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Charles Darwin
Charles Robert Darwin [tʃɑrlz 'dɑː.wɪn] (* 12. Februar 1809 in Shrewsbury; † 19. April 1882 in Down House/Grafschaft Kent) war ein britischer Naturforscher.
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Bedeutung und Evolutionstheorie
Charles Robert Darwin (* 12. Februar 1809 in Shrewsbury; † 19. April 1882 in Down House, Grafschaft Kent) war ein britischer Naturforscher. Wegen seiner Beiträge zur Evolutionstheorie zählt er zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern. Seine Arbeiten lieferten eine naturwissenschaftliche Erklärung dafür, warum Lebewesen verschieden sind und wie sich Arten im Lauf der Zeit verändern.
Darwin entwickelte ab 1838 die Theorie, dass sich Organismen durch Variation und natürliche Selektion an ihren Lebensraum anpassen. Variation bedeutet Unterschiede zwischen Individuen einer Population. Natürliche Selektion bedeutet, dass vorteilhafte Unterschiede im Wettbewerb um begrenzte Ressourcen häufiger weitergegeben werden, während ungünstige Varianten verschwinden können. Daraus können neue Arten entstehen. Darwin erklärte damit auch die phylogenetische Entwicklung, also die stammesgeschichtliche Entwicklung, aller Organismen und ihre Aufspaltung in verschiedene Arten.
Sein Hauptwerk On the Origin of Species erschien 1859. Darin formulierte er fünf miteinander verbundene, aber unabhängige Aussagen: Arten sind veränderlich; alle Lebewesen haben gemeinsame Abstammung; Veränderungen erfolgen schrittweise (Gradualismus); Arten entstehen durch Aufspaltung von Populationen; und natürliche Selektion ist der wichtigste, aber nicht der einzige Mechanismus der Evolution. 1871 ergänzte Darwin die natürliche Selektion durch die sexuelle Selektion: Bei ihr beeinflusst die Partnerwahl, welche Merkmale sich durchsetzen.
Kindheit, Studium und Weltreise
Darwin wuchs als fünftes von sechs Kindern in Shrewsbury auf. Er sammelte schon früh Muscheln, Siegel, Münzen und Mineralien und beobachtete Vögel. Zunächst studierte er ab Oktober 1825 in Edinburgh Medizin, wandte sich aber vor allem naturwissenschaftlichen Themen zu. Robert Edmond Grant vermittelte ihm Meereszoologie, genaues Beobachten und die Bedeutung sorgfältiger Aufzeichnungen. Anschließend studierte Darwin ab Januar 1828 in Cambridge Theologie. Dort prägten ihn besonders der Botaniker John Stevens Henslow, die Insektenkunde und die Geologie. Am 22. Januar 1831 bestand er seine Abschlussprüfung als Zehnter von 178 Studenten.
Auf Henslows Empfehlung begleitete Darwin Kapitän Robert FitzRoy als naturwissenschaftlich gebildeter Reisegefährte auf der HMS Beagle. Die Vermessungsfahrt dauerte vom 27. Dezember 1831 bis zum 2. Oktober 1836 und führte fast einmal um die Welt. Darwin führte zahlreiche Notizbücher, untersuchte Proben und schickte Fundstücke nach England. Seine Sammlung umfasste am Ende 1.529 in Spiritus konservierte Arten sowie 3.907 Häute, Felle, Knochen, Pflanzen und weitere Objekte.
Wichtige Beobachtungen machte er in Südamerika: Bei Punta Alta fand er Fossilien von Megatherium und Scelidotherium, beides Riesenfaultiere. In Chile beobachtete er 1835 ein schweres Erdbeben und marine Ablagerungen, die um einige Fuß angehoben worden waren. Solche Befunde unterstützten für ihn Charles Lyells Vorstellung, dass die Erde sich langsam und schrittweise geologisch verändert. Auf den Galápagos-Inseln sammelte er Tier- und Pflanzenproben; die Bedeutung der Schildkröten und Galapagosfinken erkannte er allerdings erst später. Während der Reise entwickelte er zudem seine Theorie über die Entstehung der Korallenriffe.
Vom Artwandel zur Veröffentlichung
Nach seiner Rückkehr 1836 wurde Darwin durch Reiseberichte und geologische Arbeiten bekannt. Die Untersuchungen der Galápagos-Vögel durch John Gould erschütterten 1837 seinen Glauben an unveränderliche Arten: Gould zeigte, dass die eng verwandten Vögel keine klaren Grenzen zwischen Arten und Varietäten erkennen ließen. Darwin begann in seinen Notebooks on Transmutation seine Überlegungen zum Artwandel aufzuschreiben und zeichnete 1837 unter der Überschrift „I think“ einen Stammbaum des Lebens.
Entscheidend wurde Thomas Robert Malthus’ Wachstumsgesetz, das Darwin im September 1838 las. Malthus beschrieb, dass eine Bevölkerung ohne Begrenzung exponentiell wächst, die Nahrungsmittelproduktion aber nur linear. Deshalb entsteht ein Kampf um begrenzte Ressourcen. Darwin übertrug dies auf andere Arten: In diesem Konkurrenzkampf bleiben vorteilhafte Variationen eher erhalten. Damit hatte er nach eigener Aussage „eine Theorie, mit der ich arbeiten konnte“.
Darwin schrieb 1842 eine 35-seitige Skizze und 1844 einen etwa 230-seitigen Essay, veröffentlichte seine Evolutionstheorie aber zunächst nicht. Im Down House, wohin die Familie 1842 zog, arbeitete er unter anderem acht Jahre an Rankenfußkrebsen (Cirripedia). Diese Studien machten ihn zu einem anerkannten Taxonomen und brachten ihm 1853 die Royal Medal. Ab 1854 setzte er die Evolutionsarbeit mit Experimenten fort, etwa zur Verbreitung von Pflanzensamen und zur künstlichen Selektion bei Tauben.
Als Alfred Russel Wallace im Juni 1858 ein Manuskript mit sehr ähnlichen Gedanken schickte, wurden Beiträge beider Forscher am 1. Juli 1858 vor der Linnean Society vorgestellt. Darwin veröffentlichte daraufhin statt seines umfangreichen Manuskripts Natural Selection eine kürzere, aber immer noch etwa 155.000 Wörter umfassende Darstellung. Die Erstauflage von 1.250 Exemplaren von On the Origin of Species war bereits vor dem Verkaufsbeginn am 24. November 1859 vollständig vorbestellt.
Weitere Forschung und letzte Jahre
Nach Über die Entstehung der Arten erläuterte Darwin seine Theorie in weiteren Büchern. The Variation of Animals and Plants under Domestication (1868) behandelte die Veränderlichkeit von Tieren und Pflanzen unter menschlichem Einfluss. Seine dort vorgeschlagene Pangenesistheorie zur Vererbung wurde abgelehnt und erwies sich als falsch.
In The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex (1871) erklärte Darwin die Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen, mit dem Menschen gemeinsame Vorfahren teilen. Er vermutete als Erster, der Mensch habe sich in Afrika entwickelt; dies erwies sich später als richtig. Darwin betonte, dass alle Menschen zu einer Art gehören, und lehnte es ab, menschliche Rassen oder Subspezies als verschiedene Arten aufzufassen. Mit sexueller Selektion erklärte er Merkmale wie das Hirschgeweih, die durch natürliche Selektion allein nicht erklärbar seien. In Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren (1872) argumentierte er, dass Gefühle und ihr Ausdruck bei Menschen und Tieren gleichartig und evolutionär entstanden seien.
In seinem letzten Jahrzehnt forschte Darwin vor allem botanisch. Er beschrieb die Circumnutation, eine innerlich gesteuerte Kreisbewegung vieler Pflanzen, und zeigte 1875, dass manche Pflanzen fleischfressend sind. Bei Hafer-Koleoptilen nahm er einen Botenstoff an, der später als Auxin identifiziert wurde. Seine Untersuchungen an Orchideen, Bestäubung und unterschiedlichen Blütenformen zeigten, wie Blütenbau und Heterostylie – verschiedene Griffel- und Staubblattlängen innerhalb einer Art – Fremdbestäubung fördern. In Versuchen über bis zu zehn Pflanzengenerationen ergab sich meist, dass Fremdbestäubung stärkere Nachkommen hervorbringt als Selbstbestäubung.
Sein letztes Buch von 1881 behandelte Regenwürmer. Ein 30 Jahre dauerndes Freilandexperiment zeigte, dass sie Kalkstückchen bis 18 cm tief in den Boden einarbeiten. Darwin schrieb ihnen eine zentrale Rolle bei Boden- und Humusbildung zu und widersprach der Ansicht, sie seien für den Pflanzenbau schädlich. Er starb mit 73 Jahren und wurde am 26. April 1882 in der Westminster Abbey beigesetzt.
Wirkung der Ideen
Darwins Evolutionstheorie ist heute ein grundlegendes Paradigma der Biologie: Sie verbindet unter anderem Zoologie, Botanik, Verhaltensforschung, Embryologie und Genetik. Theodosius Dobzhansky fasste diese Bedeutung 1973 so zusammen: „Nichts in der Biologie hat einen Sinn, außer im Licht der Evolution.“
Nach 1859 wurde die Tatsache der Evolution und der gemeinsamen Abstammung in wissenschaftlichen Kreisen vergleichsweise rasch anerkannt. Die natürliche Selektion blieb dagegen lange umstritten, auch bei Darwins Freunden Charles Lyell und Asa Gray. Erst die synthetische Evolutionstheorie verhalf der Selektionstheorie zum Durchbruch. Darwins Ideen lösten außerdem Diskussionen über Theologie, Philosophie sowie die Stellung des Menschen in der Natur aus.
Die politische Ideologie des Sozialdarwinismus übertrug Darwins Theorien missbräuchlich auf gesellschaftliche Fragen. Laut Artikel lässt sich diese Übertragung weder zwangsläufig aus Darwins Werk ableiten noch entspricht sie seinem Welt- und Menschenbild.
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