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Adverbialsatz

Als Adverbialsatz (auch Umstandssatz, Verhältnissatz) werden Nebensätze bezeichnet, die für ihren direkt übergeordneten Satz die Rolle einer adverbialen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Bedeutungstypen: Zeit, Grund, Bedingung und Zweck
  3. 3. Bedeutungstypen: Gegensatz, Folge, Einräumung, Ort und Art
  4. 4. Formen des Adverbialsatzes
  5. 5. Stellung und Einbindung im Satz

Begriff und Abgrenzung

Ein Adverbialsatz, auch Umstandssatz oder Verhältnissatz, ist ein Nebensatz, der für den direkt übergeordneten Satz die Rolle einer adverbialen Bestimmung übernimmt oder eine ähnliche Funktion hat. Er ergänzt zum Beispiel Angaben zu Zeit, Grund, Bedingung, Zweck, Ort oder Art und Weise.

Oft kann man ihn durch ein einfaches Adverb ersetzen oder mit einem Fragetest erkennen: „Als es Abend wurde, brachen die Schimpansen auf“ lässt sich mit „Da brachen die Schimpansen auf“ ersetzen und beantwortet die Frage „Wann?“. Bei „Beates Brief kam zurück, weil die Anschrift unvollständig war“ entspricht der Nebensatz ungefähr „deswegen“ und beantwortet „Weshalb?“. Nicht jeder Adverbialsatz hat jedoch ein passendes Frageadverb: „Obwohl es regnete, brachen sie zu einem Spaziergang auf“ kann durch „Trotzdem brachen sie …“ ersetzt werden.

Viele Adverbialsätze beginnen mit einer unterordnenden Konjunktion wie als, weil oder obwohl. Sie können aber auch als freie Relativsätze mit Relativadverbien oder, seltener, als uneingeleitete Nebensätze auftreten. Die Terminologie ist nicht einheitlich: Die Dudengrammatik (2022) nennt als Adverbialsätze alle Sätze mit einer adverbialen Subjunktion. Andere wichtige Grammatiken, etwa die IDS-Grammatik, trennen Form und Funktion und rechnen auch Sätze mit W-Adverb beziehungsweise Relativadverb dazu.

Zudem kann „Adverbialsatz“ funktional einen tatsächlich als Satzglied integrierten adverbiellen Gliedsatz meinen. Im inhaltlichen Sinn umfasst der Begriff auch Nebensätze, bei denen eine adverbielle Konjunktion nur eine Bedeutungsbeziehung zum übergeordneten Satz herstellt. Die Dudengrammatik 2009 unterschied hierfür noch zwischen dem engeren „Adverbialsatz“ und dem weiter gefassten „Verhältnissatz“; viele andere Grammatiken behandeln beide Wörter als gleichbedeutend.

Bedeutungstypen: Zeit, Grund, Bedingung und Zweck

Temporalsätze geben Zeit an und beantworten Fragen wie „Wann?“, „Seit wann?“, „Wie lange?“ oder „Bis wann?“. Typische Konjunktionen sind während, als, wenn, nachdem, seitdem, bevor, bis, sooft, solange, seit und ehe. Beispiele sind: „Als der Regen vorüber war, brachen die Schimpansen auf“ und „Seitdem die Schimpansen weg sind, kommen immer mehr Gorillas.“

Kausalsätze nennen einen Grund oder eine Begründung. Sie beantworten „Warum?“, „Wieso?“, „Weshalb?“ oder „Aus welchem Grund bzw. Anlass?“ und werden etwa mit weil, da oder zumal eingeleitet: „Es wurde empfindlich kalt, weil die Heizung abgestellt werden musste.“

Konditionalsätze drücken eine Bedingung aus; ein einfaches Fragewort dafür gibt es nicht. Häufige Konjunktionen sind wenn, falls und sofern. Beispielsweise lautet ein Konditionalsatz: „Falls es regnet, verschieben wir den Ausflug.“ Eine Sonderform sind Irrelevanzkonditionale wie „So viel er auch verdient, es reicht ihm nicht.“ Sie sind häufig nicht in den Hauptsatz integriert.

Finalsätze bezeichnen Ziel oder Zweck und beantworten „Wozu?“, „Mit welcher Absicht?“ oder „Weshalb?“. Zu ihren Markierungen gehören damit, dass, das veraltete auf dass sowie um zu mit Infinitiv. In „Der Schimpanse versteckte sich, damit er in Ruhe essen konnte“ nennt der Nebensatz den Zweck des Versteckens.

Bedeutungstypen: Gegensatz, Folge, Einräumung, Ort und Art

Adversativsätze stellen einen Gegensatz dar. Sie können nach „Anstatt was?“ oder „Im Gegensatz wozu?“ gefragt werden und werden zum Beispiel mit während, wohingegen, anstatt (dass) oder indessen gebildet: „Der Nussbaum hat sich gut gehalten, wogegen die Kiefer vertrocknet ist.“ Der Satz „Anstatt dass sie ihre Hausarbeiten macht, spielt sie im Garten Fußball“ wird in manchen Einteilungen stattdessen als Modalsatz bewertet.

Konsekutivsätze nennen eine Folge. Sie werden mit sodass, so …, dass oder als dass gebildet: „Der Installateur kam um 9 Uhr am nächsten Morgen, sodass wir hoffen durften.“ Auch „Er ist zu alt, als dass er noch als Kind zählen könnte“ ist ein Konsekutivsatz.

Konzessivsätze nennen eine Einschränkung oder einen unzureichenden Gegengrund. Typische Konjunktionen sind obwohl, obschon, obgleich, obzwar, wenngleich, wenn auch und trotzdem. Beispiel: „Obwohl mir mein Bein weh tut, gehe ich zum Training.“

Lokalsätze machen Ortsangaben und beantworten „Wo?“, „Wohin?“ oder „Woher?“. Sie werden überwiegend durch Relativadverbien markiert, die mit Frageadverbien gleich aussehen: „Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lebt er.“

Modalsätze beschreiben Art und Weise, Begleitumstände und Verwandtes; sie beantworten „Wie?“ oder „Auf welche Weise?“. Dazu gehören unter anderem indem, ohne dass und dadurch, dass. Auch Angaben eines Instruments sowie meist Komparativsätze, also Vergleichssätze, werden dazugerechnet. Beispiele sind „Man wird stärker, indem man Krafttraining betreibt“ und „Dadurch dass sie gewonnen haben, steigen sie in der Tabelle auf.“

Formen des Adverbialsatzes

Die häufigste Form ist der Konjunktionalsatz, der durch eine spezialisierte Konjunktion eingeleitet wird. Davon unterscheidet sich ein adverbieller Relativsatz: Er beginnt mit einem Relativadverb wie wie, wo oder wozu. Diese W-Wörter sind im Unterschied zu Konjunktionen selbst Satzglieder, etwa eine Orts- oder Art-und-Weise-Angabe. Solche Adverbialsätze sind freie Relativsätze und haben dieselbe Form wie attributive Relativsätze.

Ein Lokalsatz lautet zum Beispiel: „Wir treffen uns, wo wir letztes Mal gestanden haben“; er entspricht „Wir treffen uns dort.“ Beim attributiven Relativsatz wäre der Bezug dagegen ein Nomen: „der Platz, wo wir letztes Mal gestanden haben“. Ein modaler freier Relativsatz ist „Sie bereiten den Rotkohl zu, wie es sich gehört“, also ungefähr „Sie bereiten ihn so zu.“ Lokal- und Modalsätze werden besonders häufig so ausgedrückt. Ob manche Temporalsätze ebenfalls Relativsatzkonstruktionen sind, ist strittig: wenn und als sind zwar Konjunktionen, doch die damit gebildeten Temporalsätze weisen bei genauerer Analyse Gemeinsamkeiten mit Relativsätzen auf.

Uneingeleitete Adverbialsätze sind besonders bei Konditionalsätzen möglich. Statt wenn kann die Verb-Erststellung (V1-Stellung) stehen: „Sollte die Heizung nicht dicht sein, wird der Installateur noch einmal kommen.“ Umgestellt lautet dies: „Wenn/Falls die Heizung nicht dicht sein sollte, wird der Installateur noch einmal kommen.“

Einige Bedeutungen lassen sich ohne finites Verb, also ohne gebeugte Verbform, durch satzwertige zu-Infinitive ausdrücken. Finalsätze verwenden vor allem um … zu: „Er legte die Schokolade in den Schrank, um sie später den Kindern zu geben.“ Modalsätze können ohne … zu verwenden: „Sie liefen auf die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten.“ Um ist dabei eine Konjunktion für Infinitivsätze; ob ohne Konjunktion oder Präposition ist, ist strittig. Satzwertige Partizipial- und Adjektivkonstruktionen werden traditionell ebenfalls Adverbialsätze genannt, syntaktisch aber eher als Prädikativum eingeordnet, etwa: „Von der Sonne schon ganz rot, zog er sich endlich ein Hemd über.“

Stellung und Einbindung im Satz

Typische Adverbialsätze wie Temporal-, Kausal- und Modalsätze können als Satzglied des Hauptsatzes, genauer des Matrixsatzes, integriert sein. Im Feldermodell können sie im Vorfeld, Mittelfeld oder Nachfeld stehen. Das Vorfeld liegt vor dem finiten Verb: „Nachdem der Rohrbruch beseitigt war, konnte die Heizung zum Glück wieder angestellt werden.“ Im Mittelfeld steht der Nebensatz innerhalb des Satzes: „Die Heizung konnte zum Glück, nachdem der Rohrbruch beseitigt war, wieder angestellt werden.“ Im Nachfeld folgt er am Satzende: „Die Heizung konnte zum Glück wieder angestellt werden, nachdem der Rohrbruch beseitigt war.“

Die Vorfeldstellung ist ein deutlicher Test dafür, dass ein Nebensatz ein Gliedsatz ist. Eine Mittelfeldstellung kann äußerlich einer Parenthese ähneln; eine Nachfeldstellung kann wie ein weiterführender Nebensatz aussehen.

Nicht integrierte oder weiterführende Nebensätze können dagegen nur dem Hauptsatz nachfolgen, nicht im Satzinneren oder im Vorfeld stehen. Für sie gibt es meist auch keine Fragewörter oder passenden Ersetzungen. Konsekutivsätze mit sodass gehören dazu: „Sie haben den Rohrbruch repariert, sodass die Heizung wieder angestellt werden kann.“ Nicht möglich ist: „* Sodass die Heizung wieder angestellt werden kann, haben sie den Rohrbruch repariert.“

Auch Konditionalsätze mit Verb-Erststellung stehen typischerweise außerhalb des Hauptsatzes. Sie können durch ein Korrelat so im Vorfeld des Hauptsatzes wieder aufgenommen werden: „Ist der Rohrbruch beseitigt, (so) kann die Heizung wieder angestellt werden.“

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