einer Litotes auf. Eine Litotes ist eine Formulierung, die etwas durch Verneinung des Gegenteils ausdrückt und dadurch ebenfalls abschwächend wirken kann.
Der allgemeine Gegensatz zur Untertreibung ist die Übertreibung oder Hyperbel. Während die Hyperbel etwas stärker, größer oder dramatischer darstellt, macht die Untertreibung eine Sache kleiner, ruhiger oder weniger bedeutend, als sie eigentlich ist.
Englischer Sprachraum
Im englischen Sprachraum meint understatement besonders, sich weniger dramatisch auszudrücken, als man es in einer dramatischen Situation erwarten würde. Gerade diese ruhige oder trockene Ausdrucksweise kann komisch wirken.
Extremes Untertreiben wird im englischen Humor eingesetzt, unter anderem bei Monty Python. Ein Beispiel stammt aus einer Filmszene von Der Sinn des Lebens: Auf einer Dinnerparty erscheint der allegorische Tod, der Sensenmann, um alle Gäste zu holen. Einer der Gäste kommentiert trocken: „Well, that’s cast rather a gloom over the evening, hasn’t it?“ Auf Deutsch: „Nun, das hat ein wenig Trübsinn in den Abend gebracht, oder?“ Die Aussage macht eine existenziell bedrohliche Situation absichtlich klein.
Auch Alfred Hitchcock wird mit Untertreibung verbunden. Im Film Immer Ärger mit Harry wird laut François Truffaut von einer Leiche gesprochen, als sei sie eine Schachtel Zigaretten. Hitchcock kommentierte dazu: „Mich amüsiert nichts mehr als die Komik des Untertreibens.“
Ein berühmtes, aber nicht ganz sicher historisch verbürgtes Beispiel ist die Begrüßung zwischen Henry Morton Stanley und David Livingstone. Stanley fand Livingstone, der seit 1869 als verschollen galt, nach einer achtmonatigen und über 11.000 Kilometer durch Zentralafrika führenden Suchexpedition am 10. November 1871 in Ujiji. Er soll ihn mit der Wendung „Dr. Livingstone, I presume?“ begrüßt haben, auf Deutsch: „Dr. Livingstone, nehme ich an?“
Untertreibung findet sich auch im englischsprachigen Journalismus, zum Beispiel im Stil der BBC. Ein Beispiel aus dem BBC World Service von 2006: Der ägyptische Außenminister sagte über die bürgerkriegsartigen Zustände im Irak: „I think there’s a problem between Shias and Sunnis“. Auf Deutsch: „Ich denke, es gibt ein Problem zwischen den Schiiten und den Sunniten“.
Lebensführung und Kultur
In der persönlichen Lebensführung bedeutet Untertreibung, nach außen auf Statussymbole zu verzichten, obwohl viele Menschen sie erwarten würden. Als Beispiel nennt der Artikel Prinz William, den Duke of Cambridge: Nach bestandener Führerscheinprüfung bekam er einen VW Golf statt eines Luxusautos geschenkt.
Eine solche Haltung soll zeigen, dass jemand sich selbst nicht zu wichtig nimmt und lieber unter- als überschätzt werden möchte. Mit englischem Untertreiben wird außerdem stoische Gelassenheit als Charakterzug der Engländer verbunden.
Untertreibung ist kulturabhängig. Sie hängt mit unterschiedlichen Vorstellungen von Macht zusammen. Nach Geert Hofstede ist understatement in Regionen mit hoher Machtdistanz eher nicht anzutreffen. Machtdistanz bezeichnet, wie stark soziale Unterschiede und Rangordnungen in einer Gesellschaft akzeptiert und sichtbar gemacht werden. Als Beispiele nennt der Artikel Russland und die arabischen Emirate. Dort werde viel Wert darauf gelegt, den sozialen Rang nach außen zu zeigen, etwa durch Statussymbole.
Schauspiel und Marketing
In der Schauspielkunst werden Untertreibungen häufig eingesetzt, um die Aufmerksamkeit des Publikums in einer bestimmten Szene besonders zu bündeln. Der Artikel verweist hier auf das Unterspielen, also eine zurückgenommene Darstellung statt einer stark betonten oder dramatischen Spielweise.
Auch in Werbung und Marketing wird der Begriff Untertreiben verwendet. Unternehmen, die in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf Untertreibung setzen, verzichten auf vordergründige Effekte oder gerade moderne Stilelemente. Dazu gehören auch hochwertige Kleidungsstücke, die bewusst ohne Markenlogo gestaltet werden. Der Fokus soll dann auf ein gutes Produkt gelenkt werden und nicht auf große Namen.