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Trumpismus
Ideologisch ist sie rechtskonservativ-nationalistisch akzentuiert, wobei Trumps Politikstil auch Züge des Autoritarismus aufweist.
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Definition und Grundzüge
Trumpismus ist eine politische Ideologie und Methode, die sich aus Donald Trumps politischem Programm („Agenda“), dem Personenkult um ihn und seinem Regierungsstil ableitet. Er gibt auf komplexe politische, wirtschaftliche und soziale Probleme einfache Antworten und versucht, Menschen zu mobilisieren, die sich als Verlierer wachsender sozialer Ungleichheit sehen. Zugleich wertet er „die Eliten“ und das politische Establishment ab.
Der Trumpismus gilt als Spielart der postfaktischen Politik: Der Wahrheitsgehalt einer Aussage tritt gegenüber ihrer Wirkung auf die eigenen Zielgruppen zurück. Politische Kommunikation soll vor allem Gefühle auslösen und Anhänger mobilisieren. Ideologisch ist der Trumpismus rechtskonservativ und nationalistisch ausgerichtet; Trumps Politikstil weist zudem autoritäre Züge auf.
Der Begriff entstand während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016. Nach dem Journalisten George Packer lässt er sich nicht ohne Weiteres auf konservativ-nationalistische oder national-populistische Bewegungen anderer Länder übertragen. Die USA besäßen besondere Voraussetzungen: enorme wirtschaftliche und militärische Stärke und Unabhängigkeit, extreme soziale Ungleichheit, traditionelle Religionsfreiheit, keine feudale Vergangenheit sowie das aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammende Second Amendment.
Politische Ziele und Themen
Außenpolitisch folgt der Trumpismus dem Grundsatz America First. Er bevorzugt unilaterales, also eigenständiges Handeln der USA, gegenüber multilateraler Zusammenarbeit mehrerer Staaten. Nationale Interessen werden auch bei Wirtschaftsverträgen und Bündnisverpflichtungen besonders hervorgehoben. Trump zeigte wiederholt Geringschätzung gegenüber Kanada und den transatlantischen Partnern NATO und Europäische Union. Gleichzeitig äußerte er Sympathie für autokratische Herrscher, insbesondere für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den er bereits vor seinem Amtsantritt und beim Gipfeltreffen in Helsinki lobte.
Innenpolitisch stehen die Begrenzung der Zuwanderung, innere Sicherheit und eine restriktive Drogenpolitik im Vordergrund. Wirtschaftspolitisch verspricht der Trumpismus neue Arbeitsplätze und mehr Investitionen in den USA. Trumps Vorgehen gegen Exportüberschüsse amerikanischer Handelspartner führte 2018 und 2025 zu gegenseitigen Strafzöllen zwischen den USA einerseits sowie der EU und China andererseits.
Die Unterstützung der mit der bisherigen Entwicklung unzufriedenen politischen Basis wird vor allem durch Nationalismus, Anti-Elitismus und Kritik an der Globalisierung gesichert.
Fünf Kernelemente und Regierungsstil
Der Soziologe Jeff Goodwin nennt fünf Schlüsselelemente:
• Gesellschaftspolitischer Konservatismus, sichtbar in Trumps Anti-Abtreibungs- und Anti-LGBT-Politik.
• Neoliberaler Kapitalismus mit Steuersenkungen für Reiche und Deregulierung, also dem Abbau staatlicher Vorschriften.
• Wirtschaftsnationalismus beziehungsweise Neomerkantilismus: Die nationale Wirtschaft soll durch staatlich gelenkte Handels- und Wirtschaftspolitik gestärkt werden. Dieser Ansatz ist nicht zwingend politisch weit rechts, kann aber entsprechend gesteuert werden.
• Nativismus, also die Bevorzugung der als einheimisch verstandenen Bevölkerung, in Form einer gegen Einwanderer gerichteten Rhetorik.
• Nationalismus, unter anderem erkennbar an Trumps Weigerung, rassistische Gruppen wie die Proud Boys abzulehnen.
Verschiedene Autoren vergleichen Trumps Regierungsstil von seiner ersten Amtszeit ab 2017 bis 2025 mit Sultanismus oder Patrimonialismus. Patrimonialismus bezeichnet eine Herrschaftsweise, in der politische Macht wie persönlicher Besitz behandelt und über persönliche Abhängigkeiten ausgeübt wird. Als Merkmale nennt der Artikel die Begünstigung von Familienmitgliedern und bedingungslos loyalen Parteigängern sowie die Aneignung direkter Befehlsgewalt über die Nationalgarde in Los Angeles im Juni und in Washington D.C. im August 2025 zu innenpolitischen Zwecken. Der Autor Jonathan Rauch hält den Begriff Patrimonialismus für besonders passend.
Rhetorik und Medien
Rhetorisch ist der Trumpismus durch eine chauvinistische Haltung gegenüber Frauen und Minderheiten sowie durch die Ablehnung des politischen Establishments gekennzeichnet. Trump stellt nachweislich zahlreiche falsche oder zumindest irreführende Aussagen als Tatsachen dar. Medien, die darüber kritisch berichten, bezeichnet er häufig abwertend als Fake News. Lange stützte er sich besonders auf den konservativen Fox News Channel, wo einflussreiche Moderatoren wie Sean Hannity seine Politik unterstützten.
In einer weiter gefassten Definition versteht die Schweizer Politologin Regula Stämpfli Trumpismus als einen nicht auf das Links-Rechts-Schema beschränkten Politikstil: Das Argument werde durch eine Marke ersetzt, der politische Gegner als Feind behandelt und die Auseinandersetzung zunehmend persönlich über Massenmedien und soziale Medien geführt. Trumpismus skandalisiere, unterhalte und empöre und spiele mit Gefühlen und medialen Zeichen.
In der deutschsprachigen Debatte bezeichnet der Begriff häufig eine Strategie vor allem rechter Akteure, die Vertrauenskrise in Politik und Medien zu verschärfen und daraus politischen Nutzen zu ziehen. Das Collins English Dictionary nahm Trumpism nach Brexit in die „Wörter des Jahres 2016“ auf und verstand darunter sowohl Trumps Ideologie als auch seine charakteristisch provokativen Äußerungen.
Kontroverse Einordnungen und Kritik
Die wissenschaftliche Einordnung ist umstritten. Robert Paxton bezeichnet den Trumpismus wegen seiner fremdenfeindlichen Programmatik, seiner Erzählung vom nationalen Niedergang und seiner Rhetorik als protofaschistisch. Stanley Payne nennt ihn dagegen reaktionär, nicht faschistisch. Roger Griffin sah zumindest während Trumps erster Amtszeit die Faschismusdefinition nicht erfüllt, weil Trump das politische System der USA nicht grundsätzlich infrage gestellt beziehungsweise die demokratischen Institutionen nicht habe abschaffen wollen. Er erkannte jedoch eine Geringschätzung des vertrauten politischen Systems. Federico Finchelstein sieht wichtige Gemeinsamkeiten mit dem Peronismus. Christopher Browning hält die autoritären Züge, die Unterstützung durch die Republikanische Partei und die Vergiftung des politischen Klimas langfristig für möglicherweise demokratiegefährdend.
Walter Russell Mead deutet den Trumpismus außenpolitisch als Wiederkehr des populistischen Jacksonianismus der 1830er Jahre: Dieser verband Nationalismus mit geringem Interesse an auswärtigen Angelegenheiten, solange nationale Interessen nicht bedroht waren. Trumps Erfolg beruhe demnach auch auf der wachsenden Ablehnung der jahrzehntelangen Außen- und Interventionspolitik republikanischer wie demokratischer Regierungen. Seine Wahl sei eine Absage an den liberalen Internationalismus in der Tradition Alexander Hamiltons und Woodrow Wilsons gewesen.
Susan Neiman sieht im Poststrukturalismus eine Vorbereitung des „postfaktischen Zeitalters“. Sie kritisiert die Vorstellung, Wirklichkeit bestehe nur aus gleichwertigen Erzählungen, und betont, dass die Untersuchung vieler Narrative eine Annäherung an die Wahrheit ermögliche. Trumps Markenzeichen sei Schamlosigkeit, die von der Staatsspitze in die politische Kultur eindringe. Als Beispiele einer auf persönliche Loyalität ausgerichteten Herrschaft nennt der Artikel die Entlassung erfahrener, als deep state abgewerteter Berufsbeamter und ihre Ersetzung durch Helfer aus dem MAGA-Umfeld, denen bei mangelndem Gehorsam ebenfalls die Entlassung drohe.
Joseph E. Stiglitz bestreitet, dass Trump überhaupt eine konsistente Ideologie besitzt. Seiner Einschätzung nach bestimmen Geld, Macht und die Interessen milliardenschwerer Unterstützer die Politik stärker als das Gemeinwohl. Er kritisiert mögliche Selbstbereicherung, unter anderem durch die Memecoins $Trump und $Melania, mit denen Trump möglicherweise mehr als eine Milliarde Dollar verdient habe. Die New York Times berichtete am 13. Mai 2025, ein mit TikTok verbundenes Unternehmen ohne eigene Umsätze habe eine Investition von 300 Millionen US-Dollar in $Trump angekündigt; zugleich verschob Trump mehrfach eine Entscheidung über ein drohendes TikTok-Verbot. Stiglitz nennt außerdem ausländische Gäste in Trumps Hotel, den geplanten G7-Gipfel 2027 in seinem eigenen Golfresort und die 2025 verlangte Übertragung von 10 % der Intel-Aktien an die Regierung als Gegenleistung für eine bereits zugesagte Subvention. Letzteres bezeichnet er als „mafiös“. Weitere Kennzeichen seien Chaos durch Personalwechsel und widersprüchliche Maßnahmen, etwa bei Fachkräften, Tourismus, Ausbildungsvisa, Handelsdefizit und der Unabhängigkeit der US-Notenbank.
Auch die historische Gesamtbewertung bleibt gegensätzlich. Heinrich August Winkler erklärte 2025, das normative Projekt des Westens sei trotz Fehlentwicklungen im Kern unbeschädigt; Trump und der Trumpismus würden nicht das letzte Wort der amerikanischen Geschichte sein. Mischa Honeck erkennt dagegen ein Wiederaufflammen chauvinistischer Ideen des frühen 20. Jahrhunderts und eine „Renaissance eines anderen Westens“, durch die ein rechtsextremes Gesellschaftskonzept wieder dauerhaft möglich erscheine. Udo Di Fabio zufolge will der Trumpismus Amerikas Identität vor „Identitätsideologien von Links“ retten, während die radikale Linke Trump als Faschisten betrachtet.