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Techniken der Propaganda und Manipulation
Techniken der Propaganda und Manipulation werden unter anderem in Logik und Rhetorik, Kognitionspsychologie, Massenpsychologie, Totalitarismusforschung, …
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Grundidee, Wirkung und Einordnung
Propaganda- und Manipulationstechniken sollen Wahrnehmungen, Gefühle, Urteile oder Verhalten beeinflussen. Sie werden unter anderem in Logik und Rhetorik, Kognitionspsychologie, Massenpsychologie, Totalitarismusforschung, Medienkritik, Public Relations, Werbung und Marketing untersucht. Ebenso sind sie für hybride Kriegsführung, psychologische Operationen (PSYOPS), Gehirnwäsche und Umerziehung wichtig.
Gemeinsam sind vielen Techniken emotionalisierende Suggestionen, Appelle an Grundbedürfnisse, Urängste, Instinkte, gesellschaftliche Werte und Mythen sowie eine Vereinfachung oder Auslassung rationaler Analyse. Häufig treten ein Freund-Feind-Schema, ein Anspruch auf allgemeine Geltung und die Ausschaltung von Widerspruch, Zweifel und Diskussion hinzu.
Propaganda wirkt besonders dann, wenn sie nicht als Propaganda erkennbar ist, sondern als sachliche Information oder als ethisch beziehungsweise juristisch begründetes Werturteil erscheint. Oft wird nur dem Gegner Propaganda vorgeworfen, während die eigene Einflussnahme übersehen oder mit einem guten Zweck gerechtfertigt wird. Jacques Ellul bezeichnete eine Form, die als notwendig für gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Akzeptanz der Demokratie angesehen wird, als „soziale Propaganda“; eine entsprechende Auffassung findet sich bereits in „Propaganda“ von Edward Bernays.
Henry T. Conserva ordnet in seinem Handbuch 89 Techniken sieben Typen zu: logische Fehler; Ablenkung und Vermeidung; Appell an Gefühle; falsche Tatsachen und Irreführung; Ausnutzung menschlicher Verhaltenstendenzen, geistiger Fähigkeiten und Prozesse; Stil im Sprechen und Schreiben; Vernunft und gesunder Menschenverstand. Psychologisch werden dabei besonders kognitive Verzerrungen untersucht. Logisch erscheinen viele Verfahren als Fehlschlüsse oder Scheinargumente, rhetorisch unter anderem als Sophismen, Rabulistik oder eristische Stratageme.
Auswahl, Verzerrung und Kontrolle von Informationen
Agenda-Setting bedeutet, dass Medien durch Auswahl, Häufigkeit und Platzierung von Themen beeinflussen, welche Bedeutung ihnen das Publikum beimisst. Die Medienagenda steht dabei unter anderem mit politischer Agenda, Publikumsagenda und dem Einfluss von Leitmedien in Verbindung. Zensur verstärkt eine Sichtweise, indem andere unterdrückt werden; bei Internetzensur entscheiden große Plattformunternehmen mit darüber, was Nutzer sehen.
Cherry Picking wählt aus relevanten Informationen nur die für das eigene Ziel passenden aus. Dekontextualisierung löst Nachrichten, Ereignisse oder Zitate aus ihrer Vorgeschichte und ihrem politischen Zusammenhang; durch Rekontextualisierung können sie einen neuen Sinn erhalten. Eine Halbwahrheit enthält Wahres, lässt aber entscheidende Teile aus oder verbindet sie mit Täuschung. Vorsätzliche Ungenauigkeit arbeitet mit vagen Formulierungen, in die das Publikum eigene Deutungen hineinliest. Untertreibung schwächt einen Sachverhalt ab, wenn eine vollständige Leugnung unglaubwürdig wäre; Übertreibung hebt Eigenschaften so stark hervor, dass ein verzerrtes Bild entsteht.
Informationsüberflutung kann ähnlich wie Geheimhaltung wirken: Sie beeinträchtigt die Entscheidungsqualität, fördert Überlastung, Passivität und mangelnde Bereitschaft zur Beschäftigung mit einem Thema. Empfindungssteuerung oder Perzeptionsmanagement lenkt die Bewertung eines Ereignisses indirekt durch Gefühle. Als Beispiel nennt der Artikel das weltweit verbreitete Bild von der Ergreifung Saddam Husseins: Es wurde zum Symbol des erfolgreichen US-Militäreinsatzes im Irak und drängte die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Krieges in den Hintergrund.
Auch Zahlen, Statistiken und Diagramme können manipulieren. Genannt werden Publikationsbias, p-Hacking und HARKing. Beim Embedded Journalism können militärische oder politisch-mediale Strukturen die Perspektive von Journalisten begrenzen. Militainment bezeichnet die Zusammenarbeit von Militär und Medienunternehmen bei Kriegsfilmen, Serien, Dokumentationen oder Computerkriegsspielen, wodurch das Militär die Darstellung des Krieges beeinflussen kann.
Täuschung, Desinformation und Rufschädigung
Lüge und Täuschung bilden die Grundlage zahlreicher Techniken. In Kriegszeiten sind Informationen besonders schwer zu überprüfen, weshalb falsche Angaben leichter zur Mobilisierung der Öffentlichkeit eingesetzt werden können. Desinformation bezeichnet nach Auskunft der deutschen Bundesregierung irreführende und falsche Informationen, die gezielt verbreitet werden, um Menschen vorsätzlich zu täuschen oder zu beeinflussen. Sie kann durch Weglassen, Fälschen, Erfinden, Gerüchte, einseitige Behauptungen, Verzerrung oder Überspitzung entstehen und auch Bilder beziehungsweise Deepfakes umfassen. Ausländische Desinformationskampagnen können eine hybride Bedrohung darstellen.
Digitale Desinformation individualisiert und automatisiert Bild- und Textbotschaften. Bots und Troll-Armeen können Online-Diskussionen steuern; als Beispiel wird der Skandal um Cambridge Analytica 2016 genannt. Facebook unterschied im April 2017 vier Formen des Informationsmissbrauchs: Einflussoperationen, absichtlich falsche Nachrichten, koordinierte „False Amplifiers“ aus unechten oder verfälschten Konten und Desinformation einschließlich falscher Flaggen, eingeschleuster Zitate oder verstärkter irreführender Inhalte.
Die „große Lüge“ beruft sich auf ein tatsächliches oder erfundenes historisches Ereignis, um Maßnahmen zu rechtfertigen. Beispiele sind die Dolchstoßlegende zur Rechtfertigung nationalsozialistischer Re-Militarisierung und des Revanchismus sowie Donald Trumps Behauptung einer „gestohlenen“ US-Präsidentschaftswahl 2020 zur Delegitimierung Joe Bidens. Große Lügen können leichter geglaubt werden als kleine.
Gräuelpropaganda schreibt einem Gegner erfundene, nicht von ihm begangene oder verzerrt dargestellte Untaten zu. Schmutzkampagnen verbreiten negative Propaganda zur Schädigung des Rufs; falsche Anschuldigungen, Flak und das Vergiften des Brunnens diskreditieren Personen, Institutionen oder widersprechende Stimmen. „Accusation in a Mirror“ und „Haltet den Dieb!“ schreiben dem Gegner eigene Motive oder Handlungen zu. Gaslighting erzeugt durch beharrliches Leugnen, Widersprechen, Irreführen und Lügen Selbstzweifel an Erinnerung, Wahrnehmung, Vernunft und Normen.
Fehlschlüsse, Ablenkung und Scheindebatten
Beim Ad-hominem-Angriff werden persönliche Eigenschaften kritisiert, statt ein Argument zu widerlegen. Ein Strohmann ersetzt die gegnerische Position durch eine verzerrte, oberflächlich ähnliche Behauptung und widerlegt nur diese. Ein Non sequitur ist eine Schlussfolgerung, die aus den vorgebrachten Gründen nicht folgt. Die unzulässige Verallgemeinerung benutzt ansprechende Wörter, bietet aber keine konkrete Analyse.
Der Schwarzweiß-Irrtum stellt nur zwei Möglichkeiten zur Wahl, etwa: „Sie sind entweder für uns oder gegen uns.“ Alternativlosigkeit verengt die Diskussion ebenfalls, beispielsweise durch „Es gibt keine Alternative zum Krieg.“ Vereinfachung gibt einfache Antworten auf komplexe soziale, politische, wirtschaftliche oder militärische Probleme. Rationalisierung rechtfertigt fragwürdige Handlungen durch angenehme, vage Verallgemeinerungen; eine unausgesprochene Annahme lässt ein wenig glaubhaftes Konzept nur implizit und wiederholt erscheinen.
Ein Ablenkungsmanöver führt überzeugend wirkende, aber für das Argument irrelevante Daten oder Probleme an. Whataboutism ist eine Variante des tu quoque: Er wirft dem Gegner Heuchelei oder Doppelstandards vor, ohne dessen Argument sachlich zu widerlegen. Er kann eine Ablenkung, unter Umständen aber auch ein wichtiger Hinweis sein. Kontaktschuld lehnt eine Idee ab, weil sie auch von einer verachteten Gruppe vertreten wird. Die Reductio ad Hitlerum diskreditiert einen Gegner durch Ähnlichkeiten mit Hitlers Biografie oder Ansichten; ihr häufiges Auftreten beschreibt Godwin’s law.
Beim Gish-Galopp wird ein Gegner in einer Debatte mit zahlreichen komplexen Fragen oder Kritikpunkten bombardiert, sodass er nicht alles beantworten kann und inkompetent erscheinen soll. Der Autoritätsappell nutzt das Ansehen von Wissenschaftlern oder anderen prominenten Personen als Ersatz für eine eigenständige Begründung. Die Technik der dritten Person platziert vorbereitete Botschaften über scheinbar unabhängige Quellen wie Medien, Wissenschaftler, Frontgruppen oder Astroturf-Gruppen.
Emotionen, Sprache und soziale Psychologie
Angsterzeugung, auch Furchtappell oder Argumentum ad metum, schafft durch übertriebene Gerüchte und die ständige Wiederholung einer angeblich unmittelbar bevorstehenden Gefahr Angst und Panik. Das Gefühl der Bedrohung kann Aggression, Wut und Hass sowie Konfliktbereitschaft erhöhen. Die verwandte Technik „Furcht, Unsicherheit und Zweifel“ verbreitet negative, zweifelhafte oder falsche Angaben, um Glaubwürdigkeit zu untergraben.
Glorifizierung stellt Politiker als Helden und Kriege als gut oder gerecht dar. Dämonisierung ist ihr Gegenstück: Der Gegner wird entmenschlicht und häufig in einer als böse, moralisch verwerflich oder geistig krank dargestellten Person verkörpert. Personalisierung reduziert komplexe politische Verhältnisse auf Eigenschaften und Motive einer Einzelperson; Moralisierung ordnet die Welt vereinfachend in Entscheider und Betroffene sowie Täter und Opfer. Personenkult schreibt die Leistungen einer Epoche einem angeblich genialen, teils als allwissend, unsterblich und allgegenwärtig dargestellten Führer zu. Gefallenenkult instrumentalisiert Tote als Vorbilder oder politische Symbole.
Framing gibt einen Deutungsrahmen vor, besonders durch sprachliche Gestaltung und Metaphern. Emotional aufgeladene Sprache ersetzt neutrale Ausdrücke, etwa „Veränderungen“ durch „Reformen“. Euphemismen beschönigen Unangenehmes; Dysphemismen bezeichnen es abwertend. Etikettierung, Stereotypisierung und Appelle an Vorurteile ordnen Menschen Gruppen zu und aktivieren erwartete Ängste oder Abneigungen. Neusprech verwendet bildhafte Neologismen, um positive oder negative Bewertungen zu vermitteln. Positive Attribuierung verbindet Personen oder Anliegen mit Tugendwörtern wie Frieden, Hoffnung, Freiheit, Sicherheit oder Wahrheit. Übertragung projiziert Lob oder Tadel sowie die Wirkung bekannter Symbole auf andere Personen oder Gegenstände.
Ästhetisierung lässt grausame Sachverhalte durch Licht, Farben, Musik, Kameraeinstellungen oder schöne Motive faszinierend erscheinen. Euphorie wird etwa durch Feiertage, Luxusartikel oder Militärparaden erzeugt. Patriotismusappelle rechtfertigen Handlungen mit einem angeblichen Nutzen für Land, Gruppe oder Idee. Bandwagon-Appelle nutzen Mitläufereffekt und „Herdentrieb“: Menschen sollen folgen, weil angeblich alle anderen bereits dabei sind. Der Hinweis auf den „normalen Menschen“ behauptet, die eigene Position entspreche der Mehrheit und dem gesunden Menschenverstand.
Wiederholung, Lernen und Verhaltenslenkung
Ad nauseam bezeichnet die fortgesetzte Wiederholung einer Behauptung, eines Schlagworts oder Slogans, bis sie als wahr akzeptiert wird oder kein Widerspruch mehr erfolgt. Wiederholung macht Symbole, Bilder, Jingles und Aussagen erinnerlich. Slogans sind kurze, auffällige Sätze, die häufig über emotionale Appelle, Etiketten und Stereotype wirken. Tatsachenbehauptungen stellen Meinungen ohne Begründung als Fakten dar und lassen Zweifel unsinnig erscheinen; als Beispiel wird der Nazislogan „Europas Sieg, dein Wohlstand“ genannt.
Klassische Konditionierung bedeutet: Wenn A regelmäßig zusammen mit B erscheint und B eine körperliche Reaktion wie Ekel oder Lust auslöst, kann später A allein dieselbe Reaktion hervorrufen. Der Artikel bezeichnet operante Konditionierung als Lernen durch Nachahmung, etwa wenn eine attraktive Person beim Kauf eines Produkts beobachtet wird. Kognitive Dissonanz ist das unangenehme Nebeneinander unvereinbarer Vorstellungen. Sie kann ausgenutzt werden, indem etwa ein beliebter Schauspieler einen ungeliebten politischen Kandidaten unterstützt. Klischeevorstellungen können als vermeintliche Volksweisheiten ebenfalls Dissonanz unterdrücken.
Die Fuß-in-der-Tür-Technik beginnt mit einem kleinen Geschenk oder einer kleinen Bitte und fordert anschließend eine größere Gegenleistung. Die Door-in-the-face-Technik beginnt dagegen mit einer überhöhten Forderung: Soll ein Artikel für 100 US-Dollar verkauft werden, wird zunächst etwa ein Preis von 200 US-Dollar verlangt und danach auf 100 US-Dollar reduziert. Bei der Veränderung der Akzeptanzgrenze lässt eine extreme Position gemäßigtere Forderungen akzeptabler erscheinen; alternativ wird zunächst eine gerade noch akzeptierte Position vertreten und später schrittweise verschoben.
Diktat vereinfacht Entscheidungen durch Bilder und Wörter, die eine konkrete Handlung anordnen, etwa Uncle Sams „Ich will dich“. Teile und herrsche erhält Macht, indem größere Machtkonzentrationen in schwächere Einzelteile zerlegt werden. Soziale Kontrolle arbeitet mit Gruppendruck; soziale Isolierung trennt Menschen von ihrer bisherigen Unterstützung und ersetzt sie durch eine Gruppe, die mit Zuneigung ihre Werte beeinflusst. Astroturfing täuscht mithilfe weniger Personen und sogenannter Sockenpuppen eine breite Bewegung vor. Beim virtuellen Krieg stabilisiert ein erfundener oder künstlich erhaltener Konflikt in George Orwells „1984“ das totalitäre System; nach Mark Danner sind solche virtuellen Kriege in der Realität nur bei der Konfliktvorbereitung wirksam oder Teil wirklicher Konflikte.