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Tiere im Ersten Weltkrieg
Die am häufigsten genutzten Tiere im Ersten Weltkrieg waren Pferde, Hunde und Tauben, seltener Esel, Maultiere, Kamele, Ochsen, Elefanten, Katzen, …
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Bedeutung der Tiere im Krieg
Im Ersten Weltkrieg setzten alle beteiligten Länder Tiere zu militärischen Zwecken ein. Am wichtigsten waren Pferde, Hunde und Brieftauben; daneben wurden Esel, Maultiere, Kamele, Ochsen, Elefanten, Katzen, Glühwürmchen, Kanarienvögel und Schnecken genutzt. Tiere dienten als Transportmittel für Waffen, Munition, Lebensmittel, Baumaterial und Verwundete, als Reittiere, zur Bewachung, Kommunikation und Spionage, als Kampfmittel oder als Nahrungsressource.
Der Krieg war zwar technisch modern, doch Motorisierung, Telegrafie, Panzer und Automobile ersetzten die Tiere nicht. Logistik, Transport, Nachrichtenübermittlung und viele Gefechtsaufgaben blieben ohne Tiere kaum durchführbar. Besonders Pferde machten den industriellen Massenkrieg möglich, weil sie Munition und schwere Ausrüstung zur Front brachten. Der Mangel an Zugpferden trug sogar dazu bei, dass sich an der Westfront ein Stellungskrieg entwickelte.
Die Tiere wurden wie militärisches Material behandelt. Gleichzeitig empfanden viele Soldaten sie als „vierbeinige Kameraden“. Es gab Pferde- und Hundelazarette sowie Gasmasken für Pferde, Hunde und Tauben. Viele Einheiten hielten außerdem Maskottchen, darunter Hunde, Schafe, Esel, Ziegen, Bären, Affen und Kängurus. Die moralische Frage, ob Tiere im Krieg eingesetzt werden sollten, spielte damals kaum eine Rolle; entscheidend war ihr Nutzen.
Pferde als wichtigste Kriegstiere
Pferde waren die zahlenmäßig bedeutendsten Tiere des Ersten Weltkriegs. Insgesamt sollen 14 bis 20 Millionen Pferde beteiligt gewesen sein, davon 1,5 Millionen auf deutscher Seite. Mindestens 8 Millionen Pferde wurden während des Krieges getötet; andere Angaben nennen 9 bis 10 Millionen tote Pferde als sicher. Vor Kriegsbeginn gab es im Deutschen Reich 4,7 Millionen Pferde, danach noch rund 3,3 Millionen.
Schon vor dem Krieg wurden zivile Pferde jährlich gemustert. Taugliche Tiere kamen auf Listen und wurden möglichen Einsatzzwecken zugeordnet. Im Kriegsfall konnte über bis zu rund 70 Prozent des Gesamtbestandes verfügt werden. In Bayern standen knapp 300.000 Pferde auf der Musterungsliste; von den zwischen 1908 und 1913 gemusterten Tieren galten 85 Prozent als kriegstauglich. Weil Pferde in Landwirtschaft und Stadtverkehr fehlten, entstanden auch an der Heimatfront soziale Probleme.
Die Rolle der Pferde änderte sich im Krieg. Kavallerieangriffe waren an der Westfront wegen Schützengräben und Maschinengewehren kaum noch sinnvoll. Pferde wurden dort vor allem Transport- und Zugtiere. An der Ostfront blieben sie stärker als Gefechtstiere im Einsatz und mussten besonders große Entfernungen zurücklegen. Pferde transportierten Baumaterial, zogen Artillerie auf den letzten Kilometern zur Front und brachten Verwundete zurück. Pferde und Maultiere konnten 60 bis 80 Kilogramm tragen. Ein durchschnittliches Pferd musste täglich bis zu 50 Kilometer laufen, ein Artilleriepferd laut Vorschrift 25 Kilometer, gegen Kriegsende aber oft bis zu 80 Kilometer. Meldereitpferde mussten bis zu 120 Kilometer am Tag schaffen.
Die Versorgung war unzureichend. Der Schlieffen-Plan hatte einen kurzen Krieg erwarten lassen, deshalb fehlten Futtervorräte. Schon im Februar 1915 wurde der Futtermangel schwer. Der Haferanteil wurde auf dem Papier auf 5.500 Gramm reduziert, tatsächlich oft noch weiter. Ersatzfutter wie Gerste, Mais, Hirse, Erbsen, Bohnen, Laub, Holz, Sägemehl oder Tiermehl war weniger nährstoffreich und schadete vielen Tieren. Mangelernährung, Überanstrengung, Schusswunden, Stacheldrahtverletzungen, Gas und Krankheiten waren häufig.
Das deutsche Veterinärsystem war zu Kriegsbeginn schlecht organisiert, wurde aber ab 1915 mit Feld-, Etappen- und Heimatpferdelazaretten professionalisiert. Ein Tierarzt war zunächst für 615 Pferde zuständig. Später gab es bis zu 550 Pferdedepots und Lazarette auf deutscher Seite. Mobile Pferdedepots lagen 15 bis 20 Kilometer hinter der Front; dort betreuten zwei Tierärzte und 250 Soldaten 1.000 Pferde. In stationären Lazaretten waren zwei Tierärzte und 70 Soldaten für 150 Tiere zuständig. Häufige Seuchen waren Räude und Rotz. Über die Kriegsdauer gab es mehr als 1,3 Millionen Fälle von Räude; 310.000 deutsche Pferde erkrankten an Rotz. Etwa jedes dritte von Deutschland eingesetzte Pferd brauchte im Krieg eine Behandlung.
Hunde im Dienst
Hunde wurden vielseitiger eingesetzt als jede andere Tierart. Das deutsche Heer hatte bereits zu Kriegsbeginn 6.000 Militärhunde. Zur Höchstzeit waren 30.000 Hunde und ebenso viele betreuende Soldaten im Einsatz. In Frankreich und Großbritannien wurde der militärische Nutzen von Hunden zunächst bezweifelt; Deutschland war hier besser vorbereitet.
Um genügend Hunde zu bekommen, appellierte man an den Patriotismus der Besitzer oder beschlagnahmte Tiere. Im Deutschen Reich, ohne Sachsen und Bayern, gab es 19 Sammelstellen, in denen zivile Hunde untersucht und vorbereitet wurden. Insgesamt wurden etwa 30.000 Privathunde eingezogen. Auswahlkriterien waren gute Augen, Ohren, Geruchssinn, Gehorsam und Robustheit. Bevorzugt wurden mittelgroße Hunde, weil kleine zu wenig Kraft hatten und große schwer zu führen waren und ein gutes Ziel abgaben. Beliebt waren unter anderem Deutsche Schäferhunde und Dobermänner.
Hunde arbeiteten als Pack- und Zugtiere, Meldehunde, Wachhunde, Patrouillenhunde, Sanitätshunde und Gasspürer. Als Packtiere konnten sie in unebenem Gelände 30 Kilogramm, in ebenem 50 Kilogramm tragen. Ein Doppelgespann konnte bis zu 500 Kilogramm ziehen. An der Front transportierten Hunde Lebensmittel, Stacheldrahtrollen, Munition, Baumaterial und Feldpost. Von über 40.000 Hunden im deutschen Einsatz waren 30.000 Meldehunde; ihr Verlust wird auf 20.000 geschätzt.
Meldehunde trugen Nachrichten in einem Lederbehälter am Halsband. Obwohl Hunde bis zu 8 Kilometer laufen konnten, empfahl man für Meldehunde höchstens 2,5 Kilometer, weil sonst ihre Konzentration nachließ. Sanitätshunde sollten Verwundete finden und den Sanitätsdienst alarmieren. Dafür wurden verschiedene Methoden ausprobiert: Bellen war gefährlich, weil es feindliches Feuer anziehen konnte; das Mitbringen eines Gegenstands vom Verwundeten war unzuverlässig. Schließlich setzte sich ein Bringsel am Halsband durch, das der Hund beim Fund eines Verwundeten abnahm und zurückbrachte.
Auch Hunde litten unter Kriegseinwirkungen: Unwetter, Schlamm, Beschuss, Schussverletzungen, Gasvergiftungen, Ungezieferbefall, Überbeanspruchung, Staupe und Räude. Erkrankte Hunde wurden meist von Pferdeärzten mitbehandelt. Es gab Hundelazarette an der Front und in der Heimat, teils von Tierschutzvereinen betrieben. Exakte Verlustzahlen der Kriegshunde sind nicht bekannt. Nach Kriegsende wurden viele Hunde an frühere Besitzer zurückgegeben oder verkauft. Viele Hundeführer kauften ihre Hunde selbst. Weil Giftgas viele Soldaten erblinden ließ, entstand ein großer Bedarf an Blindenhunden; dafür wurden häufig Hunde genutzt, die sich für den Krieg nicht mehr eigneten.
Brieftauben und Nachrichten
Brieftauben waren besonders wichtig, wenn Telegrafenleitungen zerstört waren. Dann konnten sie die einzige Verbindung zwischen Front und Feldlager sein. Sie überbrachten Nachrichten über Artillerieziele oder die Lage eingeschlossener Soldaten, warnten vor Gasangriffen und wurden für Luftbilder eingesetzt. Die Deutschen nutzten im Ersten Weltkrieg mehr als 120.000 Tauben.
Deutschland hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts Militärbrieftauben in 15 Stationen ausgebildet. Ab August 1914 galt ein Gesetz von 1894 zum Schutz der Brieftauben und des Brieftaubenverkehrs im Krieg. Militärtauben durften ganzjährig fliegen und unbegrenzt gezüchtet werden. Mehr als 10.000 Taubenzüchter gaben der deutschen Armee viele Tiere. Insgesamt spendeten Taubenzüchtervereine etwa 200.000 Tauben. Im November 1914 verfügte Deutschland bereits über 21.000 Militärbrieftauben; 1917 waren es über 42.000, davon 70 Prozent aus privaten Beständen.
Die Tauben wurden in über 600 teils mobilen Schlägen hinter der Front gehalten und trainiert. Mobile Schläge konnten von Pferden gezogen, auf Schienen oder mit Motorkraft bewegt werden. Ein mobiler Schlag fasste bis zu 1.000 Tauben. Die Schläge standen meist 15 bis 20 Kilometer hinter der Frontlinie. Die Tauben wurden in Körben in die Schützengräben gebracht und mit Nachrichten zu ihrem Heimatschlag zurückgeschickt. Unter normalen Bedingungen erreichten 95 Prozent der Nachrichten den Empfänger; bei Wind, starkem Regen und Nebel war die Rückkehr schwieriger. Für wichtige Meldungen wurden manchmal zwei Tauben mit derselben Nachricht losgeschickt.
Brieftauben wurden auch zur Spionage genutzt. Im besetzten Belgien mussten zivile Tauben registriert werden und durften nicht fliegen; sonst konnten sie getötet werden. Gegnerische Flugzeuge warfen Tauben über besetzten Gebieten ab, damit Einwohner Informationen über deutsche Truppen zurückmelden konnten. Die Tiere litten unter schlechtem Wetter, Futtermangel, Geschossen, Giftgas, engen Transportkörben und unsachgemäßer Behandlung. Zum Schutz vor Gas wurden sie in abgedichteten Behältern mit Gasfiltern gehalten.
Weitere Nutztiere und besondere Einsätze
Neben Pferden, Hunden und Tauben wurden viele weitere Tiere eingesetzt. Kamele waren im heißen Klima der Levante wichtige Reit- und Lasttiere. Sie trugen Soldaten, Verwundete, Wasser, Nahrung und Ausrüstung. Beim Aufstand der Araber gegen das Osmanische Reich 1916 spielten berittene Kamelverbände eine wichtige Rolle. Briten und Araber verfügten über 50.000 Transportkamele und zahlreiche Kamelregimenter. Für schnelle Einsätze wurde 1916 das Imperial Camel Corps gegründet.
Esel und Maultiere waren besonders im Gebirge nützlich. Esel galten zwar als eigensinnig, waren aber belastbar, zuverlässig und schwindelfrei. In den Alpen sicherten Transportesel die Versorgung der Front mit Lebensmitteln und Waffen; Italien kaufte bei Bauern 100.000 Esel. Maultiere waren widerstandsfähiger, ausdauernder und genügsamer als Pferde und konnten im Flachland wie im Hochgebirge eingesetzt werden. Gebirgsartillerien in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz nutzten Maultiere.
Ochsen und Wasserbüffel zogen schwere Lasten wie Artilleriegeschütze und Munitionswagen. In Afrika wurden sie ebenfalls eingesetzt, teils sogar als Reittiere. Elefanten wurden in Einzelfällen in Städten, an Güterbahnhöfen und bei Holztransporten genutzt. Die Elefantin Jenny aus Hagenbecks Tierpark arbeitete in Nordfrankreich bei Waldarbeiten und Holztransporten für Unterstände und Unterkünfte. Elefanten wie Jenny konnten Lasten von bis zu einer Tonne bewegen.
Auch kleinere Tiere hatten Funktionen. Katzen warnten wegen ihrer Empfindlichkeit gegen Phosgen vor Giftgas und jagten Mäuse und Ratten. Österreich entsandte über 1.000 Katzen gegen eine Mäuseplage in Unterständen. Glühwürmchen wurden von britischen Soldaten in Glasgefäßen als schwache Lichtquelle genutzt. Kanarienvögel warnten in Schützengräben vor Giftgas wie Blausäure und Kohlenstoffmonoxid. Amerikaner hielten Schnecken in Käfigen, weil sie empfindlich auf Senfgas reagierten.
Verluste, Kriegsende und Erinnerung
Die Verluste unter den Tieren waren sehr hoch. Bei Pferden betrug die durchschnittliche Lebenszeit eines Artilleriepferdes im Einsatz nur zehn Tage. 1915 fehlten bereits so viele Pferde, dass Gespanne mit weniger Tieren ziehen mussten als vorgesehen. 1918 stieg der Pferdeverlust auf fast 25 Prozent, nachdem er 1915 noch 9,5 Prozent betragen hatte. In Afrika waren die Tierverluste vermutlich wegen Klima und Futtermangel besonders hoch. Verendete Tiere wurden verwertet: Aus Haut und Knochen entstanden Leder, Fett, Leim und Tiermehl; unbedenkliches Fleisch wurde gegessen.
Nach Kriegsende wurden viele Tiere ins Zivilleben entlassen, zurückgegeben oder verkauft. Pferde wurden versteigert; Händler waren ausgeschlossen, damit die Preise niedrig blieben. Viele geschwächte Pferde waren jedoch kaum noch arbeitsfähig und wurden geschlachtet, wenn sie nicht verkauft werden konnten. Tiere waren auch Teil der Kriegsschuldwiedergutmachung. Artikel 238 des Friedensvertrags von Versailles verlangte die Rücklieferung weggebrachter, beschlagnahmter oder konfiszierter Tiere. Deutschland musste 1920 als Abschlagszahlung 500 Zuchthengste und 30.000 Stuten an Frankreich liefern.
Heute erinnern Denkmäler und Auszeichnungen an Leistung und Leid der Kriegstiere. In Deutschland wurden Tiere seltener geehrt als bei den westlichen Alliierten. Die britische Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals widmete eine Gedenktafel allen Tieren, die im Ersten Weltkrieg litten oder starben, und nennt 484.143 Pferde, Maultiere, Kamele und Ochsen sowie Hunderte Hunde, Brieftauben und weitere Arten. In Washington erinnert eine Tafel an 243.135 Pferde und Maultiere, von denen fast 70.000 im Militärdienst starben. In Belgien und Frankreich gibt es Denkmäler für Kriegstauben.
Einzelne Tiere wurden als Kriegshelden bekannt. Die Brieftaube „Cher Ami“ überbrachte trotz Verletzung bei Verdun eine Nachricht, die 194 amerikanischen Soldaten das Leben retten sollte, und erhielt den französischen Orden Croix de Guerre. Der Hund „Sergeant Stubby“ wurde als besonders hoch dekorierter Hund des Ersten Weltkriegs bekannt. Viele spätere Bücher über Kriegstiere waren jedoch eher anekdotisch oder verherrlichend als sachlich.