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Logistik
Die Logistik ist sowohl eine interdisziplinäre Wissenschaft als auch ein Wirtschaftszweig oder eine betriebliche Funktion in Wirtschaftssubjekten, die sich …
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Begriff und Bedeutung
Logistik ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, ein Wirtschaftszweig und eine betriebliche Funktion. Sie plant, steuert, optimiert und führt Güter-, Informations- und Personenströme durch. Dazu gehören Transportieren, Umschlagen, Lagern, Kommissionieren, Sortieren, Verpacken und Verteilen. Transport, Umschlag und Lagerung werden als TUL-Prozess bezeichnet. Bei Stückgütern heißt der Strom von Materialien Materialfluss.
Logistik kann prozess- oder flussorientiert betrachtet werden: Im Mittelpunkt stehen dann die Abläufe der Ströme. Sie kann außerdem als Instrument der Unternehmensführung verstanden werden oder lebenszyklusorientiert alle Phasen eines Produktlebenszyklus einbeziehen. Logistik betreiben Unternehmen, Behörden und Privathaushalte. Moderne Auffassungen betrachten nicht nur Beschaffung, Produktion und Absatz innerhalb eines Unternehmens, sondern auch Liefer- und Wertschöpfungsketten über mehrere Unternehmen hinweg.
Ziele und zentrale Aufgaben
Logistik soll hochwertige Leistungen und Qualität sichern sowie Kosten senken. Zwischen diesen Zielen bestehen Zielkonflikte: Ein hoher Lagerbestand vermindert Fehlmengenkosten und erhöht die Lieferbereitschaft, verursacht aber höhere Lagerhaltungskosten. Die Logistik-Kostenrechnung soll helfen, ein Optimum zu bestimmen.
Reinhardt Jünemann formulierte 1989 den Auftrag so: „Der logistische Auftrag besteht darin, die richtige Menge der richtigen Objekte als Gegenstände der Logistik (Güter, Personen, Energie, Informationen), am richtigen Ort (Quelle, Senke) im System, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, zu den richtigen Kosten zur Verfügung zu stellen.“ Dies sind die 6 R der Logistik. Als verkürzte Variante gibt es die 4-R-Regel; wegen steigender Anforderungen wird auch von Sieben R oder 7R+ gesprochen.
Zu den Aufgaben zählen Transport, Umschlag, Lagerung, Bereitstellung, Beschaffung und Verteilung von Gütern, Personen, Geld, Informationen und Energie sowie deren Steuerung, Kontrolle und Optimierung. Beispiele sind der Transport vom Produzenten zum Kunden und der innerbetriebliche Transport vom Lager zum Produktionsort. Überflüssige Transporte und Leerfahrten sollen vermieden werden, etwa durch Vormontage beim Zulieferer oder durch Speditionen mit mehreren Auftraggebern. Warenwirtschaftssysteme geben Fachabteilungen eine gemeinsame Informationsbasis und können Terminplanung, Bestellungen und Versand verbinden.
Planung von Transport und Verteilung
In der Distributionslogistik, also der Verteilung von Gütern an Kunden, müssen allgemeine Verkehrsverbote, gesetzliche Feiertage und zeitliche Einschränkungen rechtzeitig eingeplant werden. Disponenten bereiten Transportpapiere vor, beachten Sozialvorschriften im Straßenverkehr und sichern, kontrollieren sowie stellen Waren während der Lagerung bereit.
Für Schwerlasten und Gefahrgut gelten erweiterte gesetzliche Vorschriften. Dazu können Ausnahmegenehmigungen, Begleitfahrzeuge und korrekte Gefahrzeichen am Fahrzeug gehören. Bei grenzüberschreitenden Verkehren können neben zollrechtlichen Vorschriften auch CEMT-Genehmigungen nötig sein; wichtig ist außerdem die innergemeinschaftliche Lieferung. Der Disponent entscheidet, ob Huckepackverkehr, intermodaler oder multimodaler Verkehr sinnvoll ist und welcher Verkehrsträger welchen Verkehrsweg nutzt.
Funktionsbereiche und Teilgebiete
Logistik verbindet Lagerung und Transportwesen und entwickelt kunden- und prozessorientierte Lösungen für Unternehmen, Konzerne, Netzwerke und virtuelle Unternehmen. Zu ihren Funktionsbereichen gehören inner- und außerbetrieblicher Transport, Umschlag als Beladen, Entladen und Umladen, Lagerhaltung beziehungsweise Bestandsmanagement, Kommissionierung, Warenprüfung, Handhabung und Verpackung. Informationslogistik stellt benötigte Informationen bereit: Informationen können dem Materialfluss entgegengesetzt laufen, begleiten die Güter bei einer Lieferung aber parallel. Lagerlogistik plant und betreibt Lagersysteme, etwa Lagerstandorte, Lagertechnik und Lagerorganisation.
In der Betriebswirtschaftslehre werden vier horizontale Subsysteme unterschieden: Beschaffungslogistik sorgt für die optimale und zeitgerechte Zulieferung benötigter Güter und gehört zur Inbound-Logistik. Produktionslogistik plant, steuert und überwacht innerbetriebliche Transport-, Umschlags- und Lagerprozesse. Distributionslogistik, auch Vertriebs-, Absatz- oder Outbound-Logistik, verteilt und stellt Güter zu. Entsorgungslogistik oder Reverse-Logistik nimmt Abfälle und Rückstände zur Beseitigung, Verwertung oder zum Recycling zurück.
Weitere Teilbereiche sind Transportlogistik für die physikalische Verbringung von Gütern in Logistiknetzwerken, Krankenhauslogistik für Prozesse und Transportströme in Krankenhäusern sowie Kontraktlogistik: Dabei erbringt ein Dienstleister TUL-Prozesse vertraglich für einen Kunden und schafft durch Arbeiten wie Kommissionieren, Fakturieren oder Konfektionierung Mehrwert. Intralogistik fasst die standortübergreifenden logistischen Vorgänge eines Betriebs zusammen. Pharmalogistik sichert die Verfügbarkeit von Arzneimitteln und ihrer Wirk- und Einsatzstoffe entlang der Lieferkette. Ersatzteillogistik erhält die Einsatzfähigkeit verkaufter Produkte und ist für den After-Sales-Service wichtig. Internationale Logistik berücksichtigt vor einer Disposition länderspezifische Bestimmungen, Export- und Importlizenzen sowie Ursprungszeugnisse.
Branche, Berufe und Wissenschaft
Mit 327 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2023 (2022: 319 Mrd. Euro) und 3,35 Mio. Beschäftigten war die Logistik die drittgrößte Branche Deutschlands. In Europa wurden 2021 etwa 1.180 Mrd. Euro umgesetzt. Der deutsche Markt ist mit 25 % Anteil der größte Europas; es folgen Frankreich, Großbritannien und Italien. Etwa ein Drittel des Umsatzes entfällt auf Transport. In Deutschland gibt es über 70.000 Unternehmen, überwiegend mittelständische Speditionen, Transporteure und Lagerdienstleister. Daneben gehören etwa Hafen- und Flughafenbetreiber, Reedereien, Fluggesellschaften, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Bus- und Taxiunternehmen, KEP-Dienste sowie Intralogistik-Hersteller zur Branche.
2023 arbeiteten in Deutschland 3,3 Millionen Menschen in der Logistik. Tätigkeiten reichen von Stapler- und Lkw-Fahrern, Lageristen, Kommissionierern und Disponenten über Speditionskaufleute, Einkäufer und Supply-Chain-Manager bis zu Konstrukteuren, Logistikplanern und -controllern. Führungspositionen im mittleren oder oberen Management erfordern einen akademischen Abschluss. Studiengänge mit Logistikanteilen sind unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen mit durchschnittlich 12 Semesterwochenstunden, Betriebswirtschaftslehre mit 10 sowie Wirtschaftsinformatik und Verkehrswesen mit jeweils 9 Semesterwochenstunden; Maschinenbau folgt mit 6 SWS.
Als Wissenschaft untersucht die Betriebswirtschaftslehre Prozesskosten, Einflussfaktoren sowie Kennzahlen und nutzt etwa Kosten-Nutzen- und Nutzwertanalysen. Ingenieurwissenschaften behandeln Förder-, Materialfluss- und Lagertechnik, Verkehrsbetriebstechnologie, Transportnetze, Informationstechnik, Telematik und Automatisierung. Operations Research entwickelt mathematische Modelle: Standortmodelle wie das Steiner-Weber-Modell und das Warehouse Location Problem minimieren Transportkosten. Beim Transportproblem wird entschieden, welches Lager welche Kunden beliefert. Graphen modellieren Orte als Knoten und Straßen als Kanten, zum Beispiel für kürzeste Wege, Rundreisen und Touren.
Optimierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Moderne Konzepte zur Effizienzsteigerung sind Efficient Consumer-Response, Just-in-time-Produktion, Supply Chain Event Management, Warengruppenmanagement und Kanban. Logistik 4.0 ist ein Anwendungsgebiet der Industrie 4.0. Sie vernetzt und integriert logistische Prozesse und fördert die digitale Zusammenarbeit von Lieferanten, Händlern, Herstellern und Kunden. Grundlage sind elektronischer Datenaustausch, RFID, Strichcodes, ERP- und APS-Systeme sowie Sendungsverfolgung zur Steuerung und Überwachung von Lieferketten. In der Automobil-, Raum- und Luftfahrzeugfertigung übernehmen Logistiker zunehmend ausgelagerte Fertigungsstufen; Baugruppen werden dabei nicht nur just-in-time, sondern für flexible Fertigung auch just-in-sequence an die Produktionsstraße geliefert.
Nachhaltiges Wirtschaften ist spätestens seit 2009 auch in der Logistik ein Thema. Grüne Logistik soll insbesondere Problemen durch Schadstoffemissionen begegnen. Nachhaltige Logistik betrachtet zunehmend die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit und setzt etwa auf technische Innovationen, nachhaltige Logistiksysteme und Prozessoptimierungen.
Zur sozialen Nachhaltigkeit gehören Arbeitsbedingungen in Transport- und Lagerlogistik. Im Straßengütertransport und in der internationalen Seeschifffahrt bestehen Risiken für Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen, etwa hohe körperliche Belastung, lange Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden, Schichtarbeit, Zeitdruck, niedrige Entlohnung, unsichere Verträge und mangelnde soziale Absicherung. Besonders betroffen sind Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer, Lagerarbeiterinnen und -arbeiter sowie häufig migrantische Arbeitskräfte. Zertifizierungen, Tarifregelungen, digitale Arbeitszeiterfassung sowie bessere Unterkünfte und Sanitäranlagen sind genannte Verbesserungsansätze. Unternehmen und Politik sollen soziale Standards entlang globaler Lieferketten sicherstellen.