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Intelligent-Design-Bewegung

Die Intelligent-Design-Bewegung ist eine Kampagne in den USA, die für weitreichende gesellschaftliche, akademische und politische Änderungen eintritt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand, Ziele und Organisation
  2. 2. Entstehung und institutionelle Entwicklung
  3. 3. Strategie und Planung
  4. 4. Wissenschaftliche, rechtliche und politische Einwände
  5. 5. Satirische Reaktion

Gegenstand, Ziele und Organisation

Die Intelligent-Design-Bewegung ist eine in den USA entstandene Kampagne für gesellschaftliche, akademische und politische Veränderungen. Ihre Grundlage ist Intelligent Design, eine Form des Neo-Kreationismus. Die Bewegung behauptet, bestimmte Merkmale des Universums und des Lebens ließen sich durch einen intelligenten Urheber erklären, und richtet ihre Angriffe besonders gegen Darwins Evolutionstheorie.

Ihr Ziel ist, Intelligent Design öffentlich bekannt zu machen, durch politischen Druck in schulische Lehrpläne aufzunehmen und diesen Unterricht vor Gericht zu verteidigen. Langfristig soll die von der Bewegung kritisierte „erstickende Überlegenheit der materialistischen Weltanschauung“ umgekehrt und durch eine Wissenschaft ersetzt werden, die mit christlich-theistischen Vorstellungen vereinbar ist.

Das organisatorische Zentrum der Bewegung ist das Center for Science and Culture (CSC) der christlich-konservativen Denkfabrik Discovery Institute. Zu den führenden Vertretern gehört Phillip E. Johnson. Er entwickelte die zentrale politische Strategie und die Kampagne „Teach the Controversy“, die Evolution und Intelligent Design im Unterricht als wissenschaftliche Kontroverse darstellen soll.

Entstehung und institutionelle Entwicklung

Als Begründer der Bewegung gilt häufig der Jurist und Born-Again Christian Phillip E. Johnson. In seinem 1991 veröffentlichten Buch „Darwin on Trial“ griff er die Evolutionstheorie und den methodischen Naturalismus an. Methodischer Naturalismus bedeutet, dass die Wissenschaft zur Erklärung beobachtbarer Vorgänge ausschließlich natürliche Ursachen untersucht. Johnson stellte dem Intelligent Design als Erklärung für den Ursprung des Universums und des Lebens gegenüber.

Eine wichtige Grundlage war jedoch bereits das 1989 von der neokreationistischen Foundation for Thought and Ethics herausgegebene Buch „Of Pandas and People“. Es enthielt die später typische Sprache und Argumentation der Bewegung und gilt deshalb als ihre grundlegende Publikation. Das Buch erschien zwei Jahre nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA im Fall „Edwards v. Aguillard“, durch die das Lehren des Kreationismus an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärt worden war.

Nach Johnsons Angaben fand 1992 an der Southern Methodist University der erste öffentliche Auftritt der intern auch „Wedge-Movement“ genannten Bewegung statt. Dort entstanden Kontakte zu späteren Schlüsselfiguren wie Michael Behe und William Dembski. 1993 veröffentlichte der Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould im „Scientific American“ eine scharfe Kritik an „Darwin on Trial“. Anschließend versuchten Johnsons Unterstützer, durch eine Unterschriftenaktion wissenschaftliche Unterstützung zu gewinnen. Von mehreren Tausend angeschriebenen Wissenschaftlern unterschrieben 39; neun von ihnen wurden später Fellows des Center for the Renewal of Science and Culture (CRSC). Keiner dieser neun hatte einen bedeutenden wissenschaftlichen Beitrag zur Evolutionstheorie geleistet.

Das CRSC wurde 1996 innerhalb des bereits 1990 gegründeten Discovery Institute in Seattle eingerichtet und später in Center for Science and Culture umbenannt. Hauptfinanzierer waren H. F. Ahmanson sowie die evangelikal ausgerichteten Stiftungen Stewardship Foundation und Maclellan Foundation. Direktoren wurden Stephen Meyer und John G. West; Johnson wurde Berater. Danach erschienen zahlreiche Publikationen, darunter Michael Behes „Darwin’s Black Box“ von 1996 und William Dembskis „The Design Inference“ von 1998.

Ein Versuch, sich an einer Universität dauerhaft zu etablieren, scheiterte 2001: Das von William Dembski geleitete Michael Polanyi Center an der Baylor University wurde nach Protesten der Fakultät wegen seiner neokreationistischen Ausrichtung nach nur einem Jahr aufgelöst. Ebenfalls 2001 wurde die International Society for Complexity, Information, and Design (ISCID) angekündigt, die 2003 offiziell als Non-Profit-Organisation registriert wurde. Sie gilt außerhalb der akademischen Institutionen als Nachfolgerin des Michael Polanyi Centers und veröffentlichte seit 2002 vierteljährlich die Zeitschrift „Progress in Complexity, Information, and Design“.

Strategie und Planung

Phillip E. Johnson bezeichnete das übergeordnete Vorgehen als Keilstrategie. Dabei soll ein „Keil“ zwischen die empirischen Wissenschaften und den Naturalismus getrieben werden. Empirische Wissenschaften gewinnen Erkenntnisse durch systematische Beobachtung und Überprüfung. An die Stelle des methodologischen Naturalismus soll Johnsons „Theistischer Realismus“ treten: die Annahme, dass Gott das Universum und seine Lebewesen absichtlich erschaffen habe. Die darwinsche Evolutionstheorie bildet den wichtigsten Angriffspunkt, weil Johnson sie als schwächstes Bindeglied zwischen Naturalismus und empirischer Wissenschaft betrachtete.

Die konkrete Planung wurde in einem internen Strategiepapier beschrieben. Es tauchte am 5. Februar 1999 im Internet auf und enthielt Planungen des CRSC für die Jahre 1999 bis 2003 sowie langfristige Ziele. Das als „TOP SECRET“ und „NOT FOR DISTRIBUTION“ gekennzeichnete Papier war dem Teilzeitmitarbeiter eines Copy-Centers in Seattle, M. Duss, zur Vervielfältigung übergeben worden. Duss und sein Freund T. Rhodes veröffentlichten es.

Außerhalb der Bewegung galt das Papier wegen zahlreicher Übereinstimmungen mit offiziellen CRSC-Veröffentlichungen als echt. Das CRSC bestätigte seine Authentizität jedoch erst 2005. Seine Bedeutung liegt darin, dass es erstmals eine konkret ausgearbeitete Strategie der Bewegung belegte und eine Grundlage zur Bewertung ihres Erfolgs und ihrer Ziele bot. Als eines von zwei übergeordneten Zielen nennt es: „To replace materialistic explanations with the theistic understanding that nature and human beings are created by God.“ Als 20-Jahres-Ziel wird formuliert: „To see design theory permeate our religious, cultural, moral and political life.“ Kritiker werten besonders diese Bezüge auf Gott und die westliche Zivilisation als Beleg für vorrangig christlich-religiöse Ziele.

Zur Umsetzung gehörten Versuche, Intelligent Design im Schulunterricht als gleichwertige Alternative zur Evolutionstheorie zu verankern. 1998 wurde bekannt, dass das CRSC den Lehrer Roger DeHart im US-Bundesstaat Washington unterstützte. Er verwendete kreationistisches Material aus „Of Pandas and People“ und ließ zugleich Inhalte der offiziellen Biologiebücher weg, die für das richtige Verständnis der Evolutionstheorie wesentlich waren. Ähnliche Initiativen in zahlreichen Bundesstaaten scheiterten meist an gewählten Schulaufsichtsgremien oder vor Gericht; eine zeitweilige Ausnahme bildete Kansas.

Wissenschaftliche, rechtliche und politische Einwände

Kritiker werfen der Bewegung vor, kreationistische Vorstellungen als Wissenschaft auszugeben. In den USA gilt die verfassungsrechtliche Trennung von Religion und Staat; staatlich finanzierte Schulen dürfen deshalb keine Religion und damit auch keine christliche Glaubenslehre unterrichten. Bereits 1987 entschied ein Gericht im US-Bundesstaat Louisiana, Kreationismus verfolge religiöse und keine wissenschaftlichen Ziele.

Nach Darstellung des Artikels vermeiden Vertreter von Intelligent Design daher direkte kreationistische Bezüge und ersetzen religiöse Wörter wie „Schöpfung“ durch wissenschaftlich klingende Begriffe wie „Design“ oder „Signalerkennung“. Laut Discovery Institute war Kansas der fünfte Bundesstaat, der Zweifel an der Evolutionstheorie in den Unterricht einbeziehen wollte. In einem weitreichenden Urteil von 2005 wurde jedoch festgestellt, dass Intelligent Design kreationistische und damit religiöse Wurzeln besitzt. Seine Vermittlung im öffentlichen Schulunterricht verstoße daher gegen die amerikanische Verfassung. Americans United for Separation of Church and State erklärte anschließend, Kansas werde seine abweichende Position nur schwer aufrechterhalten können.

Aus den langfristigen Zielsetzungen des internen Strategiepapiers und weiteren Verbindungen entstand noch ein weitergehender politischer Vorwurf. H. F. Ahmanson, ein Hauptfinanzierer des Center for Science and Culture, hatte Verbindungen zum Christlichen Rekonstruktionismus. Kritiker behaupteten deshalb, das eigentliche Ziel der Bewegung sei, die Trennung von Religion und Staat aufzuheben und die Demokratie durch einen theokratischen, also religiös begründeten Staat zu ersetzen. Der Artikel gibt dies ausdrücklich als Vorwurf wieder, nicht als nachgewiesene Tatsache. Das Discovery Institute wurde außerdem mit dem Vorwurf konfrontiert, Filmdokumente sinnentstellend verändert zu haben, um Evolutionswissenschaftlern Fälschungsabsichten zu unterstellen.

Satirische Reaktion

Die bekannteste Parodie auf die Bewegung ist die Spaßreligion des Fliegenden Spaghettimonsters, die Bobby Henderson 2005 gründete. Er forderte gegenüber einer Schulbehörde in Kansas, die Idee des „Unintelligent Design“ seines angeblich betrunkenen Schöpfers müsse im Unterricht ebenso behandelt werden wie Intelligent Design. Damit wollte er zeigen, dass er die Forderungen der Intelligent-Design-Bewegung für wirklichkeitsfremd und unwissenschaftlich hielt. Die Parodie verbreitete sich rasch im Internet, gewann viele symbolische Anhänger und regte zahlreiche ähnliche Nachahmungen an.

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