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Temporaladverbial
Adjektive sind Wörter, die im Prinzip flektierbar sind, Adverbien sind Wörter, die unflektierbar sind. · Präpositionen: in (einer Stunde), nach (einem Jahr), …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und grammatische Funktion
Ein Temporaladverbial oder Zeitadverbial ist ein Satzteil, der eine beschriebene Situation zeitlich einordnet oder andere zeitliche Eigenschaften dieser Situation angibt. Die Bezeichnung „Adverbial“ beschreibt dabei die grammatische Funktion, nicht die Form. Ein Temporaladverbial kann zum Beispiel eine Präpositionalphrase („im nächsten Jahr“) oder ein adverbialer Nebensatz, also ein Temporalsatz, sein („nachdem er das Haus verlassen hatte“). Ein einzelnes Wort mit temporaler Bedeutung, das keiner anderen Wortart eindeutig zugeordnet wird, heißt Temporaladverb oder Zeitadverb, etwa „oft“, „jetzt“ oder „gestern“.
Zeitadverbiale wirken mit dem Tempus und gegebenenfalls mit dem Aspekt zusammen. Das Tempus ist eine grammatische Kategorie, während Zeitadverbien und andere Zeitangaben zum Wortschatz gehören. Im Gegensatz zum Tempus kommen Temporaladverbiale in allen Sprachen vor; die dargestellten Beispiele beziehen sich auf das Deutsche.
Inhaltlich werden vor allem vier Typen unterschieden: temporale Positionsadverbiale der zeitlichen Lage („gestern, dieses Jahr, bald“), Daueradverbiale („eine Stunde lang, innerhalb einer Stunde, seit einer Stunde“), Phasenadverbiale („schon, noch“) und Frequenzadverbiale („oft, dreimal“). In engerem Sinn wird „Temporaladverbial“ manchmal nur für Positionsadverbiale verwendet. Je nach Typ kann der Zeitbezug außerdem verschieden weit reichen: Er kann sich eng auf das vom Verb bezeichnete Ereignis oder weiter auf die Betrachtzeit des gesamten Satzes beziehen.
Zeitangaben können durch verschiedene Wortarten und Konstruktionen ausgedrückt werden: durch Adverbien wie „jetzt, heute, soeben, unlängst, sofort, danach, vorher, öfters, stets, lange, nachmittags“, durch Adjektive wie „ewig, kurz, lang“, durch Präpositionen mit Ergänzung („in einer Stunde“, „nach einem Jahr“, „seit der Rückkehr“, „vor fünf Wochen“), durch Subjunktionen („nachdem, sobald, während, als, solange, bevor, bis“) sowie durch Nominalphrasen im Adverbialkasus („eines Tages, einen Tag, letzten Monat“). Modifikatoren können die Angaben erweitern, etwa „kurz vor dem Knall“, „zwei Monate nach dieser Begebenheit“ oder „kurz nachdem er gegangen war“. Frageadverbien wie „wann, wie oft, wie lange?“ erfragen solche Angaben.
Im engeren grammatischen Sinn liegt ein Temporaladverbial vor, wenn die Zeitangabe ein Satzglied bildet und vom Prädikat abhängt: „Kurz nach seinem Weggang brach ein Feuer aus“, „Kurz nachdem er weggegangen war, brach ein Feuer aus“ oder „Wann brach das Feuer aus?“. Adverbial und Angabe sind nicht gleichbedeutend. Die meisten Temporaladverbiale sind Angaben, aber bei „Es dauert einen Tag“ ist „einen Tag“ eine Ergänzung des Verbs „dauern“. Dieselben Ausdrücke können auch Attribute sein („Sein Weggang kurz vor dem Ausbruch des Feuers“) oder, seltener, Prädikativum beziehungsweise Subjekt: „Das Konzert war gestern“ und „Gestern war ein schöner Tag“.
Zeitliche Lage und Bezug zum Tempus
Temporale Positionsadverbiale bestimmen, wann eine Situation stattfindet. Ihre Bedeutung ist relational: Eine Zeit wird in Bezug auf eine Bezugszeit als davor, danach, zugleich oder innerhalb eines Intervalls eingeordnet. Die Bezugszeit kann durch mehrere Zwischenschritte und zusätzliche Maßangaben bestimmt sein. Das System ähnelt dem der lokalen Positionsadverbiale, ist aber einfacher, weil die Zeit eine geordnete Folge von Zeitpunkten und Zeitintervallen bildet.
Die Bezugszeit kann die Äußerungszeit sein. „Jetzt“ bedeutet „zugleich mit der Äußerungszeit“ oder in einem Intervall, das sie enthält. „Heute“ bezeichnet den Tag, der die Äußerungszeit enthält, „gestern“ den Tag vor heute. „Vorhin“ bedeutet „kurz vor der Äußerungszeit“, während „vor 1 Stunde“ einen Abstand von genau einer Stunde vor der Äußerungszeit angibt. „Heute“ kann sowohl Vergangenes als auch Zukünftiges umfassen: „heute ist“, „heute war“ und „heute wird“ sind möglich. Als Zeitadverbial bezeichnet „gestern“ normalerweise nicht den ganzen gestrigen Tag, sondern eine bestimmte Zeit innerhalb dieses Tages; als Subjekt in „Gestern war ein schöner Tag“ ist dagegen der Tag als ganzer gemeint.
Die Bezugszeit kann auch anaphorisch, also vorerwähnt, sein. Dann bedeutet „davor“ „vor der bereits genannten Zeit“, „am Tag zuvor“ „innerhalb des Tages vor dem Tag, in dem die bereits genannte Zeit liegt“ und „1 Stunde zuvor“ „im Abstand von 1 Stunde vor der bereits genannten Zeit“. Weitere Bezugszeiten können kalendarisch benannt sein („vor 1945“) oder durch ein Referenzereignis gegeben werden („vor dem Krieg“, „während des Krieges“, „nachdem er das Haus verlassen hatte“).
Manche Angaben sind hinsichtlich ihrer Verankerung mehrdeutig. „Am Sonntag“ kann deiktisch den nächstliegenden Sonntag zur Äußerungszeit meinen: „Am Sonntag werde ich Kuchen backen“ bezieht sich typischerweise auf den nächsten Sonntag, „Am Sonntag habe ich Kuchen gebacken“ auf den vorherigen. Es kann aber auch anaphorisch den Sonntag meinen, der der zuvor genannten Zeit am nächsten liegt, wie in: „In jener Woche hatte er extrem viel Arbeit gehabt. Erst am Sonntag bekam er wieder etwas Schlaf.“
Positionsadverbiale ähneln dem Tempus, ermöglichen aber feinere Zeitangaben. Mit der Vergangenheitsform stehen sowohl „In der Frühzeit des Weltalls gab es noch keine Materie“ als auch „Gerade eben, vor einer Minute war er doch noch da?“. Im Deutschen kann das Präsens auch Zukunft bedeuten: „Jetzt ist die Webseite nicht erreichbar“ und „Morgen ist die Webseite nicht erreichbar“ sind möglich; alternativ heißt es „Morgen wird die Webseite nicht erreichbar sein“. „Jetzt wird die Webseite nicht erreichbar sein“ kann dagegen nicht als normales Futur verstanden werden, sondern nur als „wird vermutlich nicht erreichbar sein“. Für die Vergangenheit gibt es keine entsprechende Alternative: „Gestern war die Webseite nicht erreichbar.“ Besonderheiten von Erzähltexten oder Plänen erlauben verschobene Kombinationen wie „Morgen war also der gefürchtete Abreisetag“. Attribute sind vom Tempus unabhängiger: In „Für das Konzert morgen wurde zu wenig Werbung gemacht“ bezeichnet „morgen“ eine zukünftige Planung, obwohl das Satztempus Vergangenheit ist.
Ein Positionsadverbial kann sich entweder auf die Betrachtzeit des Satzes oder enger auf die Ereigniszeit beziehen. Das zeigt sich beim Plusquamperfekt: „Um neun Uhr war Anna schon gegangen“ bedeutet, dass um neun Uhr die Betrachtzeit lag und Anna bereits nicht mehr da war. „Anna war schon um acht Uhr gegangen“ ordnet dagegen das Weggehen selbst um acht Uhr ein. Beide Aussagen können deshalb miteinander vereinbar sein.
Dauer und Zeitrahmen
Daueradverbiale geben an, wie sich ein Zeitintervall zur Laufzeit oder zum Vorkommen eines Ereignisses verhält. Dabei besteht eine wichtige Verbindung zur Aktionsart beziehungsweise zum Aspekt, also zur Art, wie ein Ereignis sprachlich als verlaufend, begrenzt oder abgeschlossen dargestellt wird. Besonders wichtig sind durative Adverbiale und Zeitrahmen-Adverbiale.
Durative Adverbiale messen die Dauer eines Ereignisses oder eines relevanten Ereignisausschnitts. Beispiele sind „eine Stunde lang“, „lang“, „ewig“, „kurz“, „eine Stunde“, „einen Monat“ und Angaben mit einer zeitlichen Grenze wie „seit einem Monat“. Sie verbinden sich charakteristisch mit durativen, also kontinuierlich verlaufenden und nicht durch eine eingebaute Abschlussbedingung begrenzten Verben wie „arbeiten, Klavier spielen, regnen, brennen“.
Als Maßangaben ordnen durative Adverbiale einem Ereignis einen Messwert zu. „300g Hackfleisch“ bedeutet, dass das Gewicht einer bestimmten Portion 300 Gramm beträgt; „30 Minuten Klavier spielen“ bedeutet, dass die Dauer des gemeinten Ereignisausschnitts 30 Minuten beträgt. „30 Minuten lang Klavier spielen“ schneidet eine 30-minütige Episode aus einem möglicherweise längeren Ereignis heraus. Deshalb ist der Satz „Nachdem sie 30 Minuten lang geübt hatte, begann das Stück fehlerfrei zu gehen“ auch dann möglich, wenn sie insgesamt 60 Minuten übte.
Die Verwendbarkeit von „…lang“ kann als Test für die Durativität beziehungsweise die atelische Aktionsart einer Verbbedeutung dienen. Inhärent begrenzte Ereignisse erlauben diese Konstruktion nicht ohne Weiteres: „?? 30 Minuten lang das Steak aufessen.“ Das Verb „aufessen“ enthält bereits die Grenze, dass das Ereignis endet, sobald das Steak verschwunden ist. Ein solches Ereignis kann nicht zusätzlich durch ein Zeitmaß begrenzt werden.
Durative Angaben können sich auch auf einen reinen Zeitraum beziehen, in dem etwas der Fall ist, und dadurch auf einen größeren Satzteil. „Drei Tage lang hat er nicht telefoniert“ bedeutet, dass während dieses Zeitraums kein Telefonieren stattfand. „Er hat nicht drei Tage lang telefoniert“ verneint dagegen die Dauer von drei Tagen. In „Er hat drei Tage lang auf dem Boden geschlafen“ ist entweder ein einzelner Schlaf von drei Tagen gemeint oder eine drei Tage andauernde Situation, in der er bei jedem Schlafen auf dem Boden schlief.
Zeitrahmen-Adverbiale, auch Intervalladverbiale, geben ein Intervall an, das groß genug ist, damit ein vollständig begrenztes Ereignis hineinpasst: „Die Schlange hat ihre Beute in 30 Minuten vollständig aufgegessen.“ Das Ereignis muss dabei nicht genau 30 Minuten dauern. Auf die Frage, ob sie das ganze Tier in 30 Minuten schaffte, kann die Antwort lauten: „Ja. Sie hat sogar nur 20 Minuten gebraucht.“ Die Vorstellung einer genau 30-minütigen Dauer ist lediglich eine kontextabhängige Implikatur. „In 30 Minuten“ kann außerdem ein Positionsadverbial sein und dann „zu einer Zeit, die 30 Minuten nach der Äußerungszeit liegt“ bedeuten.
Phasenadverbiale und Phasenpolarität
„Schon, erst, noch“ sowie „noch nicht“ und „nicht mehr“ heißen Phasenadverbiale. Ihr Bedeutungstyp wird auch Phasenpolarität oder Phasenquantifikation genannt. Zusammen mit „wieder“ werden sie teilweise als temporale Kontrastadverbiale bezeichnet. „Noch“ kann als Kontinuativ, „nicht mehr“ als Diskontinuativ bezeichnet werden.
Phasenadverbiale beziehen sich auf eine Gliederung eines Ablaufs in Phasen. Dabei geht es um den Übergang zwischen einer Zeit, in der das genannte Ereignis vorliegt, und einer Zeit, in der es nicht vorliegt. In der schematischen Darstellung bedeutet „1“, dass das Ereignis stattfindet, und „0“, dass es nicht stattfindet:
- „schon“: <0; 1> – vorher lag das Ereignis nicht vor, in der betrachteten Phase liegt es vor.
- „noch“: <1; 1> – das Ereignis lag vorher schon vor und dauert an; ein erwartbarer Verlauf ist 1-1-0.
- „nicht mehr“: <1; 0> – vorher lag das Ereignis vor, in der betrachteten Phase nicht mehr.
- „noch nicht“: <0; 0> – vorher und in der betrachteten Phase liegt es noch nicht vor; ein erwartbarer Verlauf ist 0-0-1.
„Otto schläft schon“ sagt daher aus, dass Otto zur Betrachtzeit schläft, während man ihn zu einer früheren Zeit noch wach angetroffen hätte. Die zusätzliche Vorstellung, er schlafe überraschend früh, kann sich aus dem Kontext ergeben, gehört aber nicht zwingend zur wörtlichen Bedeutung.
„Noch“ und „wieder“ haben gemeinsam, dass eine gleichartige Situation früher schon vorlag. „Noch“ setzt jedoch voraus, dass die gegenwärtige Situation seitdem kontinuierlich andauert. „Wieder“ bezeichnet dagegen eine neue, abgetrennte Situation desselben Typs nach einer früheren abgeschlossenen Situation. In beiden Fällen ist die frühere Situation eine Präsupposition, also eine vorausgesetzte Bedingung, und wird nicht direkt ausgesagt.
Phasenadverbiale bezeichnen keine Dauer und quantifizieren nicht über Zeitintervalle. „Noch“ verlangt in seiner temporalen Bedeutung jedoch ein duratives, atelisches Verb: „Otto schläft noch“, aber nicht ohne Weiteres „?? Otto schläft noch ein“. Außerdem muss die Situation in Zukunft enden können; deshalb wirkt „Das Buch ist noch auf Russisch“ in der entsprechenden zeitlichen Lesart seltsam. Die Phasenbedeutung kann auch räumlich übertragen werden, etwa in „Venlo ist schon in den Niederlanden; Kaldenkirchen ist noch in Deutschland“.
Häufigkeit und Zählung
Frequenzadverbiale geben Häufigkeit an. Dabei ist zu unterscheiden, ob Zeitabschnitte, einzelne Ereignisse, komplexe Fälle oder sogar Dinge beziehungsweise Kombinationen gezählt werden.
Bei Angaben wie „jeden Sonntag“ ist der Bezug unmittelbar ein Zeitabschnitt. „Fritz spielte jeden Sonntag Karten“ bedeutet: Für alle relevanten Sonntage in der Vergangenheit gilt, dass Fritz zu einer Zeit innerhalb dieses Sonntags Karten spielte. Die Angabe verbindet damit eine Positionsbestimmung mit einer zusätzlichen Quantifikation über mehrere gleichartige Zeitabschnitte.
Zähladverbiale oder Adverbiale der definiten Häufigkeit werden mit einem Zahlwort und „-mal“ gebildet: „einmal, zweimal, dreimal, …“. Sie können auf Ereignisse angewandt werden, deren Bedeutung eine Grenze festlegt, etwa auf Zustandswechsel oder punktuelle Ereignisse: „Ich bin heute nacht dreimal aufgewacht.“ Bei nicht abgegrenzten Situationen entstehen dagegen Interpretationsschwierigkeiten: „? Ich habe heute nacht viermal geschlafen.“ Ein prinzipiell unbegrenzter, aber veränderlicher Zustand kann jedoch als Folge abgegrenzter Episoden verstanden werden. „Die Temperatur war schon dreimal unter null Grad“ bedeutet, dass sie unter null Grad gefallen, zwischenzeitlich wieder gestiegen und danach erneut gefallen war.
Häufigkeitsangaben können sich auch auf komplexe Situationen statt auf einzelne Ereignisse beziehen. In „Er hat oft dreimal am Tag angerufen“ wird zunächst die Zahl „drei“ auf die Anrufe innerhalb eines Tages angewandt. Diese dreiteilige Situation wird anschließend als wiederkehrender Fall bezeichnet: An vielen Tagen war es so, dass er dreimal anrief. Die Anordnung lässt sich nicht einfach umkehren.
Unbestimmte Häufigkeit wird mit Ausdrücken wie „oft, gelegentlich, selten, regelmäßig, immer“ angegeben. Sie schätzen die Häufigkeit vage ab. „Immer“ muss dabei nicht zeitlich „die ganze Zeit“ bedeuten. In „Die Summe von zwei Primzahlen ist immer gerade“ bezieht es sich auf alle relevanten Primzahl-Paare beziehungsweise auf jeden Fall, in dem eine solche Summe gebildet wird.
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