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Litotes
In vielen Sprachen, auch in deutschen Dialekten, stellt die doppelte Verneinung tatsächlich eine Bekräftigung der Verneinung dar (‚negativer Concord'):.
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Definition und Wirkung
Die Litotes ist eine Stilfigur, bei der eine Aussage durch doppelte Verneinung oder durch Verneinung des Gegenteils formuliert wird. Beispiele für doppelte Verneinung sind Formen wie „nicht unüblich“; Beispiele für die Verneinung des Gegenteils sind Formen wie „nicht selten“.
Die Litotes kann eine Behauptung vorsichtig ausdrücken oder eine Aussage abschwächen. In diesem Sinn wirkt sie als Untertreibung. Sie kann aber auch indirekt etwas hervorheben. Häufig kommt sie im Zusammenhang mit Ironie vor.
Sprachliche Entwicklung
Im Deutschen ist die doppelte Verneinung des Typs „nicht un-“ ab dem 17. Jahrhundert breit nachgewiesen. Einzelne Belege sind deutlich älter. Als Stilmittel zur Untertreibung verfestigte sich die Litotes im 19. Jahrhundert.
Unklar ist, ob dabei ein Einfluss aus dem Lateinischen vorliegt.
Typische Beispiele
Zur doppelten Verneinung gehören Wendungen wie „Er hat damit nicht unrecht“, was sinngemäß „Er hat damit recht“ bedeutet, oder „nicht ohne Witz“, also „witzig“.
Zur Verneinung des Gegenteils gehören Ausdrücke wie „nicht wenig“ für „viel“, „nicht übel“ für „gut“ und „unklug“ für „dumm“. Ein bekanntes englisches Beispiel ist „not amused“: „She is not amused“ bedeutet wörtlich „Sie ist nicht erfreut“, meint aber eher „Sie ist verärgert“. Dadurch wird eine stärkere Aussage indirekt und abgeschwächt formuliert. Das kann höflich wirken, aber auch ironisch verwendet werden.
Weitere Sprachen
Ein lateinisches Beispiel ist „non ignorare“ für „genau wissen“. Es setzt sich aus „non“ für „nicht“ und „ignorare“ für „verkennen“ zusammen.
Im Grönländischen sind „ajunngit-“ für „gut sein“ und „nalunngit-“ für „wissen“ eigentlich verneinte Formen von „ajor-“ für „schlecht sein“ und „nalu-“ für „nicht wissen“. Diese verneinten Formen sind aber deutlich häufiger als die ursprünglichen Formen.
Abgrenzung zur negativen Verstärkung
Nicht jede doppelte Verneinung ist eine Litotes. In vielen Sprachen und auch in deutschen Dialekten kann doppelte Verneinung die Verneinung bekräftigen. Dieses Phänomen heißt „negativer Concord“.
Beispiele sind etwa das Bayerische „Des is koa Sünd ned“ („Das ist keine Sünde nicht“), das Italienische „Non è niente di serio“ mit der Bedeutung „Das ist nichts Ernstes“, das Tschechische „Nemám nic“ („Ich habe nichts“) oder das Spanische „No he visto nada“ („Ich habe nichts gesehen“). Auch englische Beispiele wie „I can't get no satisfaction“, „We don’t need no education“ und „Ain't no sunshine“ zeigen solche verstärkenden Verneinungen.