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William Harvey

Zudem verfasste Harvey in seinem zweiten Essay über den Blutkreislauf die erste genaue Beschreibung einer Herzbeuteltamponade. ... Biologie. Das …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und zentrale Entdeckung
  2. 2. Ausbildung und ärztliches Wirken
  3. 3. Blutkreislauf und wissenschaftliche Methode
  4. 4. Embryologie und Schriften

Bedeutung und zentrale Entdeckung

William Harvey (* 1. April 1578 in Folkestone/Grafschaft Kent; † 3. Juni 1657 in Roehampton, einem Stadtteil von London) war ein englischer Arzt und Anatom. Er gilt als Wegbereiter der modernen Physiologie, also der Lehre von den Funktionen des Körpers. Entscheidend war sein experimenteller Nachweis des großen Blutkreislaufs, auch Körperkreislauf genannt. Seine 1628 veröffentlichte Schrift „Über die Bewegung des Herzens und des Blutes“ beschrieb erstmals, dass das Blut im Körper zirkuliert.

Damit stellte Harvey die seit etwa 14 Jahrhunderten einflussreiche Lehre des Arztes Galen infrage. Nach dieser Auffassung wurde Blut ständig in der Leber neu gebildet und durch die Kontraktion der Arterien bewegt. Ein geschlossener Kreislauf des Blutes erschien darin nicht denkbar. Harveys Forschung wurde zu einer Grundlage der heutigen Kardiologie und damit auch der Herzchirurgie.

Ausbildung und ärztliches Wirken

Harvey war das älteste von neun Kindern des Kaufmanns Thomas Harvey und dessen Ehefrau Joan. An der King’s School in Canterbury lernte er Latein und Griechisch. Ab 1593 studierte er am Caius College der Universität Cambridge und schloss 1597 mit dem Bachelor of Arts (Baccalaureus artium) ab.

Von 1599 bis 1602 studierte er Medizin an der Universität Padua, damals einer besonders angesehenen medizinischen Fakultät. Dort wurde er im April 1602 zum Doctor medicinae promoviert. Sein wichtiger Lehrer war der Chirurg und Anatom Hieronymus Fabricius ab Aquapendente. Fabricius hatte Venenklappen genau untersucht, ihre Bedeutung jedoch noch nicht erkannt. Venenklappen sind Strukturen in Venen, die den Rückfluss des Blutes verhindern.

In London eröffnete Harvey eine Praxis und heiratete Elizabeth Browne, die Tochter des Leibarztes von Königin Elisabeth I. 1607 wurde er Mitglied des Royal College of Physicians. 1608 berief König James I. ihn an seinen Hof; ab 1625 war er auch Leibarzt von Charles I. Charles I. unterstützte seine Forschungen. Seit 1615 hielt Harvey Vorlesungen über Physiologie und Anatomie. Bereits 1616 erläuterte er dort seine Theorie der Blutbewegung, zwölf Jahre vor ihrer gedruckten Veröffentlichung.

1636 reiste Harvey in einer Gesandtschaft zu Kaiser Ferdinand II. nach Regensburg und anschließend nach Italien. Die Reise fand während des Dreißigjährigen Krieges statt; ein darüber geführtes Tagebuch erschien 2011 unter dem Titel Blutiger Sommer. Nach seiner Rückkehr arbeitete Harvey wieder als Arzt in London. Mit 79 Jahren starb er an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde in Hempstead im Distrikt Uttlesford begraben.

Blutkreislauf und wissenschaftliche Methode

Harveys 72-seitiges Werk Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus („Anatomische Studie über die Bewegung des Herzens und des Blutes in Tieren“), kurz De motu cordis, erschien 1628 in Frankfurt am Main. Darin beschrieb er den großen Blutkreislauf. Seine Theorie widersprach Galens Lehre und wurde in Europa bekannt, führte aber auch zu scharfer Kritik durch Anhänger Galens. 1649 veröffentlichte Harvey ausführliche Antworten auf diese Kritik.

Für seine Erkenntnisse waren frühere Beobachtungen des kleinen Blutkreislaufs, also des Lungenkreislaufs, durch Serveto und Colombo wichtig. Noch ungelöst blieb zunächst, wie Blut von den Arterien in die Venen gelangt. Der italienische Anatom Marcello Malpighi entdeckte später mithilfe des Mikroskops die Kapillaren. Kapillaren sind feinste Blutgefäße, die Arterien und Venen verbinden. Mit der Beobachtung des Kapillarkreislaufs ergänzte Malpighi Harveys Beweiskette. Erst im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts setzte sich die Zirkulationstheorie durch; zuvor war Harvey sogar als „Circulator“ verspottet worden.

Ein wichtiger Ausgangspunkt war Harveys Zweifel an angeblichen Poren in der Herzscheidewand. Galen hatte solche Poren angenommen; Andreas Vesal konnte sie nicht nachweisen, hielt jedoch weiterhin unsichtbar kleine Poren für möglich. Harvey beschrieb außerdem in seinem zweiten Essay über den Blutkreislauf erstmals genau eine Herzbeuteltamponade, also eine Behinderung der Herzfunktion durch Flüssigkeit im Herzbeutel.

Harvey unterschied klar zwischen Hypothesen und Fakten. Forschungsergebnisse akzeptierte er erst, wenn Kontrollversuche sie bestätigten. Deshalb wird er als erster Forscher angesehen, der wissenschaftliche Methoden auf Biologie und Medizin anwandte. Er berechnete auch die Pumpleistung des Herzens und wandte damit Mathematik bedeutend auf die Biologie an. Er untersuchte dabei nicht das heutige Herzminutenvolumen, sondern wegen ungenauer Zeitmessgeräte ein Halbstundenvolumen. Seine Kreislaufforschung trug Ende des 17. Jahrhunderts dazu bei, Medikamente über die Adern zu verabreichen, also Infusionen und Injektionen einzusetzen, sowie Blutübertragungen durchzuführen.

Embryologie und Schriften

Mit Exercitationes de Generatione Animalium („Übungen über die Erzeugung der Tiere“) von 1651 leistete Harvey wichtige Beiträge zur Embryologie, der Lehre von der Entwicklung eines Lebewesens vor der Geburt oder dem Schlüpfen. Er beschrieb nicht nur einzelne Entwicklungsstadien, sondern betrachtete Entwicklung als dynamischen Prozess.

Harvey widersprach der damals allgemein anerkannten Präformationslehre. Diese ging davon aus, dass ein Lebewesen bereits vollständig vorgebildet sei. Stattdessen vertrat er die Epigenese: Organe entstehen schrittweise aus undifferenzierter Substanz. Nach Harvey überträgt der Samen eine immaterielle „Fruchtbarkeit“ auf die mütterliche Materie; beim Menschen zeige sie sich vor allem im Blut. Der Embryo entwickle sich zunächst über das Zwischenstadium „Ei“ autonom weiter: „Omne animal ex ovo“ – jedes Tier entsteht aus einem Ei. Aus einem ursprünglichen Blutstropfen sollten die Organe in einer festgelegten Reihenfolge hervortreten.

In Anlehnung an Aristoteles nahm Harvey dabei ein formbildendes Prinzip an, das er als „göttlichen Architekten“ bezeichnete. Mit diesen Vorstellungen blieb er zunächst Außenseiter. Der epigenetische Ansatz setzte sich, ohne dieses metaphysische Beiwerk, erst im frühen 19. Jahrhundert gegen den Präformismus durch.

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