Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
The King’s Speech
The King's Speech (englisch für Die Rede des Königs, aber auch Das Sprachvermögen des Königs) ist eine britische Filmbiografie des Regisseurs Tom Hooper aus …
Inhalt5 Abschnitte
Film und Thema
The King’s Speech – Die Rede des Königs ist eine britische Filmbiografie aus dem Jahr 2010. Der 118 Minuten lange, englischsprachige Film entstand als Produktion des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten und Australiens. Regie führte Tom Hooper, das Drehbuch schrieb David Seidler. Die Hauptrollen spielen Colin Firth als König Georg VI., Geoffrey Rush als Sprachtherapeut Lionel Logue und Helena Bonham Carter als Königin Elisabeth. Die Musik stammt von Alexandre Desplat, die Kameraarbeit von Danny Cohen und der Schnitt von Tariq Anwar. Der Film ist in Deutschland und Österreich ab 0 Jahren freigegeben.
Im Mittelpunkt steht der britische König Georg VI., der stark stottert und deshalb Schwierigkeiten mit öffentlichen Reden hat. Mithilfe des australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue arbeitet er an seiner Sprechfähigkeit. Der Film verbindet diese persönliche Entwicklung mit der Abdankungskrise von 1936, der Krönung Georgs VI. und seiner wichtigen Rundfunkansprache zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Bei der Oscarverleihung 2011 gewann er die Preise für den besten Film, die beste Regie, den besten Hauptdarsteller und das beste Originaldrehbuch.
Vom gescheiterten Auftritt zur Therapie
1925 soll Prinz Albert, Herzog von York und zweiter Sohn König Georgs V., bei der Abschlussveranstaltung der British Empire Exhibition erstmals eine im Hörfunk übertragene Ansprache halten. Wegen seiner Nervosität und seines Stotterns wird der Auftritt zum Fiasko. Nach zahlreichen erfolglosen Behandlungen will Albert keine weitere Therapie versuchen. Seine Frau Elisabeth findet jedoch den australischen Sprachtherapeuten und Gelegenheitsschauspieler Lionel Logue.
Logue arbeitet unkonventionell: Er besteht auf Sitzungen in seiner eigenen Praxis, beachtet die höfische Etikette nicht und nennt Albert bei dessen Kosenamen Bertie. Bei einer ersten Übung liest Albert Hamlets Monolog „Sein oder Nichtsein“, während er über Kopfhörer Orchestermusik hört und seine eigene Stimme nicht wahrnehmen kann. Logue zeichnet den Vortrag auf einer Schallplatte auf. Albert bricht die Übung ab und hält die Methode für zwecklos, nimmt die Aufnahme aber mit. Später hört er darauf zu seiner Überraschung, dass er den Text fehlerfrei gesprochen hat, und setzt die Therapie fort.
Logue nimmt an, dass Alberts Stottern mit seelischen Traumata zusammenhängt. Albert berichtet von seiner unglücklichen Kindheit: Ein Kindermädchen misshandelte ihn und seinen älteren Bruder Eduard „David“ seelisch, Albert erhielt zu wenig Nahrung und musste als gebürtiger Linkshänder lernen, die „richtige“ Hand zu benutzen. Neben Sprechübungen werden deshalb persönliche Gespräche wichtig. Alberts Sprechen verbessert sich, und zwischen ihm und Logue entsteht eine Freundschaft.
König, Krönung und Kriegsansprache
Nach dem Tod Georgs V. wird Alberts älterer Bruder als Eduard VIII. König. Es kommt zum Streit über Eduards Beziehung zur mehrfach geschiedenen und noch anderweitig verheirateten Amerikanerin Wallis Simpson. Eduard weist Alberts Einwände zurück; unter seinen spöttischen Bemerkungen beginnt Albert erneut zu stottern. Logue zeigt ihm, dass er beim lauten Fluchen nicht stottert, und ermutigt ihn so, seine Wut auszudrücken. Als Logue andeutet, Albert könne ein besserer König sein, wirft dieser ihm jedoch Hochverrat vor und beendet zunächst ihre Zusammenarbeit.
Eduard VIII. verzichtet schließlich auf den Thron, um Wallis Simpson heiraten zu können. Albert wird als Georg VI. König, entschuldigt sich bei Logue und bittet ihn um Hilfe bei der Vorbereitung seiner Krönung in der Westminster Abbey. Der Erzbischof von Canterbury, Cosmo Lang, wendet ein, Logue sei kein ausgebildeter Arzt. Logue erklärt, er habe dies nie behauptet: Nach dem Ersten Weltkrieg habe er erfolgreich sogenannte Kriegszitterer behandelt und dabei seine autodidaktisch erworbenen Fähigkeiten ausgebaut. Georg VI. hält an ihm fest. Die Krönung am 12. Mai 1937 verläuft ohne Probleme.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen erklärt das Vereinigte Königreich dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. Georg VI. muss nun seine wichtigste Rundfunkansprache halten. Logue übt die vorformulierte Rede unter großem Zeitdruck mit ihm ein und unterstützt ihn während der Übertragung durch Mimik und Gesten. Der König beginnt stockend, findet dann aber einen einfühlsamen Sprachrhythmus und hält die in das gesamte Britische Weltreich übertragene Rede weitgehend fehlerfrei. Logue hilft ihm auch bei späteren Kriegsansprachen, die als wichtiger Faktor für den britischen Widerstandswillen gelten. 1944 ernennt ihn der König zum Commander des Royal Victorian Order; beide bleiben lebenslang befreundet.
Entstehung, Musik und Veröffentlichung
David Seidler recherchierte die Geschichte Georgs VI. und Lionel Logues bereits in den frühen 1980er Jahren. Auf Wunsch der Königinmutter Elisabeth, der Witwe Georgs VI., setzte er die Arbeit zu ihren Lebzeiten aus. 2005, drei Jahre nach ihrem Tod, nahm er sie wieder auf und gestaltete den Stoff zunächst als Theaterstück. Produzentin Joan Lane erkannte darin 2006 das Potenzial für ein Filmdrama. Tom Hooper, bekannt für historische Fernsehfilme, wurde durch seine Mutter auf das unveröffentlichte Stück aufmerksam und übernahm die Regie.
Nach der Finanzierung durch den UK Film Council wurde der Independent-Film vom 13. November 2009 bis zum 17. Januar 2010 gedreht; die Postproduktion endete am 31. August 2010. Historische Gebäude und Anlagen dienten als Kulissen, darunter Elland Road, das Grattan Stadium, die Battersea Power Station, Regent’s Park, Knebworth House, das Old Royal Naval College, Englefield House und Lancaster House. Die Weltpremiere fand am 4. September 2010 beim Telluride Film Festival statt. Beim Toronto International Film Festival erhielt der Film den Zuschauerpreis.
Alexandre Desplats Soundtrack umfasst 14 Stücke und wurde vom London Symphony Orchestra eingespielt. Die überwiegend von klassischer Musik beeinflusste Orchestermusik enthält auch Werke von Beethoven und Mozart. Desplat dirigierte seine eigenen Kompositionen, Dave Arch spielte die Klaviersoli, und Terry Davies leitete die ausgewählten klassischen Stücke. Desplat erhielt dafür seinen ersten BAFTA Award sowie seine vierte Oscar- und fünfte Golden-Globe-Nominierung.
In den Vereinigten Staaten startete der Film im Dezember 2010, im Vereinigten Königreich im Januar 2011. Die Deutschlandpremiere fand am 16. Februar 2011 auf der Berlinale statt; der deutsche und schweizerische Kinostart folgte am 17. Februar, der österreichische am 18. Februar 2011. Die deutsche Synchronfassung entstand unter Harald Wolffs Dialogregie. Bei geschätzten Produktionskosten von 15 Millionen US-Dollar spielte der Film weltweit etwa 427,4 Millionen US-Dollar ein. In Deutschland sahen ihn bis zum 9. September 2012 insgesamt 2.426.794 Besucher. Eine 2011 hergestellte Hörfilmfassung enthält eine von Uta Maria Torp gesprochene Bildbeschreibung. Die Free-TV-Premiere lief am 15. Juli 2013 auf ORF eins und im Ersten.
Resonanz, historische Kritik und Auszeichnungen
Der Film wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen. Rotten Tomatoes verzeichnete 94 Prozent Zustimmung, Metacritic einen Wert von 88 von 100. Besonders häufig lobten deutschsprachige Kritiker die Darstellungen von Colin Firth, Geoffrey Rush und Helena Bonham Carter sowie den Charme, den Witz, die Wärme und die Dialoge. Umstritten waren dagegen die historische Genauigkeit, die Darstellung Eduards VIII., das Drehbuch und die mit Weitwinkelobjektiven erzeugte klaustrophobische Bildwirkung. Einige Kritiker sahen einen ergreifenden und klugen Film, andere warfen ihm eine unkritische Haltung gegenüber der britischen Monarchie und eine Reduzierung politischer Fragen auf ein privates Problem vor.
Auch Roger Ebert und James Berardinelli bewerteten den Film sehr positiv. Ebert deutete die langen, engen Räume als bildlichen Ausdruck der Enge, die Albert beim Sprechen empfindet, und vergab vier Sterne. Königin Elisabeth II., die Tochter Georgs VI., bezeichnete den Film nach einer privaten Vorführung als „bewegend“. Christopher Hitchens und Isaac Chotiner kritisierten dagegen die historisch falsche Darstellung Winston Churchills während der Abdankungskrise: Tatsächlich drängte Churchill Eduard VIII., nicht zurückzutreten, während der Film ihn als starken Unterstützer Alberts zeigt. Hitchens beanstandete zudem den Eindruck, Albert sei ein Gegner der Appeasement-Politik gewesen.
Bei mehr als 80 Nominierungen gewann The King’s Speech über 40 Filmpreise. Bei zwölf Oscar-Nominierungen erhielt er 2011 vier Oscars: bester Film, beste Regie für Tom Hooper, bestes Originaldrehbuch für David Seidler und bester Hauptdarsteller für Colin Firth. Firth gewann insgesamt 18 Auszeichnungen, darunter außerdem den Golden Globe und den BAFTA Award. Bei den British Academy Film Awards gewann der Film unter anderem als bester Film und bester britischer Film; Geoffrey Rush und Helena Bonham Carter wurden dort als beste Nebendarsteller ausgezeichnet. Weitere Erfolge waren der British Independent Film Award als bester britischer Independent-Film, der Europäische Publikumspreis und der Screen Actors Guild Award für das beste Schauspielensemble. Nach dem Filmerfolg wurde auch Seidlers Theaterstück mehrfach aufgeführt; seine österreichische Erstaufführung fand am 20. September 2012 in den Wiener Kammerspielen statt.