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Tonstudio

Ein Tonstudio ist eine Einrichtung zur Aufnahme und Bearbeitung von Schallereignissen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Musik jeglicher Art handeln, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung eines Tonstudios
  2. 2. Räume, Dämmung und Raumakustik
  3. 3. Schall abschirmen und kontrollieren
  4. 4. Technik und Arbeitsweise
  5. 5. Aufnahme, Beteiligte und wirtschaftliche Lage

Aufgabe und Bedeutung eines Tonstudios

Ein Tonstudio ist eine Einrichtung zur Aufnahme und Bearbeitung von Schallereignissen. Es dient etwa der Produktion von Musik, Sprache und Geräuschen für Hörfunk, Fernsehen und Kinofilm, Klangmaterial für Computerspiele sowie Audiowerbung.

In der Musikindustrie steht es am Anfang der Wertschöpfungskette: Ein fertiges Master- oder Mutterband ist die Grundlage für die massenhafte Herstellung von Tonträgern. Tonstudios erstellen oft auch Demobänder, mit denen sich Interpreten bei Plattenfirmen vorstellen. Es gibt firmeneigene Studios, die meist für ihre Plattenfirma arbeiten, und unabhängige Studios, die Auftragsproduktionen übernehmen. Der Musikproduzent vermittelt dabei zwischen Tontechnik, Klangideen und kommerziellen Anforderungen.

Typischerweise erzeugen Künstler oder Schauspieler den Schall im Aufnahmeraum. Der davon akustisch weitgehend getrennte Regieraum ist oft durch eine Glasscheibe verbunden. Dort überwachen und bearbeiten Toningenieure, Tonmeister, Regisseure oder Aufnahmeleiter die Aufnahme. Digitale Aufnahmegeräte stehen häufig in einem gesonderten Technikraum.

Räume, Dämmung und Raumakustik

Klassische Musikstudios, besonders für Orchester, Chöre und Big Bands, bestehen meist aus mehreren Räumen. Sie müssen einerseits gegen Außengeräusche abgeschirmt sein und andererseits eine für den jeweiligen Zweck passende Akustik haben.

Der Regieraum enthält den größten Teil der Technik, beispielsweise Mischpulte, Effektgeräte, Computer, Analog-Digital-Wandler und Klangerzeuger. Über Studiomonitore wird das aufgenommene Material beurteilt, abgemischt und geschnitten. Seine Akustik soll möglichst neutral sein; die Nachhallzeit sollte über das gesamte Frequenzspektrum etwa 0,3 Sekunden nicht überschreiten. Beim Live End Dead End (LEDE)-Prinzip ist der vordere Bereich stark schallabsorbierend, während hinten Diffusoren und Reflektoren vorherrschen.

Aufnahmeräume sind für Sprache, Gesang, Instrumente oder Geräusche angepasst; für Schlagzeuger kann es eine Drumbooth geben. Klassische Musiker und Big Bands benötigen traditionell große Räume mit tragender, „halbtrockener“ Akustik und Nachhallzeiten von 1,6 bis 2 Sekunden. Bands und Sprecher arbeiten eher in reflexionsarmen, „trockenen“ Räumen mit 0,1 bis 0,8 Sekunden Nachhallzeit. Musiker können einzeln oder als Ensemble aufgenommen werden. Früher nutzten manche Studios Echokammern, um Raumklang zu erzeugen.

Ein Technikraum nimmt laute Geräte wie Bandmaschinen, Endstufen, Computer und Festplatten auf, damit Lüfter- und mechanische Geräusche die Abhörsituation nicht stören. Er braucht ausreichende Kühlung. Kleine Studios und Homestudios verwenden oft geräuschverminderte PC-basierte Arbeitsstationen (DAWs) direkt im Regieraum.

Schall abschirmen und kontrollieren

Schalldämmung verhindert, dass Lärm von außen eindringt oder Studiogeräusche nach außen gelangen. Ein Raum-in-Raum-Konzept nutzt beispielsweise Doppelwände mit Dämmstoffen; die Wände dürfen sich nicht berühren, damit möglichst wenig akustische Kopplung entsteht. Auch der Boden kann weich gelagert sein, etwa als schwimmender Estrichboden auf Trittschalldämmmatten. Dicke und schwere Materialien dämmen stärker; hohe Frequenzen werden beim Schalldurchtritt durch ein Medium grundsätzlich besser unterdrückt als tiefere.

Schalldämpfung kontrolliert dagegen Reflexionen innerhalb eines akustisch aktiven Raums. Sie kann bestimmte Frequenzbereiche unterstützen, einen gleichmäßigen Frequenz- und Reflexionszeitverlauf für Mischung und Beurteilung erzeugen oder Schall für künstliche Außenaufnahmen möglichst vollständig auslöschen. Dafür dienen Stellwände sowie Absorber, Resonatoren und Diffusoren. Vorhänge, Weichschaumabsorber und Teppiche dämpfen vor allem hohe Frequenzen ab ungefähr 1 kHz. Bassfallen sind Resonatoren mit integrierter Dämmung und wirken besonders im Bassbereich.

Diffusoren besitzen unebene Oberflächen. Sie teilen auftreffende Schallwellen auf und helfen, stehende Wellen, Flatterechos und einseitige Überbetonungen einzelner Frequenzen zu vermeiden. Auch unebene oder schräge Wände können dies fördern. Es gibt außerdem Konzepte zur aktiven Reflexionsunterdrückung durch Antischall.

Bei einer mobilen Aufnahmekabine für Solisten oder Sprecher kann ein einziger Studioraum als Regieraum genügen. Studios für Klanggestaltung und Tonweiterverarbeitung für Film, Hörfunk oder Computerspiele besitzen oft nur einen kleinen oder keinen Aufnahmeraum.

Technik und Arbeitsweise

Die Ausstattung hängt vom Einsatzzweck ab. Popstudios besitzen meist mehr Geräte zur Klangveränderung und Tonbearbeitung, weil technische Manipulationen bewusst Teil von Arrangement und Gesamtklang sein können. Bei klassischer Musik steht eher die naturgetreue und räumliche Abbildung eines Klangkörpers im Vordergrund.

Bei Mikrofonaufnahmen werden Stereo- und Surround-Verfahren eingesetzt. Am häufigsten wird jedes Instrument mit einem einzelnen Mikrofon mono aufgenommen; der räumliche Eindruck in Stereo oder Surround entsteht erst später in der Mischung. Für Sprecher werden meist Großmembran-Kondensatormikrofone, teils mit Röhrenverstärker, verwendet. Stereoaufnahmen erfolgen meist mit Kleinmembran-Kondensatormikrofonen; bei Schlagzeug und Blasinstrumenten kommen teilweise dynamische Mikrofone zum Einsatz.

Mehrspurrekorder nehmen mehrere Klangquellen gleichzeitig auf getrennten Tonspuren auf, in der Regel 24 Spuren oder mehr. Dadurch können sie später einzeln bearbeitet und abgemischt werden; das Ergänzen weiterer Spuren heißt Overdubbing. Seit etwa 1980 wurden digitale Recorder und seit 1990 computergestützte Digital Audio Workstations verwendet, wodurch analoge Mehrspurrekorder in den Hintergrund rückten.

Das Mischpult ist die zentrale Einheit: Es erstellt die Zuspielmischung für Musiker, Abhörmischungen im Regieraum und die endgültige Tonmischung. Es kann virtuell als Computersoftware arbeiten; Plugins lassen sich dort einfach integrieren und sind kostengünstig. Professionelle Studios nutzen jedoch meist große Digitalkonsolen, daneben weiterhin Analogkonsolen. Für die Beurteilung sind mehrere Monitorlautsprecher wichtig. Nahfeldmonitore stehen weniger als 2 m entfernt; Fernfeldmonitore beschallen den Raum gleichmäßig. Studiomonitore sollen einen besonders gleichmäßigen Frequenzgang und ein homogenes Abstrahlverhalten besitzen.

Aufnahme, Beteiligte und wirtschaftliche Lage

An einer Tonaufnahme wirken Musikproduzent, Toningenieure, Tontechniker und Interpreten mit; möglich sind außerdem Hintergrundchor und Studiomusiker. Arrangeur sowie Komponist oder Liedtexter können dabei sein, um das Werk während der Aufnahme noch zu verändern.

Aufnahmen entstehen meist in einzelnen Takes. Die besten Takes werden ausgewählt und können mit Effekten wie Kompressor, Equalizer, Hall, Chorus oder Echo bearbeitet werden. In der Nachproduktion (post production) folgen weitere technische Verbesserungen. Beim Editieren werden die Takes zu einem final mix, der Endabmischung, zusammengestellt. Dieser dient als Mastertape für die spätere Tonträgerproduktion. Unbrauchbare oder nicht verwendete Mitschnitte heißen Outtakes. Ein recording sheet hält technische Daten aller Takes und die beteiligten Musiker fest. Studioaufnahmen werden von Livealben unterschieden.

Der Markt konzentriert sich eher auf integrierte Studios bei Radiosendern oder Plattenfirmen. Sinkende Gerätekosten fördern kleine Home-Recording-Studios, in denen etwa Amateurbands Demos aufnehmen und abmischen. Zwar begrenzen fehlende Einnahmen oft die optimale Raumgestaltung, doch können kleine Studios mit einem passenden Kompromiss bei der Raumakustik professionell verwendbare Aufnahmen herstellen. Moderne elektronische Musik wie HipHop, R’n’B und Elektro wird häufig zunächst in kleinen Studios aufgenommen und später extern gemastert. Die Digitalisierung begünstigte spezialisierte Studios. Universell und technisch hochwertig ausgestattete Studios müssen hohe Preise verlangen, während Kunden oft nur einen Teil ihrer Leistungen benötigen; besonders unabhängige Studios stehen deshalb unter Druck, hohe Fixkosten durch hohe Auslastung zu decken.

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