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Musikindustrie

Als Musikindustrie wird ein Wirtschaftszweig bezeichnet, der Musik produziert, bewirbt und auf Tonträgern vertreibt. Die Musikindustrie wird auch als …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und heutiger Wandel
  2. 2. Entstehung und Entwicklung der Tonträger
  3. 3. Frühe Firmen und Marktorganisation
  4. 4. Konzentration und Major-Labels
  5. 5. Umsätze, Risiken und der deutsche Markt
  6. 6. Krisen und digitale Einnahmequellen

Begriff und heutiger Wandel

Die Musikindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der Musik produziert, bewirbt und auf Tonträgern vertreibt. Auch die Bezeichnungen Musikwirtschaft, Musikbranche und Musikbusiness werden verwendet. Im engeren Sinn umfasst die Tonträgerindustrie Herstellung, Vervielfältigung und Vertrieb von Tonträgern. Weiter gefasst gehören Talentsuche, Labels, Presswerke und Studios, Werbung und Promotion, Vertrieb und Verkauf, Musikverlage, Urheberrechts- und Verwertungsgesellschaften wie BMI oder GEMA sowie Interessenverbände wie die IFPI dazu.

Seit den 2010er-Jahren hat die Digitalisierung die Branche grundlegend verändert: Streaming-Dienste wie Spotify, Apple Music und YouTube haben den Verkauf physischer Tonträger und Downloads weitgehend abgelöst. Laut Artikel ist Streaming weltweit für rund zwei Drittel der Umsätze der Tonträgerindustrie verantwortlich; in den USA liegt der Anteil bei über 80 %. Zugleich weist der Artikel selbst darauf hin, dass Teile der Marktangaben seit 2008 nicht mehr aktuell sein könnten.

Entstehung und Entwicklung der Tonträger

Eine frühe Tonaufzeichnung entstand wohl am 9. April 1860: Édouard-Léon Scott de Martinville zeichnete 10 Sekunden des Liedes „Au clair de la lune“ mit einem Phonoautographen auf. Sie konnte damals jedoch nicht wiedergegeben werden. Thomas Alva Edison gelang 1877 mit dem Phonographen die auf Zinnfolie aufgezeichnete und wieder hörbare Sprachaufnahme „Mary Had A Little Lamb“. Seine Patentanmeldung vom 24. Dezember 1877 schuf eine Grundlage der Tonträgerindustrie.

Emil Berliner entwickelte am 25. Oktober 1887 Schallplatten aus wachsbeschichtetem Zink, meldete sein Grammophon am 8. November 1887 in Berlin unter der Patentschrift 45048 an und stellte Grammophon und Schallplatte am 16. Mai 1888 in Philadelphia vor. Die Pariser Weltausstellung 1889 gilt im Artikel als eigentlicher Beginn der internationalen Musikindustrie. Ab 1890 wurden industriell Grammophone hergestellt und Musikaufnahmen produziert. Mit den Schallplattenaufnahmen des Tenors Enrico Caruso 1902 wurde Musik vom Tonträger salonfähig.

Wichtige technische Schritte waren flache Schallplatten ab 1889, 7-Inch-Schellackplatten mit 3 Minuten Spielzeit ab 1897, 10-Inch-Platten ab 1902, Amberol-Zylinder mit 4 Minuten Spielzeit ab 1907, elektrische Aufnahmen ab 21. März 1925 und die erste Stereo-Tonbandaufnahme am 28. Juni 1944. Die erste LP mit 33/min bot ab Juni 1948 23 Minuten pro Seite; RCA vermarktete am 31. März 1949 45/min-Singles mit 17,8 cm Durchmesser. Vinyl aus PVC ermöglichte schmalere Rillen, bessere Qualität und Haltbarkeit, war billiger als Schellack und weniger empfindlich. EMI stellte 1958 als letzte Firma Schellackplatten her.

Auf die LP folgten die MusiCassette von Philips ab 1965 und die Compact Disc ab 1982. Die CD bedeutete den Übergang von analogen zu digitalen Aufnahme- und Wiedergabeverfahren. Neue Formate steigerten wiederholt die Umsätze, weil Kundinnen und Kunden ihr bereits vorhandenes Repertoire auf dem neuen Tonträger erneut kauften.

Frühe Firmen und Marktorganisation

Als erste Plattenfirma weltweit wird die von Emil Berliner am 27. Juni 1887 gegründete American Gramophone Co. bezeichnet. Zu den frühen US-Labels gehörten Edison Amberol (1888), Columbia Records (1888) und Victor Talking Machine Company (1901). Die National Phonograph Company, Vorläufer von Edison Records, begann 1888 mit der Massenproduktion von Zylindern. Columbia war seit 1881 erster kommerzieller Produzent bespielter Walzen.

In Deutschland gründeten Emil und Joseph Berliner am 6. November 1898 in Hannover die Deutsche Grammophon GmbH; dort begann die Massenproduktion von Schellackplatten. Das Unternehmen wurde am 27. Juni 1900 in Deutsche Grammophon AG mit Sitz in Berlin umfirmiert und führte 1901 bereits 5.000 Titel im Katalog. Weitere frühe Firmen waren His Master’s Voice in London (1899), die Carl Lindström AG (1906), Electrola (1925) und Decca Records in England (1929).

Der Tonträgermarkt ist oligopolistisch: Ein Oligopol ist ein Markt, in dem wenige große Anbieter dominieren. Den Major-Labels stehen viele kleinere Independent Labels gegenüber. Große Unternehmen besitzen Vorteile bei hohen Fixkosten, also Kosten, die unabhängig von der Zahl verkaufter Tonträger anfallen, etwa für Künstlerentwicklung, Promotion und aufwändige Produktionen. Durch große Stückzahlen können sie diese Kosten pro Einheit senken; dies wird als Fixkostendegression beziehungsweise Massendegression bezeichnet.

Konzentration und Major-Labels

Konzentration bedeutet, dass Labels aufgekauft werden, fusionieren oder durch Insolvenz vom Markt verschwinden. Bei horizontaler Integration kaufen oder fusionieren Unternehmen mit konkurrierenden Plattenfirmen, um ihren Marktanteil zu sichern oder zu erhöhen. Vertikale Integration bedeutet den Erwerb benachbarter Unternehmensbereiche, etwa von Musikverlagen.

Nach dem Umsatzeinbruch der Weltwirtschaftskrise, der in den USA 1931 bis zu 90 % betrug, fusionierten im Juni 1931 die Gramophone Company und die Columbia Graphophone Company zur EMI. Seit 1970 nahm die Konzentration durch weitere Fusionen zu. Aus den „Großen sechs“ von 1989 – EMI, Sony, BMG, PolyGram, WEA und MCA – wurden 1998 nach der Fusion von PolyGram und Universal die „Großen fünf“. Nach dem Zusammenschluss von Sony und BMG 2004 blieben vier große Labels. Nach der Übernahme von EMI durch die Universal Music Group, die die EU-Kommission im September 2012 genehmigte, bestehen laut Artikel drei Major-Labels: Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group.

Die „Big Three“ vereinen laut Artikel 71,7 % des Weltmarkts im Plattengeschäft; Independent Labels bleiben 28,3 %. Als genannte Weltmarktanteile werden Universal Music Group mit 25,5 % (2004) und Warner Music Group mit 11,3 % angegeben. Sony BMG erreichte nach dem Joint Venture von 2004 etwa 21,5 %. Major-Labels sind Teile großer Medienkonzerne und können Synergien nutzen, etwa Repertoires konzerneigener Musikverlage. Der Artikel nennt bei vielen Anteilen unterschiedliche Jahre; diese Werte sind daher nicht unmittelbar als heutige Marktanteile zu verstehen.

Umsätze, Risiken und der deutsche Markt

Der Artikel nennt für 2017 als zehn größte Musikmärkte unter anderem die USA mit 5.916,1 Mio. USD, Japan mit 2.727,5 Mio. USD, Deutschland mit 1.323,1 Mio. USD und das Vereinigte Königreich mit 1.310,7 Mio. USD. Für Deutschland ermittelte das Statistische Bundesamt 2002 im engen Bereich der Tonträgerindustrie bei 715 Unternehmen knapp 1 Milliarde Euro Umsatzerlöse; nach Bundesverband Musikindustrie gab es rund 350 Labels.

Die hohen Risiken zeigen sich an den Verkaufszahlen: 1968 mussten in den USA 11.200 Singles oder 7.800 LPs verkauft werden, um Produktions- und Fixkosten einzuspielen. 26 % aller Singles und 39 % aller LPs verfehlten dies. Von zehn CD-Veröffentlichungen spielten durchschnittlich acht nicht einmal die Produktionskosten ein; in Deutschland konnten nur etwa 10 % aller CDs kostendeckend verkauft werden. Ein erfolgreicher Titel musste daher die Verluste mehrerer erfolgloser Veröffentlichungen ausgleichen.

In Deutschland wurden 1929 noch 30 Millionen Schallplatten verkauft, 1935 am Tiefpunkt nur 5 Millionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Verkäufe wieder: 1957 wurden 57 Millionen Schallplatten produziert. Ab 1964 sorgten die Beatles und andere britische Beatbands für einen Umsatzsprung. Deutschland erreichte weltweit Rang drei bei den Plattenumsätzen, wurde jedoch 1979 von Japan verdrängt.

2009 erzielte die deutsche Musikindustrie einschließlich Leistungsschutzrechten, Merchandising, Künstlermanagement und Lizenzeinnahmen 1,803 Milliarden Euro Umsatz, nach 1,842 Milliarden Euro 2008; dies entsprach einem Rückgang von 2,1 %. Die reinen Musikverkäufe sanken von 1,582 auf 1,530 Milliarden Euro beziehungsweise um 3,3 %.

Krisen und digitale Einnahmequellen

1979 endete die zuvor kontinuierliche Wachstumsphase der deutschen Plattenindustrie mit einem Umsatzrückgang von 11 %. Die CD, 1983 eingeführt, brachte Erholung, weil bereits vorhandene Musik erneut digital verkauft werden konnte; 1988 wurden erstmals mehr CDs als Schallplatten gekauft. Ab 1997 begann weltweit eine weitere Krise, die der Artikel besonders mit unautorisierten Musikdownloads aus dem Internet verbindet. In Deutschland stieg die Zahl der CD-Rohlinge von 58 Millionen 1999 auf 303 Millionen 2004, während bespielte Original-CDs von 210 auf 146 Millionen zurückgingen. 2009 wurden 147 Millionen Musik-CDs verkauft.

Mit dem Internet und dem Audiocodec mp3 entstand 1992 die Trennung von Musikaufnahme und physischem Tonträger. Die Branche setzte deshalb auf kostenpflichtige Downloads, stärkeren Schutz von Urhebern, Interpreten und Musikverlagen sowie die Verfolgung unautorisierter Downloads. Legale Musikdownloads stiegen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 34 %.

Weitere Einnahmequellen sind Merchandising, Künstlermanagement, Konzerte, Ticketing, Lizenz- und Werbeerlöse. Bei 360-Grad-Verträgen beteiligt sich ein Tonträgerunternehmen an weiteren Einnahmen eines Künstlers, einschließlich Live-Einnahmen. Der Artikel nennt außerdem Plattformen, auf denen Musikschaffende den Preis pro Stream selbst festlegen können; sie sollen mehr Transparenz und Selbstbestimmung gegenüber algorithmusbasierten Abo-Diensten ermöglichen.

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