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Materialwirtschaft

Die Materialwirtschaft oder Warenwirtschaft beschäftigt sich mit der Verwaltung sowie der zeitlichen, mengenmäßigen, qualitativen und eventuell auch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Kernaufgabe
  2. 2. Ziele
  3. 3. Funktionen und Integrationsstufen
  4. 4. Objekte der Materialwirtschaft
  5. 5. Abgrenzung und Schnittstellen

Begriff und Kernaufgabe

Die Materialwirtschaft, auch Warenwirtschaft genannt, verwaltet und plant die Materialbewegungen innerhalb eines Unternehmens sowie zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt. Dabei berücksichtigt sie den zeitlichen, mengenmäßigen, qualitativen und gegebenenfalls räumlichen Ablauf. Sie koordiniert den Warenfluss zwischen Lieferanten, Kunden, Bedarfsträgern, zum Beispiel der Produktion, und den Lagern.

In produzierenden Unternehmen sorgt sie für die Versorgung der Produktionsbereiche mit direkten Gütern. Dazu gehören Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Zulieferteile und Halbfabrikate. Außerdem stellt sie indirekte Güter wie Büroartikel, Ersatzteile und Serviceleistungen bereit. Die Theorie der Materialwirtschaft gehört zur Produktionswirtschaft und zur Produktionslogistik.

Ziele

Das Sachziel besteht darin, die benötigten Güter bei Bedarf bereitzustellen. Diese materielle Liquidität soll sichergestellt werden hinsichtlich:

  • der richtigen Art und Menge,
  • der richtigen Produkte,
  • der benötigten Qualität,
  • des richtigen Zeitpunkts,
  • des richtigen Ortes,
  • des richtigen Preises,
  • der richtigen Informationen.

Dies wird als die sechs „R“ der Logistik bezeichnet und auch zu sieben „R“ erweitert.

Das Formalziel ist die Aufdeckung und Nutzung von Einsparungspotenzialen. Die Materialwirtschaft muss zwischen den Kosten für die Bereitstellung der Güter, die sich unter anderem im Lieferbereitschaftsgrad beziehungsweise Servicegrad zeigen, und den Kosten einer fehlenden, aber benötigten Menge abwägen. Diese Fehlmengenkosten sollen optimiert werden. Außerdem soll das in Lagerbeständen gebundene Kapital durch geringere Lagerbestände und die Vermeidung unnötiger Lagergüter reduziert werden.

Das Sozialziel betrifft den Umweltschutz. Dazu gehören die Einhaltung gesetzlicher Richtlinien zu Emissionen, Gebrauch und Entsorgung von Materialien und Gefahrstoffen, die Nutzung von Einsparungspotenzialen durch Recycling sowie Wettbewerbsvorteile durch eine entsprechende Imagepflege.

Funktionen und Integrationsstufen

Die Materialwirtschaft übernimmt zahlreiche Funktionen im Zusammenhang mit dem Materialfluss. Welche Aufgaben ihr zugerechnet werden, hängt vom jeweiligen Integrationsgrad ab. Die integrierte Materialwirtschaft verbindet Aufgaben aus Beschaffung, Logistik und Produktion.

Der Minimalansatz der integrierten Materialwirtschaft umfasst:

  • Beschaffung: Bedarfsermittlung und Beschaffungsmarktforschung,
  • Logistik: Lagerung und innerbetrieblicher Transport,
  • Produktion: Verbrauchsermittlung, Recycling und Entsorgung.

Die erweitert integrierte Materialwirtschaft ergänzt diese Aufgaben um die Produktionsplanung. Dazu zählen die Fertigungssteuerung und die Fertigungsprogrammplanung.

Der Maximalansatz wird als total integrierte Materialwirtschaft bezeichnet. Er umfasst zusätzlich die Distribution. Die Übergänge zwischen den Stufen richten sich danach, wie weit die Aufgabenbereiche organisatorisch und sachlich zusammengeführt sind.

Objekte der Materialwirtschaft

Die Materialwirtschaft bearbeitet unterschiedliche materielle und immaterielle Objekte. Dazu gehören zunächst Stoffe und Bauteile, die unmittelbar in ein Produkt eingehen:

  • Rohstoffe, zum Beispiel Metalle, Wolle und Grundnahrungsmittel,
  • Hilfsstoffe, zum Beispiel Lötzinn und Zwirn,
  • Halbfabrikate, also als Fertigteile vorproduzierte Komponenten wie Einspritzpumpen oder Autotüren.

Mittelbar in ein Produkt einfließende Materialien sind Betriebsstoffe, etwa Maschinenöl. Ebenfalls berücksichtigt werden Abfall- und Verschleißstoffe, die bei der Produktion entstehen und entsorgt oder recycelt werden müssen, zum Beispiel Verschnitt bei Metallblechen. Kuppelprodukte können insbesondere in der prozessorientierten Produktion anfallen. Sie können wertvoll sein oder als Abfall kostenintensiv entsorgt werden müssen.

Weitere Objekte sind alle Produkte aus Eigenfertigung: Fertigerzeugnisse sowie Ware in Arbeit, also in Produktion befindliche Güter beziehungsweise unfertige Erzeugnisse. Hinzu kommen zum Weiterverkauf erworbene Handelswaren, Ersatzteile für Betriebsmittel und immaterielle Güter wie Dienstleistungen. Als Beispiel nennt der Artikel die Lagerung von Dienstleistungen für Drucksachen und Büromaterial in einer Versicherung.

Abgrenzung und Schnittstellen

Die Materialwirtschaft überschneidet sich mit vielen Unternehmensbereichen. In der Praxis werden häufig Module von Enterprise-Resource-Planning-Systemen oder spezielle Warenwirtschaftssysteme eingesetzt, um Arbeitsabläufe zeitsparend zu gestalten.

Zur Logistik besteht die wichtigste Überschneidung. Die Logistik befasst sich primär mit den Güter- und Informationsströmen eines Unternehmens in seinen Außenbeziehungen. Die Materialwirtschaft konzentriert sich dagegen auf innerbetriebliche Material- und Datenströme. Je nach Entscheidungskompetenz gehören zur Materialwirtschaft die Beschaffung und Lagerhaltung benötigter Güter, der innerbetriebliche Transport sowie die Zwischenlagerung während der Produktion. Auch die Endlagerung von Fertigerzeugnissen beim Produzenten, Recycling und Abfallentsorgung können dazugehören. Der Einkauf ist davon abzugrenzen: Er beschäftigt sich eher mit der strategischen Auswahl der Lieferanten sowie dem Aushandeln und Überprüfen von Konditionen.

Die Bewertung der Materialbestände verbindet Materialwirtschaft und Beschaffung mit Finanzbuchhaltung und Controlling. Lagerbestände und Waren in Arbeit werden zum Materialpreis bewertet. Dafür dienen der Einstandspreis, der GLD-Preis oder bei eigengefertigten Produkten der kalkulierte Stückpreis. Die bewerteten Bestände fließen in die entsprechenden Bilanzpositionen ein. Deshalb müssen sowohl Preise als auch Bestandsmengen korrekt dokumentiert sein. Sind die Mengen zweifelhaft, wird durch eine Inventur die korrekte Bestandsmenge neu ermittelt; dieses Verfahren ist aufwendig und kostenintensiv.

Im Controlling wird der bewertete Materialverbrauch benötigt, um bei Fertigungsaufträgen Preis- und Mengenabweichungen zu ermitteln und Ausschuss zu bewerten. Im Rahmen der Produktionskontrolle werden außerdem die Istkosten der Eigenfertigung von Halbfabrikaten und Enderzeugnissen festgestellt.

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