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Stoner Rock
Stoner Rock ist eine Stilrichtung der Rockmusik, die um 1990 innerhalb der Desert-Rock-Szene von Palm Desert entstand. Sie verbindet Elemente von Bluesrock …
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Definition und Einordnung
Stoner Rock ist eine Stilrichtung der Rockmusik, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in den Vereinigten Staaten entstand. Ihr wichtigster Ausgangspunkt war die Desert-Rock-Szene von Palm Desert in Kalifornien. Musikalisch verbindet das Genre vor allem Bluesrock, Doom Metal und Psychedelic Rock; hinzu kommen Einflüsse aus Punk Rock, Acid Rock und frühem Grunge. Typische Instrumente sind E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Zu den Pionieren beziehungsweise frühen prägenden Gruppen zählen Soundgarden, Monster Magnet und Kyuss; wichtige Impulsgeber waren Yawning Man, Saint Vitus, Masters of Reality und The Melvins.
Stoner Rock und Desert Rock sind nicht vollständig gleichbedeutend. Stoner Rock bezeichnet einen bestimmten Musikstil. Desert Rock ist dagegen ein regionaler Dachbegriff für die unterschiedlichen Bands, die aus der Szene rund um Palm Desert hervorgingen. Diese Gruppen konnten sich am Punk, Metal, Hard Rock, Stoner Rock oder Psychedelic Rock orientieren. Yawning Man spielte beispielsweise einen durch Surf Rock erweiterten Psychedelic Rock. Stoner Rock ist daher ein Teil des Desert Rock, während nicht jede Desert-Rock-Band Stoner Rock spielt.
Die Szene verstand sich als Gemeinschaft, in der gemeinsames Jammen wichtiger war als kommerzieller Erfolg oder eine feste musikalische Einordnung. Punk und Metal bildeten ihren soziokulturellen gemeinsamen Nenner. Für härtere, stärker von Punk und Metal geprägte Musik aus diesem Umfeld verwendet der Dokumentarfilmer Jörg Steineck auch den Ausdruck Desert Punk.
Musikalische Merkmale
Die stilprägende Grundlage des Stoner Rock ist der Bluesrock. Charakteristisch sind tief gestimmte und stark verzerrte Gitarren, die teilweise über Bassverstärker gespielt werden, scheppernde Schlagzeugklänge, ein deutlich ausgeprägter Groove und ein insgesamt sehr basslastiger Sound. Der Gesang kann entrückt, hell oder klassisch rockig wirken.
Die Verwandtschaft mit dem Doom Metal zeigt sich hauptsächlich im Gitarrenspiel, insbesondere im Riffing – also in wiederkehrenden, prägenden Tonfolgen – und in der Verzerrung. Der übrige Klang erinnert häufig an die härteren Psychedelic-Rock-Bands der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Als wichtige Vorbilder gelten unter anderem Black Sabbath, The Melvins, Saint Vitus, Blue Cheer, Blue Öyster Cult und Hawkwind. Ergänzt wurden diese Einflüsse durch den brummenden Klang früher Grunge-Bands des Labels Sub Pop.
Typisch ist der starke dynamische Gegensatz zwischen sehr sanften und harten Passagen. Manche Stücke dauern etwa 20 Minuten und besitzen einen ausführlichen Aufbau mit langen meditativen oder jamartigen Abschnitten. Ein Jam ist ein weitgehend freies gemeinsames Musizieren. Häufig eingesetzte Effektgeräte sind Fuzz für einen stark verdichteten, rauen Verzerrklang, Wah-Wah-Pedale zur Veränderung der Klangfarbe sowie Flanger und Distortion.
Entstehung und frühe Szene
Zu den Wegbereitern gehörten Chris Goss mit Masters of Reality und Mario Lalli mit Yawning Man. Yawning Man beeinflusste besonders Kyuss und gilt unter Fans und Musikern als entscheidender Impulsgeber des später so genannten Desert Rock. Zwischen 1986 und 1991 entwickelten The Melvins außerdem einen schleppenden, stark vom Rhythmus bestimmten Metal, der Grunge, Sludge und Stoner Rock nachhaltig beeinflusste.
Mehrere Veröffentlichungen trugen dazu bei, dass sich Stoner Rock als eigenständiges, nicht mehr nur regionales Genre herausbildete: Soundgardens Debütalbum „Ultramega OK“ von 1988, Sleeps „Holy Mountain“ von 1992 sowie die Kyuss-Alben „Blues for the Red Sun“ und „Welcome to Sky Valley“. Sleep spielte dabei Stoner Doom, eine Verbindung von Stoner Rock und Doom Metal, und baute diesen Stil später mit „Dopesmoker“ aus. Parallel zu Palm Desert entwickelte sich in New Jersey unabhängig eine weitere lokale Szene. Aus ihr kamen unter anderem Monster Magnet und The Atomic Bitchwax. Monster Magnet erreichte spätestens mit dem dritten Album „Dopes to Infinity“ Erfolg über die Region hinaus.
Palm Desert galt in den 1990er Jahren als Zentrum des Stoner Rock. Weil es in den umliegenden Städten nur wenige alternative Musikveranstaltungen gab und laute Musik zu Beschwerden führte, wichen Jugendliche in die Wüste aus. Dort entstanden die sogenannten Generator-Partys, bei denen die Instrumente über Generatoren mit Strom versorgt wurden. Die lockeren Auftritte von Yawning Man machten diese Veranstaltungen zu einem Treffpunkt und Geheimtipp der Szene.
Dave Grohl, damals Schlagzeuger von Nirvana, bezeichnete die Entwicklung 1992 im Zusammenhang mit „Blues for the Red Sun“ als musikalische Revolution. Seine öffentliche Unterstützung verschaffte Kyuss große Aufmerksamkeit und trug dazu bei, dass die Band als Vorgruppe von Metallica auftreten konnte. Chris Goss prägte den Klang ebenfalls wesentlich: Sein erstes Album mit Masters of Reality beeinflusste viele Musiker, und ab 1992 arbeitete er in seinen Monkey Studios in Palm Springs an Alben von Kyuss mit. Laut.de bezeichnete ihn deshalb als „Vater des Stoner Rock“.
Niedergang und stilistische Weiterentwicklung
Mit der wachsenden Bekanntheit veränderten sich die Generator-Partys. Statt ungefähr 200 Menschen kamen schließlich mehr als 1500, obwohl es kein festes Veranstaltungsmanagement gab. Gang-Mitglieder, Drogendealer und Polizeieinsätze erschwerten die Organisation zusätzlich. Deshalb fand 1994 die letzte Generator-Party in der Wüste von Palm Desert statt. Yawning Man wurde zeitweise stillgelegt, während sich die Mitglieder Nebenprojekten widmeten.
Kyuss löste sich 1995 nach dem Album „…And the Circus Leaves Town“ auf. Aus dem Umfeld entstanden jedoch neue Gruppen: John Garcia gründete Hermano und kurz darauf Slo Burn. Josh Homme entwickelte aus den Desert Sessions Queens of the Stone Age. Diese Band orientierte sich zunächst noch am Stoner Rock, später aber stärker am Alternative Rock. Der kommerzielle Durchbruch von Kyuss, Queens of the Stone Age und Monster Magnet regte weltweit neue Bands an.
Viele spätere Gruppen verbanden Stoner Rock mit anderen Musikrichtungen. Orange Goblin und Mammoth Mammoth nutzten Hard-Rock-Elemente, während die deutsche Band Colour Haze verschiedene Formen des Psychedelic Rock einbezog. Den schwedischen Truckfighters wurde eine Nähe zur Progressive-Metal-Band Tool zugeschrieben. Aus ehemaligen Mitgliedern früherer Stoner- und Desert-Rock-Bands entstanden Mitte der 2000er Jahre mit Vic du Monte’s Persona Non Grata auch stärker am Post-Punk orientierte Formationen. Daneben blieben Gruppen wie Fu Manchu und die 2017 von John Garcia reaktivierten Slo Burn einem puristischeren Stoner Rock ohne deutliche Fremdeinflüsse treu.
Internationale Verbreitung
Um die Jahrtausendwende entstanden in zahlreichen Ländern eigene Gruppen und Szenen. Dadurch etablierte sich Stoner Rock international als Musikstil zwischen Rock und Metal. Besonders viele Bands bildeten sich in Europa und Amerika.
In Skandinavien lag ein Schwerpunkt in Schweden. Zwischen 1998 und 2001 traten unter anderem Lowrider, Demon Cleaner, Dozer, Greenleaf, Generous Marla, Backdraft, Black Debbath, El Caco, Elephant Bell, Blake und Freedom Bleeder hervor. Im Vereinigten Königreich debütierten The Heads bereits 1996; Cathedral näherte sich Hard Rock und Stoner Doom an. Eine ähnlich geschlossene Szene wie in den Vereinigten Staaten entstand dort jedoch nicht.
In Deutschland gehörten Calamus mit der EP „Road Trax“ von 1998 und Duster 69 mit „Interstellar Burst“ von 1999 zu den ersten Gruppen vor der Jahrtausendwende. Später verbanden unter anderem Black Space Riders, Colour Haze, The Ghost Rockets, Hainloose und Kadavar Stoner Rock mit weiteren Stilen. Kadavar gelangte in Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Charts.
In den Niederlanden näherte sich Celestial Season 1995 mit dem zweiten Album stellenweise dem Stoner Rock an. Danach wurden Bands wie Candybar Planet, 7Zuma7 und Sungrazer auch international bekannt. Viele Formationen aus den Benelux-Staaten veröffentlichten beim deutschen Label Elektrohasch. In Spanien, Frankreich, Italien und Portugal bildete Stoner Rock unter anderem bei Insider, Allhelluja und Low Vibes den gemeinsamen musikalischen Nenner.
Australische und neuseeländische Gruppen verbanden das Genre häufig mit weiteren Einflüssen. Mammoth Mammoth kombinierte es etwa mit Hard Rock; Beastwars erreichte mit den ersten drei Alben hohe Chartpositionen in Neuseeland. In den Vereinigten Staaten erzielte Nebula, gegründet von ehemaligen Mitgliedern von Fu Manchu, auch außerhalb der Szene Aufmerksamkeit und mischte Stoner Rock mit Hard Rock, Metal und Psychedelic Rock.