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Tastaturbelegung

Die Tastaturbelegung (auch Tastaturlayout) beschreibt sowohl die Kodierung der einzelnen Tasten als auch deren Lage und Anzahl auf der Tastatur einer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Wichtige Tasten und Funktionen
  3. 3. QWERTY, QWERTZ und AZERTY
  4. 4. Deutschsprachige Standardbelegungen
  5. 5. Andere Länder und Mehrsprachigkeit
  6. 6. Ergonomie und Alternativen

Grundidee und Aufbau

Eine Tastaturbelegung, auch Tastaturlayout, beschreibt, welche Tasten es auf einer Tastatur gibt, wo sie liegen und welche Zeichen oder Funktionen sie auslösen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der physischen Belegung, also der mechanischen Anordnung und Beschriftung der Tasten, und der per Software veränderbaren Zuordnung von Zeichen und Funktionen zu Tasten.

Bei heutigen PC-Tastaturen hat sich seit dem IBM Model M (1984–1999) eine Einteilung in drei Blöcke durchgesetzt. Der Hauptblock enthält Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen, Sonderzeichen und wichtige Eingabetasten. Der Cursorblock enthält Pfeiltasten sowie meist Pos1, Ende, Bild auf, Bild ab, Entf und Einfg. Der Ziffernblock dient zur schnellen Eingabe von Zahlen und Rechenzeichen; er ist wie ein Taschenrechner angeordnet, also mit 7, 8 und 9 oben. Mit der Num-Taste kann der Ziffernblock zwischen Zahleneingabe und Cursorsteuerung umgeschaltet werden.

Beim Hauptblock gibt es zwei wichtige physische Varianten. Die in Europa verbreitete ISO-Tastatur, auch 102/105-Tasten-Tastatur, hat eine zweizeilige Eingabetaste und eine zusätzliche Taste rechts neben der linken Umschalttaste. Die US-amerikanische ANSI-Tastatur, auch 101/104-Tasten-Tastatur, hat diese zusätzliche Taste nicht und eine andere Form der Eingabetaste.

Wichtige Tasten und Funktionen

Im Hauptblock liegen die allgemeinen Eingabetasten: Buchstaben A bis Z, Ziffern 1 bis 0, Satz- und Sonderzeichen, Leertaste, Tabulatortaste, Eingabetaste und meist Funktionstasten F1 bis F12. Im Ziffernblock befinden sich Ziffern, Dezimalkomma oder Dezimalpunkt, die Grundrechenarten, Num Lock und eine eigene Enter-Taste.

Umschalttasten geben anderen Tasten eine zweite, dritte oder weitere Bedeutung. Strg beziehungsweise Ctrl dient vor allem für Tastenkombinationen. Shift erzeugt zum Beispiel Großbuchstaben oder eine Zweitbelegung. Caps Lock beziehungsweise Feststelltaste fixiert je nach System die Großschreibung oder die Zweitbelegung. Alt wird für Tastenkombinationen genutzt, Alt Gr für Drittbelegungen. Auf Apple-Systemen gibt es unter anderem Wahl/Alt und Befehl/Command. Die Fn-Taste kommt besonders auf kleineren Tastaturen vor und aktiviert zusätzliche Funktionen.

Bearbeitungstasten verändern Text. Backspace löscht das Zeichen vor dem Cursor, Entf/Delete löscht das Zeichen nach dem Cursor, und Einfg/Insert schaltet traditionell zwischen Einfügen und Überschreiben um. Tottasten dienen zur Eingabe von Zeichen mit Akzenten oder anderen diakritischen Zeichen, etwa ´, ` oder ^. Die Compose-Taste, vor allem aus Unix-Umgebungen bekannt, setzt Sonderzeichen aus mehreren Eingaben zusammen, zum Beispiel ø aus Compose, o und /.

Cursor- und Funktionstasten steuern Programme und die Schreibmarke. Pfeiltasten bewegen den Cursor, Bild auf/Bild ab springen seitenweise, Pos1/Home und Ende/End springen je nach Programm an Anfang oder Ende einer Zeile, Auswahl oder eines Dokuments. Funktionstasten sind meist F1 bis F12; in Windows steht F1 häufig für Hilfe, F2 für Umbenennen oder Bearbeiten, F3 für Suchen, F5 für Aktualisieren, F10 für Menüaufruf, F11 für Vollbild und F12 für Speichern unter. Sondertasten wie Esc, Pause, Windows-Taste, Menü-Taste oder Command haben systemabhängige Aufgaben.

QWERTY, QWERTZ und AZERTY

Für Sprachen mit lateinischer Schrift sind QWERTY, QWERTZ und AZERTY die wichtigsten Buchstabenanordnungen. Ihre Namen stammen von den ersten sechs Tasten der obersten Buchstabenreihe. QWERTY ist im englischen Sprachraum verbreitet, QWERTZ im deutschen Sprachraum und auch in Teilen Mittel- und Osteuropas, AZERTY im französischen Sprachraum Europas außer der Schweiz. Diese Namen beschreiben aber nur die Buchstabenfolge; sie sagen nichts über Satzzeichen, Sonderzeichen, zusätzliche sprachspezifische Buchstaben, die Form der Eingabetaste oder das Vorhandensein einer zusätzlichen Taste neben Shift aus.

Die QWERTY-Anordnung geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Christopher Latham Sholes ordnete 1868 die Tasten einer Schreibmaschine nicht mehr alphabetisch an. Ziel war nicht flüssigeres Schreiben, sondern das räumliche Trennen häufiger Buchstabenfolgen, damit sich Typenhebel mechanischer Schreibmaschinen seltener verhakten. Sholes meldete 1875 eine Schreibmaschine mit QWERTY-Belegung zum Patent an. Die Anordnung setzte sich erst um 1920 gegen andere Belegungen durch.

Die internationale Norm ISO/IEC 9995-2 gibt eine unverbindliche Empfehlung zur Anordnung lateinischer Buchstaben. Sie lässt Varianten zu, sodass QWERTY, QWERTZ und AZERTY der Empfehlung entsprechen können. Bei QWERTZ sind Z und Y gegenüber QWERTY vertauscht. Für Deutsch ist das nützlich, weil Z viel häufiger vorkommt als Y. Gleichzeitig liegen T und Z sowie Z und U nahe beieinander, was für Sichtschreiber bestimmte häufige Gruppen leichter erfassbar machen kann; für Zehnfingerschreiber kann „Zu“ aber langsamer sein, weil Z und U mit demselben Finger nacheinander getippt werden.

Deutschsprachige Standardbelegungen

Im deutschsprachigen Raum sind Tastaturbelegungen normiert und an die verwendeten Sprachen angepasst. Deutschland und Österreich nutzen DIN-genormte Tastaturen. In der Schweiz und in Liechtenstein wird wegen der Mehrsprachigkeit eine Schweizer QWERTZ-Belegung verwendet, die für Deutsch, Französisch und Italienisch angepasst ist. Luxemburg hat keine eigene Belegung; in Schulen wird die Schweizer Belegung verwendet, im Banksektor eher die belgische.

In Deutschland und Österreich ist die aktuelle zentrale Norm DIN 2137, erstmals 1976 erschienen, aktuell als DIN 2137-01:2023-08 und DIN 2137-02:2018-12. Sie unterscheidet nicht mehr zwischen Schreibmaschinen und Datenverarbeitungsgeräten. DIN 2137-01:2023-08 definiert drei Belegungen: T1, E1 und E2. T1 entspricht im Wesentlichen der bisherigen deutschen Tastatur für Daten- und Textverarbeitung und bildet den größten Teil des Bestands deutscher Rechnertastaturen ab.

E1 ist eine erweiterte deutsche Belegung. Sie ermöglicht zusätzlich die Eingabe aller diakritischen Zeichen und Sonderbuchstaben für europäische Amtssprachen und europäische Minderheitensprachen mit Lateinschrift, vietnamesischer diakritischer Zeichen, wissenschaftlicher Transliterationen, europäischer Satzzeichen, einiger Sonderzeichen, griechischer Buchstaben, IPA-Lautschrift und vieler mathematischer Zeichen. Seit Windows 11 Update 2024H2 ist sie als „Deutsch erweitert (E1)“ wählbar. E2 ist eine Variante für Tastaturen mit US-üblicher Tastenzahl und -anordnung, also ohne die „<“-Taste links unten. Seit Windows 11 Update 2024H2 ist auch „Deutsch erweitert (E2)“ wählbar. Die ältere T2-Belegung aus DIN 2137-01:2012-06 wurde 2018 durch E1 abgelöst und fand nur begrenzte Verbreitung.

Die Schweizer Tastaturbelegung ist in SN 074021:1999 festgelegt und in allen Sprachregionen gleich. Sie soll die Arbeit in einem mehrsprachigen Land erleichtern. Softwareseitig gibt es eine deutsch-schweizerische und eine französisch-schweizerische Einstellung; sie unterscheiden sich vor allem bei ä, ö, ü beziehungsweise à, é, è. Das ß fehlt, weil im Schweizer Hochdeutsch ss geschrieben wird. Die Feststelltaste wirkt anders als auf deutschen Tastaturen nicht als Umschaltsperre für die Zahlenreihe.

Andere Länder und Mehrsprachigkeit

Viele Länder verwenden eigene Tastaturbelegungen. Dänemark nutzt eine QWERTY-Buchstabenanordnung, die strukturell der deutschen T1-Belegung ähnlich ist. Frankreich und Belgien verwenden AZERTY-Belegungen, die sich bei einigen Satz- und Sonderzeichen unterscheiden. Gegenüber US-QWERTY sind unter anderem A und Q, Z und W vertauscht; M liegt rechts von L; Ziffern werden mit Shift erreicht, während Zeichen wie é, è, ç und à ohne Shift erreichbar sind. Die französische Microsoft-Windows-AZERTY-Variante erfüllt nicht die Anforderung der Imprimerie Nationale für akzentuierte Großbuchstaben.

2019 erschien in Frankreich die Norm NF Z71-300:2019-04 mit der erweiterten Belegung AZERTY amélioré. Sie ermöglicht die Eingabe aller lateinschriftlichen europäischen Amts- und Minderheitensprachen mit Sonderbuchstaben und zusätzlichen diakritischen Zeichen, darunter französische Großbuchstaben mit Akzenten. Außerdem wurden Satz- und Sonderzeichen neu angeordnet oder ergänzt, und spezielle Wahltasten ermöglichen griechische Buchstaben sowie viele Währungszeichen. Parallel wurde die ergonomische BÉPO-Belegung standardisiert.

Die US-Tastaturbelegung nach ANSI-INCITS 154-1988 wird in den USA und mehreren anderen englischsprachigen Ländern verwendet, aber nicht im Vereinigten Königreich oder Irland. Sie besitzt keine Alt-Gr-Taste und keine Tottasten und eignet sich daher kaum für Sprachen mit Akzenten oder diakritischen Zeichen. Ihr Zeichensatz entspricht dem sichtbaren ASCII-Zeichensatz ohne Steuerzeichen. US-International erweitert die US-Belegung mit Tottasten ', `, ", ^ und ~ sowie Alt Gr, sodass unter anderem ß und € eingegeben werden können; sie bleibt aber für manche Sprachen unvollständig. Die UK-Belegung basiert auf BS 4822 und unterscheidet sich bei Satz- und Sonderzeichen von der US-Belegung. Polen hat seit 2021 eine erweiterte polnische Belegung mit zł-Symbol in QWERTZ- und QWERTY-Versionen.

Multilinguale Tastaturen sollen mehrere Sprachen abdecken. Tschechische und ungarische Tastaturen erlauben die Eingabe mehrerer mittel- und osteuropäischer Sprachen. Auch die deutschen E1- und E2-Belegungen sowie die ältere T2 sind multilingual. Mit Unicode und individuellen Tastaturbelegungen in X-Window-Systemen lassen sich außerdem viele kombinierende Zeichen, geschützte Bindestriche, deutsche Anführungszeichen oder mathematische Zeichen verfügbar machen.

Ergonomie und Alternativen

QWERTY-, QWERTZ- und AZERTY-Belegungen werden wegen mangelnder Ergonomie kritisiert. Alternativbelegungen sollen die Belastung der Hände gleichmäßiger verteilen, starke Finger wie Zeige- und Mittelfinger stärker nutzen und Wege der Finger verkürzen. Dabei bleibt die Hardware meist gleich; geändert wird vor allem die Zeichenanordnung. Das ist von Reformtastaturen zu unterscheiden, die auch die Form oder Anordnung der Tasten und des Tastaturkörpers verändern.

Die Kritik an den Standardbelegungen betrifft lange Fingerwege und eine mögliche starke Belastung äußerer Finger. Ein Zusammenhang mit Krankheiten wie Repetitive-Strain-Injury-Syndrom oder Sehnenscheidenentzündung ist laut Artikel jedoch nicht durch gesicherte Daten belegt. Paul David deutet das Festhalten an QWERTY als Pfadabhängigkeit: Eine einmal etablierte Norm wird durch Industrie, Berufe, Nutzer, Produzenten und Märkte gestützt, wodurch Alternativen wie Dvorak schwerer durchsetzbar werden. Alternativbelegungen haben außerdem praktische Probleme, weil bekannte Tastenkombinationen wie Strg+S, Strg+C oder Strg+V ungünstiger liegen können und manche Programme statt Zeichenbelegungen Tastencodes auslesen.

Zu älteren Alternativen gehören Blickensderfer-Belegungen von 1893–1917, die häufige Buchstaben in die Grundreihe legten, sowie die bulgarische Standardtastatur, die 1907 entwickelt, 1908 veröffentlicht und seit 1978 nationaler Standard ist. Die Dvorak-Belegung entstand in den 1930er Jahren nach ergonomischen Gesichtspunkten; Studien und Bewertungen dazu werden im Artikel als widersprüchlich dargestellt.

Deutschsprachige neuere Ansätze sind Neo, „Aus der Neo-Welt“ mit KOY und RISTOME. Neo wurde 2004 von Hanno Behrens initiiert und ordnet Buchstaben nach Häufigkeit, um Schreibkomfort, kurze Wege und Ergonomie zu verbinden; häufige Tastenkombinationen wie Strg+C, Strg+X, Strg+V und Strg+Z bleiben mit einer Hand bedienbar. AdNW von 2010 baut auf Neo auf, ordnet aber Buchstaben sowie Punkt und Komma anders an; KOY ist eine Variante davon. RISTOME gewann 2005 bei Jugend forscht, verbreitete sich aber bis März 2017 nicht nennenswert. Für andere Sprachen nennt der Artikel Colemak für Englisch, seit Windows 11 Update 2024H2 verfügbar, und Bépo für Französisch, das etwa 80 % der Anschläge in die mittlere Buchstabenreihe legen soll.

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