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Instrumentalis

Instrumentalis oder Instrumental – dt. auch Womit-Fall – bezeichnet in der Sprachwissenschaft einen grammatischen Fall oder Kasus, dessen Namen von seiner …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundfunktion und Stellung
  2. 2. Verbreitung und allgemeine Entwicklung
  3. 3. Entwicklung in den germanischen Sprachen
  4. 4. Funktionen in den slawischen Sprachen
  5. 5. Baltische und andere Sprachen

Grundfunktion und Stellung

Der Instrumentalis, auch Instrumental oder „Womit-Fall“, ist ein grammatischer Fall. Seine typische Funktion besteht darin, das Instrument oder Mittel einer Handlung anzugeben. Er bezeichnet also den Gegenstand, durch dessen Einsatz eine Handlung eines Agens ermöglicht oder gefördert wird, etwa ein Werkzeug.

Der Instrumentalis bildet häufig eine Adverbialphrase des Instruments. Seine Funktionen können sich jedoch auch auf andere adverbiale Bestimmungen und weitere grammatische Aufgaben erstrecken. Im Deutschen gibt es keinen Instrumentalkasus. Das Deutsche drückt diese Bedeutung gewöhnlich mit Präpositionalkonstruktionen aus, zum Beispiel „mit einem Hammer“.

Verbreitung und allgemeine Entwicklung

Der Instrumentalis kommt in vielen Sprachen der Welt vor. Im Urindogermanischen war er vermutlich einer von acht Fällen des Substantivs; einige indogermanische Sprachen, besonders baltische und slawische Sprachen, haben ihn bis heute bewahrt.

In den meisten heutigen indogermanischen Sprachen wurde der Instrumentalis durch eine Präpositionalfügung ersetzt, etwa deutsch „mit einem Hammer“ oder französisch „avec un marteau“. Im Lateinischen ging er im Ablativ auf. Die weitere Entwicklung verläuft in den einzelnen Sprachfamilien unterschiedlich: Manche Sprachen bewahren einen eigenständigen Kasus, andere verwenden dafür einen anderen Kasus oder eine Präposition.

Entwicklung in den germanischen Sprachen

Im Urgermanischen dürfte der Instrumentalis beispielsweise beim Wort für „Rad“ die Form *hwehwlō gehabt haben, während der Nominativ *hwehwlą lautete. Im Neuhochdeutschen entspricht die Instrumentalisfunktion der Präpositionalphrase „mit einem/dem Rad“; der Nominativ lautet „ein/das Rad“.

Im Althochdeutschen war der Instrumentalis noch rudimentär vorhanden. Das Hildebrandslied enthält das Beispiel swertu houwan („mit dem Schwert hauen“). Schon damals wurde der Kasus zunehmend durch Präpositionalkonstruktionen verdrängt.

Einige Überreste bestehen im Hochdeutschen bis heute fort. Das Fragewort „wie“ geht auf althochdeutsch (h)wiu zurück und stellt ursprünglich den Instrumental zu „was“ (althochdeutsch (h)waz) dar. Auch „heute“ und „heuer“ enthalten alte Instrumentalisbildungen: Sie gehen auf hiutu beziehungsweise hiuru zurück, die aus *hiu tagu („an diesem Tage“) und *hiu jâru („in diesem Jahre“) entstanden. Weitere Überreste sind das Zeitadverb „heunt“, mundartlich bairisch-österreichisch „heint“, sowie hochalemannisch „hinech“ („heute Abend“), althochdeutsch hînaht, aus *hiu nahti („in dieser Nacht“).

Im Altisländischen und in stark reduzierter Verwendung auch im Neuisländischen kann der Dativ die Funktion des Instrumentalis übernehmen: Jón var stunginn rýtingi bedeutet „Jón wurde mit dem Dolch erstochen“, wobei rýtingi der Dativ von rýtingur ist. Heute ist dafür gewöhnlicher die Präposition með „mit“, die ebenfalls den Dativ verlangt: með rýtingi. Der Dativ in dieser Funktion heißt auf Isländisch unter anderem tækisþágufall oder tækisfall.

Funktionen in den slawischen Sprachen

Alle slawischen Sprachen außer Bulgarisch und Mazedonisch haben den Instrumentalis als eigenen morphologisch markierten Kasus erhalten. Er hat dort oft zusätzliche Funktionen entwickelt, wird aber in vielen Fällen dennoch zusammen mit einer Präposition verwendet.

Der „eigentliche“ Instrumentalis steht ohne Präposition für das Mittel oder Werkzeug einer Handlung. Beispiele sind bosnisch/kroatisch/serbisch Pišem rukom, polnisch Piszę ręką, russisch Pišu rukoj, tschechisch Píšu rukou und ukrainisch Pyšu rukoju („Ich schreibe von Hand/mit der Hand/händisch“).

In einigen slawischen Sprachen markiert der Instrumentalis außerdem in Passivkonstruktionen das Agens, also die Person oder Instanz, durch die eine Handlung ausgeführt wird. Russisch On byl ubit drugom, slowakisch Bol zabitý kamarátom, tschechisch Byl zabit kamarádem und ukrainisch Vin buv ubytyj drugom bedeuten „Er wurde von einem Freund getötet“. Im Polnischen ist diese Agensmarkierung nur mit der Präposition przez möglich; sie verlangt den Akkusativ: Został zabity przez przyjaciela. Im Bosnisch/Kroatisch/Serbischen ist die Agensmarkierung durch den Instrumentalis selten und auf unbelebte Dinge beschränkt: Je ubijen automobilom, nicht prijateljem.

Typisch ist außerdem der prädikative Instrumentalis, also der Instrumentalis in einer Aussage über die Rolle oder den Zustand des Subjekts. Beispiele sind polnisch Ja byłem studentem, russisch Ja byl studentom, slowakisch Bol som študentom, tschechisch Byl jsem studentem und ukrainisch Ja buv studentom („Ich war Student“). In Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Slowenisch ist diese Verwendung vollständig durch den prädikativen Nominativ ersetzt: Bio sam student beziehungsweise Sem bil študent.

Der Instrumentalis kann auch lokale oder temporale Bedeutungen haben. Tschechisch Jdu lesem bedeutet „Ich gehe durch den Wald“, bosnisch/kroatisch/serbisch Šetam gradom „Ich spaziere durch die Stadt“. Im Bosnisch/Kroatisch/Serbischen bezeichnet er außerdem Zeitangaben wie Dolazi vikendom („Er/Sie kommt regelmäßig am Wochenende“) und Dolazi radnim danima („Er/Sie kommt an Werktagen“).

Mit Präpositionen wird der Instrumentalis ebenfalls verwendet, unter anderem mit za („nach“), pod („unter“), nad („über“) und przed („vor“). Besonders häufig ist die komitative Bedeutung, also die Bedeutung „gemeinsam mit“. Die Präposition lautet in den meisten slawischen Sprachen s, im Polnischen z. Beispiele sind polnisch Przyjechałem z przyjacielem, russisch Ja prišël s drugom, serbokroatisch Došao sam s prijateljem, slowakisch Prišiel som s kamarátom, slowenisch Prišel sem s prijateljem und tschechisch Přišel jsem s kamarádem („Ich kam mit einem Freund“).

Baltische und andere Sprachen

Im Lettischen ist der Instrumentalis als morphologisch eigenständiger Kasus verschwunden. Im Singular ist er mit dem Akkusativ, im Plural mit dem Dativ zusammengefallen. Dieser Synkretismus gilt für alle Substantivklassen. In seiner Verwendung ist der Instrumentalis dort auf Adverbialphrasen mit der Präposition ar beschränkt.

Im Litauischen ist der Instrumentalis dagegen als eigener morphologischer Kasus erhalten. Beim Wort „Zahn“ lautet er im Singular dantimi und im Plural dantimis; der Nominativ lautet dantis beziehungsweise dantys. In prädikativer Verwendung ist die Opposition zwischen Nominativ und Instrumental bedeutungsunterscheidend: Inhärente, also dauerhafte Eigenschaften des Subjekts verlangen in der Regel den Nominativ, zeitweilige Eigenschaften den Instrumental. Außerdem kann der litauische Instrumentalis eine lokale Bedeutung haben, etwa eiti mišku („durch den Wald gehen“).

Auch außerhalb der indogermanischen Sprachfamilie gibt es Instrumentalisformen, unter anderem in finno-ugrischen Sprachen und Turksprachen. Im Ungarischen wird nach der Vokalharmonie das Suffix -val oder -vel angefügt: egy ló – egy lóval („ein Pferd“ – „mit einem Pferd“) und a bicikli – a biciklivel („das Fahrrad“ – „mit dem Fahrrad“). Endet das Substantiv auf einen Konsonanten, wird dieser verdoppelt und tritt an die Stelle des v, etwa vonat – vonattal („Zug“ – „mit dem Zug“) oder fiútestvér – fiútestvérrel („Bruder“ – „mit dem Bruder“).

Das Türkische kennt die Suffixe -in/-ın, die nach der Vokalharmonie an das Substantiv angefügt werden. Dieser Fall ist heute selten, war früher aber weiter verbreitet. Beispiele sind kışın („im Winter“, „winters“) und yazın („im Sommer“, „sommers“) sowie gelmeksizin („ohne zu kommen“) und yapmaksızın („ohne zu machen“). Obwohl die türkische Grammatik den Instrumentalis nicht als Fall kennt, wird seit den 1970er Jahren zunehmend eine mit ile verschmolzene Form verwendet: -la, -le, -yla oder -yle, etwa artışla („mit der Erhöhung“), çalışmayla („durch/mit Arbeiten oder Lernen“), gelişmeyle („mit der Entwicklung“) und güzellikle („mit Grazie/Schönheit“).

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