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Trugschluss (Musik)

Die wichtigsten Trugschlüsse, welche das Ohr um die erwartete Schlusswirkung der Tonika „betrügen“, sind als Tonikavertreter in Dur die Tonikaparallele und in …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Wirkung
  2. 2. Stufen und harmonische Funktionen
  3. 3. Kontrapunktische Erklärung
  4. 4. Weitere Ausprägungen

Begriff und Wirkung

Ein Trugschluss ist in der Musiktheorie eine Form der Kadenzflucht: Der Schlussklang eines vollkommenen authentischen Ganzschlusses wird verändert oder durch einen anderen Klang ersetzt. Dadurch wird der endgültige Schluss eines Stücks oder Abschnitts aufgeschoben; dies heißt auch Trugfortführung.

Das Ohr erwartet nach der Dominante normalerweise die Tonika, also den Grundklang der Tonart. Beim Trugschluss wird diese Erwartung „getäuscht“. Wichtige Zielklänge sind in Dur die Tonikaparallele, in Moll der Tonikagegenklang; auch Mediantklänge können als Trugschluss dienen. Im engeren heutigen Sprachgebrauch meint der Begriff häufig die Führung einer Dominante in Grundstellung zum Dreiklang der VI. Stufe in Grundstellung statt zur Tonika.

Stufen und harmonische Funktionen

In der Stufentheorie wird die typische Fortschreitung als V–VI beschrieben: Auf die Dominante der V. Stufe folgt nicht die Tonika der I. Stufe, sondern der Dreiklang der VI. Stufe.

Die Funktionstheorie deutet den Zielklang als Tonikavertreter. In Dur ist dies die Tonikaparallele (Tp), in Moll der Tonikagegenklang (tG).

Beispiele:

  • C-Dur: C-Dur (Tonika) – G-Dur (Dominante) – a-Moll (Tonikaparallele).
  • c-Moll: c-Moll (Tonika) – G-Dur (Dominante) – As-Dur (Tonikagegenklang).

Ein Varianttrugschluss liegt in der Funktionstheorie vor, wenn der Zielklang in Dur der gleichnamigen Molltonart entnommen ist, etwa: C-Dur (T) – G-Dur (D) – As-Dur (tG).

Kontrapunktische Erklärung

Kontrapunktisch betrachtet weicht beim Trugschluss die Bassklausel vom erwarteten Verlauf ab. Die Pänultima, also der vorletzte Ton der Bassklausel, schreitet aufwärts, statt eine Quinte abwärts oder eine Quarte aufwärts zu springen.

Tenor- und Diskant- beziehungsweise Sopranklausel bleiben dabei unverändert; für die Kadenzflucht ist hier allein die Bassstimme verantwortlich. Im Zielklang entsteht, vom Bass aus gesehen, eine Verdopplung der Terz. Eine aufwärts geführte Tenorklausel würde dagegen eine Quintparallele zum Bass ergeben.

Weitere Ausprägungen

Eine weitere im Artikel genannte Variante führt zur Subdominante im Sextakkord. Als Beispiel wird Wolfgang Amadeus Mozarts Ave verum KV 618, Takt 36–37, angeführt.

Außerdem werden mehrere Beispiele nach Daniel Gottlob Türk genannt. Sie zeigen verschiedene Möglichkeiten, nach einer Dominante nicht den erwarteten Schlussklang zu erreichen, sondern die Kadenz anders fortzuführen.

Lernvideos zu Trugschluss (Musik)

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