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Robert Schumann
Erst nach 1830 wurde die Musik zum Mittelpunkt seines Lebenskonzeptes, und er verstand sich selbst als Tondichter. Sowohl in seinen Kompositionen als auch …
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Leben und Bedeutung
Robert Alexander Schumann (8. Juni 1810 in Zwickau–29. Juli 1856 in Endenich bei Bonn) war ein deutscher Komponist, Musikkritiker und Dirigent. Heute zählt er zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik.
Schumann besaß eine literarisch-musikalische Doppelbegabung. Er schrieb Gedichte, Prosa, Dramenentwürfe und Musik. Erst nach 1830 wurde die Musik zum Mittelpunkt seines Lebens; er verstand sich als „Tondichter“. Seine Vorstellung einer poetischen Musik verband literarische Ideen mit musikalischer Gestaltung. Zugleich grenzte er sich von der Programmmusik Franz Liszts ab.
In seiner ersten Schaffensphase komponierte Schumann vor allem Klaviermusik. Im Jahr seiner Heirat mit der Pianistin Clara Wieck, 1840, schrieb er knapp 150 Lieder. Danach erweiterte sich sein Werk stark: Es entstanden Orchester- und konzertante Werke, Kammer- und Chormusik sowie die Oper Genoveva op. 81. Zu seinen vier Sinfonien gehören die Frühlingssinfonie in B-Dur op. 38, die Sinfonie in C-Dur op. 61, die Rheinische in Es-Dur op. 97 und die Sinfonie in d-Moll op. 120.
Viele Zeitgenossen empfanden Schumanns Werke als schwierig. Die ältere Vorstellung, er habe als Genie begonnen und wegen seiner Krankheit als Talent geendet, gilt heute als überholt. Die musikwissenschaftliche Diskussion über sein Spätwerk führte zu einer umfassenderen Anerkennung seines Gesamtwerks.
Von der Jugend zur musikalischen Laufbahn
Schumann wuchs als jüngstes von fünf Kindern des Buchhändlers und Verlegers August Schumann in Zwickau auf. Bereits vor seinem Klavierunterricht, den er ab dem Alter von sieben Jahren bei Johann Gottfried Kuntsch erhielt, komponierte er kleine Stücke. Daneben schrieb er Gedichte, Romanfragmente und Aufsätze, las besonders Jean Paul und gründete als Schüler ein Orchester sowie einen literarischen Verein.
Nach dem Abitur studierte Schumann ab dem 29. März 1828 in Leipzig und ab Mai 1829 drei Semester in Heidelberg Rechtswissenschaften. Insgesamt widmete er diesem Studium etwa zwei Jahre, beschäftigte sich aber stärker mit Musik und Literatur. In Leipzig lernte er Friedrich Wieck und dessen Tochter Clara kennen. Nach einem Konzert Niccolò Paganinis am 10. April 1830 verstärkte sich sein Wunsch, Musiker zu werden.
Am 30. Juli 1830 erklärte Schumann seiner Mutter, er wolle dem Beruf des Musikers folgen. Er nahm bei Friedrich Wieck Klavierunterricht und von Juli 1831 bis Februar oder März 1832 bei Heinrich Dorn Kompositionsunterricht. Wegen einer dauerhaften Beeinträchtigung der rechten Hand musste er die geplante Laufbahn als Konzertpianist aufgeben. Die Ursache ist nicht endgültig geklärt; der Neurologe Eckart Altenmüller kommt zu dem Ergebnis, dass es sich um eine tätigkeitsspezifische fokale Dystonie, den sogenannten Musikerkrampf, gehandelt habe. Schumann wandte sich nun vollständig dem Komponieren zu. Besonders intensiv studierte er Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier, das er als seine „Grammatik“ bezeichnete.
1834 gründete Schumann in Leipzig die Neue Leipziger Zeitschrift für Musik, die 1835 in Neue Zeitschrift für Musik umbenannt wurde. Zehn Jahre lang arbeitete er als Herausgeber, Redakteur und Autor. Die Zeitschrift sollte alte Meisterwerke anerkennen, eine als unkünstlerisch empfundene mechanische Musik bekämpfen und eine „junge, dichterische Zukunft“ vorbereiten. Mit den Figuren Florestan und Eusebius stellte Schumann verschiedene künstlerische Sichtweisen dar: Florestan verkörperte den leidenschaftlichen, Eusebius den in sich gekehrten Schumann.
Schumann und Clara Wieck wurden 1835 ein Paar. Wegen des Widerstands ihres Vaters Friedrich Wieck mussten sie die Heirat gerichtlich durchsetzen. Am 1. August 1840 erhielten sie die Heiratserlaubnis; am 12. September 1840 heirateten sie in Schönefeld bei Leipzig. In der Ehe arbeiteten sie musikalisch eng zusammen. Clara beriet Schumann bei seinen Kompositionen und führte viele seiner Werke öffentlich auf. 1840 gilt wegen der Entstehung von rund der Hälfte seines gesamten Liedschaffens als Schumanns „Liederjahr“.
Die Leipziger Zeit wurde von wichtigen Erfolgen geprägt: 1841 entstand die Frühlingssinfonie, 1842 die zentrale Kammermusik mit drei Streichquartetten, dem Klavierquintett Es-Dur op. 44 und dem Klavierquartett Es-Dur op. 47, 1843 das Oratorium Das Paradies und die Peri op. 50. 1844 zog die Familie nach Dresden, wo Schumann trotz gesundheitlicher Beschwerden sehr produktiv war. 1850 wechselte er nach Düsseldorf und wurde Städtischer Musikdirektor.
Kompositionen und künstlerische Entwicklung
Schumanns veröffentlichte Werke op. 1 bis op. 23, die zwischen 1827 und 1839 entstanden, sind ausschließlich für Soloklavier geschrieben. Zu den frühen Schlüsselwerken gehören die Abegg-Variationen op. 1 (1829/1830), deren musikalische Grundlage die Tonfolge A-B-E-G-G bildet, die Papillons op. 2 (1829–1832), die Toccata op. 7 und der Carnaval op. 9 (1833 und Winter 1834/1835). Im Carnaval verwendet Schumann unter anderem die Tonfolgen A–Es–C–H beziehungsweise As–C–H, die auf das Städtchen Asch und den Namen Schumann verweisen. Die Figuren Estrella und Chiarina beziehen sich auf Ernestine von Fricken und Clara Wieck.
Weitere bedeutende Klavierwerke sind die Davidsbündlertänze op. 6, die Klaviersonaten op. 11, op. 14 und op. 22, die Fantasie in C-Dur op. 17, Kreisleriana op. 16, die Kinderszenen op. 15, die Zwölf Sinfonischen Etüden op. 13, das Album für die Jugend op. 68 und die Gesänge der Frühe op. 133. Schumann komponierte außerdem Werke für Pedalflügel und Orgel, darunter die Sechs Fugen über BACH op. 60.
Nach 1839 wandte er sich systematisch weiteren Gattungen zu. Das Jahr 1840 brachte zahlreiche Liederzyklen, darunter den Liederkreis op. 39 nach Joseph von Eichendorff, Frauenliebe und -leben op. 42, die Dichterliebe op. 48 nach Heinrich Heine und Myrthen op. 25. In der Kammermusik entstanden unter anderem drei Klaviertrios, Violinsonaten und die Märchenbilder op. 113. Zu den konzertanten Werken zählen das Klavierkonzert a-Moll op. 54, das Konzertstück für vier Hörner und Orchester op. 86, das Cellokonzert a-Moll op. 129 sowie die Fantasie für Violine und Orchester op. 131.
Schumann schrieb außerdem Chorwerke, Oratorien, Balladen für Solostimmen, Chor und Orchester sowie geistliche Musik. Besonders wichtig sind Das Paradies und die Peri op. 50, Der Rose Pilgerfahrt op. 112, die Szenen aus Goethes Faust und die Missa sacra op. 147. Seine einzige Oper ist Genoveva op. 81 (1847/48). Bis etwa 1845 arbeitete Schumann meist am Klavier; danach erfand und bearbeitete er seine Musik überwiegend im Kopf und nutzte das Klavier gelegentlich als Kontrollinstrument.
Krankheit, Endenich und Tod
Schumann erlebte bereits seit den 1830er Jahren psychische Krisen. In Dresden klagte er ab 1844 über Abspannung, Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle, Hörstörungen und Schwermut. Als mögliche Ursachen wurden unter anderem eine bipolare Störung und eine früher erworbene Syphilis genannt. Die Diagnosen sind nicht abschließend geklärt. Neuere Untersuchungen halten eine Neurolues, also eine durch Syphilis verursachte Erkrankung des Nervensystems, für wahrscheinlich; zugleich lässt sich eine Demenz vor der Einweisung nach Endenich nicht sicher nachweisen.
In Düsseldorf hatte Schumann als Musikdirektor zehn Abonnementskonzerte pro Wintersaison zu planen, Orchester und Gesangsverein zu leiten sowie Aufführungen in katholischen Kirchen und bei den Niederrheinischen Musikfesten vorzubereiten. Die Proben mit Chor und Orchester wurden jedoch zunehmend schwieriger. Nach einem Eklat in der Wintersaison 1853/54 sollte er nur noch eigene Werke dirigieren. Schumann kündigte zum 1. Oktober 1854.
Im Herbst 1853 lernte Schumann den damals 20-jährigen Johannes Brahms kennen. Er erkannte dessen Talent, setzte sich für die Veröffentlichung seiner Werke ein und veröffentlichte den Aufsatz Neue Bahnen. In dieser Zeit entstanden auch die F.A.E.-Sonate mit Albert Dietrich und Brahms sowie Schumanns letzte konzertante Höhepunkte.
Ab dem 10. Februar 1854 verschlechterte sich Schumanns Zustand stark. Er hörte ständig Töne, Akkorde und ganze Musikstücke. Am 27. Februar 1854 verließ er unbemerkt seine Wohnung, stürzte sich von der Oberkasseler Pontonbrücke in den Rhein und wurde gerettet. Am 4. März 1854 wurde er auf eigenen Wunsch in die Richarz’sche Heilanstalt in Endenich bei Bonn aufgenommen. Die Klinikdiagnose lautete „Melancholie mit Wahn“; später wurde „Paralysie“ ergänzt. Die Behandlung umfasste unter anderem Klistiere, Abführmittel, Fontanellen, Bäder und kalte Waschungen. Obwohl die Klinik nach dem Prinzip „no-restraint“, also ohne Zwang, geführt wurde, kam Schumann mindestens einmal in eine Zwangsjacke.
In Endenich wechselten klares Denken, Halluzinationen und Wahnideen. Zwischen September 1854 und Mai 1855 schrieb Schumann etwa 25 Briefe, von denen 18 erhalten sind, korrespondierte mit Clara, seinen Kindern, Brahms, Joseph Joachim und Verlegern und arbeitete 1855 noch an Begleitungen zu Paganinis Capricen. Danach zog er sich immer stärker zurück. 1856 konnte er kaum noch verständlich sprechen; am 1. Mai wurde letztmals erwähnt, dass er Klavier spielte. Clara durfte ihn erst am 27. Juli 1856, zwei Tage vor seinem Tod, sehen. Schumann starb am 29. Juli 1856 und wurde am 31. Juli auf dem Alten Friedhof in Bonn beigesetzt.
Rezeption und bleibende Bedeutung
Zunächst wurde Schumann vor allem als Musikkritiker wahrgenommen. Durch die Neue Zeitschrift für Musik war er ab 1835 in Deutschland und Frankreich bekannt; als Komponist stand er zunächst im Schatten Felix Mendelssohn Bartholdys. Ab 1840 erreichten seine Lieder, Sinfonien, das Klavierkonzert und seine Kammermusik ein größeres Publikum. Besonders Clara Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy trugen durch Aufführungen zu seinem Erfolg bei.
Von den insgesamt 156 veröffentlichten Werken erschienen etwa zwei Drittel zwischen 1846 und 1854. Am erfolgreichsten waren die vier Sinfonien und Das Paradies und die Peri; Genoveva erzielte bei der Uraufführung einen Achtungserfolg. Ab 1848 wurden Schumanns Werke auch in New York aufgeführt. Nach 1850 galt er in Nord- und Osteuropa als Vorbild. In Frankreich setzten sich unter anderem Georges Bizet, César Franck, Gabriel Fauré und Claude Debussy mit seiner Musik auseinander.
Später wurde Schumann in Deutschland sowohl von Wagnerianern abgewertet als auch von Antiwagnerianern vereinnahmt. Während der Zeit des Nationalsozialismus deutete man ihn als typisch deutsches Genie und stilisierte ihn fälschlich zum Antisemiten. Primärquellen wurden dafür gekürzt oder verfälscht; sein Violinkonzert d-Moll erschien 1937 in verstümmelter Bearbeitung. Seit der Spätwerkdiskussion des späten 20. Jahrhunderts wird sein Gesamtwerk differenzierter beurteilt. Das Violinkonzert wird heute wieder in seiner Urfassung gespielt, und die Neue Robert-Schumann-Gesamtausgabe schafft eine neue Grundlage für Forschung und Aufführungspraxis.
Schumann wird durch Museen, Hochschulen, Wettbewerbe und Schumannfeste erinnert. Der Internationale Robert-Schumann-Wettbewerb findet heute in Zwickau statt; dort gibt es seit 1992 außerdem den Internationalen Robert-Schumann-Chorwettbewerb. Weitere Zentren sind Düsseldorf, Bonn, Leipzig und Dresden. Nach ihm wurden unter anderem der Asteroid (4003) Schumann, der Berg Mount Schumann in der Antarktis, Hochschulen, Schulen und Gesellschaften benannt. 2010 erschienen eine deutsche Briefmarke und eine 10-Euro-Gedenkmünze zum 200. Geburtstag.