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Buddenbrooks

Buddenbrooks: Verfall einer Familie (1901) ist das früheste unter den großen Werken Thomas Manns und gilt heute als der erste Gesellschaftsroman in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk, Bedeutung und Entstehung
  2. 2. Handlung: Aufstieg, Familie und erste Krisen
  3. 3. Handlung: Thomas, Hanno und das Ende der Familie
  4. 4. Zentrale Figuren und Konflikte
  5. 5. Themen, Symbole und Erzählweise
  6. 6. Zeitbild und Bearbeitungen

Werk, Bedeutung und Entstehung

Buddenbrooks: Verfall einer Familie ist Thomas Manns Roman von 1901. Er schildert den Niedergang einer wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie über vier Generationen von 1835 bis 1877. Als früher großer deutscher Gesellschaftsroman zeigt er, wie das hanseatische Großbürgertum lebt, wirtschaftet und seine Stellung versteht. Thomas Mann erhielt 1929 für Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur.

Der Schauplatz heißt im Roman nicht Lübeck, ist aber an Straßen, Orten und gesellschaftlichen Verhältnissen klar erkennbar. Die Familiengeschichte Manns lieferte wichtige Vorlagen; reale Personen wurden jedoch literarisch verändert und kombiniert. Thomas Mann schloss das Manuskript am 18. Juli 1900 ab. Es erschien im Oktober 1901 ungekürzt in zwei Bänden mit 1.000 Exemplaren. Der Erfolg setzte mit der günstigeren einbändigen Ausgabe von 1903 ein. Bis 1918 waren 100.000 Exemplare verkauft, bis 1975 vier Millionen deutschsprachige Exemplare und bis 2010 über neun Millionen. Bis 2000 war der Roman in 38 Sprachen übersetzt.

In Lübeck wurde das Buch zunächst als Schlüsselroman gelesen: Viele Einwohner glaubten, sich selbst oder Bekannte wiederzuerkennen, und reagierten empört. Mann verteidigte 1906 in Bilse und Ich das Recht, Wirklichkeit als Material für Literatur zu verwenden.

Handlung: Aufstieg, Familie und erste Krisen

Zu Beginn, im Oktober 1835, bezieht die Familie das große Haus in der Mengstraße, das sie für 100.000 Kurantmark erworben hat. Johann Buddenbrook der Ältere führt die Getreidegroßhandlung, sein Sohn Jean arbeitet als Teilhaber mit. Familie, Firma und gesellschaftliches Ansehen bilden eine Einheit. Der aus erster Ehe stammende Sohn Gotthold wurde wegen einer als unstandesgemäß geltenden Heirat ausgeschlossen; Jean verweigert ihm später einen größeren Erbanteil.

Nach dem Tod des Großvaters 1842 wird Jean alleiniger Firmeninhaber. Er ist geschäftstüchtig, verbindet dies aber mit pietistischer Frömmigkeit. Seine Kinder Tony, Thomas, Christian und Clara wachsen unter dem Anspruch auf, der Familie und Firma dienen zu müssen. Zugleich wird die Konkurrenz der neu aufsteigenden Familie Hagenström sichtbar.

Tony liebt in Travemünde den Medizinstudenten Morten Schwarzkopf. Ihr Vater und Bendix Grünlich verhindern die Verbindung mit Standes- und Pflichtargumenten. Tony heiratet Grünlich 1846 und erhält 80.000 Mark Mitgift. Grünlichs Geschäft ist jedoch zahlungsunfähig; seine Bücher waren gefälscht, und er hatte die Ehe wegen Mitgift und Kreditwürdigkeit gesucht. Tony lässt sich scheiden. Jean verliert zudem 80.000 Mark durch den Bankrott eines Bremer Geschäftspartners. Die Revolution von 1848 wird in Lübeck als kurze, ironisch geschilderte Unruhe gezeigt. Jean stirbt 1855.

Handlung: Thomas, Hanno und das Ende der Familie

1855 übernimmt der 29-jährige Thomas die Firma. Ihr Kapital beträgt mit der Einlage des Teilhabers Marcus 870.000 Mark, doch Thomas misst sich an früheren Erfolgen und ist unzufrieden. Er heiratet 1857 Gerda Arnoldsen; ihre Mitgift beträgt 100.000 Taler, also 300.000 Mark. Gerda ist eine begabte Violinistin. Ihr Sohn Hanno wird 1861 geboren.

Thomas strebt nach geschäftlichem und politischem Erfolg, wird Senator und baut 1864 ein prächtiges neues Haus. Zugleich nehmen seine Erschöpfung und die wirtschaftlichen Probleme zu. Christians Unstetigkeit, Krankheitseinbildungen und gesellschaftlich anstößiger Lebenswandel belasten die Familie. Tony scheitert auch in ihrer zweiten Ehe mit Alois Permaneder; nach der Trennung erhält sie ihre Mitgift zurück. Clara stirbt 1864, und ihre Mutter zahlt dem Pastor Tiburtius 127.500 Kurantmark als vorzeitiges Erbe aus. 1866 verliert die Firma weitere 20.000 Taler, also 60.000 Mark.

Thomas bricht mit der Tradition vorsichtiger Geschäfte und kauft 1868 die Getreideernte von Pöppenrade auf dem Halm. Ein Hagelschlag vernichtet die Ernte. Auch Tonys Schwiegersohn Hugo Weinschenk wird wegen betrügerischer Rückversicherungen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Bethsys Tod 1871 wird das Stammhaus 1872 für 87.000 Mark an Hermann Hagenström verkauft.

Thomas stirbt 1875 nach einer missglückten Zahnextraktion und einem Sturz. Seine Firma und der Grundbesitz sollen verkauft werden; das angegebene Vermögen von 650.000 Mark erweist sich als unrealistisch. Hanno, musikalisch und empfindsam, scheitert in der Schule, wird nicht versetzt und sieht auch für sich als Musiker keine Zukunft. Er stirbt 1877 mit 16 Jahren an Typhus. Gerda kehrt danach nach Amsterdam zurück. Mit Hanno endet die direkte Familienlinie als kaufmännische Dynastie.

Zentrale Figuren und Konflikte

Thomas verkörpert den Versuch, die bürgerliche Rolle als Firmenchef, Senator und Familienoberhaupt trotz innerer Erschöpfung zu erfüllen. Sein Bruder Christian ist sein Gegenbild: Er ist unterhaltsam und nachahmungstalentiert, aber unstet, hypochondrisch und nicht geschäftsfähig. Nach Thomas’ Tod heiratet Christian Aline Puvogel, wird wegen Wahnvorstellungen jedoch in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Tony ist durch ihren Stolz auf Herkunft, Familie und gesellschaftliche Vornehmheit geprägt. Sie ordnet ihre Liebe und ihr persönliches Glück wiederholt der Familienräson unter, bleibt aber trotz zweier Scheidungen widerstandsfähig. Gerda steht für Musik, Kunst und Distanz zum bürgerlichen Geschäftsalltag. Ihre musikalische Veranlagung vererbt sich auf Hanno, der keine Eignung zum Kaufmann hat. Sein einziger enger Freund ist Kai Graf Mölln.

Die Hagenströms sind die Gegenfigur zu den Buddenbrooks: weniger durch Tradition und Pietät gebunden, geschäftlich erfolgreicher und gesellschaftlich aufsteigend. Ihr Erwerb des Hauses in der Mengstraße macht den Wechsel sichtbar. Morten Schwarzkopf ist Tonys unerfüllte Jugendliebe und vertritt liberale, kritische Ansichten gegenüber Adel und Patriziat.

Themen, Symbole und Erzählweise

Der Untertitel Verfall einer Familie benennt das Hauptmotiv. Von Generation zu Generation schwinden Gesundheit, Tatkraft, kaufmännischer Unternehmungsgeist und wirtschaftliche Sicherheit. Gleichzeitig nehmen Empfindsamkeit, Kunstneigung und geistige Differenzierung zu. Der Roman stellt diese Entwicklung als Gegensatz dar: Hanno ist der musikalischste Buddenbrook, aber völlig ungeeignet, die Firma zu führen.

Die Firma, das Haus und die großbürgerliche Familie gelten lange als untrennbar. Die Familienchronik bewahrt Herkunft und Verpflichtung. Die Geschäftsmaxime lautet: „Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können.“ Thomas verletzt diese Vorsicht mit dem Spekulationsgeschäft von Pöppenrade. Sein neues repräsentatives Haus fällt mit einer Beschleunigung des Niedergangs zusammen.

Musik steht vor allem durch Gerda und Hanno dem tätigen Geschäftsleben gegenüber. Hanno kann frei phantasieren und komponieren, erfüllt aber die Erwartungen an Leistung und Disziplin nicht. Wiederkehrende Motive, Gesten und Redewendungen verbinden Figuren und Situationen über große Abschnitte hinweg; sie können erinnern, vorausdeuten und ironisieren. Tonys Wiederholung von Mortens Bemerkungen zeigt etwa ihre fortdauernde Bindung an die verlorene Liebe. Die Farben Blau und Gelb werden leitmotivisch verwendet, ihre Deutung ist jedoch nicht eindeutig: Blau wird mit Verfeinerung und Verfall verbunden; Gelb kann Tradition und Stärke, nach einer anderen im Artikel genannten Lesart aber ebenfalls Scheitern anzeigen.

Thomas Mann nutzt Montagetechnik: Er verarbeitet Begebenheiten, zeitgeschichtliche Ereignisse, Dokumente und Lexikonmaterial. Die sprachliche Gestaltung verbindet Hochdeutsch mit Niederdeutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, regionalen Sprachformen und Berufs- oder Figurensprachen. Dadurch wirkt die dargestellte Stadtgesellschaft vielfältig und wirklichkeitsnah.

Zeitbild und Bearbeitungen

Der Roman zeichnet aus großbürgerlicher Sicht den Zeitgeist einer norddeutschen Handelsstadt zwischen 1835 und 1877. Die Revolution von 1848 erscheint bewusst nicht als große politische Bewegung, sondern als lokal begrenzte und ironisch gebrochene Unruhe. Jean Buddenbrook und ein Lagerarbeiter verwenden dabei das Wort „Republik“ unterschiedlich: Jean meint die bestehende städtische Ordnung, der Arbeiter eine soziale Republik.

Auch das Schulsystem verändert sich: Thomas und Christian erleben noch eine liberale Schule mit gutmütigen Gelehrten, Hanno dagegen einen strengeren, von Zucht und Ordnung bestimmten Unterricht. Die Medizin kann Krankheiten meist eher beurteilen und Symptome behandeln als ihre Ursachen heilen; die missglückte Zahnbehandlung vor Thomas’ Tod unterstreicht dies.

Der Roman wurde vielfach für Bühne, Film, Fernsehen, Hörbuch und Hörspiel bearbeitet. Wichtige Verfilmungen stammen aus den Jahren 1923, 1959, 1979 und 2008. 2002 erschien eine kommentierte Ausgabe der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe.

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