Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Teleologisches Argument

Das teleologische Argument (von τέλος, telos; auch teleologischer Gottesbeweis oder Intelligent-Design) ist ein Argument für die Existenz Gottes oder, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung des Arguments
  3. 3. Moderne befürwortende Ansätze
  4. 4. Intelligent Design und wissenschaftliche Einordnung
  5. 5. Zentrale Einwände

Kernidee und Bedeutung

Das teleologische Argument, auch teleologischer Gottesbeweis oder Argument vom Design genannt, schließt von der komplexen Funktionalität und Ordnung der natürlichen Welt auf einen intelligenten Urheber. Seine bekannteste Form ist die Uhrmacher-Analogie: So wie eine funktionierende Uhr wegen ihrer zweckmäßigen Anordnung auf einen Uhrmacher schließen lässt, soll die zweckmäßige Ordnung der Natur auf einen Schöpfer hindeuten.

Dabei gibt es unterschiedliche Varianten. Manche behaupten, die Natur sei von einem Schöpfer bewusst hergestellt worden. Andere nehmen lediglich eine kosmische Intelligenz als Ursache der natürlichen Ordnung an, ohne einen Schöpfungsakt im einfachen Sinn zu verlangen. Das Argument soll meist die Existenz Gottes wahrscheinlicher machen; selbst einige Befürworter betrachten es nicht als zwingenden Beweis.

Entwicklung des Arguments

Frühe Fassungen werden mit Sokrates und Anaxagoras verbunden. Anaxagoras erklärte die Ordnung des Kosmos durch den Nous, also einen ordnenden Geist. Platon und Aristoteles entwickelten eigene Ansätze zu einer intelligenten Ursache des Kosmos. Die Stoiker formulierten später eine Reihe von Schöpfungs- und Designargumenten. Bei Cicero erscheint bereits eine frühe Uhrmacher-Analogie: Wenn eine Sonnen- oder Wasseruhr erkennbar nach einem Plan funktioniert, liege auch beim umfassenderen Universum die Annahme von Zweck und Intelligenz nahe.

In den abrahamitischen Religionen entstanden zahlreiche weitere Fassungen. Thomas von Aquin nahm das Argument als fünften seiner „Fünf Gottesbeweise“ auf. William Derham versuchte 1713 in seiner Physico-theology, Gottes Wesen und Eigenschaften aus seinen Schöpfungswerken abzuleiten. William Paley legte 1802 in Natural Theology eine besonders einflussreiche Darstellung der Uhrmacher-Analogie vor und verwendete den Ausdruck „Argument aus dem Design“.

Wichtige Herausforderungen waren David Humes 1779 veröffentlichte Dialoge über natürliche Religion und Charles Darwins Erklärung biologischer Komplexität durch Evolution in Über die Entstehung der Arten von 1859. Seit den 1960er Jahren beeinflusste Paley schöpfungswissenschaftliche Bewegungen. Nach 1987 wurde dafür verstärkt die Bezeichnung „Intelligent Design“ verwendet. Deren Anhänger wenden sich gegen das moderne wissenschaftliche Evolutionsverständnis und forderten unter anderem eine gleichberechtigte Behandlung übernatürlicher Erklärungen im Unterricht öffentlicher Schulen der USA.

Moderne befürwortende Ansätze

Wahrscheinlichkeitsbezogene Argumente behandeln Ordnung und Anpassung als Hinweise, welche die Existenz Gottes wahrscheinlicher machen sollen. F. R. Tennant argumentierte 1928 und 1930, naturalistische Erklärungen wie die Evolution könnten einzelne biologische Anpassungen erklären, aber nicht deren Gesamtheit. Richard Swinburne verfeinerte diesen Ansatz mithilfe der Bayesschen Statistik: Ordnung stütze die Annahme Gottes dann, wenn eine Welt mit dieser Ordnung bei Gottes Existenz wahrscheinlicher sei als ohne Gott. Alvin Plantinga formulierte den Schluss, dass bekannte kontingente, also nicht notwendigerweise existierende, Objekte mit erkennbarer Ordnung Produkte intelligenten Entwurfs seien; weil auch das Universum kontingent sei, sei es wahrscheinlich entworfen. Georges Dicker schließt ähnlich von der erstaunlichen teleologischen Ordnung der Welt auf die wahrscheinliche Existenz eines göttlichen Schöpfers.

Das Feinabstimmungsargument verweist auf die überraschende Präzision der Naturkonstanten und des Anfangszustands des Universums. Wissenschaftliche Theorien setzen äußerst genaue Werte voraus, um den gegenwärtigen Zustand des Universums zu erklären. Weil diese Konstellation statistisch unwahrscheinlich und bisher nicht einfach erklärt sei, wird unter anderem eine teleologische Erklärung vorgeschlagen.

William Lane Craig argumentiert mit der „unwahrscheinlichen Effektivität der Mathematik“: Mathematische Gleichungen ermöglichen genaue Aussagen über die Natur, etwa die Vorhersage eines fundamentalen Teilchens lange vor seinem experimentellen Nachweis. Sein Schluss lautet: Ohne Gott wäre die Anwendbarkeit der Mathematik ein glücklicher Zufall; sie sei aber nicht nur ein solcher Zufall; deshalb existiere Gott.

Norris Clarkes Ansatz betrachtet die Welt als interagierendes Ganzes. Ihre Teile seien durch Beziehungen bestimmt und weder einzeln noch als Gesamtsystem selbst-erklärend. Daher benötige das System eine wirksame Ursache. Weil seine Einheit die einzelnen Teile übersteige, müsse sie als Idee eines intelligenten Geistes verstanden werden. Dieser Geist müsse außerdem transzendent, also außerhalb des von ihm verursachten Systems von Raum und Zeit, sein.

James A. Shapiro schlägt einen „Dritten Weg“ zwischen Kreationismus und Darwinismus vor. Zellen verfügten über molekulare Computernetzwerke, die Informationen verarbeiten und Wachstum, Bewegung sowie Differenzierung beeinflussen. Systeme „natürlicher Gentechnik“ könnten den genetischen Apparat innerhalb einer Zellgeneration stark umorganisieren. Shapiro fragt, ob bei der Entstehung angepasster Arten eine leitende Intelligenz wirke, und schreibt Zellen funktionsorientierte Fähigkeiten zu. Einige Wissenschaftler halten diesen Ansatz für problematisch, weil er Intelligent Design zu stützen scheine.

Intelligent Design und wissenschaftliche Einordnung

Intelligent Design behauptet, bestimmte Eigenschaften des Universums und des Lebens ließen sich nur durch einen intelligenten Urheber erklären, nicht durch ungelenkte Vorgänge wie die natürliche Selektion. Zentrale Begriffe sind die nichtreduzierbare Komplexität, eine Variante der Uhrmacher-Analogie, und die spezifizierte Komplexität, die dem Feinabstimmungsargument ähnelt. Einige Anhänger suchen eine wissenschaftliche Bestätigung wiederholter wundersamer Eingriffe in die Geschichte des Lebens und möchten diese Sichtweise im naturwissenschaftlichen Unterricht behandeln lassen.

Viele Wissenschaftler bestreiten, dass Intelligent Design wissenschaftlich ist. 2005 entschied ein Gericht im Verfahren Kitzmiller gegen Dover Area School District über seine Einführung in den Lehrplan eines Schulbezirks in Pennsylvania. Das Urteil stufte die Argumente des Intelligent Design im Wesentlichen als religiös und nicht als Teil der Wissenschaft ein.

Zentrale Einwände

Die klassische atomistische Kritik erklärt scheinbare Ordnung ohne Zwecksetzung. Demokrit nahm unendlich viele Planeten an, von denen nur einige so geordnet seien wie der bekannte. Die Epikureer ergänzten, dass die Zahl der Atomarten klein sei; dadurch werde es weniger zufällig, dass über lange Zeit bestimmte geordnete Ergebnisse auftreten.

David Hume kritisiert vor allem die Analogie zwischen menschlichen Erzeugnissen und dem Universum. Ursache und Wirkung dürften nur dann miteinander verbunden werden, wenn vergleichbare Verbindungen wiederholt beobachtet worden seien. Die Entstehung eines Universums habe jedoch niemand beobachtet; das Universum sei ein einzigartiger Fall. Außerdem kenne der Mensch nur einen kleinen Teil des Kosmos, sodass er nicht sicher vom sichtbaren Bereich auf dessen Ursprung als Ganzes schließen könne. Ordnung könnte auch aus einem Ordnungsprinzip der Natur selbst entstehen. Selbst ein gestaltetes Universum bewiese zudem keinen allmächtigen, allwissenden und wohlwollenden Gott.

Immanuel Kant bezeichnet das Argument als physikotheologischen Beweis. Obwohl er es für „das älteste, klarste und der menschlichen Vernunft am besten entsprechende“ Argument hielt, erklärte er einen solchen Beweis für unmöglich. Er könne höchstens einen „Architekten“ belegen, der vorhandene Materie anordnet, nicht ein „Höchstes Wesen“. Für den weitergehenden Gottesbeweis sei ein versteckter Rückgriff auf das ontologische Argument nötig. Voltaire kam ähnlich zu dem Ergebnis, man könne allenfalls wahrscheinlich auf ein überlegenes intelligentes Wesen schließen, nicht aber darauf, dass es Materie aus dem Nichts geschaffen habe oder in jeder Hinsicht unendlich sei.

Als Analogismus ist das Designargument angreifbar, weil der Schluss bei Uhren auf Erfahrung mit ihrer Herstellung beruht, während für das einzigartige Universum kein Vergleichsfall existiert. George H. Smith ergänzt, dass die Natur selbst die Vergleichsgrundlage bildet, anhand derer gestaltete Artefakte von natürlichen Dingen unterschieden werden. Wer die gesamte Natur als gestaltet bezeichne, zerstöre damit diese Grundlage.

Richard Dawkins argumentiert, ein intelligenter Designer erkläre Komplexität nicht, weil ein Wesen, das Komplexes entwerfen könne, selbst mindestens ebenso erklärungsbedürftig sei. Die Frage „Wer hat Gott erschaffen?“ führe zu einem infiniten Regress, also zu einer endlosen Folge weiterer Erklärungen. Die natürliche Selektion sei dagegen, sobald sie eingesetzt habe, kein reiner Zufallsprozess. Das anthropische Prinzip könne außerdem erklären, warum Beobachter gerade ein Universum vorfinden, das ihre Existenz ermöglicht. Kritiker werfen Dawkins allerdings vor, besonders Thomas von Aquins Version des Arguments misszuverstehen und einen Strohmann anzugreifen.

Eine theologische Kritik lehnt bereits den Versuch ab, Gottes Existenz mit menschlicher Vernunft oder Wissenschaft zu beweisen, und gibt dem Glauben Vorrang.

Lernvideos zu Teleologisches Argument

Weiterlesen

Antikes Griechenland Das antike Griechenland hat die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt. Es umfasst im Kern den Zeitraum von ca. 800 v. Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Hinduismus Im Gegensatz zu anderen Religionen gibt es im Hinduismus keinen Religionsstifter, vielmehr entwickelten sich die religiösen Systeme Indiens über einen Zeitraum … Christlicher Fundamentalismus Unter dem Begriff christlicher Fundamentalismus werden vorwiegend solche Denkrichtungen im Christentum verstanden, die sich ausdrücklich auf die Bibel als … Intelligent-Design-Bewegung Die Intelligent-Design-Bewegung ist eine Kampagne in den USA, die für weitreichende gesellschaftliche, akademische und politische Änderungen eintritt. Platon Diese stellt er der Mathematik entgegen, die auf Axiome angewiesen sei und als Geometrie gezeichneter Figuren bedürfe. ... Winkelarten und sinnlich … Aristoteles Das Organon · Bedeutungstheorie · Prädikate und Eigenschaften · Deduktion und Induktion: Argumenttypen und Erkenntnismittel · Dialektik: Theorie der Argumentation. Logos Das Lexem -log- findet sich auch im Namen der philosophisch-mathematischen Disziplin der Logik, in der Endung -logie zur Bezeichnung von Wissenschaften (z. Sokrates Chr. in Athen) war ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph, der in Athen zur Zeit der Attischen Demokratie lebte und wirkte. Zur … Kreationismus Kreationismus (von lateinisch creatio „Schöpfung“) bezeichnet die religiöse Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch buchstäblich so …