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Stromgröße
Bestandsgrößen werden auf Bestandskonten in der Bilanz verbucht, die zum Bilanzstichtag (meist der 31. Dezember) ermittelt werden. Stromgrößen werden auf …
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Begriff und Bedeutung
Eine Stromgröße, auch Bewegungsgröße oder Flussgröße (englisch flow), bezeichnet in den Wirtschaftswissenschaften eine Größe, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums gemessen wird. Sie kann in Geldeinheiten bewertet oder in physikalischen Einheiten gemessen werden. Ihr Gegensatz ist die Bestandsgröße: Diese beschreibt einen Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Entscheidend ist die Zeitangabe. So ist etwa die Anzahl der Insolvenzen im gesamten Jahr 2010 eine Stromgröße, während die Einwohnerzahl Kölns zum 31. Dezember 2016 eine Bestandsgröße ist. Auch Monatseinkommen und Jahreseinkommen unterscheiden sich erheblich, obwohl beide Einkommen betreffen.
Nicholas Gregory Mankiw erläutert den Zusammenhang mit einer Badewanne: Die vorhandene Wassermenge ist der Bestand. Wasser, das hinein- oder herausfließt, ist eine Stromgröße. Zu- und Abflüsse verändern somit den Bestand.
Messung und Zusammenhang mit Beständen
Der Zahlenwert einer Stromgröße kann beispielsweise in Euro oder Kilogramm angegeben werden. Ihre Dimension lautet daher „Geld- oder Mengeneinheiten pro Zeitraum“. Mathematisch enthält die Dimension einer Stromgröße ein Mitglied der Dimensionsklasse „Zeit“ mit einem von Null verschiedenen Exponenten. Bestandsgrößen enthalten dagegen keine Zeitdimension.
Eine Stromgrößenrechnung erfasst Umfang und Struktur ökonomischer Größen mit der Dimension „Euro pro Zeitraum“. Stromgrößen werden durch Summation aggregiert, also für einen Zeitraum zusammengezählt.
Jede Stromgröße verändert die zugehörige Bestandsgröße: Zugänge erhöhen einen Bestand, Verbrauch und Abgänge verringern ihn. Die Differenz zwischen positiven und negativen Bestandsgrößen einer Periode zeigt, um wie viel sich der Bestand in diesem Zeitraum erhöht oder vermindert. Spart ein Privathaushalt beispielsweise einen Teil seines Einkommens, steigt sein Vermögen oder seine Schulden sinken. Die Währungsreserve verändert sich entsprechend durch Zu- und Abflüsse von Devisen.
Wichtige Arten von Stromgrößen
In der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre treten Stromgrößen sowohl als physische Größen als auch als Geldgrößen auf.
In der Volkswirtschaftslehre zählen zu den physischen Stromgrößen Auswanderung, Einwanderung, Geburtenziffer, Güterstrom, Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr, Sterbeziffer und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes im Jahr. Wird die Geldmenge als Bestandsgröße mit ihrer Umlaufgeschwindigkeit als Stromgröße multipliziert, entsteht eine Stromgröße; dies steht im Zusammenhang mit der Quantitätsgleichung. Geldeinheiten als Stromgrößen sind unter anderem Bruttoinlandsprodukt, Export und Import, Geldstrom, Investitionen, Sparen, Steuern und Volkseinkommen.
In der Betriebswirtschaftslehre sind Absatzvolumen pro Tag, Schadstoffausstoß pro Stunde, Warenausgang und Wareneingang physische Stromgrößen. Zu den in Geldeinheiten ausgedrückten Stromgrößen gehören Cashflow, Einkommen, Erträge, Gewinn, Kosten, Umsatzerlöse und Zahlungsstrom. Werden Schulden als Bestandsgröße durch den Cashflow als Stromgröße dividiert, ergibt sich mit dem Verschuldungsgrad eine Stromgröße.
Diese Größen können zugleich volks- oder betriebswirtschaftliche Kennzahlen sein. Die Grundbegriffe des Rechnungswesens – Einzahlung und Auszahlung, Einnahme und Ausgabe sowie Aufwand und Ertrag – beziehen sich auf Vermögensflüsse und sind deshalb Stromgrößen.
Stromgrößen im Jahresabschluss
Der Jahresabschluss eines Unternehmens enthält Bestands- und Stromgrößen. Bestandsgrößen werden auf Bestandskonten der Bilanz erfasst und zum Bilanzstichtag ermittelt, meist zum 31. Dezember. Stromgrößen stehen auf Erfolgskonten, also Aufwands- und Ertragskonten, und werden in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.
Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt kumulierte Erfolgszahlen eines gesamten Geschäftsjahres, beispielsweise Umsatz, Kosten und Erträge. Aus mehreren Stromgrößen kann der EBIT ermittelt werden:
Umsatzerlös +/- Bestandsveränderungen
- aktivierte Eigenleistungen
- Materialaufwand
- Personalaufwand
- sonstige betriebliche Aufwendungen
- sonstige betriebliche Erträge
- Abschreibungen auf das Anlagevermögen
- Zuschreibungen zum Anlagevermögen = EBIT
Auch die Kapitalflussrechnung ist eine betriebswirtschaftliche Stromgrößenrechnung. In der Volkswirtschaftslehre erfüllt die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung diese Funktion.
Kennzahlen aus Bestands- und Stromgrößen
In der Bilanzanalyse lassen sich Bestands- und Stromgrößen zu Kennzahlen verbinden, etwa zur Lagerumschlagshäufigkeit oder zum Debitorenziel. Die Lagerumschlagshäufigkeit ist das Verhältnis von Materialkosten als Stromgröße zum Lagerbestand als Bestandsgröße. Statistische Umschlagskennzahlen setzen stets eine Bestandsgröße mit der Stromgröße in Beziehung, welche diesen Bestand verändert.
Auch volkswirtschaftliche Kennzahlen verbinden beide Arten: Die Kapitalproduktivität verknüpft die Produktionsmenge als Stromgröße mit dem dafür erforderlichen Kapitalstock als Bestandsgröße. Makroökonomische Modelle, die Veränderungen von Beständen und Flussgrößen darstellen, heißen Stock-Flow Consistent Models.