Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Theologische Tugenden

Die theologischen Tugenden, auch göttliche Tugenden, christliche Tugenden oder eingegossene Tugenden, sind Glaube, Liebe und Hoffnung.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Sieben Tugenden und geistliches Wachstum
  3. 3. Religiöse Tradition
  4. 4. Bildliche Symbole

Begriff und Bedeutung

Die theologischen Tugenden sind Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie werden auch göttliche, christliche oder eingegossene Tugenden genannt. Paulus von Tarsus formulierte diese Dreiergruppe. Ihre früheste Erwähnung findet sich in 1 Thess 1,3; die bekannteste steht im „Hohen Lied der Liebe“ des 1. Korintherbriefs: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13).

Anders als die zehn Gebote sind die theologischen Tugenden keine konkreten Vorschriften für einzelne Handlungen. Sie bezeichnen vielmehr Einstellungen oder innere Haltungen, die von Christen verlangt werden. Als „eingegossen“ gelten sie, weil sie nach christlichem Verständnis von Gott in die Seele der Gläubigen gegeben werden. Darin unterscheiden sie sich von menschlichen Tugenden; diese wurzeln jedoch in den göttlichen Tugenden.

Sieben Tugenden und geistliches Wachstum

Die drei theologischen Tugenden werden durch vier Kardinaltugenden ergänzt, die aus der antiken Philosophie übernommen wurden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Der traditionelle Kanon der sieben Tugenden geht auf Papst Gregor den Großen (540–604) zurück. Er verband Glaube (fides), Liebe (caritas) und Hoffnung (spes) mit Klugheit (prudentia), Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo) und Mäßigung (temperantia).

Tugend gilt als Teil des geistlichen Wachstums. Nach 2 Petr 1,5–8 sollen Christen mit dem Glauben die Tugend, mit der Tugend die Erkenntnis, mit der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer, mit der Ausdauer die Frömmigkeit, mit der Frömmigkeit die Brüderlichkeit und mit der Brüderlichkeit die Liebe verbinden. Wenn diese Eigenschaften vorhanden sind und wachsen, sollen sie Trägheit und Unfruchtbarkeit überwinden und zu einer immer tieferen Erkenntnis Jesu Christi führen.

Religiöse Tradition

Die drei Tugenden erscheinen in den Clausulae, also den ergänzenden Gebetsformeln zu Beginn des Rosenkranzes: „Jesus, der uns den Glauben mehre, … der uns die Hoffnung stärke, … der in uns die Liebe entzünde.“

Auch päpstliche Enzykliken greifen sie auf. Papst Benedikt XVI. schrieb über Liebe und Hoffnung die Enzykliken „Deus caritas est“ und „Spe salvi“. Die vor seinem Amtsverzicht begonnene Enzyklika „Lumen fidei“ über den Glauben wurde von Papst Franziskus fertiggestellt.

Bildliche Symbole

In der Ikonografie, der Lehre von Bildmotiven und ihren Bedeutungen, besitzen die theologischen Tugenden typische Kennzeichen:

  • Glaube (fides): Kreuz oder Kelch mit Hostie.
  • Liebe (caritas): Herz oder eine Frau mit Kindern.
  • Hoffnung (spes): Anker, Vogel oder Zweig.

Eine Überlieferung verbindet die Tugenden außerdem mit Sophia von Mailand und ihren Töchtern Fides, Spes und Caritas. Die vornehme christliche Witwe soll ihren Besitz an die Armen verteilt haben und mit ihren drei Töchtern, die als geweihte Jungfrauen galten, von Mailand nach Rom gereist sein. Dort sollen die Töchter während der Christenverfolgung unter Kaiser Hadrian das Martyrium erlitten haben.

Weiterlesen

Tugend Das Wort Tugend (von mittelhochdeutsch tugent ‚Kraft, Macht, [gute] Eigenschaft, Fertigkeit, Vorzüglichkeit' – ursprünglich, etwa als ‚Heilkraft', … Glaube (Religion) Grundlage des Glaubens ist die Heilige Schrift der Bibel, die als von Gott inspiriert angesehen wird. Biblische Texte sind interpretationsbedürftig. Liebe Der Sufismus wird oft als die Religion der Liebe bezeichnet. Gott im Sufismus wird in den Hauptbegriffen „der Liebende“ und „Geliebte“ genannt, wobei der … Zehn Gebote Sie besitzen im Judentum und Christentum zentralen Rang für die theologische Ethik und haben die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas und des außereuropäischen … Kardinaltugend Kardinaltugend ; Aufklärung · Tapferkeit, ; Moderne · Klugheit, ; China · Menschlichkeit ( 仁, rén) ; Yoga und Hinduismus · Ahimsa (Gewaltlosigkeit) ; Siehe auch. Klugheit Eine Renaissance erfuhr sie jüngst im Zusammenhang mit den Versuchen, erneut eine Tugendethik als Alternative zur Kant'schen Pflichtenethik zu etablieren. Gerechtigkeit Zum modernen Gerechtigkeitsbegriff gehört auch, dass dieser nicht nur auf einzelne Handlungen von Menschen angewandt wird, sondern gerade auch auf die Summe und … Mäßigung In der Antike galt und in der christlichen Tugendethik gilt die Mäßigung als eine grundlegende menschliche Tugend. Die genaue Bedeutung hängt von dem … Rosenkranz Apostolisches Glaubensbekenntnis, Vater und Vaterunser an. Jesus in uns den Glauben vermehre Iesus, qui adaugeat nobis fidem Jesus, Vater unser (an der großen … Franziskus (Papst) Als Argentinier war Franziskus der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem 8. Jahrhundert. Wegen seiner Abstammung hatte er auch die italienische und … Kreuz (Christentum) Verwendung · Viele Christen tragen das Kreuz als Schmuck an einer Halskette. · Katholiken, Orthodoxe, teilweise auch Protestanten machen das Kreuzzeichen, indem … Kelch (Liturgie) Der Kelch wird in den christlichen Liturgien zur Aufnahme des Messweins verwendet, in der katholischen Heiligen Messe, in der orthodoxen Göttlichen Liturgie …