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Transgas-Pipeline
Die TRANSGAS-Trasse (Schreibweise auch: Transgaz; kyrillisch: Трансгаз) ist eine Trasse von Hochdruck-Erdgaspipelines von der Ukraine durch die Slowakei und …
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Bedeutung und heutiger Status
Die TRANSGAS-Trasse, auch Transgaz geschrieben, ist ein System von Hochdruck-Erdgaspipelines. Es führt von der Ukraine durch die Slowakei und Tschechien nach Österreich und Deutschland. Seine Hauptaufgabe war die Durchleitung von Ferngas aus Russland beziehungsweise der ehemaligen Sowjetunion nach Mittel- und Westeuropa.
Die von 1970 bis 1973 gebaute Trasse war die erste große Transitpipeline für Gas aus den reichen Vorkommen Sibiriens und Zentralasiens nach Mittel- und Westeuropa. Mehr als 25 Jahre lang blieb sie die einzige große Verbindung dieser Art. Ihre angegebene Jahreskapazität beträgt 120 Milliarden Kubikmeter.
Trotz des Russisch-Ukrainischen Krieges wurde bis Ende 2024 russisches Gas über die TRANSGAS geliefert. Am 31. Dezember 2024 lief der Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine aus; seit dem 1. Januar 2025 wird kein Erdgas mehr durch die Ukraine geleitet. Im Jahr 2024 importierten die EU-Staaten etwa 380 Terawattstunden Gas aus Russland. Etwas weniger als ein Drittel davon kam durch die Transgas-Pipeline. Insgesamt stammten zu diesem Zeitpunkt nur noch rund fünf Prozent der Gasimporte der EU aus Russland.
Entstehung und Ausbau
Die Sowjetunion begann in den 1960er-Jahren, ihre westlichen Landesteile einschließlich der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik mit Erdgasleitungen zu versorgen. Diese Leitungen sollten weiter nach Westen führen und auch die verbündete Tschechoslowakei und die DDR beliefern. 1967 wurde als erste große Trasse die Pipeline „Bruderschaft“ fertiggestellt. Sie verläuft über etwa 4500 Kilometer vom sibirischen Gasfeld Urengoi östlich von Nadym bis Uschhorod in der Ukraine.
Die Planung der westlich anschließenden Transgas-Trasse begann am Ende der 1960er-Jahre während einer Phase der Entspannung im Ost-West-Konflikt. Verhandlungen der Sowjetunion mit der italienischen ENI scheiterten 1967. Dagegen kam 1968 ein Liefervertrag mit der österreichischen ÖMV zustande. Im deutsch-sowjetischen Erdgas-Röhren-Vertrag von 1970 wurde vereinbart, dass deutsche Unternehmen Rohre lieferten und die Sowjetunion im Gegenzug Erdgas an Thyssen-Ruhrgas abgab.
Von 1971 bis 1973 wurde die gesamte Trasse vorbereitet. Bis zur Abzweigung nach Österreich verlegte man Leitungen der Nennweite DN 1200, anschließend bis zur ost- und westdeutschen Grenze Leitungen mit DN 900. Die Nennweite DN gibt die standardisierte ungefähre Größe eines Rohres an. Später kamen zur Erhöhung der Kapazität mehrere parallele Leitungen und im heutigen Tschechien eine abkürzende neue Streckenführung hinzu. Betreiber des tschechoslowakischen Netzes war die 1971 gegründete Gesellschaft Tranzitní plynovod Praha, die international unter dem Kurznamen Transgas bekannt war.
Teilung und Betreiber
Nach der Teilung der Tschechoslowakei 1993 wurde auch das Gasleitungsnetz zwischen Tschechien und der Slowakei aufgeteilt.
Der tschechische Abschnitt ging an ČPP Transgas, eine Tochter des Gasversorgers České plynárenské podniky. Das staatliche Unternehmen wurde 2001 privatisiert; der deutsche Energieversorger RWE übernahm die Anteilsmehrheit. Im Zuge des von der EU vorgeschriebenen Unbundlings wurde 2006 der Übertragungsnetzbetreiber RWE Transgas Net abgespalten. Unbundling bedeutet hier die organisatorische Trennung des Netzbetriebs von anderen Tätigkeiten eines Energieunternehmens. Seit 2010 trägt der Betreiber den Namen Net4Gas.
Den slowakischen Abschnitt betrieb ab 1993 Slovtransgaz, eine weitgehend selbstständige Untereinheit des slowakischen Gasversorgers Slovenský plynárenský priemysel. Nach der Privatisierung 2002 und dem Unbundling 2006 entstand zunächst SPP-preprava. Das Unternehmen wurde 2008 in eustream umbenannt.
Gasstreit und alternative Routen
Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde die Ukraine unabhängig. Zwischen Russland und der Ukraine entstanden zunehmend Konflikte über die Vergütung für den Transit des russischen Gases. Der russisch-ukrainische Gasstreit führte ab 2005 mehrfach dazu, dass die Ukraine die durchgeleitete Gasmenge stark verringerte und Russland daraufhin die Lieferung zeitweise einstellte.
Russland plante deshalb Routen, die Transitländer und besonders die Ukraine umgehen sollten. 1997 wurde nördlich der Transgas-Trasse die Jamal-Europa-Pipeline durch Belarus und Polen fertiggestellt. Ihre Kapazität beträgt 33 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Dennoch liefen zunächst weiterhin etwa drei Viertel des russischen Gases nach Westeuropa durch die Transgas-Trasse. Im Jahr 2007 kam es auch zwischen Russland und Belarus zu Streit über die Durchleitung.
2011 wurde Nord Stream durch die Ostsee fertiggestellt. Nord Stream und die parallel gebaute Nord Stream II besitzen jeweils eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Nord Stream II wurde fertiggestellt, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine jedoch nicht zertifiziert. Bei den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines am 26. September 2022 wurden drei von vier Strängen zerstört.
Im Süden war South Stream mit einer geplanten Kapazität von 63 Milliarden Kubikmetern pro Jahr als Route durch das Schwarze Meer und über den Balkan vorgesehen. Das Projekt wurde eingestellt. Gründe waren das Dritte Energiepaket der EU, das die Trennung von Gaslieferant und Pipelinebetreiber verlangt, sowie die veränderte politische Lage nach der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim im März 2014. Weitere südliche Projekte waren Blue Stream mit 19 Milliarden Kubikmetern Jahreskapazität sowie White Stream und die inzwischen ebenfalls eingestellte Nabucco-Pipeline. Die seit 2020 betriebene Turkstream transportiert mit einer Kapazität von 32 Milliarden Kubikmetern pro Jahr Gas aus Russland in den europäischen Teil der Türkei und auf den Balkan.
Streckenverlauf
Im Westen der Ukraine treffen drei große Gasrouten zusammen: Die Pipeline „Bruderschaft“ kommt vom Gasfeld Urengoi im Norden Sibiriens. Ein Zweig der Jamal-Europa-Pipeline führt von der Jamal-Halbinsel über Belarus heran. Die Pipeline „Einheit“ beziehungsweise SOYUZ erreicht das Gebiet aus dem südlichen, zentralasiatischen Teil Russlands bei Orenburg nahe der kasachischen Grenze. Nach ihrer Zusammenführung südlich von Uschhorod überschreiten die Leitungen die ukrainisch-slowakische Grenze.
Der eigentliche slowakische Abschnitt der Transgas-Pipeline beginnt an der Verdichterstation Veľké Kapušany. Eine Verdichterstation erhöht den Druck des Gases und hält dadurch dessen Transport durch die Leitung aufrecht. Kurz danach kommt ein weiterer YAMAL-Zweig aus Polen hinzu. Die Trasse verläuft über Jablonov nad Turňou, Veľké Zlievce und Ivanka pri Nitre durch die südliche Slowakei. Nahe Plavecký Peter teilt sie sich: Der südliche Zweig erreicht bei Baumgarten an der March die österreichische Grenze und schließt dort an die Trans Austria Gasleitung (TAG) an. Der nördliche Zweig überquert nach Brodské den Grenzfluss March nach Tschechien.
Der tschechische Abschnitt beginnt in Lanžhot. Bei Břeclav besteht eine Verbindung zur aus dem polnischen Cieszyn kommenden Leitung STORK II. Südlich von Brno teilt sich die Pipeline bei Malešovice erneut. Der südliche Zweig führt über Hostim, Veselí nad Lužnicí und Strážovice zur Übergabestation Rozvadov. Bei Waidhaus in Bayern wird das Gas an den Nordzweig der Mittel-Europäischen-Gasleitung (MEGAL) übergeben.
Der nördliche Zweig führt über Kralice nad Oslavou, Kouřim und den Knotenpunkt Hospozín nach Hora Svaté Kateřiny und Brandov an der deutsch-tschechischen Grenze. Von Hospozín zweigt eine Querverbindung zum südlichen Zweig ab. Auf deutscher Seite bestehen bei Olbernhau und Sayda in Sachsen Anschlüsse an die Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (OPAL), die Sachsen-Thüringen-Erdgas-Leitung (STEGAL) und die Mitteleuropäische Transversale (MET). Seit Anfang 2013 verbindet außerdem die GAZELLE-Pipeline die Endpunkte des nördlichen und südlichen tschechischen Zweiges.