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Unternehmensstruktur
Als Unternehmensstruktur wird in der Betriebswirtschaftslehre die an der Unternehmensstrategie ausgerichtete Organisationsstruktur eines Unternehmens …
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Begriff und Bedeutung
Unternehmensstruktur bezeichnet in der Betriebswirtschaftslehre die an der Unternehmensstrategie ausgerichtete Organisationsstruktur eines Unternehmens. Sie ist wichtig, weil sie festlegt, wie ein Unternehmen seine Ziele verfolgt, Aufgaben verteilt, Prozesse gestaltet und sich an veränderte Umweltbedingungen anpasst.
Die Grundlage für die Ableitung eines idealtypischen Unternehmens bildet Erich Gutenbergs Theorie der Unternehmung. Ein idealtypisches Unternehmen dient dazu, reale Unternehmen zu beschreiben und zur Rationalisierung ihrer Unternehmensstrukturen und Unternehmensprozesse beizutragen.
Alfred Chandler formulierte 1962 das Prinzip „structure follows strategy“: Unternehmen richten ihre Struktur an ihrer Strategie aus. Die gewählte Strategie beeinflusst damit direkt die Unternehmensstruktur, wovon insbesondere das strategische Management profitiert. Nachfolgende Autoren bestätigten dieses Prinzip.
Unternehmensstruktur darf nicht mit Organisationsstruktur gleichgesetzt werden. Zur Unternehmensstruktur gehören neben der Organisationsstruktur auch formale Unternehmensziele, die Unternehmensstrategie, Personalbeschaffung, Arbeitsmotivation, Weiterbildung der Mitarbeiter und Facilitymanagement. Die Organisationsstruktur steht dabei in enger Verbindung mit der Strategie.
Strategieumsetzung
Für die Implementierung, also die Umsetzung von Strategien, nennt die Fachliteratur fünf Gestaltungselemente:
- Die Unternehmensstruktur beziehungsweise bei Chandler die Organisationsstruktur muss sich zur operativen Umsetzung der strategischen Ziele eng an der Strategie orientieren.
- Die Unternehmenskultur umfasst alle grundlegenden Überzeugungen eines Unternehmens. Sie beeinflusst maßgeblich, wie die Beteiligten wahrnehmen, denken, fühlen und handeln.
- Unternehmensprozesse dienen der Erfüllung der Unternehmensziele.
- Managementsysteme bündeln Tätigkeiten, Instrumente und Methoden der Unternehmensführung.
- Verhaltensweisen bezeichnen das unternehmensspezifische Sozialverhalten, insbesondere das Marktverhalten.
Da Unternehmen mit vielfältigen und komplexen Umwelten und Umweltzuständen umgehen müssen, wird eine differenzierte Unternehmensstruktur aufgebaut. Sie soll die strategische Ausrichtung mit den internen Abläufen und dem Verhalten des Unternehmens verbinden.
Organisation und Strukturgestaltung
Die Organisation eines Unternehmens konzentriert sich auf zwei Aufgabenbereiche. Erstens wird die Unternehmensstruktur so gestaltet, dass die Sachziele möglichst wirtschaftlich erfüllt werden können. Das Ergebnis wird in einem Organigramm, also einer grafischen Darstellung der Unternehmensstruktur, sichtbar. Zweitens wird die Unternehmensentwicklung gestaltet. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich das Unternehmen an veränderte Umweltbedingungen wie Marktentwicklungen und Wettbewerbsbedingungen anpassen kann.
Die Unternehmensstruktur umfasst zwei Seiten: Die vertikale Organisationsgestaltung heißt Aufbauorganisation und ordnet Stellen, Abteilungen und Hierarchien. Die horizontale Koordination heißt Ablauforganisation und regelt die zeitlichen und räumlichen Abläufe. Zu den betrieblichen Funktionen der Ablauforganisation gehören Beschaffung, Produktion, Finanzierung, Verwaltung und Vertrieb. Wird beispielsweise die Produktionsfunktion oder die Vertriebsorganisation verändert, ändert sich damit auch die Unternehmensstruktur.
Bei der Aufbauorganisation wird zunächst entschieden, welche Aufgaben intern übernommen und welche zur Kostensenkung oder zur Erlangung von Spezialisierungsvorteilen ausgelagert werden. Dieses Make-or-Buy-Szenario betrifft die Arbeitsteilung. Danach werden geeignete Stellen und Abteilungen gebildet. Ein angemessenes Maß der Gliederung soll Stückkostenvorteile oder Differenzierungsvorteile ermöglichen. Stellenbildung erlaubt die Spezialisierung einzelner Positionen und die Nutzung von Synergien zwischen Stellen. Bei der Abteilungsbildung sind vor allem Skalen-, Auslastungs-, Lern- und Kontrolleffekte bedeutsam. Hierarchien können jedoch Koordinations-, Kontroll- und Kooperationsprobleme verursachen und dadurch Wettbewerbsvorteile hemmen.
Die Ablauforganisation regelt den räumlich-zeitlichen Einsatz von Produktionsmitteln und Personal. Sie ist weniger statisch als die häufig unveränderliche Aufbauorganisation. Starre Regeln sind vor allem bei wiederkehrenden Routineprozessen sinnvoll; andere Abläufe beruhen auf dynamischen Arbeitsprozessen. Aufgabenbezogene Abläufe dienen insbesondere der Komplexitätsreduktion und Standardisierung.
Zur Lösung von Koordinationsproblemen zwischen Hierarchieebenen können Regeln, Routinen und Anweisungen eingesetzt werden. Selbstorganisation kann den Koordinationsaufwand insgesamt verringern. Bei externen Partnern kann auch die Preisfindung koordinierend wirken. Ein weiterer Ansatz ist die Modularisierung: Organisationseinheiten werden flexibel eingesetzt, um Zuordnung und Auslastung gegenüber der klassischen Aufbauorganisation zu verbessern.
Kontrollprobleme werden durch ein geeignetes Maß an Hierarchie und eine angemessene Leitungsspanne sowie durch bürokratische Maßnahmen bearbeitet. Diese sollen Tätigkeiten an den Unternehmenszielen ausrichten und unerwünschte Handlungen verhindern.
Kooperationsprobleme zwischen Organisationseinheiten können durch intrinsische und extrinsische Motivation überwunden werden. Extrinsische Motivation umfasst finanzielle Anreize, während intrinsische Motivation insbesondere durch gemeinsame Werte entsteht. Diese Werte werden intern vor allem durch die Organisationskultur und extern durch die Corporate Identity bestimmt.
Wirtschaftliche Merkmale
Zur Beschreibung der Unternehmensstruktur dienen vier Merkmale: Betriebsgröße, Organisationsgrad, Spezialisierung und die Ausnutzung von Synergieeffekten. Die Zentralisierung oder Dezentralisierung von Ressourcen hängt von der Betriebsgröße und vom Organisationsgrad ab.
Unabhängig ist die Unternehmensstruktur dagegen von der Wahl der Rechtsform, also davon, ob ein Unternehmen als Kapitalgesellschaft oder Personengesellschaft organisiert ist. Ebenso besteht laut Artikel keine Abhängigkeit davon, ob ein Unternehmen arbeitsintensiv oder kapitalintensiv ist.