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Ungarische Grammatik

Akkusativ wen/was? -(o)t, a házat „das Haus“. Dativ wem? -nak/nek, a háznak „dem Haus“. Translativ zu was werdend? -vá/vé, házzá „zu einem Haus (werdend) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzipien
  2. 2. Nomen und Kasus
  3. 3. Pronomen und Postpositionen
  4. 4. Verben
  5. 5. Wortbildung und Satzbau

Grundprinzipien

Die ungarische Grammatik ist vor allem durch Agglutination geprägt. Das bedeutet: Grammatische Bedeutungen werden meist durch klar erkennbare Suffixe an einen Stamm angehängt. Dadurch entsprechen einem ungarischen Wort oft mehrere deutsche Wörter. Zum Beispiel besteht tántoríthatatlanság „Unerschütterlichkeit“ aus mehreren Stufen: tántorít „(er) schwankt“, tántoríthat „(er) kann schwanken“, tántoríthatatlan „nicht schwanken könnend“, tántoríthatatlanság „Unerschütterlichkeit“. Auch Formen wie zenészeknek „den Musikern“ zeigen das Prinzip: zenész „Musiker“, -ek Plural, -nek Dativ.

Viele Verhältnisse, die im Deutschen mit eigenen Wörtern ausgedrückt werden, erscheinen im Ungarischen als Endungen, etwa Besitz, Richtung, Ort oder Zeit. Die Suffixe stehen in fester Reihenfolge. Deshalb hat ein ungarischer Text oft weniger, aber längere Wörter als ein deutscher Text. Ein einzelnes Wort kann erweitert werden, etwa tántoríthatatlanságunkkal „durch unsere Unbeirrbarkeit“ oder felhívhatlak „ich kann dich anrufen“.

Eine zentrale Lautregel ist die Vokalharmonie: Der Stamm bleibt unverändert, aber der Vokal des Suffixes passt sich an. Man unterscheidet dunkle Vokale wie a/á, o/ó, u/ú und helle Vokale wie ö/ő, ü/ű; e/é und i/í sind oft mehrdeutig. So heißt es napok „Tage“ zu nap, aber sünök „Igel“ zu sün und címek „Adressen“ zu cím. Manche Wörter mit nur e/é/i/í müssen einzeln gelernt werden, etwa cél „Ziel“, dessen Plural célok lautet. Viele Suffixe haben daher Paare oder Tripel wie -tok/-tök/-tek. Bei Fremdwörtern kann es Schwankungen geben, etwa objektívan/objektíven „auf objektive Weise“.

Weitere Eigenheiten sind die feste Betonung auf der ersten Silbe, kurze und lange Vokale auch in unbetonten Silben, viele Funktionen des Lautes k, keine ursprünglich einheimischen Wortanfänge mit mehreren Konsonanten und ein häufiges Arbeiten mit trennbaren Verbvorsilben. Es gibt daneben allgemeine Unregelmäßigkeiten, die historisch aus Lautveränderungen entstehen: kurze Endvokale fielen oft aus, auslautendes a/e/o wird vor vielen Suffixen lang, v kann verschwinden oder mit einem Konsonanten verschmelzen, und j verschmilzt mit bestimmten vorausgehenden Lauten.

Nomen und Kasus

Zu den nominalen Wortarten gehören im Ungarischen Substantive, Adjektive, Pronomen und Determinative. Sie können Plural- und Kasusendungen erhalten, aber sie haben kein grammatisches Geschlecht. Für „er“ und „sie“ steht bei Personen im Singular dieselbe Form ő. Bei Nicht-Personen unterscheidet man statt Geschlecht Nähe und Ferne: ez „dies“ und az „jenes“.

Attribute stehen vor dem Substantiv und bleiben dort unverändert: a nagy ház „das große Haus“, a nagy házak „die großen Häuser“, a nagy házaknak „den großen Häusern“. Nur das letzte Wort erhält Plural- oder Kasusendungen. Adjektive werden aber flektiert, wenn sie prädikativ oder substantivisch gebraucht werden: A házak nagyok „Die Häuser sind groß“.

Besitz wird nicht durch attributive Possessivpronomen ausgedrückt, sondern durch Possessivsuffixe: ház „Haus“, a házam „mein Haus“, a házunk „unser Haus“. Bei mehreren besessenen Dingen steht ein Pluralzeichen -i- zwischen Stamm und Possessivsuffix: a házaim „meine Häuser“. Diese Formen können weitere Kasusendungen erhalten, etwa a házaimnak „meinen Häusern“.

Der Plural wird grundsätzlich durch -k gebildet, oft mit Bindevokal: napok „Tage“, házak „Häuser“, könyvek „Bücher“. Nach Zahlwörtern, sok „viele“ und minden „alle/jeder“ steht das Substantiv meist im Singular: három fa „drei Bäume“, sok fa „viele Bäume“. Auch Körperteile, Haare und Zähne erscheinen häufig im Singular, wenn nach ungarischem Empfinden keine Pluralmarkierung nötig ist.

Das Ungarische hat etwa 18 Kasusformen. Der Nominativ ist endungslos und dient auch als Anredeform. Der Akkusativ hat -t. Weitere wichtige Kasus sind der Dativ -nak/-nek, der Instrumental-Komitativ -val/-vel „mit“, der Terminativ -ig „bis“, der Translativ -vá/-vé „zu etwas werdend“ sowie Ortskasus. Diese bilden ein 3-mal-3-System: innen -ban/-ben „in“, -ból/-ből „aus“, -ba/-be „hinein“; Oberfläche -on/-en/-ön „auf“, -ról/-ről „von herunter“, -ra/-re „auf hinauf“; Nähe -nál/-nél „bei“, -tól/-től „von weg“, -hoz/-hez/-höz „zu hin“. Viele dieser Formen sind historisch aus Substantiven und alten Kasus entstanden.

Adjektive bilden den Komparativ meist mit -bb und den Superlativ mit leg-: nagy „groß“, nagyobb „größer“, legnagyobb „größter“. Ein verstärkter Superlativ kann durch legesleg- entstehen. Zahlwörter können wie Nomen flektiert werden, wenn sie allein stehen. Nach ihnen bleibt das gezählte Substantiv im Singular. Besondere Ableitungen bilden etwa Vervielfältigungen mit -szor „-mal“, Bruchzahlen mit -d und Ordnungszahlen mit -ik.

Pronomen und Postpositionen

Das ungarische Pronominalsystem unterscheidet viele Reihen. Fragepronomen beginnen oft mit m- oder h-, etwa mi? „was?“ und hány? „wie viele?“, mit Ausnahme von ki? „wer?“. Relativpronomen entstehen meist durch ein vorgestelltes a-, etwa aki „der/die“ für Personen oder amely/ami „welches/was“ für Nicht-Personen. Negierende Pronomen beginnen mit sem-, zum Beispiel semmi „nichts“, Universalpronomen mit mind-, etwa minden „alles“, und unbestimmte Formen mit vala-, bár-/akár- oder né-.

Demonstrativpronomen unterscheiden konsequent Nähe und Ferne: ez/az „dieses/jenes“, itt/ott „hier/dort“, ide/oda „hierhin/dorthin“, innen/onnan „von hier/von dort“, így/úgy „so“. Bei attributivem ez und az wird sowohl das Pronomen als auch das Substantiv flektiert, und dazwischen steht der bestimmte Artikel: ez a ház „dieses Haus“, ezen a házon „auf diesem Haus“, ezek a házak „diese Häuser“. Auch bei Postpositionen kann die Konstruktion doppelt erscheinen: ezek előtt a házak előtt „vor diesen Häusern“.

Die Personalpronomen haben nur Nominativ und Akkusativ als eigentliche Kasusformen: én „ich“, te „du“, ő „er/sie“, mi „wir“, ti „ihr“, ők „sie“; engem(et) „mich“, téged(et) „dich“, őt „ihn/sie“. Für andere Kasus werden Formen aus Kasus- oder Postpositionsstämmen mit Possessivendungen gebildet: nálam „bei mir“, velem „mit mir“, bennem „in mir“, róla „von ihm/über ihn“. Alleinstehende Possessivformen lauten etwa az enyém „meins“, az övé „seins/ihrs“.

Postpositionen stehen hinter dem Substantiv und entsprechen häufig deutschen Präpositionen: a ház mellett „neben dem Haus“, a ház alatt „unter dem Haus“. Viele sind historisch aus einem Substantiv und einem alten Kasus entstanden, etwa mellett aus einer Bedeutung „an der Brust“ und alatt „am unteren Teil“. Einige verlangen den Nominativ, andere einen Kasus wie Superessiv, Dativ, Allativ oder Instrumental. Persönliche Formen werden mit Possessivendungen gebildet: alattam „unter mir“, alattad „unter dir“, alatta „unter ihm/ihr“, közöttük „zwischen ihnen“.

Verben

Die Wörterbuchform eines ungarischen Verbs ist nicht der Infinitiv, sondern die 3. Person Singular Präsens Indikativ: vár bedeutet eigentlich „er/sie wartet“. Der Infinitiv lautet várni „warten“. Das Verbalsystem unterscheidet bei transitiven Verben zwischen unbestimmter und bestimmter Konjugation. Unbestimmt steht, wenn das Objekt unbestimmt ist oder fehlt: hallok „ich höre“, hallok egy madarat „ich höre einen Vogel“. Bestimmt steht bei einem bestimmten Objekt: hallom „ich höre es“, hallom a zajt „ich höre den Lärm“. Für die Beziehung „ich dich/euch“ gibt es eine eigene Endung: hallak „ich höre dich/euch“.

Es gibt 6 unbestimmte und 6 bestimmte Personenendungen sowie die ich-dich-Form, also 13 Personenendungen. Diese erscheinen in vier einfachen finiten Formen: Präsens Indikativ, Präsens Konjunktiv/Imperativ, Perfekt und Konditional. Daraus ergeben sich 13 × 4 = 52 finite Formen. Dazu kommen infinite Formen wie Infinitiv, Partizip Präsens, Partizip Perfekt, Gerundiv/Partizip Futur, Verbalsubstantiv und Adverbialpartizip.

Das moderne Ungarisch hat drei Zeitformen: Präsens, Perfekt und Futur. Das Futur wird mit dem Hilfsverb fog „fassen“ gebildet: várni fog „er wird warten“. Das Perfekt kann Vergangenheit, deutsches Perfekt und Plusquamperfekt abdecken; már várt „er hatte gewartet“ bedeutet wörtlich „er hat schon gewartet“. Das Konditional Perfekt wird mit volna gebildet: várt volna „er hätte gewartet“.

Das Verb lenni verbindet Bedeutungen von „sein“ und „werden“. Sein Infinitiv lenni kann beides bedeuten; lesz kann „er wird“ oder „er wird sein“ heißen. Die 3. Person van/vannak „ist/sind“ fällt in vielen Sätzen mit Nominal- oder Adjektivprädikat weg: Péter orvos „Peter ist Arzt“. Sie steht aber bei Ortsangaben, Existenz, Zustandspassiv, Besitzkonstruktionen und bestimmten Redewendungen: Tamás itt van „Thomas ist hier“, van kenyér „es gibt Brot“, Péternek van egy kutyája „Peter hat einen Hund“. Die verneinten Formen sind nincs und nincsenek.

Ein eigentliches modernes Passiv fehlt weitgehend. Häufig wird die 3. Person Plural aktiv gebraucht: várnak kann „sie warten“, „man wartet“ oder „es wird gewartet“ bedeuten. Ein Zustandspassiv entsteht mit -va/-ve und lenni: A levél meg van írva „Der Brief ist geschrieben“. Viele intransitive, reflexive oder passivähnliche Bedeutungen entstehen durch Suffixe wie -ul, -ódik, -(ko)dik, -(ko)zik und -szik. Modalbedeutungen werden oft unpersönlich ausgedrückt: várni kell „man muss warten“, várnom kell „ich muss warten“.

Wortbildung und Satzbau

Die Wortbildung nutzt zahlreiche Derivationssuffixe. Adjektive entstehen zum Beispiel mit -i, -ú, -talan/-atlan, -(o)s oder Partizipien; Substantive mit -ság, -alom, -ász, -da, -s, -ad oder dem Verbalsubstantiv -ás. Adverbien werden häufig mit -an gebildet, etwa gyorsan „schnell“, oder mit -ul/-ül, etwa magyarul „auf Ungarisch“. Weitere Ableitungen bilden aktive Verben mit -ít, Vorgangsverben mit -ul oder -ik und reflexive Verben mit -(ko)dik, -(ko)zik oder -szik.

Verben können erweitert werden: -(o)gat bezeichnet häufig Wiederholung oder Dauer, etwa telefonálgatni „immer wieder anrufen“; -(t)at bildet Kausative wie váratni „jemanden warten lassen“; -hat bildet den Potentialis „können/dürfen“, etwa bemehet „darf hineingehen“. Diese Suffixe können kombiniert werden, wie in elhallgattathatlak „ich kann dich zum Schweigen bringen“. Komposita sind möglich, aber oft werden im Ungarischen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen oder Besitzkonstruktionen bevorzugt, etwa nappali szoba „Wohnzimmer“ oder a macska farka „Katzenschwanz“.

Der Satzbau ist stark informationsstrukturell organisiert. Jedes Satzglied kann grundsätzlich an verschiedenen Positionen stehen, aber die tatsächliche Stellung hängt von Topik und Fokus ab. Das Topik ist das, worüber gesprochen wird; der Fokus trägt die wichtigste neue oder kontrastive Information und steht vor dem finiten Verb. Deshalb können Sätze je nach Fokus unterschiedliche Reihenfolgen haben, ohne dass die Kasusbeziehungen unklar werden. Ungarisch ist außerdem eine Pro-Drop-Sprache: Subjektpronomen werden meist weggelassen, außer zur Hervorhebung oder zur Unterscheidung von formeller Anrede.

Entscheidungsfragen haben oft dieselbe Wortstellung wie Aussagen und werden durch Satzmelodie oder die Partikel -e markiert: hazamegy-e? „geht er nach Hause?“. Aufforderungen stehen im Konjunktiv/Imperativ: menj haza! „geh nach Hause!“, menjen haza! „er/sie möge nach Hause gehen!“. Nebensätze verlangen keine besondere Verbendstellung. Die wichtige Konjunktion hogy kann „dass“, „damit“ oder nur den Beginn eines Nebensatzes markieren. Relativsätze beginnen mit a-Formen wie aki, ami, amely oder ahol. Häufig steht im Hauptsatz ein hinweisendes Wort wie azt, azért oder arra, das mit dem Nebensatz zusammengehört.

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