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Intelligent Design
Die U.S. National Science Teachers Association hat Intelligent Design als Pseudowissenschaft bewertet. Dieser Bewertung haben sich Teile der …
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Begriff, Anspruch und wissenschaftliche Einordnung
Intelligent Design (ID, „intelligenter Entwurf“) ist eine kreationistische Auffassung. Sie behauptet, bestimmte Eigenschaften des Universums und des Lebens auf der Erde seien nur durch einen oder mehrere intelligente Urheber erklärbar, nicht durch ungeleitete Vorgänge wie natürliche Selektion. ID steht damit im Widerspruch zur synthetischen Evolutionstheorie, die Lebewesen durch beobachtbare Prozesse wie Mutation, Rekombination und Selektion erklärt und diese Erklärungen durch Daten und Experimente überprüft.
Befürworter verstehen ID als wissenschaftliches Forschungsprogramm: Es solle Auswirkungen intelligenter Ursachen in der Natur untersuchen, ohne die Identität des Designers bestimmen zu wollen. Sie unterscheiden physikalische von intelligenten Ursachen und behaupten, natürliche Prozesse könnten manche Merkmale des Lebens nicht ausreichend erklären. Als solche Merkmale nennen sie besonders nichtreduzierbare Komplexität, Informationsmechanismen und spezifizierte Komplexität.
Die Wissenschaftsgemeinde bewertet ID überwiegend nicht als Wissenschaft, teils als Pseudowissenschaft oder „Junk Science“. Naturwissenschaft arbeitet mit methodischem Naturalismus: Erklärungen müssen sich auf natürliche, überprüfbare Ursachen stützen. Übernatürliche Eingriffe gelten dabei als nicht falsifizierbar, weil nicht geprüft werden kann, was ein übernatürliches Wesen aus welchen Gründen getan haben könnte. Im September 2005 erklärten 38 Nobelpreisträger, ID sei grundsätzlich unwissenschaftlich und nicht als wissenschaftliche Theorie testbar.
Kritiker bezeichnen ID außerdem als „God of the gaps“: Aus einer Lücke im gegenwärtigen Wissen werde auf das Wirken Gottes oder eines Designers geschlossen. Fehlende Erklärungen seien jedoch kein Beweis für eine andere Erklärung; „wir wissen es noch nicht“ sei wissenschaftlich angemessener als der Schluss auf eine Ursache außerhalb der Naturwissenschaft.
Zentrale Konzepte des Intelligent Design
Nichtreduzierbare Komplexität (auch irreduzible Komplexität, IC) bezeichnet nach Michael Behe ein System aus mehreren gut aufeinander abgestimmten, zusammenwirkenden Teilen. Wird ein Teil entfernt, soll das System seine grundlegende Funktion verlieren. Behe veranschaulicht dies mit einer Mausefalle aus Platte, Haken, Feder und Schlinge. Als biologische Beispiele nannte er unter anderem Bakteriengeißeln, Blutgerinnung, Flimmerhärchen und das anpassungsfähige Immunsystem.
ID-Anhänger folgern daraus, natürliche Selektion könne solche Systeme nicht hervorbringen: Eine Funktion, auf die Selektion wirken könnte, sei erst vorhanden, wenn alle Teile zusammengesetzt seien. Evolutionsbiologen halten dies für eine fehlerhafte Deutung der Evolution. Komplexe Strukturen können aus Vorstufen mit anderen Funktionen, aus multifunktionalen Bestandteilen oder durch schrittweise Umbauten entstehen. Auch vorübergehende „Gerüste“ können bei der Entwicklung helfen und später wieder verschwinden. Als Gegenbeispiel wird die bakterielle Geißel genannt: Funktionale Geißeln kommen bei verschiedenen Bakterien mit unterschiedlich vielen Bestandteilen vor.
Spezifizierte Komplexität wurde von William Dembski entwickelt. Etwas sei danach ein Hinweis auf Design, wenn es zugleich komplex und spezifisch sei. Ein einzelner Buchstabe sei spezifisch, aber nicht komplex; eine lange zufällige Buchstabenfolge komplex, aber nicht spezifisch; ein Sonett von Shakespeare dagegen beides. Dembski überträgt dies auf Muster funktionaler Moleküle wie DNA. Er definiert komplexe spezifizierte Information als etwas, das mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 1:10^{150} durch natürlichen Zufall entstehen könne.
Kritiker werfen Dembski eine Tautologie vor: Wenn spezifizierte Komplexität bereits so definiert werde, dass sie nicht natürlich entstehen könne, bleibe offen, ob sie in der Natur tatsächlich vorkommt. Sein „Erklärungsfilter“ schließt zunächst Regularität und dann Zufall aus und setzt anschließend Design voraus. Kritiker halten ihn für wissenschaftlich unbrauchbar, weil die nötigen Wahrscheinlichkeiten nicht bekannt seien und weil verschiedene Erklärungen ungleich behandelt würden.
Feinabstimmung und die Frage nach dem Designer
Ein häufig verwendetes Argument besagt, physikalische Konstanten und Parameter des Universums seien so fein abgestimmt, dass Leben möglich werde. Gemeint sind etwa die Stärke der Kräfte, die Atomkerne zusammenhalten, sowie die kosmologische Konstante. ID-Befürworter wie Guillermo Gonzalez argumentieren, schon geringe Abweichungen hätten ein völlig anderes Universum hervorgebracht; daher müsse ein intelligenter Designer die lebensfreundlichen Bedingungen festgelegt haben.
Das Feinabstimmungsargument stammt nicht ursprünglich aus der ID-Bewegung und greift die Evolutionstheorie nicht direkt an. In der Kosmologie werden als mögliche wissenschaftliche Erklärungen fundamentalere Theorien ohne Feinabstimmung sowie Multiversen- oder Ensemble-Hypothesen diskutiert. Kritiker betonen, die Designhypothese sei nicht überprüfbar. Außerdem könnten Variablen miteinander verbunden sein; einige Berechnungen deuteten darauf hin, dass ähnliche Universen relativ wahrscheinlich seien. Es wird auch gefragt, warum Leben dann so selten sei und ob nicht umgekehrt „das Leben auf die Natur abgestimmt“ sei.
ID vermeidet bewusst, den Designer zu benennen. Führende Anhänger vertreten jedoch persönlich überwiegend die Ansicht, der Designer sei der christliche Gott. Daraus entsteht ein weiteres Problem: Wenn Komplexität einen Designer benötige, wie sei dann der Designer selbst entstanden? Befürworter erklären diese Frage für irrelevant oder außerhalb des Konzepts. Kritiker sehen darin einen Zirkelschluss, einen unendlichen Regress oder einen Verstoß gegen das Sparsamkeitsprinzip, weil ein zusätzliches, nicht erklärtes Element eingeführt werde.
Bewegung, Religion und politische Ziele
Die heutige ID-Bewegung entwickelte sich in den USA seit Mitte der 1980er Jahre. Sie ist eng mit dem christlich-konservativen Discovery Institute und dessen Center for Science and Culture verbunden. Wichtige Vertreter sind Phillip E. Johnson, Michael J. Behe, William A. Dembski und Stephen C. Meyer. Johnson gilt als Vater der Bewegung und erklärte als Ziel, den Kreationismus wissenschaftlich anerkennen zu lassen.
Die Bewegung vertritt die Auffassung, Wissenschaft solle nicht auf Naturalismus beschränkt werden. Mit der „wedge strategy“ und der Kampagne „Teach the Controversy“ versucht sie, ID im öffentlichen Unterricht als Alternative zur Evolutionstheorie darzustellen. Kritiker bestreiten, dass innerhalb der Wissenschaftsgemeinde eine entsprechende Kontroverse besteht: Nach dem Stand der Forschung gilt Evolution als Tatsache.
Führende ID-Anhänger bezeichnen ID in öffentlichen Debatten häufig als nicht religiös. Gleichzeitig äußerten mehrere von ihnen, der Designer sei Gott und ID sei mit dem Christentum verbunden. Phillip E. Johnson forderte, zunächst „die Bibel aus der Diskussion“ zu nehmen; erst später könnten „biblische Angelegenheiten“ behandelt werden. Barbara Forrest wertet diese widersprüchlichen Aussagen als Verschleierung einer religiösen Agenda.
Schulunterricht, Gerichtsurteil und Kritik
Im Verfahren Kitzmiller vs. Dover Area School District entschied Bezirksrichter John E. Jones III. am 20. Dezember 2005, dass ein öffentlicher Schulbezirk Intelligent Design nicht als Alternative zur Evolutionstheorie im naturwissenschaftlichen Unterricht vorschreiben darf. Dies verletze die Establishment Clause des ersten Verfassungszusatzes der USA, die staatliche Bevorzugung von Religion oder Nicht-Religion verbietet. Das Gericht folgerte, ID sei keine Wissenschaft und könne sich nicht von seinen kreationistischen und religiösen Vorläufern lösen.
Kritiker führen an, ID erfülle auch den Daubert-Standard für wissenschaftliche Belege nicht. Danach müssen Methoden überprüfbare Vorhersagen ermöglichen, möglichst peer-reviewt veröffentlicht sein, eine bekannte Fehlerrate besitzen und in der Wissenschaftsgemeinde allgemein anerkannt sein. ID sei weder beobachtbar noch wiederholbar; selbst Michael Behe erklärte: „You can’t prove intelligent design by experiment.“
Die Unwahrscheinlichkeit eines Ergebnisses gilt ebenfalls nicht automatisch als Beleg gegen Zufall. John Allen Paulos vergleicht dies mit einem Bridge-Blatt aus dreizehn Karten: Die Wahrscheinlichkeit für genau dieses Blatt liegt unter eins zu 600 Milliarden, dennoch folgt daraus nicht, dass es nicht zufällig ausgeteilt worden sein kann.