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Boston
Boston [[ˈbɔstən]] ist die größte Stadt Neuenglands, eines Gebiets im Nordosten der Vereinigten Staaten, und Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts an …
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Überblick und Lage
Boston ist die größte Stadt Neuenglands im Nordosten der Vereinigten Staaten und die Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts. Die Stadt liegt an der Ostküste an der Massachusetts Bay und gehört zum Suffolk County. Sie wurde 1630 gegründet und hatte laut United States Census Bureau bei der Volkszählung 2020 675.647 Einwohner; die Metropolregion hatte 2020 4.941.632 Einwohner. Boston gilt als eine der ältesten, wohlhabendsten und kulturell reichsten Städte der USA.
Die Stadtfläche beträgt etwa 232,1 km², davon 125,4 km² Land. Boston liegt auf 43 m Höhe und hat eine Bevölkerungsdichte von 5.388 Einwohnern je km². Die stark gegliederte Küste ermöglichte natürliche Häfen. Der Mystic River im Westen, der Neponset River im Süden und der Charles River im Norden begrenzen das Stadtgebiet grob. Teile von Back Bay und South End entstanden durch Landgewinnung: Hügel im ursprünglichen Stadtgebiet wurden abgetragen und Material wurde in flachen Bereichen der Bucht abgelagert.
Boston ist Kern der Metropolregion Greater Boston, zu der unter anderem Cambridge, Brookline, Quincy und viele Vororte gehören. 2024 hatte die Metropolregion 5,03 Millionen Einwohner. In Cambridge liegen die Harvard University und das Massachusetts Institute of Technology (MIT), zwei weltweit bekannte Hochschulen. Administrativ ist Boston in 23 Neighborhoods gegliedert, darunter Allston, Back Bay, Beacon Hill, Charlestown, Dorchester, East Boston, Jamaica Plain, Roxbury, South Boston und West Roxbury.
Stadtteile, Klima und Bevölkerung
Boston besitzt einen urbanen Stadtkern mit deutlich unterschiedlichen Stadtvierteln. Downtown ist Sitz des Finanzdistrikts, von Chinatown und des kommunalen Verwaltungszentrums mit der Boston City Hall. Back Bay gehört zu den reichsten Stadtteilen der USA. Beacon Hill beherbergt mit dem State House den Regierungssitz von Massachusetts. South End war früher von Händlern, Seeleuten und deren Familien geprägt; heute leben dort unter anderem eine große LGBT-Gemeinschaft, Künstler, Yuppies, Afroamerikaner und Latins. North End und East Boston haben starken italienischen Einfluss, Charlestown und South Boston sind auch irisch geprägt. Allston und Brighton werden stark von Studierenden bewohnt. Dorchester weist besonders große ethnische Vielfalt auf; Roxbury und Mattapan sind unter anderem von Latinos, Afroamerikanern und verdrängten Mittelklassenfamilien geprägt.
Das Klima ist durch heiße, luftfeuchte Sommer und nasse, schneereiche Winter gekennzeichnet. Die langjährige Durchschnittstemperatur beträgt im Juli 23 °C und im Januar −1 °C. Die mittleren Tageshöchstwerte reichen von 2,1 °C im Januar bis 27,7 °C im Juli; die mittleren Tagesminima von −5,8 °C im Januar bis 18,4 °C im Juli. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1.054,3 mm.
Die Einwohnerzahl sank nach 1950 zunächst von 801.444 auf 562.994 im Jahr 1980 und stieg danach wieder auf 675.647 im Jahr 2020. Laut Schätzungen des United States Census Bureau bestand die Bevölkerung 2022 zu 44,2 % aus Weißen, zu 22,5 % aus Afroamerikanern, zu 9,7 % aus Menschen asiatischer Herkunft und zu 19,6 % aus Hispanics. Der Median des Haushaltseinkommens lag im Mittel der Jahre 2018 bis 2022 bei 89.212 US-Dollar pro Jahr; 17,5 % der Bevölkerung lebten 2022 unterhalb der Armutsgrenze.
Geschichte
Der erste Europäer, der sich im Gebiet des heutigen Boston ansiedelte, war 1625 der britische Siedler William Blaxton. 1629 verkaufte er Land an Siedler. Im Juni 1630 kamen Puritaner an; sie besaßen Rechte über die Kolonie und gruppierten sich auf einer Halbinsel, die von den indigenen Bewohnern Shawmut und von den Engländern zunächst Trimountaine genannt wurde. John Winthrop, der zweite Gouverneur der Massachusetts Bay Colony, gab der Siedlung den Namen Boston. Die Stadtgründung wird auf den 7. September 1630 julianisch beziehungsweise 17. September 1630 gregorianisch datiert.
Puritanische Werte wie Arbeit, Bildung und Gottesfürchtigkeit prägten die Gesellschaft. Bereits 1635 entstand mit der Boston Latin School eine erste Lateinschule, 1636 mit der Harvard University die erste Universität Amerikas. Boston wurde später ein wichtiger Ort der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Besonders bekannt ist die Boston Tea Party vom 16. Dezember 1773: Proteste gegen eine Erhöhung der Teesteuer durch das britische Parlament trugen zum Ausbruch des Unabhängigkeitskriegs bei. Der etwa vier Kilometer lange Freedom Trail führt heute zu 16 historischen Stätten, darunter Boston Common, das Massachusetts State House und das Old State House.
Nach der amerikanischen Revolution wurde Boston einer der reichsten Handelshäfen der Welt. Zu den wichtigen Handelsgütern gehörten Fische, Rum, Salz, Tabak und Sklaven; Boston war einer der wichtigsten Sklavenhäfen Nordamerikas. Seit den 1820er Jahren veränderte Einwanderung die Bevölkerung: Neben den protestantischen Nachkommen englischer Einwanderer, den Boston Brahmins, wuchs besonders der Anteil katholischer Menschen irischer und später italienischer Herkunft. Zwischen 1630 und 1890 verdreifachte sich das Stadtgebiet durch Eingemeindungen und Landgewinnung. 1872 zerstörte ein großer Brand Teile der Stadt.
Am 15. Januar 1919 ereignete sich die Melassekatastrophe nahe dem North End Park. Ein fehlerhaft konstruierter Melasse-Tank zerbarst; 14.000 Tonnen Melasse ergossen sich in die Straßen. 21 Menschen starben, 150 wurden verletzt.
Im 20. Jahrhundert erlebte Boston Strukturwandel und Stadterneuerung. Alte Industrien zogen wegen hoher Lohnkosten ab. Ab 1957 führte die Boston Redevelopment Authority Programme der Urban Renewal durch; frühe Projekte verdrängten häufig ärmere Bevölkerungsgruppen. Später wurde das Linkage-Prinzip eingeführt: Entwickler lukrativer Bauprojekte zahlen Abgaben, die für die Revitalisierung schwächerer Wohn- und Gewerbegebiete genutzt werden. Seit den 1970er Jahren trugen vor allem Medizin, Wissenschaft und Hochschulen wieder zu wirtschaftlichem Wachstum bei. Das Verkehrsprojekt Big Dig verlegte vor 2007 innerstädtische Autobahnen in Tunnel. Im frühen 21. Jahrhundert entwickelte sich Boston zu einem internationalen, intellektuellen und technologischen Zentrum, blieb aber auch von Gentrifizierung und hohen Lebenshaltungskosten betroffen.
Politik, Wirtschaft und Verkehr
Bostons politisches System ist stark exekutiv geprägt: Der Bürgermeister hat weitreichende Entscheidungskompetenzen und wird regulär für vier Jahre gewählt. Seit November 2021 ist Michelle Wu Bürgermeisterin. Das City Council wird alle zwei Jahre neu zusammengesetzt; neun Vertreter kommen aus Wards oder Neighborhoods, vier werden stadtweit gewählt. Als Hauptstadt von Massachusetts hat Boston auch überregionale Regierungsfunktionen. In der Stadt befinden sich unter anderem das John F. Kennedy Federal Office Building, das Thomas P. O’Neill Federal Building und das John Joseph Moakley United States Courthouse. Boston ist zudem Sitz eines katholischen Erzbischofs und ein Zentrum der US-amerikanischen Unitarier-Universalisten.
Die Wirtschaft der Region wird vor allem durch Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen, Finanzwirtschaft und Technologie bestimmt. Die Metropolregion erbrachte 2016 eine Wirtschaftsleistung von 422,7 Milliarden US-Dollar und lag damit auf Platz 9 unter den Großräumen der USA. Die Arbeitslosenquote betrug im Mai 2018 nur 2,9 %. Gleichzeitig war Boston laut einer Statistik von 2016 die US-Region mit der größten Einkommensungleichheit: Die Top-5 % erzielten 266.224 US-Dollar Einkommen, die untersten 20 % im Schnitt 14.942 US-Dollar. Auch zwischen ethnischen Gruppen gab es starke Vermögensunterschiede; ein durchschnittlicher weißer Haushalt besaß 247.500 US-Dollar, ein durchschnittlicher schwarzer Haushalt 8 US-Dollar.
Die Hochschulen sind wichtige Arbeitgeber und ziehen High-Tech-Unternehmen an, besonders aus IT und Biotechnologie. Laut einem Bericht der Boston Redevelopment Authority von 2003 waren an 32 Hochschulen mehr als 135.000 Studierende eingeschrieben, die jährlich 4,8 Milliarden US-Dollar zum Wirtschaftswachstum beitrugen. Tourismus ist ebenfalls bedeutend: 2005 besuchten geschätzte 17,6 Millionen Personen die Stadt und generierten etwa 9,8 Milliarden US-Dollar. Wichtige Unternehmen mit Sitz in Boston sind unter anderem Gillette, Teradyne, The Boston Consulting Group, Wayfair, American Tower und Alexion Pharmaceuticals.
Der Finanzsektor, der FIRE-Sektor für Finance, Insurance and Real Estate, ist besonders wichtig. Er beschäftigt in Boston geschätzt 111.000 Angestellte. Boston gilt als Finanzzentrum im Nordosten der USA und belegte 2018 weltweit Platz 10 unter den wichtigsten Finanzzentren, innerhalb der USA Platz 3 hinter New York und San Francisco.
Der Logan International Airport ist Bostons internationaler Flughafen. Der Port of Boston ist nach Containerumschlag Nummer 12 an der Atlantikküste der USA. Der öffentliche Nahverkehr wird von der Massachusetts Bay Transportation Authority betrieben und umfasst MBTA Commuter Rail, vier U-Bahnlinien, lokale Busse und Expressbusse; im Alltag heißt das System The T. Wichtige Bahnhöfe sind South Station und North Station. Straßenverkehrsachsen sind unter anderem Interstate 90, Interstate 95 und Interstate 93.
Bildung, Kultur und Sehenswürdigkeiten
Boston und Umgebung sind ein bedeutendes Bildungszentrum. In der Stadt und im Umland liegen zahlreiche Hochschulen, darunter Boston University, Northeastern University, Suffolk University, University of Massachusetts Boston, Berklee College of Music, New England Conservatory of Music, Boston College, Brandeis University, Tufts University, Wellesley College sowie in Cambridge Harvard University und Massachusetts Institute of Technology.
Kulturell ist Boston ein künstlerisches und intellektuelles Zentrum. Die Symphony Hall und das dort ansässige Boston Symphony Orchestra sind weltbekannt; auch das Boston Pops Orchestra genießt Weltruf. Jährlich findet das Boston Film Festival statt. Eine frühere sehr restriktive Zensurpraxis der Stadtverwaltung wurde unter dem Schlagwort Banned in Boston bekannt.
Wichtige Sehenswürdigkeiten sind historisch und kulturell geprägt. Der Freedom Trail ist ein roter Strich auf den Bürgersteigen und führt auf etwa vier Kilometern zu 16 Stätten der US-amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, beginnend am Boston Common, dem ältesten öffentlichen Park der USA. Der Black Heritage Trail verbindet auf mehr als 2,5 km mehr als 15 Orte der schwarzen amerikanischen Geschichte in Beacon Hill; er dokumentiert unter anderem Abolitionismus und Underground Railroad. Im Boston National Historical Park sind Stätten zusammengefasst, die Bostons Bedeutung in der amerikanischen Revolution zeigen, darunter Bunker Hill Monument, Charlestown Navy Yard mit der USS Constitution, Faneuil Hall, Old North Church, Old South Meeting House, Old State House, Paul Revere House und Dorchester Heights Monument.
Zu den bedeutenden Museen gehören das Boston Athenæum mit Bibliothek, Kunstsammlungen und historischen Dokumenten, das Isabella Stewart Gardner Museum, das Museum of Science mit interaktiven Ausstellungen, Hayden Planetarium, IMAX-Kino und Schmetterlingsgarten, das Museum of Fine Arts mit bedeutenden Sammlungen ägyptischer, nubischer und chinesischer Objekte sowie Werken unter anderem von Rembrandt, El Greco, Vincent van Gogh und Édouard Manet, und das New England Aquarium mit Pinguinen, Seelöwen, Quallen, großem Salzwassertank und Walbeobachtungsfahrten.
Weitere Orte sind Faneuil Hall, erbaut 1740 bis 1742 mit Unterstützung des Kaufmanns Peter Faneuil, das Old South Meeting House von 1729 und der Temple of the Grand Lodge of Massachusetts, der älteste erhaltene Freimaurertempel. Der National Park Service weist für Boston einen National Historical Park und eine National Historic Site aus; insgesamt liegen 52 National Historic Landmarks in Boston, und 271 Bauwerke und Stätten sind im National Register of Historic Places eingetragen.
Sport und internationale Verbindungen
Boston ist Heimat mehrerer großer Sport-Franchises. Dazu gehören die Boston Bruins im Eishockey und die Boston Celtics im Basketball, beide im TD Garden, die Boston Red Sox im Baseball im Fenway Park, die New England Patriots im Football und New England Revolution im Fußball im Gillette Stadium sowie die Boston Cannons im Lacrosse im Harvard-Stadion.
Der Boston-Marathon wird seit 1897 kontinuierlich ausgerichtet und besitzt eine Tradition, die mit dem Marathon der Olympischen Spiele verglichen wird. Am 15. April 2013 wurde bei dieser Veranstaltung ein Bombenanschlag verübt, bei dem drei Menschen getötet und über 170 zum Teil schwer verletzt wurden. Jährlich im Oktober findet auf dem Charles River die Head of the Charles Regatta mit 10.000 Teilnehmern und bis zu 400.000 Zuschauern statt.
Boston unterhält offizielle Städtepartnerschaften mit Kyōto, Straßburg, Barcelona, Hangzhou, Padua, Melbourne, Taipeh, Sekondi-Takoradi, Belfast und Praia. Zusätzlich pflegt die Stadt weniger formelle Freundschaften mit Boston im Vereinigten Königreich, Haifa, Valladolid und Kopenhagen.