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Textverarbeitung

Textverarbeitung ist die Erstellung und Bearbeitung von schriftlichen Texten mithilfe von organisatorischen und technischen Mitteln.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung von Schreibmaschinen zu Computern
  3. 3. Editoren und wichtige Funktionen
  4. 4. Zeichenorientierte und grafische Textverarbeitung
  5. 5. Dateiformate, Einsatzbereiche und Klassifikation
  6. 6. Kritische Einwände

Begriff und Bedeutung

Textverarbeitung ist die Erstellung und Bearbeitung schriftlicher Texte mithilfe organisatorischer und technischer Mittel. Heute geschieht sie meist mit elektronischen Programmen. Ein Textverarbeitungsprogramm dient zum Verfassen von Textdokumenten; Texte können als Datei gespeichert und/oder ausgedruckt werden. Zum Bereich der Textverarbeitung zählen begrifflich jedoch auch das händische Erstellen und Bearbeiten von Texten auf Papier sowie der klassische Bleisatz, bei dem ein Text an ein vorgegebenes Layout mit Raumgliederung und Bildern angepasst wird.

Textverarbeitung ist für Schule, Büro und andere Bereiche wichtig, weil Texte nicht nur erfasst, sondern auch korrigiert, gestaltet, gespeichert, vervielfältigt und mit anderen Inhalten verbunden werden können. Moderne Programme integrieren neben der Texterfassung unter anderem Grafikeinbindung, Tabellenerstellung, Formelgenerierung und Präsentationsgrafik.

Entwicklung von Schreibmaschinen zu Computern

Ein Vorläufer moderner Textverarbeitungsprogramme war der Schreib- oder Korrespondenzautomat. Er besaß mindestens eine Lese- und eine Schreibeinheit und verarbeitete Lochstreifen. Ein typischer Einsatz war die Erstellung von Serienbriefen: Textdokument und Adressdaten konnten auf getrennten Lochstreifen gespeichert werden; Geräte mit zwei Leseeinheiten konnten beide Informationen verbinden.

Bis ins 20. Jahrhundert wurden Texte überwiegend handschriftlich verfasst. Im 19. Jahrhundert kamen praktisch verwendbare Schreibmaschinen auf. Ihre Vorteile gegenüber der Handschrift waren ein klareres Schriftbild, normierte Zeichengrößen und schnelleres Schreiben. Besonders in Büros verbreiteten sie sich stark. Stehpulte wurden zunehmend durch Schreibtische ersetzt, und Schreiben wurde von einer stehenden zu einer sitzenden Tätigkeit. Diese Entwicklung verlief parallel zur Mechanisierung der Büroarbeit, etwa durch Rechenmaschinen, Hollerithmaschinen und das Telefon.

Der Ausdruck „Textverarbeitung“ wurde in den 1960er-Jahren vom deutschen IBM-Manager Ulrich Steinhilper geprägt und bei IBM als „Word Processing“ ins Englische übersetzt. IBM brachte 1964 die MT/ST (Magnetic Tape/Selectric Typewriter) auf den Markt, in Europa unter dem Namen MT 72. Sie bestand aus einer Kugelkopfschreibmaschine mit angeschlossenem Magnetbandspeicher und war der erste Apparat, der unter dem Begriff Textverarbeitung beziehungsweise Word Processing vermarktet wurde.

Ab Mitte der 1950er-Jahre entstanden elektromechanische Schreibautomaten, die manuell bedient werden oder gespeicherte Texte schreiben konnten. Korrespondenzautomaten ermöglichten die Auswahl von Textbausteinen aus einem Texthandbuch und deren Verbindung zu individuellen Texten. Als Informationsträger dienten unter anderem Lochstreifen, Lochkarten, Magnetbänder und Magnetkarten. IBM-Korrespondenzautomaten mit Kugelkopfschreibmaschine erreichten etwa 800 bis 900 Anschläge pro Minute. Geräte, die bereits 1912 von Hooven in Cincinnati hergestellt wurden, konnten Serienbriefe automatisch schreiben, boten aber keine Auswahlmöglichkeit.

1960er-Jahre-Computersysteme standen überwiegend in größeren Unternehmen oder Institutionen und wurden dort für den Schriftverkehr eingesetzt. 1971 lieferte die 1969 von Evelyn Berezin gegründete Redactron Corporation die Data Secretary aus, das erste computergesteuerte Textverarbeitungssystem. Später erleichterten Bildschirme die direkte Textausgabe; Disketten wurden als Speichermedium verwendet. Der CPT 8515 war ein 1981 erhältlicher Computer, der eine mechanische Schreibmaschine imitierte und damals über 32.000 DM kostete, ohne Diskettenlaufwerk.

Durch sinkende Anschaffungskosten wurde der universell nutzbare Personal Computer zu Beginn der 1980er-Jahre für breite Bevölkerungskreise zugänglich. Spezialisierte Textverarbeitungssysteme verschwanden in den 1980er- und 1990er-Jahren zunehmend vom Markt, weil PCs vielseitiger und günstiger wurden und die wachsenden Fähigkeiten der Textverarbeitung vollwertige Computer erforderten.

Editoren und wichtige Funktionen

Die ersten Textverarbeitungsprogramme waren einfache Texterfassungsprogramme. Sie nutzten nicht genormte Zeichensätze und waren dadurch an den jeweiligen Computer und das Betriebssystem gebunden. Auch die erstellten Texte mussten für andere Computersysteme gegebenenfalls in andere Zeichensätze konvertiert werden.

Mit standardisierten Zeichensätzen entstanden ASCII-Editoren. ASCII ist eine festgelegte Tabelle von Zeichen, die systemübergreifend meist die erste Hälfte des 8-Bit-Bereichs ohne das erste Bit umfasst und 126 Standardzeichen enthält. Dazu gehören die Buchstaben des englischen Alphabets, die zehn Dezimalziffern, Satzzeichen, Operatoren und Steuerzeichen. Sonderzeichen anderer Sprachen sind in diesem Bereich nicht enthalten. In ähnlichen Softwaresystemen kann auch die zweite Hälfte des 8-Bit-Zahlenbereichs für Sonderzeichen oder Blockgrafik verwendet werden. Unicode kann bei Textdateien systembedingt nicht direkt unterstützt werden; Programme mit Unicode-Unterstützung müssen den Zeichensatz anhand des Textinhalts interpretieren.

Einfache ASCII-Editoren können meist speichern, laden und drucken. Erweiterte Editoren bieten Textmarkierung, Ausschneiden, Kopieren und Verschieben von Textabschnitten sowie Syntaxhervorhebung und Makroprogrammierung. Komplexe Programme wie Emacs oder Vim nähern sich unter den Einschränkungen eines textorientierten Betriebssystems moderner Textverarbeitung an. Sie berücksichtigen beispielsweise Anforderungen von Systemadministratoren und Programmierern und können mit Compilern und anderer externer Software verbunden werden.

Textverarbeitungsprogramme gehen über reine Texteditoren hinaus. Typische Funktionen sind Textüberarbeitung, Rechtschreibprüfung, Indexerstellung, Suchen und Ersetzen, Formatvorlagen und Textbausteine. Formatvorlagen erleichtern eine einheitliche Gestaltung, während Textbausteine wiederkehrende Inhalte einfügen. Regeln zur Gestaltung sollen vereinheitlicht werden, in Deutschland etwa durch DIN 5008, die Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung, und in Österreich durch ÖNORM A 1080:2007 03 01. Der Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen und anderer Standardsoftware ist außerdem Bestandteil des Informatikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen.

Zeichenorientierte und grafische Textverarbeitung

Zeichenorientierte Textprogramme, auch CUI-Programme (Character User Interface), verwenden einen normierten und beschränkten ASCII-Zeichensatz. Die festgelegten Zeichen dienen sowohl der Bildschirmdarstellung als auch dem Ausdruck. Zeichen sind statisch, bereits vorgeformt und haben feste Größen und Abstände. Dadurch arbeiten diese Programme schnell und benötigen vergleichsweise geringe Hardwareleistung.

Der Nachteil ist die eingeschränkte Bildschirmdarstellung. Proportionale Schriftarten, unterschiedliche Schriftgrößen, fett, kursiv, unterstrichen und Umrahmungen werden zunächst nicht angezeigt und sind erst beim Ausdruck erkennbar. Deshalb bieten viele Programme eine Seitenvorschau. Sie schaltet auf eine grafische Darstellung um und zeigt Proportionen, Ränder und die Position von Grafiken so, wie sie im Ausdruck zu erwarten sind. Der Text selbst ist dabei oft nicht mehr lesbar. Teilweise ist auch ein Zoomen der Seitenansicht möglich.

IBM prägte mit seinen Standards die weitere Gestaltung zeichenorientierter Programme. Daraus entstanden COW-Programme (Character Oriented Windows). Ihre Bedienung folgt den SAA-Konventionen: Sie arbeiten fensterorientiert mit Pull-down-Menüs und Rollbalken und werden über die Alt-Taste oder die Maus gesteuert. Wer die Oberfläche eines SAA-Programms erlernt hat, kann andere SAA-Programme meist leichter bedienen.

Grafisch orientierte Textverarbeitung basiert auf einem GUI (Graphical User Interface). Zeichen sind nicht mehr an starre Formen und Größen gebunden. Schriftgrößen und Formatierungen können am Bildschirm so dargestellt werden, wie sie später ausgedruckt werden. Dafür werden Druck- und Bildschirmschriften getrennt behandelt. Die ständige Aktualisierung und Neuberechnung der Anzeige verlangt jedoch erheblich mehr Rechenleistung sowie leistungsfähige Grafikkarten und Bildschirmspeicher.

Grafische Programme zeigen nicht nur Zeichen, sondern auch eingebundene Grafiken, Tabellen und Formeln druckgetreu an. Die Ansicht kann stufenlos vergrößert oder verkleinert werden, wobei die Proportionen erhalten bleiben. Das zentrale Ziel ist WYSIWYG („What You See Is What You Get“): Das Druckergebnis soll dem entsprechen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Weitere Kennzeichen sind umfassende Mausbedienung, Drag and Drop, Icons zum schnellen Aufruf wichtiger Befehle sowie bessere Unterstützung von Tabellen und Grafiken. Grafische Benutzeroberflächen wie die des Apple Macintosh von 1984 und später Windows ermöglichten außerdem Zwischenablage, dynamischen Datenaustausch und Objekt-verbinden-und-einbetten. Eine Druckdarstellung war zwar bereits 1973 auf dem Xerox Alto möglich, erlangte dort aber keine kommerzielle Bedeutung.

Dateiformate, Einsatzbereiche und Klassifikation

Textverarbeitungsprogramme speichern Dokumente traditionell in jeweils eigenen Dateiformaten. Das Rich Text Format brachte eine gewisse Standardisierung, garantiert aber keine einheitliche Layoutdarstellung auf verschiedenen Rechnern. XML-basierte Formate sollten die Standardisierung weiterentwickeln. KOffice verwendete seit dem Projektbeginn 1998 ein XML-Format; OpenOffice.org legte 2002 ein besser spezifiziertes XML-basiertes Format vor. Wegen Unterschieden in den Implementierungen wurde das jeweils andere Format jedoch nie übernommen.

Die Organisation OASIS spezifizierte später das offene Austauschformat OpenDocument. Es basiert auf dem OpenOffice.org-Dateiformat, wurde von Mitarbeitern von Sun Microsystems und KOffice-Entwicklern entwickelt und ist seit 2006 ein quelloffener Standard. Unterstützt wird es unter anderem von Apache OpenOffice, StarOffice, KOffice, Microsoft Word für Windows, AbiWord und TextMaker in aktuellen Versionen.

PDF ist eines der am weitesten verbreiteten Formate für Dokumente, die nicht weiterbearbeitet werden sollen. Es wird von vielen Textverarbeitungsprogrammen oder als virtueller Druckertreiber zum Export angeboten. PDF kann auf den meisten gängigen Betriebssystemen, einschließlich einiger älterer Versionen, gelesen werden und bewahrt das Aussehen eines Dokuments. Diese Plattform- und Layouttreue erschwert wegen zusätzlicher Formatierungsmerkmale allerdings die Weiterverarbeitung. Manche Programme ermöglichen auch den Export nach HTML.

Programme lassen sich nach verschiedenen Kriterien klassifizieren: nach Komplexität, Text- oder Grafikorientierung, Verwendungszweck, Plattformunterstützung, zeitgeschichtlicher Bedeutung, Zielgruppen, Entwicklungsbasis, unterstützten Datei- oder Hypertextformaten und Lizenzierung. In der Praxis gehören viele Programme gleichzeitig mehreren Gruppen an. Die Unterstützung von Betriebssystemen reicht je nach Programm beispielsweise von Windows und macOS bis zu Linux; freie Software unterstützt teilweise Linux oder ist dafür exklusiv verfügbar. Auch besondere Zielgruppen und Hardware spielen eine Rolle. Für Blindenschrift gibt es eine Unicode-Schrift im Format UTF-8, dennoch sind Blinde von Textverarbeitungsprogrammen weitgehend ausgeschlossen und auf Punktschriftmaschinen angewiesen. Wenige Plug-ins ermöglichen Sehenden die Erstellung von Brailledruck, meist für Microsoft Word unter Windows und mit zusätzlichen Anpassungen der Druckertreiber.

Kritische Einwände

Mit der Verbreitung von Textverarbeitungsprogrammen nahm auch die Kritik zu. Das Schreiben am Bildschirm könne dazu führen, dass Autoren den Überblick über einen Text verlieren. Stefan Weber bezeichnete dies als „Textkultur ohne Hirn“. Nach dieser Kritik werden Texte nicht mehr selbst erstellt und inhaltlich durchdrungen und auch kaum noch gelesen, sondern durch Kopieren und Einfügen zusammengesetzt. Besonders deutlich zeige sich dieses Problem bei aus dem Internet zusammengesuchten Plagiaten.

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