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The Creationists
Es stellt die Anfänge des Kreationismus mit seinen Ursprüngen im 19. Jahrhundert dar und zeichnet die Hauptepochen kreationistischer Konzepte bis etwa 1990 nach …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Grundgedanke
The Creationists. The Evolution of Scientific Creationism ist ein 1992 veröffentlichtes Buch des Historikers Ronald Numbers. Es untersucht die historische Entwicklung des wissenschaftlichen Kreationismus von seinen Ursprüngen im 19. Jahrhundert bis etwa 1990. Die Ausgabe von 2006 ergänzt Kapitel zur Entstehung der Intelligent-Design-Bewegung und zur Verbreitung des Kreationismus außerhalb der englischsprachigen Welt.
Numbers verwendet „wissenschaftlicher Kreationismus“ in einem weiten, aber begrenzten Sinn: Er behandelt Beiträge christlicher Naturwissenschaftler und naturwissenschaftlich interessierter christlicher Laien aus den USA, teilweise auch aus Großbritannien. Volkstümliche, rein theologische oder agnostische Beiträge sowie jüdische und muslimische Traditionen werden nicht einbezogen.
Sein Hauptergebnis ist ein grundlegender Wandel kreationistischer Konzepte in ungefähr 130 Jahren. Als zentralen Wendepunkt beschreibt er George McCready Price. Dieser adventistische Seelsorger popularisierte die Behauptung Ellen G. Whites, die noachitische Flut habe die geologischen Formationen und Fossilien verursacht.
Von langen Schöpfungstagen zur Flut-Geologie
Zwischen 1860 und 1920 dominierten zwei Richtungen die Diskussion. Die „Day Ager“ verstanden die Tage aus Genesis 1 als sehr lange Zeiträume; zu ihnen gehörte George F. Wright. Vertreter der Lückentheorie, auch „Ruinists“ genannt, nahmen zwischen den ersten Versen der Bibel und dem ersten Schöpfungstag eine historische Lücke an. In dieser sollten Katastrophen und Wiedererschaffungen stattgefunden haben.
Price entwickelte in den 1920er Jahren die Flut-Geologie; ihre Anhänger werden „Flooder“ genannt. Von 1920 bis etwa 1960 war diese Richtung, besonders unter Adventisten, prägend. Die 1935 von Price und Dudley Joseph Whitney gegründete Religion and Science Association (RSA) wollte nur Flooder aufnehmen und Day-Age-Vertreter sowie Anhänger einer präadamitischen Schöpfung ausschließen. Sie zerfiel nach etwa zwei Jahren an solchen Konflikten. So stritten Byron C. Nelson und Whitney darüber, ob sich Arten nach der Schöpfung verändert hätten: Damit hing die Frage zusammen, ob alle heutigen Tierarten in Noahs Arche gerettet wurden oder ob nach der Flut eine „Mini-Evolution“ neue Arten hervorbrachte.
Die 1938 von Price, Harold W. Clark und Benjamin Franklin Allen gegründete Deluge Geology Society (DGS) war eine stark adventistisch geprägte Nachfolgerin der RSA. Sie zerfiel 1947 ebenfalls wegen ähnlicher Streitfragen. Mit The Genesis Flood von John C. Withcomb und Henry M. Morris aus dem Jahr 1960 begann eine Phase, in der die von Price verbreitete Flut-Geologie von ihrem adventistischen Ursprung getrennt werden sollte. Ab 1970 trat ein weiterer Wandel ein: Kreationisten betonten zunehmend nicht mehr nur den Unterschied zur Evolution, sondern die behauptete Gleichrangigkeit von Schöpfung und Evolution als Wissenschaft. Seit etwa 1990 gewann in den USA Intelligent Design an Bedeutung.
Verhältnis zu Wissenschaft und interne Konflikte
Frühere Kreationisten betrieben nach Numbers vor allem „Schreibtischarbeit“: Sie verwiesen auf angebliche Fehler und Lücken der Evolutionslehre. Seit den späten 1950er Jahren erhob der Kreationismus stärker den Anspruch, selbst Wissenschaft zu betreiben. Ein Grund dafür war, dass zunehmend Naturwissenschaftler statt überwiegend gebildeter Laien als Protagonisten auftraten.
Der Artikel hält fest, dass es außer einer Arbeit von Steven A. Austin über Kohleflöze keine wissenschaftliche Publikation gebe, die geeignet wäre, die Thesen der Flut-Geologie zu stützen. Gleichwohl setzte sich intern stärker die Forderung durch, wissenschaftlich ernst genommen zu werden und Betrug oder bloße Behauptungen nicht zu dulden. Als Schritte der Selbstkritik nennt Numbers unter anderem die Distanzierung des ICR vom Betrüger Burdick, die Kritik des GRI an gefälschten Riesenmenschenspuren am Paluxy River in Origins (1975) sowie die Abgrenzung von Robert V. Gentrys Behauptungen über radioaktive Isotope in Granit.
Behauptungen, kreationistische Wissenschaftler würden systematisch diskriminiert oder hätten keinen Zugang zu Fachzeitschriften, überprüft Numbers kritisch. Eine Untersuchung von 1985 zu 135.000 Einreichungen bei 68 führenden Zeitschriften fand 18 Texte, die kreationistische Thesen unterstützten. Keiner wurde angenommen; laut Überprüfung waren die Ablehnungen jeweils sachlich durch mangelhafte Begründungen der Artikel begründet. Numbers betont zugleich institutionelle Repression: Robert Pierson habe am adventistischen GRI praktisch ein Forschungsverbot durchgesetzt, und Walter Lammert habe im ICR Wissenschaftler ausgeschlossen, die nicht an Flut-Geologie glaubten. Als noch gravierender bewertet Numbers die gegenseitige harte Kritik innerhalb verschiedener kreationistischer Gruppen.
Positionen im 19. Jahrhundert
Für das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts beschreibt Numbers eine akademische kreationistische Minderheit in Nordamerika. Louis Agassiz (1807–1873) lehnte die Evolution aus wissenschaftlichen Gründen ab. Arnold Henri Guyot (1807–1884) vertrat spezifische göttliche Schöpfungsakte für Materie, Leben und besonders den Menschen, akzeptierte aber eine alte Erde und maß der noachitischen Flut geologisch keine besondere Rolle bei. John William Dawson (1820–1899) deutete die Genesis-Tage als Äonen, verstand die Flut als lokal und hielt eine Evolution unter Nutzung von Naturgesetzen durch Gott für möglich.
Eine dafür repräsentative Auffassung verband eine viele Millionen Jahre alte Welt, die mögliche Bildung von Planeten und Sonnen nach der Kant-Laplace’schen Theorie, die Entwicklung des von Gott geschaffenen Lebens gemäß Darwin und eine vergleichsweise junge, möglicherweise durch gelenkte Evolution entstandene Menschheit. Noahs Flut galt dabei als regionales Ereignis.
Daneben standen klerikale und konservative Kritiker der Evolution. Viele vertraten ebenfalls die Day-Age-Deutung oder eine Lückentheorie. Herbert W. Morris hielt an sechs buchstäblichen Schöpfungstagen fest, nahm aber eine Lücke zwischen Genesis 1,1 und 1,2 an. Alexander Patterson ordnete Fossilien und geologische Vorgänge in einen „hiatus historicus“ zwischen diesen Versen ein und sah in der Abstammung des Menschen von einem nichtmenschlichen Wesen die entscheidende Streitfrage. Die Brüder Eleazar Lord (1788–1871) und David Nevins Lord (1792–1880) vertraten hingegen eine Weltgeschichte von etwa 6000 Jahren nach Ussher; Eleazar erklärte die Fossilabfolge durch die Flut, David lehnte geologische und mosaische Erklärungen als unvereinbar ab.
An George Frederick Wright (1838–1921) zeigt Numbers den Wandel zwischen 1860 und 1910. Wright vertrat zunächst mit Asa Gray einen theistischen Darwinismus, also eine von Gott gewollte Evolution. Die spätere moderne „Creation Science“ führt Numbers vor allem auf Price, die wiederbelebte Kataklysmentheorie und die Weiterentwicklung der Flut-Geologie durch Withcomb und Morris zurück.
Erklärungen für Popularität und spätere Forschung
Numbers nennt vier Gründe dafür, dass kreationistische Themen in den USA seit 1961 öffentliche Debatten auslösen. Erstens könne Kreationismus konservativen Christen ein überzeugendes Weltbild bieten, weil er „der Bibel einen Sinn gebe“. Zweitens passe sein Geschichtsbild zu apokalyptischen christlichen Vorstellungen. Drittens könne er eine Protestform gegen den zunehmenden Einfluss der US-Regierung auf Erziehung und Lehrpläne seit den 1960er Jahren sein. Viertens hätten sich Kreationisten zum Sprachrohr populistischer Kritik an intellektuellen Eliten gemacht. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren erkläre die unerwartete öffentliche Popularität.
Nach dem Erscheinen des Buches untersuchten Numbers und andere Wissenschaftshistoriker Reaktionen auf Darwinismus in verschiedenen Ländern, sozialen Gruppen und Konfessionen. In der erweiterten Ausgabe fasste Numbers unter „Creationism goes Global“ Arbeiten zur weltweiten Verbreitung des Kreationismus zusammen, darunter Untersuchungen zu Europa, Ländern der Dritten Welt, islamischen Ländern, Israel und „Identity Creationism“. Die zugrunde liegenden Quellen waren teilweise schwer zugänglich: Numbers berichtet, dass Personen und Institutionen die Veröffentlichung oder Zitierung bestimmter Dokumente untersagten und dass Versuche unternommen worden seien, seine Darstellung zugunsten bestimmter Personen zu beeinflussen.