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Mediante

Mediante (über lateinisch medians von lateinisch medius „der Mittlere“) bezeichnete ursprünglich die dritte Stufe (Terz) einer Tonleiter als Mitte zwischen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grunddefinition
  2. 2. Terzverwandte Akkorde und leitereigene Sonderfälle
  3. 3. Entwicklung des Begriffs
  4. 4. Funktionstheoretische Deutung und Grade

Begriff und Grunddefinition

Mediante bezeichnet einen Dreiklang, dessen Grundton im Abstand einer Terz über oder unter dem Grundton eines anderen Dreiklangs liegt. Der andere Dreiklang ist der Bezugsdreiklang. Man unterscheidet Kleinterzverwandtschaft und Großterzverwandtschaft; bei beiden sind Dur- und Mollvarianten möglich. Ob die Töne des Medianten in der Ausgangstonart vorkommen, ist nach dieser Definition unerheblich.

Für einen C-Dur-Akkord gelten als terzverwandte Dreiklänge a-Moll, A-Dur, As-Dur, as-Moll, e-Moll, E-Dur, Es-Dur und es-Moll. Liegt der Grundton des terzverwandten Dreiklangs über dem Grundton des Bezugsdreiklangs, spricht man von einer Obermediante; liegt er darunter, von einer Untermediante, auch Submediante.

Heute bestehen zwei wichtige Begriffsverwendungen. Nach der weiteren Definition ist jeder terzverwandte Dreiklang eine Mediante. Nach einer engeren Definition werden nur Akkorde als Medianten bezeichnet, die nicht-diatonisches, also nicht leitereigenes Material enthalten. In C-Dur wären danach beispielsweise A-Dur und Es-Dur Medianten, a-Moll und e-Moll dagegen nicht. Die weitere Definition ist die Grundlage des Abschnitts zur Erläuterung.

Terzverwandte Akkorde und leitereigene Sonderfälle

Kleinterzverwandt sind Dur- oder Molldreiklänge, deren Grundton eine kleine Terz über oder unter dem Grundton des Ausgangsdreiklangs liegt. Großterzverwandt sind Dreiklänge, deren Grundton eine große Terz über oder unter dem Grundton des Ausgangsdreiklangs liegt.

Besonders wichtig sind die Medianten, die ausschließlich aus dem Material der Ausgangstonleiter bestehen:

  • Der Parallelklang ist die kleinterzverwandte Mediante. Bei einem Dur-Akkord liegt er eine kleine Terz unter, bei einem Moll-Akkord eine kleine Terz über dem Grundton. Beispiele sind C-Dur und a-Moll, f-Moll und As-Dur, E-Dur und cis-Moll sowie h-Moll und D-Dur.
  • Der Gegenklang, auch Gegenparallele genannt, ist die großterzverwandte Mediante. Bei Dur liegt er eine große Terz über, bei Moll eine große Terz unter dem Grundton. Beispiele sind C-Dur und e-Moll, f-Moll und Des-Dur, E-Dur und gis-Moll sowie h-Moll und G-Dur.

Die Begriffe Parallelklang und Gegenklang beziehen sich damit auf besondere leitereigene Beziehungen innerhalb des umfassenderen Begriffs Mediante.

Entwicklung des Begriffs

Im Mittelalter war Mediante neben Mediatio und Pausa eine Bezeichnung für die Mittelkadenz in der Psalmodie. In der neueren Musiktheorie verwendete Charles Masson den Terminus 1694 in seinem Nouveau traité des règles pour la composition für die 3. Stufe der Tonleiter. Gemeint war die Terz als Mitte zwischen Grundton und Quinte. Die Bezeichnung wurde von weiteren Theoretikern übernommen und war im 18. Jahrhundert weit verbreitet. Die Mediante galt dabei als Ton, der über das Tongeschlecht beziehungsweise den Modus entscheidet; Rousseau formulierte dazu „...qui détermine le mode“. Rameau verwendete den Terminus in seinem Traité de l'harmonie von 1722 gleichrangig neben note tonique, dominante und note sensible.

Ursprünglich bezeichnete Mediante einen einzelnen Ton, später auch den über diesem Ton aufgebauten Dreiklang. Außerdem wurde der Ausdruck auf alle zu einer Hauptfunktion terzverwandten Nebendreiklänge übertragen. Im 19. Jahrhundert bezog man ihn zunehmend auch auf leiterfremde Akkorde, etwa E-Dur als Obermediante und As-Dur als Untermediante von C-Dur. Gleichzeitig spezialisierte sich der Begriff immer stärker auf solche leiterfremden Akkorde und Tonarten. Für a-Moll als Untermediante von C-Dur sagte man daher eher Tonikaparallele, während Untermediante häufig dem leiterfremden As-Dur oder as-Moll vorbehalten blieb.

In der Klassik war Terzverwandtschaft gegenüber Quintverwandtschaft zunächst weniger wichtig und beschränkte sich weitgehend auf terzverwandte Parallelklänge oder Paralleltonarten. Die Romantik entdeckte den besonderen Klangreiz leiterfremder Medianten. Ernst Kurth bezeichnete die Romantik deshalb als „Zeitalter der Terzen“. Beethoven stellte in Sonatenhauptsätzen als einer der Ersten den Seitensatz eines Dur-Satzes nicht in der üblichen Dominanttonart, sondern in der Obermedianttonart vor, etwa im ersten Satz der Klaviersonate op. 31,1 und im ersten Satz der Waldsteinsonate.

Funktionstheoretische Deutung und Grade

„Mediante“ ist im eigentlichen Sinn kein Funktionsbegriff. Leiterfremde Medianten treten meist im Zusammenhang mit Ausweichungen und Modulationen auf und lassen sich häufig auf ein vorübergehend neues tonales Zentrum beziehen. In einem C-Dur-Zusammenhang kann der mediantische A-Dur-Dreiklang beispielsweise als Zwischendominante zur Subdominantparallele d-Moll gedeutet werden; das Funktionssymbol lautet (D)Sp. As-Dur kann funktional als Parallele der vermollten Subdominante erscheinen, mit dem Symbol sP. Nur wenn ein Akkord, etwa es-Moll in C-Dur, lediglich als reiner Farbwechsel erscheint und sich nicht funktional deuten lässt, kann „Mediante“ anstelle einer Funktionsbezeichnung verwendet werden.

Für die funktionstheoretische Beschreibung der Medianten von C-Dur gelten unter anderem folgende Bezeichnungen:

  • As-Dur ist die Tonikavariant-Gegenparallele oder der Tonikavariant-Gegenklang von C-Dur.
  • A-Dur ist die Tonikaparallel-Variante von C-Dur.
  • C-Dur ist die Tonika.
  • Es-Dur ist die Tonikavariant-Parallele von C-Dur.
  • E-Dur ist die Tonikagegenparallel-Variante oder Tonikagegenklang-Variante von C-Dur.
  • as-Moll ist die Tonikavariant-Gegenparallel-Variante.
  • es-Moll ist die Tonikavariant-Parallel-Variante.

„Variante“ bedeutet dabei die Umwandlung des Tongeschlechts: Die Variante von A-Dur ist a-Moll und umgekehrt. Deshalb ist A-Dur die Tonikaparallel-Variante von C-Dur: Die Parallele der Tonika C-Dur ist a-Moll, dessen Variante A-Dur.

Eine weitere Einteilung richtet sich nach der Zahl der gemeinsamen Töne mit dem Bezugsakkord:

  • Medianten 1. Grades haben zwei gemeinsame Töne. Bei C-Dur sind dies a-Moll als Parallelklang und e-Moll als Gegenklang.
  • Medianten 2. Grades haben einen gemeinsamen Ton. Dazu gehören A-Dur und E-Dur als Varianten von Parallel- und Gegenklang sowie As-Dur und Es-Dur als Parallel- und Gegenklang der Mollvariante.
  • Medianten 3. Grades haben keinen gemeinsamen Ton. Bei C-Dur sind dies as-Moll und es-Moll.

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