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Thermalbäder Baden

Die Thermalbäder Baden sind die ältesten bekannten Thermalquellen der Schweiz. Sie liegen in Baden und im benachbarten Ennetbaden im Kanton Aargau, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Lage und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Eigenschaften des Thermalwassers
  3. 3. Von den Kelten bis zum bedeutenden Kurort
  4. 4. Badekultur, Gesellschaft und Bedeutungsverlust
  5. 5. Blütezeit, Architektur und Niedergang
  6. 6. Archäologische Forschung und Wiederbelebung

Überblick, Lage und Bedeutung

Die Thermalbäder Baden sind die ältesten bekannten Thermalquellen der Schweiz. Das Bäderquartier liegt im Kanton Aargau beidseits der Limmat: Die «Grossen Bäder» gehören zu Baden, die «Kleinen Bäder» zu Ennetbaden. Das Gebiet befindet sich auf etwa 360 m ü. M. an einer engen Flussbiegung, wo die Limmat am Fuss der steilen «Goldwand» ihre Richtung von Norden nach Westen ändert. Ennetbaden gehörte bis 1819 zu Baden.

Die Badener Anlagen liegen auf einer Geländestufe unterhalb des rund 20 Meter höher gelegenen Haselfelds mit Kurpark, Kursaal und Kurtheater. Auf Ennetbadener Seite zieht sich eine Häuserzeile am Flussufer entlang. Beide Ufer verbindet unter anderem die 1874 eröffnete Schiefe Brücke. Ihre Neigung von 7,5 % gleicht einen Höhenunterschied von neun Metern aus. Seit 1968 besteht außerdem der Mercier-Steg.

Die Quellen bestimmten über Jahrhunderte die wirtschaftliche, gesellschaftliche und städtebauliche Entwicklung. Baden wurde zu einem international bekannten Heilkurort und wegen seiner Unterkünfte und Vergnügungsmöglichkeiten ab 1416 auch zum wichtigsten Tagsatzungsort der Eidgenossen.

Entstehung und Eigenschaften des Thermalwassers

Baden und Ennetbaden liegen am Übergang vom Schweizer Mittelland zum Faltenjura. Die Gesteine der nahe gelegenen Lägern stammen vor allem aus Jura und Trias. Im Quellengebiet liegt die wasserführende Muschelkalkschicht bis zu 28 Meter unter der Oberfläche. Darüber befinden sich wasserundurchlässiger Keuper und eiszeitlicher Schotter. Erosion und tektonische Störungen haben den Keuper jedoch zerklüftet, sodass das Wasser unter hohem artesischem Druck aufsteigen kann. In Ennetbaden liegt der Druckspiegel etwa zehn Meter über dem Wasserspiegel der Limmat.

Die Quellen bilden nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren ein zusammenhängendes System: Eingriffe an einer Quelle können die Leistung aller anderen verändern und im schlimmsten Fall zum Versiegen des gesamten Systems führen. Wo das Wasser versickert, ist nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen handelt es sich fast ausschließlich um Niederschlagswasser. Den größten Anteil bildet mehr als 1000 Jahre altes, stark mineralisiertes Wasser, das überwiegend aus dem westlich gelegenen Jura stammt und bis ins kristalline Grundgebirge gelangt. Weitere Bestandteile sind wenige Jahre altes Talgrundwasser, Kluftgrundwasser von der Müseren-Hochebene und ein kleiner Anteil Tiefengrundwasser aus mehrere Kilometer tiefen Granitschichten. Eine Beteiligung von Wasser aus dem Schwarzwald ist nicht völlig ausgeschlossen; eine Herkunft aus den Alpen wurde widerlegt.

Insgesamt gibt es 21 Quellen auf einem Gebiet von 180 × 50 Metern: 18 in Baden und drei in Ennetbaden. 18 Quellen werden gefasst, zwei davon in Ennetbaden. Im Durchschnitt treten etwa 700 l/min beziehungsweise rund eine Million Liter täglich aus. Gemessen wurden meist 600 bis 900 l/min, als Extremwerte 540 und 980 l/min. Längere Trocken- oder Feuchtperioden beeinflussen die Menge mit einer Verzögerung von ungefähr zehn bis elf Monaten.

Das klare Wasser ist durchschnittlich 46,6 °C warm; je nach Quelle beträgt seine Temperatur 45 bis 49 °C. Die ungenutzte Kalte Quelle erreicht nur 21,5 °C, besitzt aber dieselbe Zusammensetzung. Mit einem pH-Wert von 6,43 ist das Wasser leicht sauer. Es riecht nach Schwefelwasserstoff und hat eine Gesamtmineralisation von 4450 mg/l, womit es als mineralreichstes Thermalwasser der Schweiz gilt. Besonders hoch sind die Werte für Sulfat mit 1375 mg/l, Chlorid mit 1185 mg/l, Natrium mit 720 mg/l, Kalium mit 663 mg/l und Calcium mit 503 mg/l. Der hohe Calciumgehalt fördert Sinter-Ablagerungen.

Badekuren werden besonders bei rheumatischen Beschwerden, mechanischen Schädigungen, bestimmten neurologischen Erkrankungen und Stoffwechselstörungen eingesetzt. Die ergiebigste Quelle ist der Große Heiße Stein auf dem Kurplatz. Die St. Verenaquelle galt im Mittelalter als hilfreich bei Unfruchtbarkeit.

Von den Kelten bis zum bedeutenden Kurort

Menschen lebten bereits in der Mittelsteinzeit vor 11'500 bis 8'000 Jahren in der Region; eine dichtere Besiedlung begann in der späteren Jungsteinzeit vor 4'500 Jahren. Eine frühe Nutzung der Quellen wird vermutet, ist aber nicht sicher belegt. Münzen und Keramik zeigen, dass die Kelten der späten Latènezeit die Quellen regelmäßig aufsuchten.

Nach der römischen Besetzung des Mittellands 15 v. Chr. entstand um die Zeitenwende die Siedlung Aquae Helveticae. Größere Thermen wurden in den Jahren 18 bis 21 gebaut, zwischen 29 und 33 erweitert und um 56 umfassend erneuert. Sie wurden besonders von Soldaten des nahen Legionslagers Vindonissa genutzt. Tacitus berichtet, die Legio XXI Rapax habe im Jahr 69 einen wegen seines Heilwassers besuchten Badeort zerstört; sehr wahrscheinlich war Aquae Helveticae gemeint. Die Thermen blieben offenbar unbeschädigt. Im 2. und frühen 3. Jahrhundert erreichten sie ihre Blütezeit. Der Fremdenverkehr war die wirtschaftliche Grundlage, während die Limmatbrücke Handel und Gewerbe förderte.

Nach Überfällen der Alamannen und einem Großbrand um 270 wurde die Siedlung allmählich aufgegeben. Die Bevölkerung zog sich im 4. Jahrhundert in den Bäderbereich zurück. Münzfunde und erneuerte Badebecken belegen eine Nutzung bis ins 5. Jahrhundert und darüber hinaus. Wahrscheinlich wurden spätrömische Becken auch im Frühmittelalter weiterverwendet.

Die Quellen gehörten zunächst zum Königsgut, später den Lenzburgern, ab 1173 den Kyburgern und ab 1273 den Habsburgern. Quellen wurden neu gefasst, Bäder ausgebaut und um 1100 eine Mauer sowie die Dreikönigskapelle errichtet. Die Anlage entwickelte sich zu einem der bedeutendsten europäischen Heilkurorte. Seit dem 14. Jahrhundert unterschied man die Grossen Bäder am linken und die erstmals 1347 erwähnten Kleinen Bäder am rechten Ufer. Mehrfach verursachten Kriege schwere Schäden, besonders 1351, 1375, 1388 und 1444.

Nach der eidgenössischen Eroberung des Aargaus 1415 trafen sich die Abgesandten der Acht Alten Orte ab 1416 mindestens jährlich in Baden zur Tagsatzung. Die offiziellen Beratungen fanden im Rathaus statt; die Bäder dienten informellen Gesprächen.

Badekultur, Gesellschaft und Bedeutungsverlust

Unterkünfte und Bäder waren streng nach sozialem Rang gegliedert. Herrschaftliche Badegasthöfe nahmen weltliche und geistliche Würdenträger auf. Weitere Gasthäuser besaßen eigene Quellen oder Anteile daran und boten Privatbäder an. Einfachere Gäste nutzten die öffentlichen Anlagen Verenabad und Freibad. Bettzeug und Verpflegung mussten die Besucher selbst mitbringen. Im 16. Jahrhundert konnten gleichzeitig bis zu 700 Gäste beherbergt werden.

Die Kursaison dauerte von Ostern bis September. Für einfache Menschen stand die Behandlung von Leiden im Vordergrund; für hochrangige Gäste waren Aufenthalte auch gesellschaftliche und politische Ereignisse. Tanz, Glücksspiel und Prostitution waren erlaubt, aber reglementiert. Badegerichte ahndeten Verstöße gegen hygienische, sittliche und religiöse Vorschriften. Gäste genossen zeitweise freies Geleit und waren während ihres Aufenthalts vor dem Zugriff ihrer Herkunftsorte geschützt. Bedürftige erhielten zunächst Almosen und finanzierte «Seelenbäder». Später wurde Betteln zunehmend eingeschränkt. Ein 1754 gegründeter Badarmenfonds und der erste amtliche Badarmenarzt von 1805 institutionalisierten die Versorgung armer Badegäste.

Ab etwa 1500 sank die Anziehungskraft. Ursachen waren Pest und Syphilis, strengere Moralvorstellungen, zeitweilige Badenfahrtverbote, Zweifel an langen Badekuren und die wachsende Beliebtheit von Trinkkuren. Für diese war das heiße, stark schmeckende Badener Wasser wenig geeignet. Außerdem fehlten moderne Parks, Promenaden, Salons und Ballsäle. Der Dreißigjährige Krieg ließ ausländische Gäste ausbleiben. Nach dem Toggenburgerkrieg von 1712 verloren die Bäder zusätzlich die Tagsatzungsgäste der katholischen Orte. Französische Besatzung und Kämpfe während der Helvetischen Republik führten zum Tiefpunkt.

Die Badener Bäder wurden vielfach beschrieben. Poggio Bracciolini schilderte 1416 das gemeinsame Baden von Männern und Frauen, doch dienten solche Darstellungen später oft der Kritik an angeblicher Dekadenz. Thomas Murner prägte 1514 mit Ein andechtig geistliche Badenfahrt den Begriff «Badenfahrt». David Hess trug 1818 mit seinem erfolgreichen Reise- und Kurbericht Die Badenfahrt zum erneuten Aufstieg bei. Hermann Hesse kurte von 1923 bis 1952 jährlich in Baden und veröffentlichte 1925 Kurgast. Der Begriff lebt im gleichnamigen Volksfest weiter, das alle fünf Jahre stattfindet.

Blütezeit, Architektur und Niedergang

Neue rechtliche Verhältnisse nach der Gründung des Kantons Aargau 1803 ermöglichten Modernisierungen. Es entstanden neue Straßen, ein Fußgängersteg und moderne Hotels. Die 1828/29 gefasste Limmatquelle versorgte das 1838 eröffnete Armenbad; das Freibad und das Verenabad wurden 1839 beziehungsweise 1840 aufgegeben. Eine private Bohrung der Schwanenquelle brachte 1844 fast alle Quellen zum Versiegen. Danach verbot der Kanton weitere private Bohrungen und regelte Quellmengen, Stauhöhen, Eigentum und Nutzungsrechte.

Die erste Schweizer Bahnstrecke Zürich–Baden wurde am 7. August 1847 eröffnet und steigerte die Besucherzahlen. 1875 kamen Kursaal und Kurpark hinzu. Die Logiernächte stiegen zwischen 1882 und 1913 von 78'000 auf 149'000. Während der Belle Époque zog Baden ein internationales, zahlungskräftiges Publikum an. Zu bekannten Gästen gehörten unter anderem Napoleon III., Eugénie de Montijo, Alexandre Dumas, Gottfried Keller, Marie und Pierre Curie, Richard Strauss und 1954 Haile Selassie.

Das heutige Erscheinungsbild prägen dicht angeordnete klassizistische und historistische Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts; gotische und barocke Substanz ist nur teilweise erhalten. Bedeutend sind das 1844/45 errichtete Hotel Verenahof, das seit 1421 belegte und weiterhin betriebene Hotel Blume, das Hotel Bären mit seiner Neorenaissance-Schaufassade von 1881, das 1834/35 entstandene Hotel Limmathof sowie das Ennetbadener Hotel Schwanen. Die neugotische Dreikönigskapelle stammt von 1882. Das luxuriöse Grand Hôtel wurde 1876 eröffnet, ging später in Konkurs und wurde am 18. August 1944 von der Schweizer Armee gesprengt.

Der Erste Weltkrieg leitete den Niedergang ein. Sozialversicherungen förderten in der Zwischenkriegszeit eine medizinisch ausgerichtete «Sozialkur», während das vermögende Kurpublikum ausblieb. Medikamente und Operationen ersetzten viele lange Kuren; Kurorte galten zunehmend als Orte für Alter und Krankheit. Das 1964 eröffnete Thermalhallenbad, damals das größte der Schweiz, konnte den Rückgang nicht dauerhaft stoppen. Baden und Ennetbaden verpassten den Wellness-Trend. In Ennetbaden endete der Kurbetrieb um 1980, in Baden schlossen weitere Häuser; 2002 gab auch der Verenahof auf. Nur das Hotel Blume blieb als Badehotel bestehen.

Archäologische Forschung und Wiederbelebung

Forschende untersuchen das Wasser seit dem späten 15. Jahrhundert. Hans Folz schrieb 1480 den ältesten bekannten deutschsprachigen balneologischen Bericht; Balneologie bezeichnet die Lehre von Heilquellen und Bädern. Johann Jakob Scheuchzer behandelte 1732 Ursprung, Mineralgehalt und hygienische Wirkung. Johann Alois Minnichs Werk von 1845 wurde zu einer Grundlage der Kurmedizin. Ulrich Münzels 1947 veröffentlichte Untersuchung gilt weiterhin als Standardwerk. Isotopenanalysen zeigten seit den 1960er Jahren, dass mehrere überregionale Wasserströme beteiligt sind.

Archäologische Funde reichen von römischen Münzen und Götterfiguren bis zu Badeanlagen. 1967/68 wurden zwei mit Marmor verkleidete römische Becken von 5 × 11 m und 7 × 15 m sowie vier kleinere Wannen freigelegt. Grabungen in Ennetbaden belegten eine römische Handwerkersiedlung und ein alemannisches Frauengrab aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Untersuchungen von 2009 bis 2012 waren die größten im Kanton außerhalb von Vindonissa. Sie zeigten unter anderem, dass im 11. Jahrhundert unter dem Verenahof neue Quellen, Bäder und Gasthäuser angelegt wurden. Ein «Kesselbad» aus der Zeit um 1500 blieb erhalten und wurde in die neue Therme integriert.

Ein Entwicklungsleitbild von 2002 leitete die Revitalisierung des vernachlässigten Quartiers ein. Der 647 m lange Goldwandtunnel wurde am 8. November 2008 eröffnet und entlastete Ennetbaden von bis zu 10'000 Fahrzeugen täglich. Die Schiefe Brücke wurde gleichzeitig für den motorisierten Individualverkehr gesperrt, Promenaden und Gebäude wurden erneuert.

Nach langen Planungen erhielt 2009 Mario Bottas Thermenprojekt den Zuschlag. Das alte Thermalbad schloss 2012 und wurde ab 2017 zusammen mit dem Hotel Römerbad abgebrochen. Am 17. April 2018 erfolgte der Spatenstich. Die neue Therme mit Innen- und Außenbecken, Saunalandschaft, Therapieräumen und Restaurant wurde am 21. November 2021 als Fortyseven eröffnet; der Name verweist auf die ungefähre Wassertemperatur. Zugleich entstanden öffentlich zugängliche Badebrunnen in Baden und Ennetbaden. Die historischen Hotels Bären, Ochsen und Verenahof sollen miteinander verbunden und als Rehabilitationsklinik genutzt werden.

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