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Todsünde

Mit Todsünde (lateinisch peccatum mortiferum oder mortale) werden in der römisch-katholischen Kirche besonders schwerwiegende Arten der Sünde bezeichnet, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Voraussetzungen
  2. 2. Die sieben Hauptlaster
  3. 3. Folgen und Vergebung
  4. 4. Darstellung in Kunst und Popkultur
  5. 5. Übertragene Verwendung und Strafrecht

Begriff und Voraussetzungen

Eine Todsünde (lateinisch peccatum mortiferum oder peccatum mortale) bezeichnet in der römisch-katholischen Kirche eine besonders schwerwiegende Sünde. Durch sie verlässt ein Mensch die Gemeinschaft mit Gott bewusst und willentlich. Ein besonders grobes Vergehen heißt auch himmelschreiende Sünde (lateinisch peccatum clamans).

Damit eine Sünde als Todsünde gilt, müssen drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Sie betrifft eine schwerwiegende Materie, insbesondere einen Verstoß gegen die Zehn Gebote. Als Beispiele nennt der Artikel Ehebruch, Mord und Apostasie, also Glaubensabfall.
  • Die Person begeht sie mit vollem Bewusstsein. Sie muss die Schwere der Sünde bereits vorher erkannt haben.
  • Die Person handelt mit bedachter Zustimmung, also aus freiem Willen.

Papst Johannes Paul II. erklärte 1984 im Apostolischen Schreiben Reconciliatio et paenitentia, eine Todsünde sei ein Akt, durch den ein Mensch „bewusst und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zurückweist“, indem er sich selbst oder einer geschaffenen, endlichen Wirklichkeit zuwendet, die dem göttlichen Willen widerspricht.

Die Todsünde bedeutet somit eine Abkehr von der durch die Taufe begründeten Gemeinschaft mit Gott. Zur erneuten Vergebung der persönlichen Schuld genügt vollkommene oder unvollkommene Reue im Bußsakrament. Vollkommene Reue ist die bewusste Hinwendung zur Liebe Gottes.

Die sieben Hauptlaster

Die häufig als „sieben Todsünden“ bezeichneten sieben schlechten Charaktereigenschaften heißen theologisch genauer Hauptlaster, Hauptsünden oder Wurzelsünden. Sie gelten als Ursachen vieler weiterer Sünden, der sogenannten Tochtersünden. Je nach Umständen können sie zu schweren oder zu lässlichen Sünden führen.

Die sieben Hauptlaster sind:

  • Superbia: Hochmut, Stolz, Eitelkeit oder Übermut
  • Avaritia: Geiz, Habgier oder Habsucht
  • Luxuria: Wollust, Ausschweifung, Genusssucht, Begehren oder Unkeuschheit
  • Ira: Zorn, Jähzorn, Wut oder Rachsucht
  • Gula: Völlerei, Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit oder Selbstsucht
  • Invidia: Neid, Eifersucht oder Missgunst
  • Acedia: Faulheit, Feigheit, Ignoranz, Überdruss oder Trägheit des Herzens

Das mittelalterliche Akronym Saligia fasst die lateinischen Anfangsbuchstaben dieser Begriffe zusammen. Umgangssprachlich werden die sieben Hauptlaster zwar als „sieben Todsünden“ bezeichnet, diese Gleichsetzung ist jedoch theologisch falsch: Nicht jedes Hauptlaster ist automatisch eine Todsünde. Es handelt sich nur dann um eine Todsünde, wenn auch die schwerwiegende Materie sowie volles Wissen und freie Zustimmung vorliegen; außerdem erreichen die Laster diese Schwere meist erst in ihrer vollen Ausprägung.

In der katholischen Theologie werden den Hauptlastern häufig die Kardinaltugenden gegenübergestellt. Außerdem stellte Papst Gregor I. ihnen die Sieben Gaben des Heiligen Geistes gegenüber. Im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche von 1992 wird als erstes Hauptlaster nicht Hochmut, sondern Stolz genannt.

Folgen und Vergebung

Nach der Lehre der katholischen Kirche zieht eine schwere Sünde den „zweiten Tod“, also die Höllenstrafe, nach sich, wenn ein Mensch ohne vollkommene Reue und Buße stirbt.

Die Vergebung einer Todsünde erfolgt im Bußsakrament oder durch vollkommene Reue. Vollkommene Reue bedeutet Reue aus Liebe zu Gott. Sie muss den Wunsch einschließen, das Bußsakrament und die Absolution zu empfangen. Die Absolution ist die Lossprechung von den Sünden: In der persönlichen Beichte spricht der Priester die Person in persona Christi, also in der Person Christi, kraft göttlicher Vollmacht von ihren Sünden los.

Für die wirksame Wiederherstellung der Taufgnade genügt im Bußsakrament auch unvollkommene Reue. Diese entsteht aus Furcht vor Gottes Strafe. Wer eine Todsünde begangen hat, darf nach der dargestellten Lehre außerdem nicht unwürdig die heilige Kommunion empfangen.

Darstellung in Kunst und Popkultur

Die sieben Hauptlaster sind ein häufiges Thema der bildenden Kunst, besonders der Malerei und Grafik. Bildzyklen gibt es seit dem Mittelalter bis in die Gegenwart. Beispiele sind Hieronymus Boschs Darstellung der sieben Todsünden, Hans Burgkmairs Folge von sieben Holzschnitten um 1510, Pieter Bruegels Darstellungen in Kupferstichen von 1557, Jacques Callots sieben Radierungen von 1617–1620 und James Ensors Folge Les sept péchés capitaux von 1888 sowie 1902–1904. Auch im 20. und 21. Jahrhundert griffen unter anderem Marc Chagall, Otto Dix, Bruce Nauman, Eva Aeppli und Denis Stuart Rose das Thema auf.

In Literatur, Film, Theater, Tanz, Musik, Musikvideos, Manga und Computerspielen dienen die sieben Sünden oft als Ordnungssystem für Figuren, Konflikte oder Handlungen. In der Literatur verkörpern beispielsweise in Garth Nix’ Reihe Die Schlüssel zum Königreich sieben Gegenspieler jeweils eine Todsünde; Swantje Oppermann veröffentlichte 2019 den Jugendroman Saligia – Spiel der Todsünden.

Zu den Filmen mit diesem Motiv gehören David Finchers Sieben (USA 1995), Philippe de Brocas Die sieben Todsünden (Frankreich/Italien 1962) und Shazam! von David F. Sandberg (USA 2019). Im Theaterzyklus Heptalogie des Hieronymus Bosch sucht Rafael Spregelburd für jede klassische Todsünde eine zeitgenössische Entsprechung; sechs der sieben Stücke waren nach Angaben des Artikels fertiggestellt.

Im Tanz entstanden unter anderem Bertolt Brechts und Kurt Weills Ballett mit Gesang Die sieben Todsünden von 1933 sowie eine Bearbeitung von Pina Bausch und Wilhelm Brückner-Rüggeberg aus dem Jahr 1976. In der Musik reicht die Verwendung von Adalbert von Goldschmidts Oratorium von 1871 über Kurt Weills und Brechts Die sieben Todsünden der Kleinbürger (1933) bis zu zahlreichen Liedern und Alben, etwa Flogging Mollys Seven Deadly Sins (2004), Helloweens 7 Sinners (2010) und Treams 7 Sünden (2024). Musikvideos mit diesem Bezug sind unter anderem Pet Shop Boys’ It’s a Sin (1987) und Felix Da Housecats Sinnerman (2003).

In Manga und Anime werden die Sünden häufig durch Figuren personifiziert. In Fullmetal Alchemist sind die Homunculi nach den sieben Todsünden benannt und entsprechend charakterisiert. In Nanatsu no Taizai beziehungsweise Seven Deadly Sins verkörpern die Hauptfiguren, eine Gruppe von Rittern, die sieben Sünden. Auch Angel Sanctuary, D.Gray-man, Servamp und Trinity Seven verwenden das Motiv.

Computerspiele greifen die sieben Sünden ebenfalls auf. In 7 Deadly Sins sollen innerhalb von 14 Tagen alle sieben Sünden begangen werden. Dante’s Inferno führt durch neun Höllenkreise, die teilweise nach Todsünden benannt sind. In Devil May Cry 3, The Binding of Isaac, Crusader Kings 2, Dragon Age und Darksiders 3 erscheinen die Sünden als Gegner, Eigenschaften oder zentrale Handlungselemente.

Übertragene Verwendung und Strafrecht

Die Bezeichnung „sieben Todsünden“ wird auch außerhalb der katholischen Theologie verwendet. Sie dient als anschaulicher Titel für Listen schwerwiegender Fehlentscheidungen, gravierender Regelverstöße oder Handlungsweisen, die unbedingt vermieden werden sollen. Solche Kataloge können einen Bezug zu den klassischen sieben Hauptlastern haben, müssen aber nicht religiös begründet sein.

Im deutschen Strafrecht hat sich „sieben Todsünden“ als umgangssprachliche Bezeichnung für die sieben strafbaren Verkehrsverstöße eingebürgert, die in § 315c Absatz 1 Nummer 2 Buchstaben a bis g des Strafgesetzbuchs aufgeführt sind.

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