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Unternehmenssoftware
... Kostenartenrechnung, Gemeinkostenrechnung, Kostenträger- und Ergebnisrechnung. Absatzwirtschaft. Bearbeiten. Zur Absatzwirtschaft zählen Vertrieb und Marketing.
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Bereitstellung
Unternehmenssoftware (auch Enterprise Application Software, Enterprise Software oder selten Business Software) ist ein unscharf verwendeter Begriff für Anwendungssoftware in Unternehmen und anderen Organisationen. Im engeren Sinn unterstützt sie ein Unternehmen dabei, seine Ziele zu erreichen. Sie unterscheidet sich damit von allgemeinen Arbeitsmitteln wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation, die auch einzelne Personen und kleine Teams nutzen. Eine eindeutige Abgrenzung zur privaten Software ist aber nicht möglich, weil etwa Büroanwendungen und Datenbanken in beiden Bereichen vorkommen.
Unternehmen kombinieren häufig Standardsoftware-Pakete wie ERP, CXM und CRM, integrieren sie miteinander und passen sie an ihre Bedürfnisse an (Customization). So entsteht ein unternehmensindividuelles Enterprise-System beziehungsweise eine Unternehmenssoftwarearchitektur. Das Verhältnis von kritischen eigenen Anpassungen und Standardsoftware soll zugleich Wettbewerbsvorteile und die Skalierbarkeit komplexer Software ermöglichen.
Seit dem Jahrtausendwechsel hat Unternehmenssoftware durch SaaS, PaaS und Cloud-Dienste zunehmend den Charakter von Outsourcing angenommen. Seit den 2010er-Jahren wird sie verstärkt als Software-as-a-Service (SaaS) angeboten. Marktstudien schätzen den globalen SaaS-Markt 2024/2025 auf rund 250 bis 400 Milliarden US-Dollar und prognostizieren für 2030/2032 mehr als 800 Milliarden bis über 1,1 Billionen US-Dollar bei zweistelligen jährlichen Wachstumsraten.
Betriebswirtschaftliche Kernbereiche
Betriebswirtschaftliche Anwendungen lassen sich nicht scharf trennen: Ihre Aufgaben greifen ineinander, und Softwarepakete können unterschiedlich stark integriert sein.
Materialwirtschaftssysteme heißen im Handel auch Warenwirtschaftssysteme. Sie unterstützen die verbrauchsgesteuerte Disposition, Einkauf und Beschaffung, Bestandsführung bei Lagerzu- und -abgängen, Inventur, Rechnungsprüfung und Lagerverwaltung. In Produktionsbetrieben gehören sie zur Produktionsplanung und -steuerung (PPS). Da Materialien Mengen und einen Wert besitzen, werden Menge und Wert meist parallel behandelt. Preise verbinden die Materialwirtschaft mit der Betriebswirtschaft, Werte mit der Finanzwirtschaft. E-Procurement bezeichnet die elektronische Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen über das Internet. Einkauf, Lagerverwaltung und Kommissionierung können einzelne Teilfunktionen abdecken.
Personalwirtschaft oder Human Resource Management (HR) umfasst Personalverwaltung, Zeiterfassung und -auswertung, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie die Bearbeitung steuer-, sozial- und arbeitsrechtlicher Aufgaben. Weitere Aufgaben sind Reisekostenabrechnung, Personalplanung und Personalentwicklung. Personalinformationssysteme ermöglichen Auskünfte aus Personaldaten.
Zur Finanz- und Betriebswirtschaft beziehungsweise zum Controlling zählen Finanzbuchhaltung, Bilanz und GuV, Kreditoren-, Debitoren- und Anlagenbuchhaltung sowie Erlös- und Kostenartenrechnung, Gemeinkostenrechnung, Kostenträger- und Ergebnisrechnung. Rechnungswesen mit Finanz- und Betriebsbuchhaltung gehörte zu den frühen Computeranwendungen und löste in den 1960er und 1970er Jahren Tabelliermaschinen und Buchungsautomaten ab.
Verkauf, Produktion und Wertschöpfung
Absatzwirtschaft umfasst Vertrieb und Marketing. Vertriebssoftware hilft bei Auftragserfassung, Preisfindung und Rabattierung. Nach der Prüfung der buchmäßigen Artikelverfügbarkeit und der Kreditwürdigkeit des Kunden folgen Lieferung, Versand und Fakturierung. Unterschiedliche Vertriebswege und Produkte führen dabei zu branchenspezifischen Lösungen. Customer-Relationship-Management-Software (CRM) dient der Pflege von Kundenbeziehungen, etwa durch Kontakt- und Kampagnenverwaltung, Steuerung von Verkaufschancen und Vertriebsprozessen, Auftragsmanagement sowie Serienbriefe und E-Mails.
PPS-Software verbindet Teile der Absatzwirtschaft, besonders die Kundenauftragsverwaltung, mit großen Teilen der Materialwirtschaft. Kernfunktionen sind die Verwaltung von Konstruktions- und Produktionsdaten, Bedarfsermittlung, Fertigungs- und Kapazitätsplanung sowie Werkstattsteuerung. Vor 1970 bestand PPS zunächst nur aus Materialplanung (MRP). Nach 1970 kamen Termin- und Kapazitätsplanung hinzu. Termikon wurde Anfang der 70er Jahre auf Initiative des VDMA als erstes deutschsprachiges Termin- und Kapazitätsplanungssystem entwickelt. MRP II begann etwa 1980 und ergänzt Material-, Termin- und Kapazitätsplanung um vorgelagerte Planungsstufen sowie weitere Ressourcen, zum Beispiel benötigtes Kapital.
Supply-Chain-Management baut auf Logistik auf, die Materialflüsse von und zu Lieferanten und Kunden betrachtet. Kunden und Zulieferer werden dabei über Unternehmensgrenzen hinweg in PPS integriert. Die Wertschöpfung wird als zusammenhängender Prozess verstanden, der beim Rohstofflieferanten beginnt und beim Kunden endet.
Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) sind ein Marketingbegriff. Je nach Anbieter umfassen sie alle angebotenen Anwendungen: beispielsweise Materialwirtschaft, Fertigung, Finanz- und Rechnungswesen, Personalwirtschaft, Dienstleistung, Verkauf sowie Forschung und Entwicklung.
Technische Anwendungen und Datenflüsse
Technische Unternehmenssoftware wird oft als C-Techniken oder CAx-Softwaresysteme bezeichnet; „CA“ steht für „Computer Aided“. CAE (Computer Aided Engineering) fasst diese C-Techniken für Ingenieure zusammen. Die Anwendungen stehen nicht getrennt von kaufmännischen Systemen: Sie empfangen Informationen aus betriebswirtschaftlichen Anwendungen und liefern Informationen an diese zurück.
CAFM (Computer Aided Facility Management) dient der Planung, Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen. CAD (Computer Aided Design) unterstützt Konzeption, Entwurf und Detaillierung von Produkten in Form technischer Zeichnungen. CAD erhält aus PPS-Systemen unter anderem Kundenaufträge, Arbeitspläne, Material- und Stücklistendaten sowie Informationen über Betriebsmittel. Es liefert beispielsweise Stücklisten, Kalkulationsinformationen, technische Dokumentationen und Zeichnungen an PPS-Systeme.
CAP (Computer Aided Planning) umfasst die Arbeitsplanung für konventionelle Bearbeitung und NC-Maschinen. Es kann Daten unmittelbar aus CAD-Systemen empfangen; sein Ergebnis ist ein Arbeitsplan für Produktionsplanung und Fertigung. CAM (Computer Aided Manufacturing) bezeichnet ein breites Feld der Automatisierung und Flexibilisierung der Fertigung. Dazu zählt DNC (Distributed Numerical Control) zur Steuerung von Werkzeugmaschinen, Handhabungssystemen und Robotern sowie automatisierte Lager- und Transportsysteme.
CAQ (computer-aided quality assurance) beginnt mit der rechnergestützten Planung von Prüfungsvorgängen und begleitet den Materialfluss von der Wareneingangsprüfung über die Fertigung bis zur Prüfung des fertigen Erzeugnisses. Genannt werden automatisierte Hilfsmittel wie Analyseinstrumente, Zähler und Sensoren. Weitere Beispiele sind CAR für Robotereinsatz, CAI für Instandhaltung, CAT für Testen, EDM für Produktdatenmanagement und CASE für rechnergestützte Softwareentwicklung.
Information, Zusammenarbeit und Abläufe
Management-Informationssysteme (MIS) und Simulationssysteme unterstützen die Auswertung und Steuerung. MIS greifen entweder auf Datenbanken einzelner operativer Systeme zu oder ermitteln benötigte Daten durch Data-Mining, also das Auffinden von Informationen in Datensammlungen. Diese Datensammlungen stammen meist aus mehreren Quellen und werden in einem Data-Warehouse zusammengeführt.
Für übergreifende betriebliche Abläufe werden unter anderem Workflow-Management-Systeme, Contentmanagement, Dokumentenmanagement, elektronische Archivierung und Informationslebenszyklusmanagement eingesetzt; diese Themen werden unter Enterprise-Content-Management zusammengefasst. Außerdem haben Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken auf Personalcomputern, Präsentations- und E-Mail-Programme in Unternehmen jeder Größe eine wesentliche Rolle. Groupware unterstützt die Zusammenarbeit in Gruppen, und Projektmanagementsoftware dient häufig der Planung und Steuerung großer Projekte.
Auswahlstrategien und Outsourcing
Die Auswahl von Unternehmenssoftware erfordert sorgfältige Abwägungen. Im Extremfall kann sie den Unternehmenserfolg gefährden, etwa wenn Beschäftigte nicht schnell genug auf benötigte Daten zugreifen können. Drei grundlegende Strategien sind:
- Standardsoftware wird eingekauft und bei Bedarf an die Anforderungen des Kunden angepasst.
- Individualsoftware wird speziell nach den Anforderungen des Kunden entwickelt.
- Bei Best of Breed werden mehrere Branchenlösungen für unterschiedliche Teilbereiche eingesetzt. Ein Systemintegrator verbindet sie. Die Idee ist, für jeden Bereich die jeweils „beste“ Lösung auszuwählen, weil eine übergreifende Lösung dies oft nicht erreicht.
Heterogene Best-of-Breed-Systeme haben jedoch Nachteile: Wartungskosten für einzelne Systeme, notwendiges systemspezifisches Fachwissen zur Betreuung der Anwender, Administrationsaufwand für die Server-Farm, Kosten von bis zu 80 % des IT-Budgets sowie Schnittstellenprobleme.
Der Betrieb der Unternehmenssoftware wird häufig ausgelagert. Das beauftragte Unternehmen kann Hardware betreiben, Operations durchführen sowie Software auswählen, beschaffen, einführen, warten und anpassen. Die vereinbarten Leistungen werden durch SLAs festgelegt.