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Suite (Musik)

Eine Suite (französisch suite: „Folge“ oder „Abfolge“) ist in der Musik eine Abfolge von Instrumental- oder Orchesterstücken – meistens (in der Tanzsuite) …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundform
  2. 2. Anfänge in der Renaissance
  3. 3. Die klassische barocke Suitenfolge
  4. 4. Ouvertürensuiten für Orchester
  5. 5. Veränderungen seit 1750
  6. 6. Suite in Jazz, Rock und außereuropäischer Musik

Begriff und Grundform

Eine Suite ist eine Abfolge von Instrumental- oder Orchesterstücken, die meistens ohne längere Pausen hintereinander gespielt werden. In einer Tanzsuite handelt es sich überwiegend um Tänze, gelegentlich auch um Charakterstücke. Im 17. Jahrhundert setzte sich zunächst die Bezeichnung Partita durch; im Französischen wurde auch Partie verwendet, im Englischen bei William Lawes Sett. Eine Suite mit einer französischen Ouvertüre als Einleitung heißt häufig Ouvertüre oder Ouvertürensuite. François Couperin verwendete für seine Suiten die Bezeichnung Ordre.

Die Suitensatzform bezeichnet das typische Modell vieler Einzelsätze hoch- und spätbarocker Suiten, etwa bei J. S. Bach, Telemann und Händel. Sie besteht grundsätzlich aus zwei Teilen, die jeweils mit einem Wiederholungszeichen enden. Der erste Teil führt meist von der Tonika zur Dominante, der zweite von der Dominante zur Tonika zurück. Dieser Rückweg kann durch Modulationen und gegebenenfalls eine Kadenz erweitert sein, beispielsweise zur Tonikaparallele. Tempo und musikalischer Charakter bleiben in beiden Teilen normalerweise einheitlich.

Manche Tänze bilden eine symmetrische Dreiteiligkeit nach dem Dacapo-Prinzip, zum Beispiel Bourrée I – Bourrée II – Bourrée I oder Menuett – Trio – Menuett. Der Mittelteil kann in der Paralleltonart stehen, eine Variation enthalten oder bei Orchestersuiten durch eine kleinere Besetzung gekennzeichnet sein. Nicht alle Sätze folgen jedoch der zweiteiligen Suitensatzform. Präludien können frei, durchkomponiert oder anders geformt sein. Eine französische Ouvertüre wechselt ihren Charakter und ihr Tempo, auch wenn sie nur zweiteilig angelegt ist.

Weitere Ausnahmen sind Rondos nach dem Muster A-B-A-C-A..., die besonders in Frankreich beliebt waren. Auch Menuette oder Gavotten können als Rondo erscheinen, etwa als Menuet en Rondeau. Chaconne und Passacaille folgen entweder einer Variations- oder einer Rondoform. Frühe Suiten mit Pavane, Gaillarde oder Courante waren häufig dreiteilig und entsprechen daher ebenfalls nicht dem späteren Modell.

Anfänge in der Renaissance

Etienne du Tertre verwendete 1557 erstmals die Bezeichnung „Suite“ für seine suyttes de bransles, die aus mehreren Branlen bestanden.

Als Vor- oder Frühformen gelten paarweise verbundene Tänze aus einem Vortanz und einem folgenden Nachtanz, auch Hupfauf, Hupff Auff oder Auff und Auff genannt. Der Vortanz war häufig ein geradtaktiger Tanz in langsamerem oder mäßigem Tempo, während der Nachtanz schneller und im Dreiertakt war. Beide Tänze bildeten meist eine tonartliche Einheit; der Nachtanz war häufig, aber nicht zwingend, eine musikalische Variation des Vortanzes.

Bekannte Kombinationen waren Pavana – Galliarda, Passamezzo – Saltarello und Dantz – Proporz. Teilweise wurde das Paar durch einen dritten Tanz erweitert. Beispiele sind Pavana – Saltarello – Piva in Joan Ambrosio Dalzas Intabolatura de Lauto, gedruckt 1508 bei Petrucci, sowie die 1529 und 1530 von Pierre Attaingnant veröffentlichte Folge Basse danse „La brosse“. Weitere dreiteilige Urformen waren Basse danse – Recoupe – Tourdion und Passamezzo – Padoana – Saltarello. Nach Ansicht mancher Autoren entwickelten besonders Lautenisten die Verbindung von Vor- und Nachtanz zur Suite weiter.

Die klassische barocke Suitenfolge

In der Barockmusik stehen die Stücke einer Suite meistens in derselben Tonart und sind in der Regel echte oder stilisierte Tänze. Der Zusammenhang entsteht neben der gemeinsamen Grundtonart auch durch gemeinsame musikalische Substanz, also durch wiederkehrende musikalische Elemente.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden erkennbare Suitenformen, etwa in Paul Peuerls Newe Padouan, Intrada, Dantz, und Galliarda von 1610 und in Johann Hermann Scheins Banchetto musicale von 1617. Die deutsche Variationensuite verwendete unter anderem die Folgen Paduana – Intrada – Dantz – Galliarda oder Pavana – Galliarde – Allemande – Courante. In England prägte William Lawes den Begriff Set für Ensemble-Suiten. Seine Royal Consort Setts hatten meist 6 bis 7 Sätze und endeten fast immer mit einer Saraband; die übrige Reihenfolge war nicht festgelegt.

Die klassische Suitenfolge entstand ungefähr zwischen 1640 und 1670 durch Chambonnières, Froberger und Louis Couperin unter dem Einfluss französischer Lautenisten wie Denis Gaultier. Sie lautete:

Allemande – Courante – Sarabande – Gigue.

Die Gigue kam später hinzu. Froberger stellte sie häufig an die zweite Stelle, zwischen Allemande und Courante. Besonders in Frankreich wurde die Reihenfolge jedoch flexibel gehandhabt. Präludien oder Préludes standen im 17. Jahrhundert oft am Anfang. Französische Cembalisten verwendeten häufig zwei oder drei Couranten und ergänzten die Folge unter dem Einfluss von Jean-Baptiste Lullys Balletten und Divertissements durch weitere Tänze, die auch Galanterien genannt wurden: Menuett, Gavotte, Chaconne, Passacaille, Canarie, Bourrée, Passepied oder Rondeau. In Frankreich endete eine Suite häufig mit Gavotte und/oder Menuett, in deutschen Solosuiten meist mit der Gigue.

Bach benutzte die klassische Ordnung als Grundlage seiner Französischen und Englischen Suiten, seiner Cembalopartiten sowie seiner Suiten für Violoncello, Violine, Laute und Traversflöte. Zusätzliche Galanterien setzte er zwischen Sarabande und Gigue. Händel orientierte sich ebenfalls an der klassischen Folge, behandelte sie aber freier; in einzelnen Suiten fehlen traditionelle Tänze. Seine Suite in F-Dur HWV 427 von 1720 verwendet keinen der traditionellen Tänze und entspricht formal einer italienischen Sonata da chiesa mit der Folge Adagio-Allegro-Adagio-Allegro.

François Couperin nannte seine Suiten Ordres und machte ab etwa 1710 zahlreiche Charakterstücke beliebt. Die vier traditionellen Tänze traten dabei zunehmend zurück. Außerdem konnten Dur- und Mollvarianten innerhalb einer Suite gemischt werden, beispielsweise g-Moll und G-Dur.

Ouvertürensuiten für Orchester

Am Hof Ludwigs XIV. wurde es Ende des 17. Jahrhunderts üblich, aus Opern oder Balletten von Lully, André Campra, André Cardinal Destouches und anderen Komponisten Suiten von Orchesterstücken zusammenzustellen. Oft stand eine Ouvertüre aus der Oper am Anfang. Auswahl und Reihenfolge der Tänze oder Charakterstücke waren dabei relativ frei und abwechslungsreich; eine einheitliche Tonart war nicht zwingend.

Deutsche Komponisten übernahmen diese Ouvertürensuite, komponierten sie aber zunehmend als eigenständiges Instrumentalwerk und meist in einheitlicher Tonart. Zu den sogenannten „Lullisten“ gehörten Kusser, Georg Muffat, Johann Caspar Ferdinand Fischer und Johann Joseph Fux.

Georg Philipp Telemann soll etwa 1000 Orchestersuiten geschrieben haben, von denen 200 erhalten sind. Sie entsprechen alle der Ouvertürensuite. Einige verwenden Soloinstrumente, andere besitzen ein außermusikalisches Programm, etwa Alster Ouverture, La Bourse, Burlesque de Don Quixote oder Hamburger Ebb’ und Fluth. Johann Sebastian Bach komponierte vier Orchestersuiten. Händel verwendete die Form für die Wassermusik, dort nur für die erste von drei Suiten, und für die Feuerwerksmusik. Auch Johann Friedrich Fasch und Christoph Graupner schrieben zahlreiche Ouvertürensuiten.

Sehr selten kam die Ouvertürensuite auch in der Cembalomusik vor, etwa in Händels Suite g-Moll HWV 432 von 1720 sowie in Bachs Französischer Ouverture h-Moll BWV 831 und Partita Nr. 4 D-Dur BWV 828.

Veränderungen seit 1750

Mit dem Ende des Barockzeitalters um 1750 kam die Suite in der Klassik aus der Mode. An ihre Stelle traten Divertimento, Serenade, Notturno und Kassation, also Instrumentalmusik mit meist unterhaltsamem, heiterem oder tanzartigem Charakter.

Im 19. Jahrhundert bezeichnete Suite häufig eine Zusammenstellung von Instrumentalsätzen aus einer Oper, einer Bühnenmusik oder einem Ballett. Beispiele sind Carmen-Suite, Peer-Gynt-Suite, L’Arlésienne und Nussknackersuite. Die Auswahl konnte vom Komponisten selbst oder von einem Bearbeiter stammen und in mehr oder weniger bunter Folge angeordnet sein. Komponisten wie Camille Saint-Saëns, Jean Sibelius und Pjotr Iljitsch Tschaikowski verwendeten den Begriff außerdem für kleinere Stücke, die durch ein gemeinsames programmatisches Thema verbunden waren. Orchestersuiten nach barockem Vorbild, etwa die Holberg-Suite oder die sieben Suiten von Franz Lachner, blieben Ausnahmeerscheinungen.

Im 20. und 21. Jahrhundert wurde die Bezeichnung in vielen Musikstilen weiterverwendet. Beispiele sind Federico Moreno Torrobas Suite castellana für Gitarre mit Fandanguillo, Arada und Danza sowie Narciso Yepes’ 1971 veröffentlichte Suite española aus Kompositionen von Gaspar Sanz. In der Operette wurden Stücke zunehmend gekürzt und durch Überleitungen verbunden; daraus entwickelte sich das Potpourri, dessen Tradition im Medley fortlebt.

In Salon- und Radiomusik erschien die Suite als Auszug aus Bühnenwerken oder als Folge von Tänzen und Charakterstücken. Auch Filmmusiksuiten sind verbreitet. Sie stellen oft ein zusammengeschnittenes Best-of eines Soundtracks dar; die Teile können durch Crossfades verbunden sein, sodass manche Stücke nur fragmentarisch erklingen. Häufig steht eine solche End-Credits Suite am Ende eines CD-Scores. Für Orchesterkonzerte gibt es neben Originalfassungen auch Bearbeitungen für Laienorchester mit vereinfachter oder reduzierter Instrumentation.

Suite in Jazz, Rock und außereuropäischer Musik

Auch im Jazz wird die Suite als zusammenhängende Folge mehrerer Teile verwendet. Beispiele sind Duke Ellingtons und Billy Strayhorns Black, Brown and Beige von 1943, Max Roachs Freedom Now Suite von 1960, Oscar Petersons Canadiana Suite von 1964, John Coltranes A Love Supreme von 1965 und Keith Jarretts The Survivors’ Suite von 1976/1977.

In der Rockmusik, besonders im Progressive Rock, finden sich ebenfalls Suiten. Zu den Beispielen gehören Deep Purples April von 1968, Pink Floyds Atom Heart Mother von 1970 und Echoes von 1971, Genesis’ Supper’s Ready von 1972 sowie Renaissance’ Song of Scheherazade von 1975. Das 2017 erschienene Album Murder of the Universe von King Gizzard and the Lizard Wizard besteht aus drei separaten Suiten.

Suitenartige Darbietungsformen entwickelten sich auch außerhalb Europas. Ein Beispiel ist der Radif im iranischen Kulturraum.

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