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Engländer

Die englische Identität ist aufgrund der Verbindung der Monarchie mit der protestantischen Staatskirche bis heute stark von einem anti-katholischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Verbreitung
  2. 2. Sprache
  3. 3. Entstehung und Identität
  4. 4. Religion
  5. 5. Kulturelle Prägungen
  6. 6. Englische Abstammung weltweit

Begriff und Verbreitung

Engländer sind ein Volk von etwa 50 Millionen Menschen, das überwiegend in England lebt, dem größten Land auf der Insel Großbritannien. Sie machen etwa 80 % der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs aus. Teile der Bevölkerung in anderen Teilen der Britischen Inseln, besonders in Irland beziehungsweise Nordirland, Schottland und Wales, sowie in Ländern des früheren Britischen Weltreiches und des Commonwealth sind ebenfalls ethnisch englischer Abstammung, vor allem in Australien, Irland, Kanada, Neuseeland, Südafrika und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Im deutschen Sprachraum werden oft fälschlich alle Einwohner des Vereinigten Königreichs als Engländer bezeichnet. Richtig ist: Alle Staatsbürger des Vereinigten Königreichs heißen Briten. Auf die Landesteile bezogen unterscheidet man Engländer, Schotten, Waliser, Iren, Cornish oder Manx. Schotten bezeichneten Engländer früher auch als „Sassenachs“.

Sprache

Die Sprache der Engländer ist Englisch beziehungsweise Inglis. Es ist etwa seit dem 14. Jahrhundert einheitlich etabliert. Vor 1066 wurde es Englisc genannt. Englisch entstand aus dem Altsächsischen der Sachsen und gehört deshalb zu den westgermanischen Sprachen.

Die Bezeichnung hängt mit dem Volksstamm der Angeln zusammen. Aus „Land der Angeln“ entwickelten sich Formen wie Englelond, Ingland und schließlich England. Vor und neben dem Englischen waren in England bis ins frühe Mittelalter inselkeltische Sprachen verbreitet, genauer goidelische und britannische Sprachen. Ab 1066 spielte außerdem das Anglonormannische eine wichtige Rolle.

Entstehung und Identität

Nach einer verbreiteten Ansicht entstanden die Engländer aus den inselkeltisch sprechenden Britonen und aus germanischen Gruppen, die seit dem 5. Jahrhundert aus Nord- und Mitteleuropa einwanderten: Angeln, Sachsen, Friesen und Jüten. Diese Gruppen werden zusammen als Angelsachsen bezeichnet. Etwa zur Zeit des Abzugs der Römer aus Großbritannien seien sie erstmals als English bezeichnet worden; davon leitet sich England als Name ihres Landes ab. Die traditionelle, heute teilweise als überholt geltende Ansicht lautet, dass die germanischen Angelsachsen im Gebiet des heutigen England, mit Ausnahme Cornwalls, die keltisch-britischen Vorbewohner größtenteils verdrängten.

Diese Herkunftsfrage ist umstritten. Stephen Oppenheimer vertritt auf Grundlage genetischer Untersuchungen die Ansicht, die Engländer stammten größtenteils von einer vorkeltischen Urbevölkerung ab, die nach dem Ende der letzten Eiszeit von der Iberischen Halbinsel eingewandert sei. Kelten, Angelsachsen, Wikinger und Normannen hätten demnach nur wenig zum Genpool beigetragen. Dem widersprechen mehrere Forscher, darunter Mark G. Thomas. Er schließt aus y-chromosomalen Übereinstimmungen zwischen englischen, friesischen und skandinavischen Männern, dass angelsächsische Eroberer 50 bis 100 Prozent der vorgefundenen Bevölkerung ausgerottet hätten; heutige Engländer würden demnach überwiegend von ihnen abstammen.

Im 9. und 10. Jahrhundert gab es eine regional bedeutende dänische Zuwanderung im Danelag. Um dieselbe Zeit wurden die Engländer erstmals unter einer gemeinsamen Herrschaft vereint. 937 entstand unter Æthelstan das erste angelsächsisch-englische Königreich, das sich über das gesamte heutige England erstreckte. Ab 1066, nach der normannischen Eroberung Englands und der Schlacht von Hastings, prägten die Normannen England stark und wurden zur neuen sozialen Elite.

Bis ins 18. Jahrhundert waren englische, schottische und irische Identitäten klar getrennt, abgesehen von der anglo-irischen Oberschicht in Irland. Erst durch die Personalunion unter Jakob VI. beziehungsweise Jakob I. als König von Schottland und England und durch den Act of Union 1707, der Großbritannien politisch einte, entstand eine britische Identität. Irland wurde durch den Act of Union 1800 politisch mit Großbritannien vereinigt. Dort entwickelte sich zugleich eine eigene, katholisch und gälisch-keltisch geprägte Identität im Gegensatz zur britisch-protestantischen. Dieser Gegensatz trug zum Unabhängigkeitsstreben bei: 1922 spaltete sich Irland mit einem Großteil seines Staatsgebietes als Irischer Freistaat, später Republik Irland, von britischer Herrschaft ab.

Religion

In der Antike und im frühen Mittelalter folgten die Engländer einem angelsächsischen Polytheismus, also einer Religion mit mehreren Gottheiten. Im 7. Jahrhundert kamen sie erstmals mit dem Christentum in Berührung. Dabei wirkten sowohl der keltische Monastizismus, also klösterlich geprägtes Christentum, als auch die frühe römische Kirche. Im Hoch- und Spätmittelalter gehörten die meisten Engländer der katholischen Kirche an.

Seit der von Heinrich VIII. angestoßenen Englischen Reformation, besonders durch den Act of Supremacy 1534, gehörte der Großteil der Engländer zur neuen anglikanischen Staatskirche. In den folgenden etwa 150 Jahren wechselten Monarchen mehrfach die Konfession. In der Glorious Revolution der späten 1680er Jahre wurde der Anglikanismus als Staatsreligion und Religion der Könige festgeschrieben.

Seit dem 17., spätestens dem frühen 18. Jahrhundert verstand sich England als Anführer der protestantischen Mächte Europas. Katholiken und nicht-anglikanische Protestanten, sogenannte Dissenters, wurden bis in die Neuzeit diskriminiert und häufig nicht als Engländer betrachtet. England war auch Heimatland des Puritanismus und des Methodismus; deren Anhänger gehörten oft zu den Dissenters und flohen vielfach, besonders nach Nordamerika. Spannungen zwischen verschiedenen protestantischen Richtungen und dem Katholizismus entluden sich auch im Englischen Bürgerkrieg. Wegen der engen Verbindung von Monarchie und protestantischer Staatskirche ist englische Identität bis heute stark von einem anti-katholischen, protestantisch-anglikanischen Selbstverständnis geprägt.

Kulturelle Prägungen

Zur englischen Kultur gehören Literatur, Philosophie, Musik und Architektur. Die frühmittelalterliche Artussage wird mit dem vor-angelsächsischen England verbunden und gilt als Teil englischer Nationalidentität. Im Mittelalter trug Geoffrey Chaucer dazu bei, die mittelenglische Sprache als Landessprache zu etablieren. William Shakespeare ist der bekannteste Vertreter frühmoderner englischer Literatur, einer der bekanntesten Dramatiker weltweit und wird oft als Nationaldichter Englands bezeichnet. Seine Dramen prägten die moderne englische Sprache. Das viktorianische England spiegelten unter anderem die Werke Jane Austens wider.

In Philosophie und Geistesgeschichte wurden Strömungen wie Scholastik, Utilitarismus, Empirismus, Pragmatismus, Aufklärung und Rationalismus zum Teil entscheidend von englischen Philosophen und Staatstheoretikern geprägt. Genannt werden William of Ockham, Francis Bacon, Thomas Morus, Thomas Hobbes, John Locke, Edmund Burke, Thomas Paine, Jeremy Bentham, John Stuart Mill und Bertrand Russell.

In der Musik war im Mittelalter besonders die anglikanische Kirchenmusik prägend. In der Neuzeit werden Henry Purcell, Edward Elgar, Benjamin Britten und Malcolm Arnold hervorgehoben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts leisteten Engländer wichtige Beiträge zur Beatmusik, etwa mit den Beatles und der British Invasion, sowie zu Rock und Rock ’n’ Roll mit Gruppen wie Rolling Stones, The Who, Led Zeppelin, Pink Floyd und Queen. Daraus wurden später Alternative Rock oder Indie Rock, etwa The Smiths, und Britpop, etwa Blur und Oasis, beeinflusst.

In der Architektur prägte Sir Christopher Wren im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert eine klassizistisch-barocke, spezifisch englische Architektur. Die Georgianische Architektur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts war nicht nur in Großbritannien und Irland, etwa im Georgianischen Dublin, sondern auch in den ersten amerikanischen Kolonien, den späteren Vereinigten Staaten, und anderen britischen Kolonien dominant. Seit den 1740er Jahren verbreitete sich von England aus die Neogotik. Die viktorianische Architektur verband Neoklassizismus und Neogotik teilweise historisierend und eklektizistisch. Für moderne und postmoderne Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts werden Norman Foster, Michael Wilford und David Chipperfield genannt.

Englische Abstammung weltweit

Die englische Diaspora umfasst Bevölkerungsgruppen englischer Abstammung außerhalb Englands. Besonders wichtig sind Länder, die früher zum Britischen Weltreich gehörten oder zum Commonwealth zählen.

In den USA gaben im Zensus des Jahres 2000 ungefähr 24,5 Millionen Amerikaner an, englischer Abstammung zu sein. Vor allem der Nordosten der USA ist von englischstämmiger Bevölkerung bewohnt und von englischer Architektur und Kultur beeinflusst. In Kanada führten sich 2006 6,6 Millionen Menschen auf englische Abstammung zurück, in Australien 6,3 Millionen. Außerdem gibt es englischstämmige Bevölkerung im südlichen Afrika, besonders in der Republik Südafrika, in Neuseeland und teilweise in Südamerika.

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